Hoffnung fürs Wencke-Dock
SPD will das älteste noch erhaltene Trockendock rekonstruieren- Erste Mittel stehen bereit

Das Wencke-Dock an der Geeste ist ein Pfund, mit dem Bremerhaven wuchern kann. Die SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung will das älteste noch erhaltene deutsche Trockendock rekonstruieren und so die große Bremerhavener Schiffbautradition darstellen.

Der Schiffbauer Friedrich Wilhelm Wencke siedelte sich 1833 in Bremerhaven an. Dies war die erste Neugründung eines Schiffbauunter-
nehmens in der Stadt. Mitte der 1840er Jahre errichtete Wencke das Doppel-
trockendock. Hier entstand 1895 mit der "Sagitta" der erste deutsche Hoch-
seefischdampfer. Die Geestemünder Reederei Friedrich Busse hatte die schiffbautechnische Pionierleistung in Auftrag gegeben. Nur fünf Jahre später musste die traditionsreiche Werft Konkurs anmelden. Sie ging in den Besitz von Georg Seebeck über, der den Betrieb weiterführte und 1905/06 seine Unternehmervilla am Rande des Firmengeländes bauen ließ. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das 86 Meter lange Dock unter Bombenschutt verschwunden und fristet trotz einiger "Kosmetik" ein kaum beachtetes Dasein. Das soll nun anders werden.



Kompetente Unterstützung
Das Morgenstern-Museum, nur durch die Geeste vom Wencke-Dock getrennt, war gestern der passende Ort, die Pläne zu präsentieren. Uwe Parpart (SPD) hatte sich dafür kompetenter Mithilfe versichert: Christian Bruns, Geschäftsführer der städtischen  Grundstücksgesellschaft Stägrund, Dr. Alfred Kube und Dr. Anja Benscheidt vom Morgenstern-Museum, Mitglieder der Familie Wencke und Werner Kirschstein, der beim Bauordnungsamt für den Denkmalschutz in Bremerhaven zuständig ist, trugen ihre Überlegungen vor. Und die sind schon weit gediehen: In der Stadtverordnetensitzung am 4. Februar werden SPD und CDU gemeinsam einen Planungsauftrag für die Stägrund beschließen. Erste Mittel stehen bereit. Parpart: "Wir haben 300 000 Mark aus der Stiftung Wohnliche Stadt gesichert."
Christian Bruns möchte in einem ersten Schritt die gefährdete Uferkaje sichern, um Grundlagen für die weitere Arbeit zu schaffen. Bruns: "Über einen Zeitrahmen, Kosten und die nächsten Abschnitte kann man seriös erst zu einem späteren Zeitpunkt sprechen." In jedem Fall sollen die Seebeck-Villa, die der Stägrund gehört, und das Busse-Denkmal in die Planungen einbezogen werden.
Bruns kann auf die Ergebnisse von Vorarbeiten aus dem Jahr 1977 zurückgreifen. Bei so genannten Schürfungen entdeckten die Denkmalschützer gut erhaltene Fragmente der Dockwände und ein Schiffswrack im Dock. Museumsdirektor Kube würde gern einen Nachbau der "Sagitta" ins Dock legen und wünscht sich eine Brücke vom Museum auf das andere Ufer.
Uwe Parpart möchte die Rekonstruktion über EU-Mittel und beschäftigungsfördernde Maßnahmen finanzieren. Er meint: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Topf."

Nordsee-Zeitung vom 25. Januar 2000