Reste der Docks sind noch erhalten 
Wencke errichtet 1833 seine Helling

Bremerhaven. Über mehr als 100 Gräber auf den Friedhöfen Lehe I und II sowie dem jüdischen Friedhof hat der frühere Rektor Willy Wolff Nachforschungen angestellt. Die Namen auf den Grabsteinen spiegeln die Geschichte der jungen Stadt wider. In einer zehnteiligen Serie stellt der Stadtanzeiger einige Männer und Frauen vor, deren Spuren noch heute in der Stadt zu finden sind.



Wer von der alten Geestebrücke an der Fährstraße flußabwärts schaut, erblickt auf dem rechten Ufer die Reste zweier Trockendocks, die von 1895 beziehungsweise 1900 bis zur Zerstörung durch den Luftangriff vom 18. September 1944 von der Seebeckwerft für Schiffsreparaturen genutzt wurden. Ihre Mauern sind teilweise erhalten geblieben, die Becken selbst sind vollgeschlickt, verfüllt. Sie waren die ersten Docks dieser Art in Deutschland.
Das näher der alten Geestebrücke gelegene Dock ließ Friedrich Wilhelm Wencke, der "Schiffszimmerbaas" aus Bremen, erbauen. Im Jahre 1832 kam er nach Bremerhaven und errichtete ein Jahr später hier am Fuße der heutigen Deichstraße, eine Helling, gleich neben seinem Nachbarn Johann Lange, dem Schiffszimmerbaas aus Vegesack, der dort im gleichen Jahr ebenfalls seinen Schiffbauplatz einrichtete. Bereits 1835 lief auf Wenckes Werft das erste in Bremerhaven erbaute Seeschiff, die hölzerne Brigg "Wilhelm Ludwig" vom Stapel. Einige Jahre Jahre später wurden die Docks angelegt. 1840 nahm Lange seinen Reparaturbetrieb darin auf. Um 1845 war Wenckes Dock fertig.
Auf der Wenckewerft entstanden kleinere Seeschiffe wie Fischereifahrzeuge, Wal- und Robbenfänger. Auch als Reeder betätigte sich Wencke, hauptsächlich in der Grönlandfahrt, mit Walfang und Robbenjagd. Die 1867 in Norwegen erbaute und bei Wencke für die Eismeerfahrt umgerüstete Nordische Jacht "Grönland" trug 1868 als erstes deutsches Forschungs-
schiff eine elfköpfige Besatzung in die Gewässer der Arktis. Der nach einer Restaurierung wieder seetüchtige Segler gehört heute zur Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums.
Die Wenckewerft baute den ersten deutschen Fischdampfer, die "Sagitta" (148 BRT), "eine schiffbautechnische Pionierleistung". Von der Firma Busse bereedert, lief der Trawler 1885 zur ersten Fangreise aus.
Im Juni 1900 meldete die Werft Konkurs an. Die Firma Georg Seebeck A.G., Schiffswerft, Maschinenfabrik und Trockendocks, übernahm das Reparaturdock, nachdem Seebeck bereits 1895 das Langesche Dock erworben hatte. Heute ist die Ruine des Wenckedocks als technisches Denkmal geschützt.

Eine der ersten Revisoren
Der Schiffbaumeister Wencke war auch kommunalpolitisch tätig. Er gehörte zu den ersten sechs im Jahre 1837 frei gewählten Revisoren der Ortsverwaltung Bremerhaven. Ihnen oblag die Führung der Wahllisten, die Teilnahme an der Verfassung des jährlichen Budgets und die Prüfung der jährlichen Gemeinderechnung.
Der Park von Friedrichsruh wurde nach Friedrich Wilhelm Wencke benannt. Dort hatte er im Jahre 1850 seinen Ruhesitz erworben. Von hier aus fuhr er regelmäßig in seinem Zweispänner zur Werft.

Nordsee-Zeitung vom 26. März 1998 (Auszug aus: Willy Wolff "Alte Friedhöfe Lehe", 166 Seiten, zahlreiche Fotos, 39,80 Mark)