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Die "Welle" im Schlepptau
Zum Restaurieren nach
Bremerhaven
Die Titanic hielt nicht, was sie versprach. Doch dieser Dampfer ist einfach
nicht unterzukriegen. Dabei war er 1984 und 1986 schon ausgebrannt. 1994 auf
mysteriöse Weise an der Schlachte gesunken. Doch die "Welle"
wurde wieder herausgeholt, ihre unendliche Geschichte geht weiter. Gestern wurde
das einstige Varietéschiff vom Industriehafen zum Restaurieren nach Bremerhaven
geschleppt.

Drei bis vier Jahre, so rechnet Bernd Meyer, Vorsitzender des "Welle"-För
vereins, werden diese Arbeiten wohl dauern. Und wer den bunt bemalten
Kneipendampfer noch in Erinnerung hat, ahnt was sich die an der Seefahrt
interessierten neun Herren des Vereins vorgenommen haben. "Wir wollen das
Schiff wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen", erklärt Meyer. Der
Dampfer könne ein Stück Bremische Geschichte erzählen, alte Schiffstechniken
sollen hier nach Willen der neuen Crew vorgeführt werden.
Für den symbolischen Preis von einer Mark hatte der Verein die
"Welle" im Dezember 1998 erworben und sie so vor der Verschrottung
durch einen Hamburger Schiffsverwerter gerettet. Zwei Millionen Mark, schätzt
Meyer, werden nötig sein, um aus ihr wieder ein akzeptables Ausflugsschiff zu
machen. Skeptiker würden sagen, dass man für diese stolze Summe die schickste
Segelyacht bekomme- sogar im Doppelpack. Doch es soll die "Welle"
sein, "der letzte Zeitzeuge aus dem ersten Weltkrieg" (Meyer). 1915
bei den Bremer Atlas-Werken vom Stapel gelaufen, hat sie 60 Jahre im Weserrevier
ihren Dienst getan, bevor 1975 unter dem Gastronom-
Kapitän Peter Heiss ein Kneipenschiff aus ihr wurde.
"Sie hat historischen Wert", findet Meyer stolz an Deck der im
Schlepptau liegenden "Welle". In spätestens drei Wochen soll sie in
Bremerhaven an Land gehoben werden. Dort wird sie dann in den Originalzustand
von vor über 80 Jahren umgewandelt: Sanierung des Rumpfes, Neubau der Einrich-
tung, Maschinen, Kesselanlage. Alte Pläne seien vorhanden, "und mittler-
weile haben wir auch jede Menge altes Fotomaterial gesammelt", sagt Meyer
begeistert.
Die neun Männer wollen allerdings kein Lebenswerk aus dem Umbau machen, sondern
haben die Sanierung ihres Lieblings als Projekt für Lang-
zeitarbeitslose. Weitere Sponsoren, Spender und auch arbeitswillige Idealisten
werden von ihnen noch gesucht.
Mit etwas Glück ziert das schmucke Ausflugsschiff an seinem 90. Geburts-
tag im Jahre 2005 wieder das Schlachte-Ufer. Liegeplätze gibt es dort ja noch
reichlich, und die optimistischen Seebären haben sich bei der Stadt schon mal
einen im Voraus reserviert.
Weserkurier vom 21. Juli 2000