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Der "Wal" ist noch im Kaiserdock
Geschäftige Betriebsamkeit herrscht zwischen Helgen,
Piers und Docks, Kransirenen, Hammerschläge, Motorenlärm, Männer in Blaumann
und Schutzhelm. Auf der Lloydwerft im Überseehafen wird an modernen
Schiffen wie der "Norwegian Sun" und der "Nils Holgersson"
gebaut. Mittendrin ein Schiff aus einer anderen Zeit. Nautik-Enthusiasten machen
am Kaiserdock I den Dampfeisbrecher "Wal" wieder flott. Ehrenamtlich
und als Freizeitspaß.
Ein Wellenschaden sorgte dafür, dass das 1938 gebaute Schiff seit Weihnachten
eine Zwangspause einlegen musste. Wilfried Logemann und die Männer vom
"Museumsschiff Dampf-Eisbrecher Wal e.V." nutzten die Gelegenheit für
eine Generalüberholung des Schiffes. Auch die Sicherheits-
ausstattung wurde den neuesten Anforderungen angepasst. Am 1. Mai soll
Bremerhavens ältestes noch aktives Seeschiff in die neue Saison starten.
Logemann ist nautischer Leiter des 1990 gegründeten Vereins,
"Bordelektriker" Werner Barkhorn und "Küchenchef" Horst
Lange nennen ihn "Käptn". Mit kritischem Blick inspiziert er das
Schiff. "Ich bin fürs Deck zuständig", sagt der 56-jährige
Hafenlotse. Und dann, fast entschuldigend: "Hier sieht`s natürlich
werftmäßig aus." Kabel, Schläuche und Leitern liegen herum, aber noch
wird schließlich gearbeitet. Und das nicht nur auf dem "Wal". Gleich
hinter dem Schiff mit dem typischen Eisbrecher- Steven liegt der ebenfalls dem
Verein gehörende Schlepper "Goliath"
im Dock. Und am Dalbenpier ist eine Neuerwerbung aufgedockt, das ausgemusterte Quaran-
täneboot des Hafenärztlichen Dienstes Bremerhaven.
Zu tun gibt`s also reichlich und Logemann hätte gern mehr Helfer. Von 180
Vereinsmitgliedern zählen etwa 40 zur Stammbesatzung der Museums-
schiffe. 20 Mann bilden den "harten Kern", sechs haben ein Patent.
Logemann: "Eintreten kann hier aber jeder. Wir haben Kripobeamte, wir haben
Postboten, wir haben alles. Wer keine zwei linken Hände hat, kann hier was
tun." Und mitfahren nach Riga, Kopenhagen oder Warnemünde. 16 Fahrten in
Nord- und Ostsee stehen für 2001 im Terminkalender des "Wal". Die
Fahrtätigkeit sei wichtig, sagt Logemann: " Ein liegendes Schiff ist ein
totes Schiff." Die Besatzung besteht aus 18 Mann, "sechs Maschine,
sechs an Deck, sechs Service". Dazu kommen maximal 18 zahlende Übernach-
tungsgäste.
Jedes der Schiffe hat eine eindrucksvolle Geschichte. Der "Wal" wurde
für den Einsatz auf dem damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanal bei Kiel gebaut. Er ist
hochseetauglich und weist das für Dampfschiffe typische ruhige Fahrgeräusch
auf.
Der "Goliath" ist ein Bergungsschlepper, der mit seinem Flachboden vor
allem fürs Watt geeignet ist. Mit dem 1940 gebauten Schiff wurde nach dem
Zweiten Weltkrieg Gasmunition geborgen. Nach dem Nahostkrieg 1973 kam es auch im
Suez-Kanal zum Einsatz. Heute dient es dem Verein für Fahrten auf der Weser.
Der "Wal" repräsentiert Bremerhaven dagegen auch international.
Vom 1. bis 16. Juni beispielsweise bei den Hanseatischen Tagen in Riga. Kontakt
unter der Telefonnummer 0471-9464648.
Elbe-Weser aktuell vom 14. April 2001