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Brauereischlot abgeknabbert
Jetzt nutzt Autohändler das ehemalige
Victoria-Gebäude

Victoria-Brauerei 1/1996 Foto: P. Müller
Früher stiegen durch den Schlot die Braumalzdüfte in den Himmel über Wulsdorf.
Gestern schlug für den Schornstein der alten Victoria-Brauerei
in der Weserstraße das letzte Stündlein: Ein Bagger knabberte ihn von oben
herunter.
1975 wurde hier zum letzten Mal das legendäre Wappen-Export-Bier gebraut. Dann
stoppte die letzte Brauerei der Stadt ihre Produktion. Zwei Jahre zuvor hatte
die Berliner Kindl-Brauerei den Betrieb von den Familien Kloppenburg/Walter
gekauft, die Produktion dann aber nach Berlin verlagert. Versuche, den
Gebäudekomplex in einem Stück zu verkaufen und anders zu nutzen, schlugen
trotz jahrelanger Bemühungen fehl. Nun soll das Gelände von einem benachbarten
Autohändler genutzt werden.

Historiker hatten vor fünf Jahren Alarm geschlagen und
vergeblich den Erhalt des Gründerzeitensembles gefordert. Die hohen
Renovierungskosten für das rapide verfallende Gebäude standen jedem noch so
gut gemeinten Versuch im Wege, die beispielhafte Verbindung aus Wohnhaus, Kontor
und Brauhaus zu erhalten.
Nicht mal der Abtritt mit einem Knall war dem alten Schornstein jetzt vergönnt:
Weil bei einer Sprengung benachbarte Gebäude gefährdet worden wären,
entschied das Stuhrer Abbruchunternehmen Nienaber GmbH dafür, das Wahrzeichen
von einem an einem Autokran aufgehängten Bagger herunterbeißen zu lassen.
Nordsee-Zeitung vom 22.02.1996