![]()
![]()
Das Historische Museum erinnert per Ausstellung an den
Ozeanriesen "United States"
Eine sehr flinke und gut gebaute Lady
1963 hatte der schnellste Ozeanriese der Welt einen Gast,
dem ein Dauerlächeln in das Gesicht gebrannt war. Für diesen Gast wurde die
luxu-
riöseste Kabine der Welt gemietet und wohltemperiert, bewacht von 1.000
Detektiven und Polizisten. Die Mona Lisa, das berühmteste Gemälde der Welt,
war es, die auf diese Weise ihre Heimreise von New York über Le Havre in den
Pariser Louvre angetreten hatte.
Vieler solcher Geschichten und Geschichtchen kreisen um die "United States".
Das auch als Morgenstern-Museum bekannte Historische Museum wird im Rahmen einer
Sonderaustellung vom 30. September bis 7. Januar 2001 einige von ihnen
erzählen. Aber vor allem werden Fotos und andere Erinnerungsstücke gezeigt.
Viele Devotionalien hat die Ausstellungs- Organi-
satorin Dr. Anja Dörfer zusammengetragen. Ein paar kleine Aufrufe in den Medien
genügten, und schon hatte die Wissenschaftlerin "Stoff satt". Denn
die "United States war den Bremerhavenern schon immer sehr ans Herz
gewachsen. "Es ist unglaublich, wie viel Hilfe und Spenden von Aus-
stellungsstücken wir aus der Bevölkerung erhalten haben", schwärmt
Dörfer. 1952 war das Flaggschiff der United States Line in Dienst gestellt
worden. Fortan machte es zwischen Herbst und Frühjahr ein- bis zweimal im Monat
in Bremerhaven Station. Exakt 167-mal legte das 301,80 Meter lange
Fahrgastschiff, das längste je in den USA konstruierte Schiff, an der Colum-
buskaje an. Am 2. November 1969 wurde die Seestadt zum letzten Mal besucht.
In den fünfziger Jahren hatte die für stolze 76,8 Millionen damalige US-Dollar
gebaute "United States" als die schnellste Schiffsverbindung zwischen
dem so genannten Alten Kontinent und der Neuen Welt einen geradezu legendären
Ruf errungen; fünf Tage brauchte sie. Es ging aber auch noch schneller. Auf
ihrer Jungfernfahrt im Juni 1952 erkämpfte der Ozeanriese das legendäre
"Blaue Band". In nur drei Tagen, zehn Stunden und 45 Minuten
überquerte sie den Nordatlantik. Bei ihrem bislang ungeschlagen gebliebenen
Rekord zeigte der "Tacho" der "United States" 35,59 Knoten;
das entspricht 65,48 km/h.
Nicht nur wegen dieser ungeahnten Geschwindigkeiten strömten die Massen an die
Columbuskaje, wenn sich die "United States" wieder einmal blicken
ließ. Sie waren auch von dem modernen, luxuriösen Innenleben des Ozeanriesen
begeistert. So war die "United States" das erste Passagier-
schiff ihrer Zeit, das mit kompletter Klimatisierung dienen konnte. Und auch in
Sachen "Sicherheit" betätigte sich das Schiff als Schrittmacher. Es
galt als absolut feuersicher. Lediglich das Klavier und ein Hackklotz in der
Küche sollen aus Holz gewesen und somit entflammbar gewesen sein. 2.000 Tonnen
Aluminium garantierten Stabilität und Langlebigkeit.
Viele Bremerhavener nutzten die Gelegenheit zu ausgedehnten Bord-
besuchen. Dabei hofften sie auch darauf, einen Blick auf die Prominenten zu
erhaschen, die häufig auf dem Schiff mitreisten. US-Präsident John F. Kennedy
war einer von vielen V.I.P.s, die auf dem Schiff befördert wurden. Die
"United States" konnte in drei Klassen insgesamt 2.008 Passagiere und
Besatzungsmitglieder aufnehmen. Und Fürst Rainier von Monaco hatte für die
"United States" sogar soviel übrig, dass er auf ihr seiner Grace
einen Heiratsantrag machte.
Vielleicht bräche auch dem Monarchen das Herz, wenn er wüsste, welches
Schicksal der Meeresgigant später genommen hat. Das Zeitalter der
Düsenflugzeuge bedeutete in den sechziger Jahren das langsame, aber sichere
Ende der Linienschifffahrt. Sechs Tage nach ihrem Abschiedsbe-
such in Bremerhaven wurde die "United States" am 8. November 1969
außer Dienst gestellt.
Nun wartet sie in einer Ecke der Marinewerft in Philadelphia auf bessere Zeiten,
ihrer Innenausstattung entledigt. Mehrere Komitees (SS
United States Foundation) in den Vereinigten Staaten

http://www.ss-united-states.com
bemühen sich zurzeit darum, die gerade verrottende "United States"
vor einem ruhmlosen Ende zu bewahren.
" Das Schiff verkörperte den American way of life." So erklärt sich
Ulrich Quick die Faszination und die Menschenaufläufe bei jedem Abstecher in
Bremerhaven. Auch er war keineswegs frei von diesen Gefühlen, ganz im
Gegenteil. Als Quick eines Abends im Jahre 1961 bei einem Deich-
Spaziergang in Bremerhaven auf die gut gebaute, feine Dame aus den Vereinigten
Staaten traf, war es um ihn geschehen. Der Bau-Ingenieur, der in der Seestadt
ein Vorstellungsgespräch hinter sich gebracht hatte und mit Bremerhaven
"nicht sehr viel am Hut" hatte, beschloss sofort: "Ich guck mich
nicht noch in anderen Städten um, sondern bleibe." Und so kam es: Quick
gründete später in Bremerhaven eine Familie.
Bremerhaven Kurier 6. September 2000