






Plattbodenschiff Store Belt
"Store Belt" im Neuen Hafen von Bremerhaven.
Foto: Peter Müller 5.12.2004 Canon EOS10D
Frühlingstörn ins Wattemeer
Fahrgäste der "Store
Belt" lernen fantastischen Lebensraum kennen- Erste Tour am 20. März-
Umbauten stehen an
Seit 15 Jahren verdient Heine van der Molen sein Geld damit, Touristen durchs
Wattenmeer zu schippern. Bislang startete der Niederländer seine Touren in
Harlingen am Ijsselmeer. Seit dieser Woche liegt sein Gaffelclipper "Store
Belt" im Neuen Hafen.
Van der Molen will sein Glück in Zukunft von Bremerhaven aus versuchen.
"Bis jetzt hat man bei uns über den Hafen hier nur Schlechtes
gehört", räumt der Skipper ein: "Erst musst du durch eine riesige
Schleuse, dann an zwei Brücken vorbei und nach zwei Stunden liegst du irgendwo
in einem gammligen Hafenbecken." Inzwischen macht der Neue Hafen seinem
Namen wieder alle Ehre, und die neue Schleuse soll das umständliche
Manövrieren in engen Becken ab dem kommenden Jahr auf ein Minimum reduzieren.
So sieht van der Molen der Zukunft freudig entgegen. Ab März will er zu
mehrtägigen Wattenmeer-Safaris in See stechen und seinen bis zu 32
Fahrgästen den ungewöhnlichen Lebensraum zwischen Wasser und Land aus
nächster Nähe zeigen. "Mit zwei Metern Tiefgang kommen wir fast überall
hin", verspricht er. Und weil sein Plattbodenschiff keinen Kiel hat, kann
er sich sogar auf einer Sandbank trockenfallen lassen und die Zeit bis zur
nächsten Flut für Ausflüge zu Fuß nutzen.
Das wissenschaftliche Programm der Touren hat die Biologin Dr. Michaela Mayer
ausgearbeitet. "Wir wollen das Wattenmeer im wahrsten Sinne des Wortes
begreifbar machen", sagt die Mitarbeiterin der Gesellschaft für
angewandten Umweltschutz und Sicherheit im Seeverkehr (Gauss).
Mit Spaten und Kescher sollen die Fahrgäste losziehen und eigene Proben nehmen.
Das erbeutete Getier können sie dann an Bord unter die Lupe nehmen.
Ganz billig ist das wissenschaftliche Vergnügen nicht: Der Tagessatz liegt bei
120 Euro pro Person. Dafür muss niemand in der Hängematte übernachten oder
beim Segel setzen Hand anlegen: Die "Store Belt", ein 76 Jahre altes
Frachtschiff, bietet nach mehreren Umbauten und Renovierungen allen nötigen
Komfort.
"Wir glauben, dass wir für dieses ambitionierte Angebot einen Markt
schaffen können", sagt Hans Gerd Knoop, Chef der KBL
Schiffahrtsgesellschaft. Vor ein paar Monaten hatte er Skipper van der Molen auf
einer Antarktis-Kreuzfahrt kennen gelernt- die Idee der Wattenmeer-Safari
entstand im Angesicht von Eisbergen und Pinguinen. Um das Risiko in Grenzen zu
halten, gibt die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS im ersten
Jahr einen finanziellen Anschub.
Denn bevor im März die ersten zahlenden Gäste an Bord kommen, muss die
"Store Belt" gemäß den Sicherheitsvorschriften für Hochseeschiffe
umgerüstet werden- auf dem Ijsselmeer fuhr sie als Binnenschiff. Das
bedeutet den Einbau zusätzlicher Stahltüren, Navigations- und Rettungsgeräte.
Kosten: rund 50 000 bis 60 000 Euro. Die ersten Tagestour ist für den 20. März
geplant. Thema: Frühlingsanfang im Wattenmeer.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 27.11.2004

Store Belt in Bremerhaven. Foto: Peter Müller 5.12.2004 mit
Canon EOS 10D.