Schiffbau nach Kriegsende
Im Januar 1951 baute die Werft die MS Hestia (1.500 BRT),
einen Frachter für die DG. "Neptun" und das Schwesterschiff "MS Hercules".
Als erster Fischdampfer des Jahres lief die Hildesheim für die
Deutsche Heringsfischerei GmbH vom Stapel. Werftdirektor Janson sprach
den Dank der Seebecker für diesen 697. Neubau in der 75 jährigen
Geschichte der Werft aus.
Am 3.April 1951 hoben die drei Westmächte die Beschränkungen
für den deutschen Schiffbau und
eine Reihe von anderen Produktionsverboten auf. Unbeschränkt
an Größe, Geschwindigkeit und Tonnage durften jetzt Handelsschiffe,
Fracht- und Passagierschiffe für den eigenen Bedarf frei gebaut werden.
Nach der Währungsreform
Am 28. Mai 1951 fand unter dem Stichwort "DM-Eröffnungsbilanz"
im Sitzungssaal der Norddeutschen Kreditbank AG in Bremen in der
Obernstraße 2-12 die Außerordentliche Hauptversammlung der
Aktien-Gesellschaft "Weser" statt. Zu diesem Zeitpunkt war Bankdirektor
Hermann Krause, Bremen, Vorsitzender des Aufsichtsrates und im Vorstand
saßen Peter Burkhard, Wilhelm Raffelsieper, Albert Weisser und Horst
Janson. Der Vorstandsbericht vermerkt:" Die Firma Fried. Krupp, Essen,
ist an unserer Gesellschaft beteiligt. Vertragliche Vereinbarungen mit
dieser Firma liegen nicht vor." Die AG "Weser" verfügte über
ein Eigenkapital von 22,39 Mio. DM und ein Fremdkapital von 6,9 Mio. DM
und zwar per 21.6.1948. Das Grundkapital von ehemals 20 Mio. Reichsmark
wurde bei einer Umstellung von 10 : 9 auf 18 Mio. DM festgelegt.
Im Mai wurde der größte Nachkriegsbau einer
deutschen Werft, die "MS Bärenfels", im Baudock zum Aufschwimmen gebracht
und getauft. Zum Ladegeschirr gehörte ein 175-t-Schwergutbaum.
In Luke III und IV befanden sich vier Schienenpaare zur Aufnahme von Lokomotiven.
Das Schiff hatte erstmalig in der "Hansa"-Flotte, möglicherweise sogar
in der Welthandelsflotte, als Stückgutschiff dieser Größe
die Maschinenanlage achtern und die Brücke mittschiffs. Die "MS Bärenfels"
wurde für Schwerguttransporte, wie z.B. Waggons, Lokomotiven und Schlepper
in Dienst gestellt.
75jähriges Jubiläum
Aus Anlaß des 75jährigen Jubiläums der
Seebeckwerft im Jahr 1951 würdigte Dr.-Ing. E. Foerster
in einem Artikel unter dem Titel "75 Jahre Seebeckwerft" in der Zeitschrift
"Schiff und Hafen" den Aufbau und die Entwicklung der Werft. Insbesondere
hob er die Seebeckswerft eingangs in ihrer besonderen Rolle im Nachkriegsschiffbau
hervor. Er schrieb: "Unter den schiffbauindustriellen Unternehmungen an
der Unterweser war die Seebeckwerft die erste, die nach dem Kriege mit
dem Bau der von den Besatzungsmächten gestatteten Fischdampfer gleichsam
den Anfang nachkrieglicher deutscher Schiffbau-Betätigung mit einer
Reihe moderner Fahrzeuge nach ihren langbewährten Mustern machte."
Am 15. November 1951 fand die Ordentliche Hauptversammlung
der AG "Weser" in Bremen wiederum bei der Norddeutschen Kreditbank AG statt.
Für die AG "Weser" war dies das sechste Geschäftsjahr nach
dem II. Weltkrieg. Werftdirektor Janson erklärte Weihnachten 1951, daß im zurückliegenden Jahr acht Frachtschiffe mit 34.000 tdw
und sechs Fischdampfer mit 3.100 BRT abgeliefert wurden. Der Auftragsbestand
der Werft belief sich auf 16 Fischdampfer mit 9.000 BRT und 25 Frachtschiffe
mit über 100.000 tdw. Ohne die ständige Materialknappheit
hätte die Werft vierzig Prozent mehr liefern können und wären
auch die zeitweiligen Entlassungen nicht notwendig gewesen. Es hätten
noch einige hundert Arbeiter mehr Arbeit und Brot finden können.
Es sei zu hoffen, daß diese Krise bald überwunden
werde, denn bisher habe die Werft ihre Kapazität noch nicht voll ausnutzen
können.
Bau von Frachtern
Anfang 1952 übergab die Seebeckwerft das Motorfrachtschiff
"Braunfels" an die DDG "Hansa" und einen Monat
später die "MS Arcturus" . In Anwesenheit von Senator
Dr. Apelt, Oberbürgermeister Gullasch und zahlreichen Vertretern der
hiesigen Reedereien wurden der 49. und 50. Neubau, nach dem Kriege, zu
Wasser gelassen. Während der 2.700 BRT große Motorfrachter "Neptun"
im Baudock aufschwamm, wurde am gleichen Tag der Motorfrachter "Diamant"
(750 BRT, 1100 tdw) vom Stapel gelassen. Direktor Janson gab hierbei einen
Überblick über die Entwicklung der Werft seit dem Kriege.
Im September 1952 lieferte die Seebeckwerft die MS
"Neptun"
(4850 tdw) an die DG "Neptun", Bremen, ab.
"MS Neptun"
Das elegante weiße Schiff, mit einem schwarzen Schornstein
und dem blaugelben Ring, wurde als Flaggschiff der Reederei im Westafrikadienst
der "Union"- Afrikalinie GmbH eingesetzt. Die Innenausstattung galt als
eine der schönsten, die Fachleute je bis dahin auf einem deutschen
Frachtschiff zu Gesicht bekommen hatten. Da die "Neptun" im Afrikadienst
eingesetzt wurde, hatte man auch entsprechende Vorkehrungen getroffen.
Auf dem Vorschiff waren die "Häuptlinge" von 30 bis 40 Negern
("Crewboys") untergebracht, die als Schauerleute von Hafen zu Hafen mitfuhren.
Sie wurden aus einer eigenen Küche verpflegt, verfügten über
eine eigene Brauseanlage und ein WC. Achtern wohnte die Mannschaft
in Doppelkammern. Die Möbel waren aus Hartholz (Eiche). Die Kojenvorhänge
verliehen den Unterkünften einen wohnlichen Eindruck. Mittschiffs
im Hauptdeck waren die Ingenieure, Unteroffiziere und das Bedienungspersonal
untergebracht. Der "Chief" besaß ein komfortables Appartement mit
Wohnraum, Schlafraum, Bad und Toilette, und die Räume der Unteroffiziere
waren sogar noch mit Sofas ausgestattet. Die große Küche
und die Bordwäscherei im Hauptdeck enthielten selbstverständlich
nur Elektrogeräte.
Gerade weil das Schiff nach Afrika fuhr, waren
alle Räume elektrisch geheizt und mit einem Moskitonetz versehen.
In den eingebauten Schränken der Passagiere waren sogar Monsunheizungen
eingebaut, damit die Kleidung nicht verschimmelte.
Die 12 Fahrgäste wohnten eine Etage höher.
Das Treppenhaus konnte einem hochherrschaftlichen Hause entstammen. Jede
der sechs Doppelkabinen bestand aus Wohn-, Schlaf- und Toilettenraum. Nach
vorn hinaus zeigte eine Zimmerflucht, die dem geselligen Beisammensein
der Passagiere vorbehalten war: der Speisesaal mit seinen Schleiflackwänden
und dem Mahagonigrundton, flankiert von dem bezaubernden Damensalon und
dem Rauchzimmer mit der intimen kleinen Bar, dessen Wände in Rüster
und Jacaranda gehalten war.
Auch der Kapitän durfte sich in seinen Gemächern
wie zu Hause fühlen. Sein Wohn- und Arbeitsraum war in erstklassigem
Kirschbaum gehalten. So wie die Räume des Kapitäns waren auch
die der Offiziere und Funker gehalten.
1952 war das achte Geschäftsjahr der AG "Weser"
nach dem Krieg und auf der Ordentlichen Hauptversammlung am 3. November
1953 im Sitzungssaal der Norddeutschen Kreditbank AG in Bremen wurde der
Vorstand gewählt. Neben den Herren Burkhard, Schliephake, Raffelsieper,
Weisser und Janson wurde zusätzlich Dipl.-Ing. Hans S. Kannt aufgenommen.
Die Versammlung beschloß die Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugsaktien
bis zum Nennwert von 1/4 des Grundkapitals zu folgenden Bedingungen:
a) Die Vorzugsaktien werden im Umtausch gegen Stammaktien
im Verhältnis 1 : 1 gewährt.
b) Die Vorzugsaktien erhalten vom Beginn des Geschäftsjahres
1953 an aus dem zur Verteilung gelangenen Gewinn einen Vorzugsgewinnanteil,
der den Gewinnanteil der Stammaktien jeweils um 1% übersteigt, mindestens
jedoch vorweg einen Vorausgewinnanteil von 6% ihres Nennbetrages.
Die AG "Weser" hatte zu diesem Zeitpunkt 8.000 Beschäftigte
und schloß das Jahr 1952 mit einem Gewinn von 1,5 Mio. DM ab. Nach
Verrechnung des Verlustvortrages aus dem Jahr 1951 wurde der verbleibende
Verlust von 642.203 DM auf die neue Rechnung vorgetragen.
In den folgenden Monaten wurden die Fischdampfer Köln,
der Motorfrachter MS Lautertal, das Frachtmotorschiff Brillant sowie der
Motorfrachter "Aldebaran" gebaut und übergeben.
Der erste Tankerneubau
Nach der Probefahrt des Fischdampfer-Neubaus Bremen,
stellte die Schiffbauwerft als ihren ersten Tankerneubau nach dem
Krieg den Motortanker "Hinrich" für die Hamburger Reederei J.
A. Reinecke her.
Motortanker "Hinrich"
Für flüssige Ladung standen 12 separate Tanks mit zus. rd. 2.500 cbm zur Verfügung. Am 18. März 1953 ereignete sich auf dem Tanker eine Gasexplosion, in dessen Folge ein Arbeiter tödlich verunglückte und ein anderer schwer verletzt wurde und einige Stunden später seinen Verletzungen erlag. Aus einem Brennerschlauch war Gas ausgetreten und durch einen Umstand zur Explosion gekommen.
Frachter für Argentinien
Im Aufsichtsrat hatte es 1953 einen erheblichen Wechsel
gegeben und nun tauchte Alfried Krupp von Bohlen und
Halbach als Aufsichtsrats-
vorsitzender auf. Bankdirektor Krause
blieb Stellvertreter. Ebenfalls im Aufsichtsrat vertreten waren als Arbeitnehmervertreter
Robert Fiedler und Wilhelm Jeppel (Bremen). Dem Bericht des Aufsichtsrates
ist zu entnehmen, daß "aus dem Gewinn des Jahres 1953, vermindert
um den Verlustvortrag aus 1952, eine Dividende von 6% auf die Vorzugsaktien
zu zahlen und den hiernach verbleibenden Gewinn einer besonderen Rücklage
für die Zahlung von Dividenden auf Vorzugsaktien späterer Jahre
zuzuführen" seien. Der Gewinn aus dem Jahr 1953 betrug 1,45 Mio. DM
und nach Abzug des Verlustvortrages aus 1952 verblieb ein Gewinn in Höhe
von 813.381 DM. Im Geschäftsbericht des Vorstandes wird bezüglich
der Seebeckwerft festgestellt: " Im Hinblick auf den verschärften
Wettbewerb wurde auf unserer Werft in Bremerhaven (Seebeckwerft) die Beseitigung
der letzten Kriegsschäden und die Anpasssung der Fertigung an die
modernsten Erkenntnisse in beschleunigtem Tempo fortgesetzt. Die Seebeckwerft
lieferte 1953 7 Schiffsneubauten mit 32.000 tdw sowie 7 Fischdampfer
und 2 Trawler ab. Bei Beendigung des Geschäftsjahres befanden sich
5 Schiffsneubauten mit insgesamt rd. 28.000 tdw im Bau.- Durch den Produktionsausfall
während des 6 1/2-wöchigen Streiks, der im Bundesgebiet allein
die Werften des Wesergebietes und damit auch unsere Gesellschaft betroffen
hat, erhöhte sich der Umsatz nur auf rd. 120% gegenüber dem Vorjahr."
Nachdem im April 1954 der Motorfrachter Niedersachsen
an die Stinnes-Reederei abgeliefert wurde, baute man schon zwei Monate
später ein Forschungs- und Versorgungsschiff für
die argentinische Regierung, das den Namen "General San Martin" erhielt.
Dem Taufakt wohnten der argentinische Botschafter für Deutschland,
Bürgermeister Kaisen, Oberbürgermeister Gullasch sowie zahlreiche
argentinische und deutsche Gäste bei. Der technische Direktor
der Seebeckwerft, Diplomingenieur H. Kannt, sprach die Begrüßungsworte.
Der Neubau, der im Oktober abgeliefert wurde, sollte für das Antarktisinstitut
in Buenos Aires eingesetzt werden. Das Schiff erhielt seinen Aufgaben entsprechend
eine Eisverstärkung. Der Wert des Schiffes lag bei 15 Mio. DM.
Der Neubau bot eine Fülle interessanter Einzelheiten. Zur Vermeidung
eventueller Nietleckagen beim Einfrieren wurde der Schiffsrumpf voll
geschweißt und noch mit einem Eisbrecherbug und besonderen Verstärkungen
an der Außenhaut versehen. Für meteorologische und ozeanographische
Arbeiten standen verschiedene Laboratorien und Geräte zur Verfügung.
So konnten zum Beispiel aus Tiefen bis zu 6.000 m Bodenproben heraufgeholt
und untersucht werden. Das Schiff besaß Einrichtungen für
etwa 100 Mann, darunter 40 Wissenschaftler. Auf Grund guter Erfahrungen
gab es auch zwei Hubschrauber vom Typ Sikorski S 55 mit zwei Mann Besatzung
und Platz für 7 bis 10 "Passagiere". Im Hinblick auf die künftigen
Einsatzgebiete wurde das Schiff weitestgehend gegen Kälte isoliert.
Von seinem ersten Einsatz in der Antarktis kam der Eisbrecher
"General San Martin" am 1. April 1955 zurück. Während dieser
Fahrt gelang es dem Schiff, den südlichsten Punkt der antarktischen
Küste zu erreichen, der je von Schiffen berührt wurde (78°
01' Süd-37° 44' West), wobei nach Berichten Eisdecken bis zu 4
m Stärken durchbrochen werden mußten.
Die "MS Kandelfels" lieferte Seebeck im August 1954 an
D.D.G. "Hansa" ab. Der Schwergutfrachter hatte die Brücke mittschiffs,
sowie Maschine und Schornstein achtern. Von Juni bis September 1967 wurde
bei Rheinstahl-Nordseewerke Emden eine neue 8.000 PS-Motorenanlage eingebaut.
Im Februar 1969 macht sich der Frachter bei der Abbergung des vor Sikka/Hadramaut verunglückten
"Hansa"-Frachters Freienfels besondere
Verdienste.
Vom 21.-30.9.1971 unternahm die "Kandelfels" eine Sonderreise
in die navigatorisch unerforschte Packeisregion des östlichen Spitzbergen,
die noch nie von einem Handelsschiff angelaufen wurde. Es wurde eine komplette
Bohranlage samt Zubehör und 650t Spezialbrennstoff auf Edge Island
gelandet. Dazu transportierte der Schwergutfrachter auf der Aus-und Rückreise
zwei Schlepper, zwei Pontons, einen 120 t-Leichter und einen Mobilkran
als Deckslast. In der Ankerbucht vor der Landestelle mußte die Mannschaft
drei Wochen lang bei 5 Grad Kälte den härtesten Kampf gegen Sturm,
Seegang, Nebel, Schnee und Eisgang bestehen. Die errichtete Landepier war
durch Seegang zerstört, dennoch gelang es 3.000 t Güter anzulanden.
1956 begann eine fünfjährige Stagnationsperiode
im deutschen Schiffbau, die sich auch in der Entwicklung der Seebeckwerft
niederschlug. Seit 1954 waren die Heringsmengen bereits aufgrund meeresbiologischer
und hydrologischer Ursachen zurückgegangen. Island hatte seine Hoheitszone
auf 6 Meilen ausgedehnt, so daß weiter entfernt liegende Fangplätze
aufgesucht werden mußten.
Die Relation von Reise- zu Fangtagen wurde dadurch immer
ungünstiger. Außerdem waren seit 1956 die Kosten für Treibstoff,
Heuern, Ausrüstung und Reparatur der Fischdampfer gestiegen. Die Preise
für Fisch sanken allerdings aufgrund ausländischer Importe.
Für das Geschäftsjahr 1956 gab es aus
dem Jahresgewinn eine Dividende von 6 % auf die Stammaktien und 7% auf
die Vorzugsakien. Im Jahr 1956 wurde eine Steigerung des Umsatzes von 20%
gegenüber dem Vorjahr erbracht. Der Exportanteil stieg von 52 auf
69%. Am 1. Oktober 1956 wurde die normale wöchentliche Arbeitszeit
von 48 auf 45 Stunden herabgesetzt und die 5-Tage-Woche eingeführt.
Der Jahresgewinn betrug 629.865 DM.
Im Jahr 1958 bildeten Dr. K. Arendt , Horst Janson, Dipl.-Ing. H.W. Schliephake den Vorstand, sowie Dipl.-Ing. K. Höland und Dipl.-Ing. G. Humbert die Stellvertreter. Die Werksleitung der Seebeckwerft wurde von Direktor H. Janson und Direktor Dipl.-Ing. K. Höland gebildet. Auf einer Besprechung mit dem Betriebsrat führten die Werftdirektoren Janson und Höland aus, daß eine Schließung der Gießerei und der Modelltischlerei erwogen würde. Herr Janson sagte, daß die Gießerei jährlich mit 100.000 - 300.000 DM bezuschußt werden müsse.
Am 8. Januar 1958 trat Dr. Ahrendt die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden
Dr. Burchard in Bremen an. Im Januar 1958 bemerkte der Betriebsratsvorsitzende
in einer Betriebsratssitzung, daß die Verhandlungen mit der Direktion
von Mal zu Mal schlechter würden. Direktor Janson habe es abermals
abgelehnt, die Löhne der Ungelernten und Angelernten zu erhöhen.
Für das Geschäftsjahr 1958 wurden aus dem Jahresgewinn (plus
Gewinnvortrag) eine Dividende von 8 % auf die Stammaktien und 9% auf die
Vorzugsaktien gezahlt (1,47 Mio. DM).
Im Juli 1958 schied Direktor Kannt aus und als technischer
Direktor übernahm Herr Karl Höland von der AG Weser Bremen diese Aufgabe.
Im gleichen Jahr wurde die alte, aus dem Jahr 1908 stammende Helling vergrößert
und zu einer modernisierten Doppelhelling-Anlage ausgebaut. Dadurch war
man in der Lage, auch von den größeren, längeren Heckfängern
zwei gleichzeitig zu bauen. Einen Tag vor Baubeginn am 5.5.1960
informierte Direktor Janson den Betriebsrat über die Umbaumaßnahmen.
Er berichtete, daß der neu zubauende Helgen 90 m lang und 30 m breit
werden sollte. 30 m Kaimauer müßten auf der Westseite des Hafens
abgerissen werden. Die neue Schiffbauhalle würde um ca. 50 % vergrößert.
Außerdem erfolgte ein Anbau an die neue Schweißhalle, um u.
a. dort Aufenthaltsräume unterzubringen. Die Schiffbauhallen 1 und
2 würden abgerissen.
Die Werftindustrie der Welt verzeichnete für
das Jahr 1959 erstmals seit 1947 einen Rückgang der Stapellaufziffern
und zwar in Höhe von 0,5 Mio BRT im Vergleich zum Jahre 1958."
In der Aufsichtsratssitzung des Mai 1960 wurde Direktor Horst
Janson, nach dem Tod von Dr. Arendt, zum leitenden Direktor für
die AG "Weser" Bremen und die Seebeckwerft bestellt. Herrn Günther Hinz übertrug
Janson die kaufmännische Leitung der Seebeckwerft, falls er selbst
verhindert sein sollte.
Foto Seebeckwerft Baudock Ost
Kurz darauf übertrug der Aufsichtsrat der AG "Weser"
Herrn Janson auch die technische Leitung des
Unternehmens, da Herr Schliephake aus gesundheitlichen Gründen
einen längeren Urlaub antreten mußte. Als Hinz die Werft übernahm,
war die Seebeckwerft ein solider und großer Betrieb, der die Schiffe,
wie alle große Werften vorher auch, handwerklich baute. Zunächst
ging die Seebeckwerft den Weg zu neuen Strukturen zögernd.
Günter Hinz, früherer Werftdirektor, hierzu:
"Wir waren in der Umstellung vom Nieten zum Schweißen
nicht gerade die Fortschrittlichsten. Seebeck baute sehr solide Schiffe,
schwere Schiffe, was die Reeder damals noch liebten. Aber inzwischen baute
man aus Kostengründen die Schiffe leichter und das leichte Schiff
kann ja bekanntlich auch ein bißchen mehr tragen. Die Strukturen
änderten sich. Mir war damals klar, daß wir die Werft entscheidend
verändern müssen. Die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders
war vorbei, die Löhne waren inzwischen dem Weltmarktniveau mehr angepaßt
und es war höchste Zeit, die Werft grundsätzlich umzustellen
und zu investieren und den technischen Ablauf zu verändern. Nach einem
Jahr Tätigkeit in der Direktion fing ich an zu überlegen, was
man machen könnte. Wir haben viele Konzepte gemacht. Wir haben das
aber erst Ende der 60er Jahre durchführen können, weil wir vorher
aus finanziellen Gründen dies nicht konnten. Nicht weil Seebeck das
nicht gekonnt hätte, aber erstens wurde der Schwerpunkt auf die Erneuerung
der AG Weser Bremen gelegt. Zweitens kam hinzu, daß Krupp 1966 in
eine Finanzkrise kam und daß es nicht zu diesem Zeitpunkt nicht möglich
war. Die Modernisierung des Eisenschiffbaus, der ja heute noch modern ist,
mußten wir schrittweise machen, das war zwar teurer, aber es war
anders nicht durchsetzbar. Und deshalb ist das schrittweise in den
60er Jahren bis Anfang der 70er Jahre gemacht worden. Vorher gab es noch
die alten, offenen Hallen in denen gearbeitet wurde. Das wurde alles schrittweise
abgerissen und neugebaut. Wir bauten eine richtige Stahlfließbandfertigung
wie sie andere, z.B. die Japaner schon hatten, aber die Japaner waren nur
ausgerichtet auf Tanker, also nur einen Typ zu bauen. Wir waren die ersten
in der Welt, die damit begannen ganz verschiedene Typen zu bauen. Da haben
mir alle meine Kollegen bei den anderen Werften gesagt, von den Großwerften:
Hinz das wird nichts. Ihr werdet scheitern. Das wird viel zu teuer. Aber
wir haben es gemacht und haben es sehr erfolgreich gemacht. Aber wir haben
es nicht gemacht mit allen möglichen Ingenieur-Büros. Wir haben
es ganz alleine gemacht. Alleine erarbeitet. Die besten Leute rausgezogen
aus der Fertigung und haben es dann schrittweise gemacht. Und waren dann
später eine der Topwerften in Deutschland."
Peter Müller: Was bedeutete Fließbandfertigung?
Günter Hinz: "Diese Fließbandfertigung heißt,
daß der Stahl in Form von Platten und Profilen über Bänder
in die Halle läuft, bearbeitet wird, ausgeschnitten wird und dann
in der Halle schrittweise zu Sektionen zusammengebaut wird. Und als fertige
Sektion aus der Schiffbauhalle kommt
und dann nochmal zu größeren Sektionen zusammengesetzt werden
kann und dann auf den Helgen kommt."
Peter Müller: Die Fließbandfertigung eignet
sich also sowohl für Serienschiffbau als auch für Einzelfertigung.
Hinz: "Wir haben den Produktionsablauf so organisiert,
daß wir in der Lage waren zu sagen, jetzt fertigen wir Serienschiffe
und jetzt fertigen wir die anderen. Nein. Nein wir haben durcheinander
gefertigt. Das mußten wir ja auch. Denn Sie haben Serienschiffe in
einem Baudock im Auftrag und Sie haben auf dem Helgen meinetwegen eine
Fähre im Auftrag, die sich bei den Terminen überschneiden. Und
jetzt müssen Sie Sektionen der einen Sorte bauen und dann müssen
Sie Sektionen
der anderen Sorte bauen. Also durcheinanderbauen, je
nach dem terminlichen Ablauf. Das ist
natürlich wesentlich komplizierter hinsichtlich
der Steuerung, der Vorbereitung und der Fertigung. Und die ganzen Anlagen
dürfen natürlich nicht so schmalbrüstig ausgelegt sein."
Die AG "Weser" in Bremen wurde schon in den 60er Jahren
einseitig auf Großtankerbau hin umstrukturiert. Hinz sprach sich
damals dagegen aus. Aber es war Hochkonjunktur auf diesem Gebiet. Er meinte,
man sollte die Produktpalette nicht so einengen, daß man nur eine
ganz enge Produktpalette habe. Die Seebeckwerft ging unter Günther
Hinz einen anderen Weg. Zum einen konnte die Seebeckwerft nur Schiffe bis
zu einer Breite von 28 m bauen. Zum anderen setzte sich Hinz erfolgreich
gegen die Forderungen des Krupp-Konzerns durch, die da sagten, wenn man
die Produktion ganz auf Serienschiffe umstellen würde, könnte
man noch ein paar Prozente mehr Gewinn machen. Hinz wollte die breite Produktpalette
erhalten und verwies dabei auf die Erfahrungen der Automobilindustrie.
Der Frischfischfang befand sich Anfang 1960/61 in
einer schweren Krise, insbesondere der Heringsfang. Dadurch bedingt trat
in der Hochseefischerei ein erheblicher Wandel ein; die großen Zahlen
einfach zu bauender Fischdampfer gab es nicht mehr. Nur wenige technisch
hochwertige Hecktrawler lösten sie ab. Im Laufe des Jahres 1961 lieferte
die Seebeckwerft zwei Hecktrawler an die "Nordsee" Deutsche Hochseefischerei
GmbH ab, und zwar die München ( B.-Nr.875) und die Bremerhaven
(B.-Nr.876) ab. Weiterhin wurde am 27. April 1961 der Heckfänger
Vikingbank an die Norddeutsche Hochseefischerei AG und
am 7. Juni des Jahres die "Grönland" an die Reederei Ludwig Janssen
& Co. übergeben.
Der Schwerpunkt des Bauprogramms verlagerte sich trotzdem
auf den Frachtschiffbau. Nichtsdestotrotz wurde im Lagebericht des
Vorstandes für das Jahr 1960 davon gesprochen, daß es
aufgrund der anhaltenden Depression auf dem Frachtenmarkt eine ständige
Abnahme der Auftragsbestände sowie eine rückläufige Preisentwicklung
gegeben hatte. Im Geschäftsjahr 1960 konnte aber noch ein Gewinn von
1,4 Mio. DM eingefahren werden. Die Aktionäre erhielten eine
Dividende und zwar 8% auf die Stammaktien und 9% auf die Vorzugsaktien.
Die rückläufigen Neubauaufträge versuchte
die Werft durch eine Steigerung des Reparaturgeschäfts zu kompensieren.
Zu diesem Zweck wurde für 12 Mio. Mark ein neues Schwimmdock für
Schiffe bis 18.000 tdw errichtet. Im Herbst 1963 begann der Bau eines Schwimmdocks,
das rund 8 Mio. DM kostete und schon im nächsten Sommer Schiffe bis
zu 18.000 t Tragfähigkeit aufnehmen sollte. Werftdirektor Hinz betrachtete
das 18.000 t - Schwimmdock nur als eine Zwischenlösung.
Am liebsten hätte die AG Weser gleich eines für Schiffe mit 70.000
bis 80.000 tdw gebaut, das scheiterte aber an den Abmessungen der Doppelschleuse.
Der Maschinenbau erhöhte seine schiffbaufremde Fertigung unter anderem
mit der Produktion von landwirtschaftlichem Ladegerät und Greiferschwimmbaggern.
Im Bericht des Vorstandes vom 3. Juli 1962
zur Lage der deutschen Werftindustrie im Jahr 1961 wurde ausgeführt,
daß es keine Besserung gegeben hatte. "Nach wie vor sehen wir uns
einer subventionsbegünstigten ausländischen Konkurrenz gegenüber,
die deshalb Schiffbauaufträge zu wesentlich besseren Bedingungen hereinnehmen
kann als die deutschen Werften."
Und an anderer Stelle fährt der Bericht fort: "Obwohl
die Fertigungsmethoden im Schiffbau nach modernen Erkenntnissen weiterentwickelt
wurden, läßt die Marktlage seit längerer Zeit kaum noch
kostendeckende Neubauabschlüsse zu. Die Einsparungen aus Rationalisierung
reichten im Betriebsjahr nicht aus, die aus Lohn-und Gehaltserhöhungen,
Arbeitszeitverkürzung und ähnlichen Belastungen resultierenden
Kostensteigerungen auszugleichen."
Forschungsschiff "Meteor"
Im Jahr 1964 wurde das hydrographischen Forschungsschiffes
Meteor gebaut. Anfang der 60er Jahre einigten sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft
und das Deutsche Hydrographische Institut (DHI) darauf, gemeinsam ein neues
Forschungsschiff in Auftrag zu geben. Bis dahin verfügte die Bundesrepublik
nur über das Vermessungsschiff "Gauß" des DHI mit 880 BRT und
das dem Bundesernährungsministerium zugeordnete Fischerei-Forschungsschiff
"Anton Dohrn" mit 990 BRT. Beide Schiffe waren zwar hochseefest, aber für
weitreichende Aufgaben der Meeresforschung wenig geeignet. 1962 erhielt
die Seebeckwerft den Bauauftrag. Die Wahl war auf die Weserwerft gefallen,
weil sie bereits Erfahrungen im Bau von Spezialschiffen verfügte.
Erst im Oktober 1963 hatte sie das Fischereiforschungsschiff "Walther Herwig"
fertiggestellt. Die neue "Meteor" war mit 2.615 BRT mehr als doppelt
so groß wie ihr Vorgänger. Vorgesehen war das Forschungsschiff
für 55 Besatzungsmitglieder, darunter Arzt, Physiker, Metereologen,
Vermessungstechniker und Laboranten.
Die Grundausstattung entsprach dem neuesten Stand der
Technik. So gab es an Bord Speziallabors für Geologen und Bakteriologen,
dreizehn universelle Untersuchungsräume und Meßplätze
für die verschiedenen Fachgebiete. Tiefseekameras, Unterwasserfernsehen
und eine komplette Taucherausrüstung vervollständigen die Ausrüstung
des 16 Mio. DM teuren Schiffes. Für einen Hubschrauber war der hintere
Teil des Brückendecks eingerichtet. Am 8. Februar 1964 wurde das Schiff
getauft und am 24. März übergeben. Seine Forschungsreisen führten
21 Jahre lang über alle Ozeane, von der Arktis in die Tropen
bis zum ewigen Eis des Südpols. Ende 1985 holte die "Meteor" die deutsche
Flagge nieder. Das Forschungsschiff wurde an Neuseeland verkauft.
Im gleichen Jahr wurde der Hecktrawler Marburg
(2.556 BRT) der "Universitäts"-Klasse für die Nordsee Deutsche
Hochseefischerei GbmH, Bremerhaven/Cuxhaven, gebaut. Zu der 1964 entstandenen
"Universitäts"-Klasse gehörten die "Bonn, Heidelberg, Freiburg,
Tübingen, Erlangen und Marburg". Die Vollfroster konnten täglich
30 t Fisch durchsetzen, und ihre Kühlräume faßten rd. 500
t. Von 65 Mann Besatzung waren rund 17 sog. Fischwerker. 1980
wurde der Fischtrawler zum Kreuzfahrtschiff umgebaut.
Die AG "Weser" erhöht das Grundkapital
Am 16. Juni 1965 beschloß die ordentliche Hauptversammlung
der Aktien-Gesellschaft "Weser" die Erhöhung des Grundkapitals von
18 Mio. DM auf 24 Mio. DM durch Umwandlung
von Rücklagen in Nennkapital und durch Ausgabe von neuen
Aktien. Ferner erfolgte eine Beschlußfassung über die
weitere Erhöhung des Grundkapitals um 6 Mio. DM auf 30 Mio.
DM durch Ausgabe von
neuen Aktien.
Als Begründung für die Aufstockung des Eigenkapitals
nennt der Geschäftsbericht Investitionen wie die Fertigstellung der
neuen Bremer Helling VI und des 500 - t-Krans sowie das von Seebeck gebaute
Schwimmdock von 8.000 t Hebefähigkeit für den Betriebsteil
im Fischereihafen. Es wurde ein Gewinn von 1,8 Mio. DM ausgewiesen. Im
Jahr 1964 wurde der Vorstand der AG Weser von den Herren Janson, Hinz,
Höland und Humbert gestellt. Die Werksleitung der Seebeckwerft bestand
aus Direktor Dipl.-Ing.
K. Höland und Direktor Günther Hinz.
Die ersten Fähren werden gebaut
Im Fährschiffbau machte die Seebeckwerft erstmals
1965 von sich reden, als sie mit der "Norwave"
MS "Norwave"
und der "Norwind" Fähren ablieferte, die zwei mit LKWs befahrbare Decks hatten. Die Ladekapazität betrug 60 Lastwagen sowie 60 Pkws oder aber rund 200 Pkws. Hinzu kamen Einrichtungen für 235 Passagiere. Die Bau- und Einrichtungskosten wurden pro Schiff mit rd. 14,3 Mill. DM beziffert. Zur Dämpfung der Seegangsbewegungen wurde unten im Schiff ein Stabilisationstank angeordnet. Das Be- und Entladen der Kraftfahrzeuge erfolgte nach dem "roll-on-roll-off-System" über hydraulisch betätigte MacGregor-Bug- und Heckklappen. Die festen Fahrzeugdecks von 4,7 m Höhe wurden zur Aufstellung selbst schwerster Lkw`s besonders verstärkt. Das obere Deck wurde über hydraulisch bewegte Rampen (140 Atü) befahren. Zur Erhöhung der Manövriereigenschaften, vor allem beim Ansteuern der Fährbetten, wurde im Vorschiff auch ein 500-PS- Bugstrahlruder installiert.
Spezialschiffbau und Nebenfertigung
Im Februar 1966 wurde Robert Fiedler wieder Betriebsratsvorsitzender
und Günter Linde zum Stellvertreter gewählt, gleichzeitig
war er der Vertreter der Angestellten. Am 18. Februar 1966 kam es bei den
Schiffbauern erneut zu einer Arbeitsniederlegung, weil es Mißstimmigkeiten
wegen der Abrechung der Akkordzeiten gab.
Dem Geschäftsbericht für das Jahr 1965 ist
zu entnehmen, daß der Weltschiffbau in dem bezeichneten Jahr ein
Rekordergebnis verzeichnete. Japan konnte seinen Anteil am Großschiffbau
auf 41,5% ausbauen, während die Werften der Bundesrepublik weiter
an Boden verloren.
"Noch unbefriedigender entwickelte sich im Gegensatz
zu einer relativ günstigen Auftragslage die Ertragssituation. Die
von japanischen Werften gesetzten Preis- und Finanzierungskonditionen
sind mehr als je zuvor Ursache für die angespannte Situation im internationalen
Großschiffbau." Das Geschäftsergebnis 1965 wurde als unbefriedigend
bezeichnet. Die Seebeckwerft lieferte im Jahr 1965 die Fischerei-Motorschiffe
"Freiburg i.Br.", "Tübingen", "Erlangen", "Hamburg", die Hecktrawler
"La Canche" und "Cap Nord", die Fähre "Berlin", die Auto-und Passagier-Fähre
"Norway" und die beiden Thunfischfänger "Yadran" und "Sokol" ab.
Der pakistanische Major Aziz Bhatti, der im September
1966 im Konflikt gegen Indien mit hohen Ehren ausgezeichnet wurde und schließlich
an der Front den Tod fand, gab dem Linienfrachtschiff Aziz Bhatti, seinen
Namen. Das Schiff kostete 14,6 Mio. DM. Auf Wunsch des Eigners mußten
in der Offiziersmesse zwei Wandleuchten demontiert werden, um einem Ölgemälde
das Major Aziz Bhatti zeigt, Platz zu machen.
Obwohl die Seebeckwerft im Juni 1966 auf Grund der verbesserten
Auftragslage mit Schiffsneubauten hätte ausgelastet sein können,
setzte sie ganz bewußt einen Teil ihrer Kapazitäten für
schiffbau- fremde Fertigung ein, um konjunkturunabhängiger zu
werden. Sie lieferte in diesem Monat das größte Objekt ab, mit
der sich die Abteilung Industriefertigung bisher befaßte: einen Greiferschwimmbagger
für die Hanseatischen Kieswerke, Hamburg, der wohl die größte
schwimmende Kiesgewinnungsanlage Europas zu dieser Zeit war.
Im Juli 1966 ließ die Seebeckwerft einen Eimerkettenbagger
zu Wasser, der für die Hamburger Naßbaggerei Grün &
Bilfinger GmbH bestimmt war. Der Bagger wurde auf den Namen Friesland getauft.Die
Baggertiefe lag bei maximal 26 m, der Eimerinhalt betrug 850 l. Der Neubau
erhielt Schlafplätze für 24 Mann. Nach seiner Fertigstellung
gehörte der Bagger zu den größten und modernsten
seiner Art in Deutschland.
Der Bau von Schwimmbaggern aller Art stand im Katalog
der Industriefertigung obenan. Das Programm umfaßte weiter Winden
für Fischereifahrzeuge, Hydraulikanlagen, Schleppgeschirre, Rollsliphaken,
Stahlbau und allgemeiner Maschinenbau sowie auf dem Holzsektor Innenausbau
von Räumen.
Für die Zukunft schwebte der Werftleitung vor, daß
die Industriefertigung einmal 20 bis 25 % der Gesamtkapazität einnehmen
sollte. Wunsch vieler Werften war eine krisenfeste Serienfertigung, die
außerhalb des Schiffbaus lag, sich aber mit dem auf Schiffbau getrimmten
Maschinenpark bewältigen läßt. Erfahrungen mit solcher
Serienfabrikation sammelte die Seebeckwerft bereits beim Bau von
landwirtschaftlichen Wagen.
Hochseeschlepper "Bremen"
Im März 1967 entstand bei der Fa. Krupp/Essen eine
neue Situation. Aufgrund einer Finanzierungshilfe der Bundesregierung war
Krupp nun nicht mehr Alleininhaber. Es wurde ein Verwaltungsrat eingesetzt
mit dem Ziel, die Krupp- Werke in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.
Zum gleichen Zeitpunkt befand sich die Bremer Werft in einer sehr schlechten
Auftragslage.
Als einen Bergungs- und Hochseeschlepper
der oberen Klasse bezeichnete Werfdirektor Höland im Juni 1967 die
MS Bremen (1138 BRT, 7.500 PS), den die Werft für die Unterweser
Reederei GmbH herstellte. Es war das größte Fahrzeug unter den
vielseitigen Schleppern der URAG. Unter Verzicht auf hohe Geschwindigkeit
wurde das Hauptgewicht auf eine große Zugkraft gelegt, die in Verbindung
mit dem Kortdüsenruder etwa 72 t betrug. Der Geschäftsführer
der URAG, von Aswegen, wies auf die hohen Investitionen und Risiken in
der Schleppschiffahrt hin. Es gebe keinen regulären Markt. Andererseits
müsse es aber solche Schlepper geben, allein schon im Hinblick auf
die immer größer werdenden Schiffe sowie Docks und Bagger. Auch
die 160 Bohrinseln in aller Welt seien mehr oder weniger auf Schlepper
angewiesen.
Die ordentliche Hauptversammlung der AG "Weser" fand
am 29. Juni 1967 im Verwaltungsgebäude der Aktien-Gesellschaft "Weser"
in Bremen, Werfstraße 160, statt.
Wie dem Geschäftsbericht für 1966 zu
entnehmen ist, baute die Seebeckwerft im Jahr 1966 die Ro- Ro-Fähre
"Norwind", die Motorfrachtschiffe "Aziz Bhatti", "Sarfaraz Rafiqi" und
"Heering Susan", den Schlepper "AlemdarII", den Gastanker "Lincoln Ellsworth"
und die beiden Hecktrawler "Fyllasbank" und "Marburg".
Unter Erläuterungen zum Jahresabschluß vermerkt
der Bericht: "Mit der Firma Fried. Krupp, Essen, die eine Mehrheitsbeteiligung
an unserer Gesellschaft besitzt, besteht seit dem 1.1.1963 gewerbe-
und umsatzsteuerliche Organschaft und ab 1.1.1965 ein Ergebnisabführungsvertrag.
Modernisierung und Erweiterung der Werftanlagen
Rasch steigende Lohnkosten, gehobene Ansprüche an
die Arbeitsplätze, wachsende Schiffsgrößen und nicht zuletzt
ein härter werdender Wettbewerb - inbesondere aufgrund
der Aktivitäten Japans - verlangten Mitte der 60er Jahre nach
einer Neukonzeption der Werft. Zwischen 1968 und 1975 wurden für 60
Mio. DM grundlegende Modernisierungen und Erweiterungen vorgenommen.
Parallel zu den Verschiebungen im Produktionsprogramm erfolgte zwischen
1966 und 1968 eine Verlegung der Bahnanschlüsse und des Plattenlagers.
Eine Entzunderungs-, eine Beschichtungsanlage und eine neue Schiffbauhalle
von 160 m Länge und 62 m Breite wurde errichtet.
Sektionsbauweise
1968 erledigte die Seebeckwerft ihren bis dahin größten
Einzelauftrag mit einer neuen Fertigungsweise, dem bis dahin vornehmlich
bei
Tankern üblichen Großsektionsbau. In einer Rekordzeitbauzeit
von 12 Monaten hatten Arbeiter und Angestellte der Seebeckwerft
den 15.000 BRT großen Luxusliner "Starward" fertigstellen können.
Um den für ein Schiff dieser Art ungewöhnlich kurzen Fertigungszeitraum
halten zu können, mußten von der Werft neuartige Wege
in Konstruktion, Planung und Ausrüstung beschritten werden. So entstand
der Rumpf zunächst in zwei Hälften, d. h. im Baudock
und auf der Helling, während das Heck als Großbauteil in der
Halle vorgefertigt wurde. Große Einbauteile, wie z. B. die
kompletten Bäder der Passagierkabinen, wurden in Serienfertigung in
den Betriebsstätten vorgefertigt, um dann als fertige Einheiten
bereits auf der Helling bzw. im Baudock an Bord installiert zu werden.
Exakte Terminplanung war die Vorraussetzung für
den reibungslosen Ablauf und die Zeitersparnis. Am 27. April wurde die
89 m lange Hinterschiffssektion zu Wasser gelassen und am 4. Mai in das
Baudock eingeschwommen. Beim Zusammenschwimmen der beiden Großsektionen
zeigte sich, daß Seiten und Boden exakt paßten - die
maximale Differenz an einer Stelle betrug lediglich 5 mm -, so daß
bereits eine Woche nach dem Einschwimmen beide Teile fertig zusammengezogen,
ausgerichtet und verschweißt waren. In fünf weiteren Tagen war
die Hecksektion verschweißt und bereits am 20. Mai konnte die Heckklappe
eröffnet werden und somit durch das Achterschiff
auf das Autodeck auf bequeme Weise Material und Ausrüstungsteile an
Bord gebracht werden.
Der Geschäftsbericht für das Jahr 1968 sagt zu den Investitionen: "Im Werk Seebeck hat die Verbesserung der Planung und Organisation sowie die Anpassung des Fertigungsablaufes an modernste Erkenntnisse bereits zu guten Erfolgen geführt. Diese Maßnahmen wurden ergänzt durch ein seit 1966 laufendes und ein Volumen von DM 6 Mio. umfassendes Investitionsvorhaben. Zunächst wurde das Anzeichnen und Brennen der Schiffsbleche auf optisch gesteuerte Maschinen umgestellt.
Im Berichtsjahr wurden die Lagerung, der Transport
und die Konservierung des Schiffbaustahls rationalisiert. In konsequenter
Fortführung dieser Ideen wird im laufenden Jahr eine moderne Schiffbauhalle
gebaut, mit der Materialfluß und Arbeitsablauf wesentlich verbessert
werden."
Am 8. November 1968 feierte die AG "Weser" Bremen
in der Stadthalle Bremen ihr 125 jähriges Bestehen. Als Redner sprachen
auf dieser Feier Horst Janson als Vorstandsvorsitzender, Gustav Börnsen
als Betriebsratsvorsitzender , Hans Koschnick als Präsident
des Bremer Senats, Wolf A. Greeven als Vizepräsident der Standard
Oil Company, Herman Helms für die DDG "Hansa", Gerhard Stoltenberg
für die Bundesregierung, Günther Vogelsang für den Aufsichtsrat
der AG "Weser" und Wilhelm Kaisen.
Börnsen beschäftigte sich in seiner Rede u.
a. mit den Werftarbeitern der AG "Weser" als Teil der Bremer Arbeiterbewegung
und kam in diesem Zusammenhang auch auf die Rolle der Arbeitnehmerschaft
während des Nationalsozialismus zu sprechen. Er führte aus:
"Aber hier ist auch der Zeitpunkt gekommen, etwas über den damaligen
Generaldirektor Stapelfeld zu sagen, der das Unternehmen nach dem ersten
Weltkrieg bis 1945 geführt hat. Er war der Mann, der einer Reihe heute
sehr bekannter Politiker damals auf der AG "Weser" Asyl bot. Ihm haben
viele Arbeitnehmer heute noch einen Dank abzustatten."
Programm für Serienschiffe
Mit dem Bau von Passagierschiffen und mit neuen Frachttypschiffen
reagierte die Seebeckwerft auf insgesamt verschlechterte Absatzmöglichkeiten
für Fischdampfer. Mit dem Neubau Nr. 936 wurde das erste Schiff aus
dem Programm der Key-Schiffe gebaut. Dieses Programm umfaßte standardisierte
Schiffstypen für trockene Massengüter, für Stückgüter
und für Rohöl und Raffinerieprodukte.
Im Februar 1969 ließ man im Baudock einen
solchen Frachter des Typs 36 L, nämlich die "Gerdt Oldendorff" ( 9.800
BRT/16.260 tdw) taufen. An der Entwicklung des Typs 36 L hatte auch die
Reederei Oldendorff und ihre Mitarbeiter wesentlichen Anteil, wie Werftdirektor
Günther Hinz zu berichten wußte.
Im März 1969 erschien auf der Werft, nach
den Jahren des Verbots der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), wieder
eine kommunistische Betriebszeitung mit dem Namen "Werft-Nachrichten".
Die sich konstituierende DKP stellte ihre Betriebsgruppe Werft Bremerhaven
vor. Als Herausgeber der Betriebszeitung zeichnete Albert Reyher, ein kommunistischer
Arbeiter, der schon sehr lange auf der Seebeckwerft arbeitete und recht
bekannt war. Hein Cordes erzählte mir am 11.04.1985, daß
die erste Sitzung der neukonstituierte DKP in einem Clubzimmer in der Deichstraße
hauptsächlich aus Werftarbeitern von Seebeck bestand.
Im Geschäftsbericht für das Jahr 1968
schreibt man über die Werft: "Die Investitionen der Seebeckwerft -
in Zusammenhang mit dem dort entwickelten Frachtschifftyp 36 - ermöglicht
sowohl die Fertigung von Serienschiffen als auch den Bau von Spezialschiffen.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang insbesondere der Bau einer
neuen Schiffbauhalle mit Entzunderungsanlage und anschließender Farbbeschichtung,
den entsprechenden Transporteinrichtungen und der Vollautomatisierung des
Brennens von Blechen. Diese Anlage konnte inzwischen voll in Betrieb genommen
werden."
"Der von der Seebeckwerft als Mehrzweckfrachter für
den Transport von Stückgut, Schüttgut und Containern entwickelte
Frachtertyp 36 bzw. 36L mit einer Tragfähigkeit von 15.400 bis
16.300 tdw ist wegen seiner Vielseitigkeit und der Möglichkeit, ihn
mit verschiedenen Geschwindigkeiten zu liefern, vom Markt gut aufgenommen
worden. Der Typ wurde aufgrund seiner günstigen Transportkapazität
auch als Dreideckschiff für die Linienfahrt weiterentwickelt."
Weiterhin ist den Erläuterungen zum Jahresabschluß
zu entnehmen, daß die Fried. Krupp GmbH, Essen, den Minderheitsaktionären
für die Dauer des Gewinnabführungsvertrages eine Dividende von
8% garantierte.
Am 1.10.1970 kam es zu einem einstündigen Warnstreik
bei Seebeck, den die gewerkschaftlichen Vertrauensleute gut vorbereitet
hatten. Auf der Vertrauensleuteversammlung am 5.10.1970 berichtete Günther
Linde, daß die Tarifverhandlungen gescheitert seien. Es werde jetzt
die Schlichtung angerufen und das bedeute wiederum 22 Tage Friedenspflicht.
Am 26. Oktober 1970 demonstrierten 4.000 Arbeiter und
Angestellten von Bremerhavener Werften, um gegen die erneut geplatzten
Tarifverhandlungen zu protestieren. Um 10 Uhr beschloß die
Belegschaft der Seebeckwerft einen Demonstrationsmarsch zum Theodor-Heuss-Platz.
Unter dem Ruf "Wir fordern jetzt 15 Prozent" griffen die Arbeiter von der
Rickmers Werft die Idee auf und marschierten dem Zug entgegen. Dann zogen
die Demonstranten zu den anderen Werftunternehmen. Arbeiter der Schichau-,
der Unterweserwerft und des Werftbetriebes von Hapag-Lloyd stießen
zu ihnen. Auf dem Melchior-Schwoon-Platz sprach der IG-Metall-Bevollmächtigte
John Rappeport zu den Arbeiter. Er begrüßte die Demonstrationen
und wies auf die Urabstimmung am übernächsten Tag hin, denn "
ein Streik geht nicht an einem Tag zu Ende."
Nach 36 Jahren Tätigkeit bei der A.G."Weser" , davon
17 Jahre als Betriebsratsvorsitzender und im Aufsichtsrat, ging Robert
Fiedler im Februar 1971 in Rente. Auf einem Abendessen wurde ihm vom Aufsichtsvorsitzenden,
Günter Vogelsang, von Werftdirektor Hinz, vom Bremer Betriebsratsvorsitzenden
Gustav Börnsen und vom neuen Betriebsratsvorsitzenden
Günther Linde für seine Arbeit und seine faire Verhandlungsführung
gedankt. Günther Linde sagte u. a.: "Robert Fiedler hat sich stets
uneigennützig für die Kollegen eingesetzt. Seine Gewohnheit,
auch unangenehme Dinge offen auszusprechen, zeigt seine Persönlichkeit,
war die Basis des Vertrauens, das man ihm entgegenbrachte." Im Mai
1971 wurde bekannt gegeben, daß Günther Linde (SPD)
zum neuen Betriebsratsvorsitzenden der Seebeckwerft gewählt wurde.
Sein Vertreter wurde Herr Goldermann.
Anläßlich der Taufe des Fischfangfabrikschiffes
Karlsburg bezeichnete 1972 Werftdirektor Höland den 3.600 BRT-Neubau
als Krönung des Baues von Fischereifahrzeugen auf der Seebeckwerft,
der eine Tradition von acht Jahrzehnten hatte. Bezeichnend für die
Entwicklung sei, daß die Leistung allein der Fischnetzwinde dieses
Neubaues mit 800 PS doppelt so stark wie der Hauptantrieb der ersten "Karlsburg"
sei.
Dem Bericht des Vorstandes für das Geschäftsjahr
1971 ist zu entnehmen: "Nachdem auf der Seebeckwerft die marktorientierten
Sonderinvestitionen in Form von Helgenverlängerung und Ausbau der
Ausrüstungspier abgeschlossen waren, wurden 1971 vorrangig Rationalisierungsinvestitionen
durchgeführt. Das Schwergewicht lag auf dem Einsatz von voll- und
halbautomatischen Schweißeinrichtungen, mit denen eine weitere Verkürzung
der Fertigungszeiten möglich ist.
Großes Interesse von seiten der Belegschaft fand
die Dezentralisierung der Kaltverpflegung in Form von Automatenstationen,
die zur besseren Versorgung der Mitarbeiter und zur Verkürzung der
Wegezeiten beitragen sollen.
Weiter wird im Geschäftsbericht über die
Investitionsplanung ausgesagt: Die Investitionsplanung für die Seebeckwerft
geht von der Zielsetzung aus, eine rationellere Fertigung von Schiffen
bis etwa 30.000 tdw zu erreichen. Diese Zielsetzung basiert auf den im
Jahre 1971 durchgeführten Marktstudien. Mit der Verlängerung
der bestehenden Schiffbauhalle und dem damit verbundenen Bau einer Paneel-
und Taktstraße wird weitgehend eine fließende Fertigung erreicht.
Damit erfolgt nicht nur die Beseitigung eines wesentlichen Engpasses, sondern
auch eine bedeutend rationellere Gestaltung des Fertigungsablaufs. Neben
diesem Vorhaben im Stahlschiffbau ist ferner beabsichtigt, auch die Ausrüstungsgewerke
zu konzentrieren, womit eine umfassende Abstimmung der Produktionskapazitäten
erreicht wäre."
Die Schiffbau-Gesellschaft Unterweser AG und die
F. Schichau
GmbH schlossen sich per 1. Juli 1972 zur Schichau-Unterweser AG (SUAG)
zusammen.
Der zweite große Umbau
1973- 1975 fand der zweite große Umbau auf der
Werft statt. Der erste Schritt zur Steigerung der zu bauenden Schiffsgröße
war die Beseitigung der Werfthafenbrücke, durch die die Breite
der zu bauenden Schiff bis dahin auf 24 m begrenzt war, sowie die
Verlängerung des Helgens. Beide Maßnahmen waren bereits notwendig,
um die 1974 gelieferten 12.000 BRT-Fähren Norland und Norstar liefern
zu können. Im Oktober fand der öffentliche Stapellauf des bis
dahin größten Schiffes der Werft, der Norland, statt. Über
5.000 Zuschauer kamen und dazu noch 300 offizielle Gäste vor
allem aus England und Holland, unter ihnen die mit schweren Amtsketten
beschmückten Bürgermeister von Hull und Rozenburg sowie auch
Wirtschaftssenator Jantzen.
Verlängerung der Schiffbauhalle
Kernstück der Ausbaumaßnahmen war die Verlängerung
der Anfang der sechziger Jahre errichteten Schiffbauhalle auf das Doppelte.
Im Dezember 1973 fand das Richtfest für die neue Schiffbauhalle statt.
Die bestehende 155 m lange Halle wurde mit einem Kostenaufwand von rd.
8,4 Mio. DM auf 300 m verlängert. Für den Innenausbau mit Maschinen
waren noch einmal 16 Mio. DM notwendig. In dieser Summe enthalten waren
fünf Portalkräne, die jeweils 10 t tragen können,
und acht Halbportalkräne. Wesentlicher Bestandteil der neuen Schiffbauhalle
aber ist die Takt - und Paneelstraße. Die Arbeiter wenden an
dieser Fertigungsstraße das modernste Schweißverfahren an und
sind so in der Lage Flachbauteile vollautomatisch fertigen zu können.
Streiks für Teuerungszulagen im Juni 1973
Aufgrund heftig steigender Preise und Inflation, kam
es in der Mitte des Jahres 1973 zu einer Bewegung in den Großbetrieben,
die Forderungen nach Teuerungszulagen stellte. Kein Wirtschaftsbereich
war davon ausgenommen. In der Werftindustrie kam es zu Streikaktionen.
5.000 Vulkan-Arbeiter standen an der Spitze des Kampfes. Auch bei der Krupp-Werft
Seebeck, Bremerhaven, kam es zu einer Aktion des größten Teiles
der Belegschaft.
Am Montag, den 18. Juni 1973 um 12 Uhr: Der größte
Teil der Belegschaft wirft nach einer Branchenversammlung die Brocken hin.
Eine große Demonstration bewegt sich durchs Werk.
Hier wurde die Forderung nach einer Teuerungszulage von
280 DM gestellt. Auch andere Bremerhavener Werften forderten Teuerungszulagen.
Am 21. Juni 1973 fand bei der Seebeckwerft eine außerordentliche
Betriebsversammlung statt. Von seiten der Unternehmensleitung der AG "Weser"
wurde im Vorgriff auf das Weihnachtsgeld 100 DM angeboten. Kommentar der
"Werft-Nachrichten": ""Was wird hier gespielt? Es ist doch bekannt, daß
diese 100 DM-Zahlung im Vorgriff auf ein erhöhtes Weihnachtsgeld von
der Belegschaft einmütig abgelehnt wird. Mit gutem Recht! Denn 100
DM zu bekommen, die man ohnehin in der Tasche hat, hat ja wohl mit
einer Teuerungszulage nichts zu tun, sondern ist ganz schlicht und einfach
ein ausgelegter Schwindel."
Streik vom 6.3.-27.3.1974
Höhepunkt der langen und harten Tarifbewegung 1973/1974
in der Metallindustrie war der dreiwöchige Streik der organisierten
Metallarbeitnehmer im Tarifgebiet Unterweser. Ca. 52.000 Metallarbeiter
in 86 Bremer und Bremerhavener Metallbetrieben forderten 18% mehr
Lohn und Gehalt und 140,- DM für die Auszubildenden. Nach
erfolglosen Verhandlungen mit den Arbeitgebern erklärte der IG Metall-Vorstand
am 31. Januar 1974 die Verhandlungen für gescheitert. Am 18. Februar
1974 erging ein Einigungsvorschlag der Schlichtungsstelle unter Vorsitz
des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts Bremen, Heinz Menkens: "14%
Anhebung der Löhne und Gehälter, 70,- DM mehr Ausbildungsvergütung,
2 Tage Urlaub mehr in 1974, eine Pauschale für Kontoführungskosten
und Absicherung älterer Arbeitnehmer". Dieser Einigungsvorschlag wurde
von der Tarifkommission der IG Metall am 25.2.74 einstimmig angenommen,
von den Arbeitgebern aber abgelehnt. Daraufhin erfolgte am 28. Februar
und 1.März 1974 die Urabstimmung. Die Metallarbeitnehmer entschieden
sich mehrheitlich für Streik. Am Montag, den 11.März zogen morgens
um 6 Uhr die Streikposten der IG Metall vor dem Haupttor und dem Eingang
der Verwaltung der Seebeckwerft auf.
Starke Demonstrationen- 10.000 in Bremerhaven
"In drei machtvollen Zügen demonstrierten am gestrigen
Donnerstag (21.3.) Bremerhavens Metaller zur Kundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz.
Dort sprach der 2. Vorsitzende der IG-Metall, Hans Mayr, vor rund 10.000
Kolleginnen und Kollegen. Zu den Sammelpunkten strömten die Kollegen
der Betriebe Seebeckwerft, Rickmers, Unterweser, Schichau, Schlotterhose
und viele andere schon eine bis eineinhalb Stunden vor dem Beginn der Demonstration.
Schon hier auf den drei Sammelpunkten wurde deutlich: Die Front der Metaller
steht unerschütterlich. Empörung und Zorn wachsen über die
sture und provokatorische Haltung der Unternehmer und ihres Verbandes "Gesamtmetall"."
Am 25. März 74 stimmte die Große Tarifkommission
dem Einigungsvorschlag zu und gab die Empfehlung an den IG Metall-Vorstand
die Urabstimmung durchzuführen. Das Ergebnis wurde angenommen.
Die Hundertjahrfeier der Werft
Die regionale "Nordsee-Zeitung" kommentierte die Hundertjahrfeier
der Seebeckwerft so: "Zu einem wahren Volksfest weitete sich die Hundertjahrfeier
der Seebeckwerft aus, die zum "Tag der offenen Tür" eingeladen hatte.
Auf einem Empfang, den die Werft für Geschäftsfreunde gab, wies
J. Kramer darauf hin, daß dieser Betrieb mit seinen 3.500 Mitarbeitern
und mit noch einmal so vielen Beschäftigten in den Zulieferfirmen
ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Bremerhaven sei. Nach Schätzungen
der Geschäftsleitung und der Polizei pilgerten 20 000 bis 25 000 Menschen,
trotz der Hitze, zur Werft hinaus. Besondere Anziehungspunkte waren die
Hafenrundfahrten mit zwei Barkassen, der zur Besichtigung freigegebene
Neubau "Raimu" und die muskalischen Darbietungen des Stadttheaters.
Zum ersten Mal in der langen Geschichte der Seebeckwerft
wurde im März 1977 mit dem Frischfischfänger Bürgermeister
Smidt ein Stapelhub durchgeführt. Das Schiff mit seinem 500 t schweren
Rumpf wurde von den Schuchman-Schwimmkränen "Enak" und "Roland"
ins Wasser gelassen. Der 900- BRT-Heckfänger war als B.-Nr. 1003 für
Reederei Söhle bestimmt.
Im April 1977 wurde zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ein Frischfischfänger für die deutsche Fischindustrie in Betrieb genommen. Werftdirektor Hinz wies bei der Übergabe des Heckfängers "Geestemünde" darauf hin, daß dieser Typ mehr einem Schlepper ähnele.
Trawler "Geestemünde"
Infolge der technischen Veränderungen in der letzten
Zeit sei ein völlig neuer Typ entstanden. Die Forderungen der
Hanseatischen Hochseefischerei AG hätten dazu geführt, daß
die Schiffsbreite durch die Netzwinde bestimmt wurde. Vom Typ "Geestemünde"
erwarte man die ökonomische Anwendung aller Fangarten. Durch Rationalisierung
und Automatisierung komme er mit nur 16 Mann Besatzung aus, da 4 bis 5
Mann durch Maschinen ersetzt würden. Grundüberlegung für
den Bau dieses sehr kompakten Schiffes war die Notwendigkeit der Verbesserung
und Sicherung der Versorgung des deutschen Marktes mit Frischfisch. Dieser
soll spätestens 17 Tage nach dem Fang angelandet sein. Der neue
Heckfänger vermißt mit 950 BRT und trägt rd. 460 t. Sein
Fischraum von 355 cbm faßt etwa 4.500 Korb bzw. Zentner.
Bei der Seebeckwerft fand der Bau der Fähre Olau
Hollandia mit 14.900 BRT statt. Der Stapellauf der Großfähre
fand am 22. November 1980 statt. Der Neubau wurde in siebeneinhalb Monaten
hochgezogen und war für 1.600 Tagespassagiere und 550 Pkw geplant.
Am 9. September 1980 trat der Betriebsrat der AG "Weser"
Bremen zurück. "Nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden Hans
Ziegenfuß sollte dieser Schritt den Protest gegen das vorliegende
Vorstandskonzept ausdrücken. Mit der Verwirklichung des Vorstandskonzepts
sieht der Bremer Betriebsrat "den Anfang vom Ende" der Werft auf sich zukommen."
Das Konzept sah u. a. 500 Entlassungen vor. "Mit diesen Massenentlassungen
ist die Weiterführung kaum noch gegeben. Dies ist ein weiterer Schritt
in Richtung Stillegung der Werft."
Demonstrationen gegen den Abbau von Arbeitsplätzen
Bau der Fähre Olau Britannia mit 14 985 BRT
. Am 5.5.1982 wurde dieses Schiff im Hafen von Sheerness bei London von
der britischen Prinzessin Margaret auf den Namen "Olau Britannia" getauft.
Am 5. Februar 1981 gingen 5.000 Werftarbeiter in Bremerhaven
für ihre gefährdeten Arbeitsplätze auf die Straße.
Die NZ schrieb dazu:" Eindrucksvolle Kundgebung gestern auf dem Theodor-Heuss-Platz.
Aus nördlicher Richtung durch die Fußgängerzone brandete
eine Woge vorwiegend gelber Helme, aus dem Süden schwappte über
die alte Geestebrücke eine Welle blauer Schutzhelme- auf dem Theodor-Heuss-Platz
vereinigten sie sich zu einem Meer, das die Grenzen des Platzes überflutete.
Annähernd 5.000 Werftarbeiter formierten sich gestern vormittag zu
eindrucksvollen Demonstrationen und einer Kundgebung, bei der sie ihre
Sorge um die Arbeitsplätze in der Werftindustrie deutlich machten."
Arthur Ledebur, der Bevollmächtigte der IG-Metall
Bremerhaven, erinnerte daran, daß allein in den vergangenen fünf
Jahren mehr als 3.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Gerhard
Lilienfeld von der Bezirksleitung der IG-Metall Hamburg sagte, allein seit
1975 sei die Zahl der Arbeitsplätze auf den Werften in Norddeutschland
um 20 000 verringert worden. Im gleichen Zeitraum haben zehn Schiffbauunternehmen
in Norddeutschland die Produktion eingestellt.
Im Mai 1981 veröffentliche die AG "Weser" den Geschäftsbericht
für das Jahr 1980. Dem Bericht entnehmen wir, daß von Krupp
ein Verlust von 72,4 Mio. DM übernommen werden mußte. Wörtlich:
"Eine durchgreifende Marktbesserung mit der Möglichkeit, generell
wieder kostendeckende Preise zu erzielen, kann nicht erwartet werden, bevor
sich ein Gleichgewicht auf dem Gesamtmarkt abzeichnet. Das vom Vorstand
erarbeitete und vom Aufsichtsrat verabschiedete Konzept der Strukturveränderung
unserer Werft Bremen zur Anpassung an die Marktgegebenheiten und zur Kostenreduzierung
ist eine unabdingbare Vorraussetzung, um mit der Bremer Werft weiterhin
im Schiffbau tätig zu bleiben." Ende 1980 beschäftigten beide
Werften noch 5.389 Mitarbeiter.
Im September 1981 wurde bekannt, daß Krupp den
Übernahme-Vertrag für die AG "Weser" gekündigt hatte. Krupp
war nicht nur Eigentümer der AG Weser (über 80 % der Aktien),
sondern hatte auch einen Vertrag mit der AG Weser, der besagt, daß
alle Gewinne und Verluste vom Krupp-Konzern übernommen wurden. Die
Kündigung des Vertrages geschah zu einem Zeitpunkt, als die AG
"Weser"
Millionenverluste einfuhr (Tanker-Krise) und nun der Bremer Senat einspringen
durfte.
"Das vom Vorstand vorgelegte Umstrukturierungskonzept
für unsere Werft Bremen war am 24. September 1980 unter bestimmten
Voraussetzungen vom Aufsichtsrat verabschiedet worden. Nachdem diese Voraussetzungen
im Juli 1981 erfüllt waren, hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung
am 23. Juli 1981 das Konzept endgültig gebilligt. Die Zielsetzung
dieses Konzepts ist die Erhaltung des Schiffsneubaus in unserer Bremer
Werft. Durch nachhaltige Verbesserung von Kostenstruktur und Produktivität
sowie unter Einsatz des im Unternehmen vorhandenen know how soll eine wettbewerbsfähige
Umrüstung und Umorientierung vom Bau größter Schiffe auf
den mittelgroßen Spezialschiffbau erfolgen."
Ein Teil der Fertigungsanlagen für den Großschiffbau
wurden stillgelegt. Die Belegschaft der Werft Bremen wurde um 207 Mitarbeiter
reduziert. "Der mit dem Betriebsrat der Werft Bremen am 30. April 1981
vereinbarte Interessenausgleich sieht die personelle Umstrukturierung unserer
Bremer Werft bis zum 30.6.1982 vor."
Im Geschäftsbericht der AG "Weser" für das
Jahr 1982 ist von der Schließung der "Akschen" noch nicht die Rede.
Die AG "Weser" schloß auch 1982 wieder mit einem Verlust ab, nämlich
mit 7,8 Mio. DM.
"Die Umstrukturierung unserer Werft Bremen wurde in 1982
fortgeführt und wird 1983 abgeschlossen. Hieraus resultiert eine nachhaltige
Verbesserung der Kosten- und Produktivitätsstruktur, die wesentlich
zur Kostenentlastung beiträgt."
Dem Geschäftsbericht für das Jahr 1983, dem
140. Jahr des Bestehens der AG "Weser", entnehmen wir Aussagen über
die Situation, wie es zur Schließung der Bremer Werft kam.
"Die infolge dieser Entwicklung permanent unausgelasteten
Kapazitäten zwangen den deutschen Schiffbau zu weiteren Strukturmaßnahmen.
Auf der Werftenkonferenz der vier Küstenländer im April 1983
wurde in Abstimmung mit dem Verband der Deutschen Schiffbauindustrie eine
Reduzierung der deutschen Schiffsneubaukapazitäten um ca. 30% empohlen.
Im Land Bremen erarbeiteten die Werften Bremer Vulkan AG, AG "Weser" und
Hapag-Lloyd Werft GmbH ein Fusionskonzept. Dieses Konzept sah die Reduzierung
der Schiffsneubaukapazitäten um etwa ein Drittel unter Schließung
der Werft Bremen-Gröpelingen der AG "Weser" vor. Vorraussetzung für
die Durchführung dieser Strukturänderung war, daß sich
die öffentliche Hand mit 50% an den Kosten in Höhe von ca. 230
Mio. DM beteiligte. Entsprechende Anträge wurden an die Bundesregierung
und an die Freie Hansestadt Bremen gestellt.
Vor dem Hintergrund der sich in diesem Zusammenhang entwickelnden
öffentlichen Diskussion war es nicht mehr möglich, Anschlußbeschäftigung
für AG "Weser" Werft Bremen hereinzubekommen. Ein mit einer ausländischen
Reederei geschlossener Vorvertrag über den Bau von zwei Containerschiffen
auf unserer Werft Bremen - mit Option für ein 3. Schiff - wurde seitens
der Reederei trotz des damit verbundenen Anzahlungsverlustes wieder gelöst.
Im Interesse der Erhaltung des Werftstandorts Bremerhaven der AG
"Weser" und der Durchführung des Fusionskonzepts wurde auf Antrag
des Vorstands in der Aufsichtsratssitzung am 15. Oktober 1983 beschlossen,
unsere Werft Bremen- Gröpelingen zum 31. Dezember 1983 zu schließen.
Zu diesem Zeitpunkt waren dort 2.050 gewerbliche und angestellte Mitarbeiter
sowie 190 Auszubildende beschäftigt.
Ende November 1983 endschied die Bundesregierung, sich
nicht an der finanziellen Unterstützung der geplanten Fusion und der
damit verbundenen drastischen Kapazitätsreduzierung zu beteiligen.
Damit war dieser Lösung die Basis entzogen. Alle Anstrengungen wurden
in der Folgezeit darauf konzentriert, die AG "Weser" Seebeckwerft in Bremerhaven
zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern."
Im Jahr 1983 entfielen 75% des Umsatzes auf die Seebeckwerft. Das Geschäftsjahr
1983 schloß die AG "Weser" mit einem Verlust von 34,5 Mio. DM ab.
"Das ordentliche Ergebnis 1983 war bei der Seebeckwerft
positiv. In der Werft Bremen dagegen entstand durch die Unterbeschäftigung
und die Stillegung des Betriebes ein hoher Verlust."
In einem Interview, daß der ehemalige Vorstandsvorsitzende
der AG "Weser" dem Autor am 7. Dezember 1993 gab, nahm Herr Hinz u. a.
zu der Frage Stellung, wie sich die Schließung der AG "Weser" auf
die Seebeckwerft ausgewirkt hatte:
"Die Schließung der AG "Weser" hat natürlich
finanziell die Seebeckwerft erheblich belastet. Das hat noch Folgen
gehabt bis vor ein paar Jahren. Das ganze ist umso schmerzlicher, denn
die Seebeckwerft hat ja der AG "Weser" finanziell eigentlich über
Jahrzehnte hinweg geholfen. Wir haben oftmals die Bilanz nur ausgleichen
oder nur einen Gewinn ausweisen können, weil der von Seebeck
gekommen ist. Seebeck hat also per Saldo mehr Gewinn gemacht wie AG "Weser"
nach dem Kriege. Und daß wir nachher nochmal so draufzahlen mußten,
war natürlich schmerzlich. Auf der anderen Seite galt es ja eine Lösung
zu finden, um Seebeck zu halten."
Verlängerung einer Luxusfähre
Im Juni 1983 übergab die Werft im Rahmen eines 170-Millionen-Auftrags
den dritten verlängerten Luxusliner an die norwegische Reederei Royal
Viking Line. An dem Passagierschiff Royal Viking Sea wurde durch
ein neues Mittelstück eine Kapazitätserweiterung von 580 auf
820 Passagiere vorgenommen, was technisch eine Verlängerung um 27,72
m auf 205, m und ein Wachstum von 21.900 auf 28. 200 BRT bedeutete.
Das Schiff wurde mit mustergültiger Generalstabsarbeit
in der Rekordzeit von elf Wochen umgebaut. Unmittelbar nach dem Eindocken
wurde der Musikdampfer auseinandergeschnitten, wobei der Brennschnitt
durch insgesamt 12 Decks einschließlich der dazugehörigen Wände,
Rohre, Lüftungskanäle geführt werden mußte. Neun Tage
darauf wurden die beiden Schiffshälften, die gegen Wassereinbruch
abgeschottet und von Schiffspontons gestützt wurden, auseinandergezogen.
Dazwischen kam die Verlängerungssektion. An der Ausrüstungspier
wurden Küche, Gesellschaftsräume und die gesamte Technik eingebaut.
Bereits 1981 hatte das Schwesterschiff "Royal Viking
Star" und im November 1982 die "Royal Viking Sky" diese Vergrößerung
und Verschönerung erfahren. Entsprechend der Vergrößerung
wurden auch die Versorungseinrichtungen angepaßt. Besonders
erwähnenswert ist die Einrichtung einer völlig neuen Lounge auf
dem Skydeck für insgesamt 200 Personen, eine Vergrößerung
des vorhandenen Speisesalons, die Einrichtung von insgesamt neun neuen
Penthouse-Suiten auf dem Skydeck sowie einer Suite und 13 zusätzlichen
Luxuskabinen auf dem Promenadendeck. Auf dem Skydeck wurde ein neuer Swimmingspool
mit Sonnenterrasse eingebaut. Auch die Kapazität der "einarmigen Banditen",
der Glücksspielautomaten, mußte erweitert werden.
Die größte private Eisenbahn-Fähre
der Welt
Die MS-Railship II, das größte private Eisenbahn-Fährschiff
der Welt, wurde danach abgeliefert, bestimmt für die Fahrt zwischen
dem deutschen Ostseehafen Travemünde und dem finnischen Hafen Hankö.
Eisenbahnwaggonfähre "Railship II"
Für die 540 Seemeilen lange Wegstrecke benötigte
das Schiff ca. 30 Stunden. Das Schiff transportiert Waggons mit verschiedenen
Spurbreiten. Die Vermessung beträgt 20.077 BRZ. In den
drei Decks sind insgesamt 1976 m Gleis verlegt, was die Mitnahme von 85
Waggons von jeweils 20 m Länge ermöglicht. In jedem Gleis liegen
fünf Gleisspuren nebeneinander. Neu sind zwei korbähnliche 2-Tonnen-Pkw-Davits
zur Übernahme auch von Autos auf das Oberdeck. Neben 28 Personen Besatzung
können 12 Passagiere auf den Überfahrten untergebracht werden.
Die Tragfähigkeit der Waggonfahrstuhlanlage an Bord beträgt
92 tons .
Der Geschäftsbericht der "AG-Weser" zog einen Schlußstrich
unter die Stillegung der Großschiffswerft. Von der Seebeckwerft
wurden 50 Mitarbeiter aus dem Bremer Stamm übernommen. In Bremerhaven
stand der Abbau von 110 Mitarbeitern auf dem Personalplan.
Im Mai 1984 gab es Betriebsratswahlen auf der Seebeckwerft.
Von den 19 gewählten Betriebsräten gehörten 9 zur Betrieblich-Alternativen-Liste.
Die Mehrheit war der SPD zuzuordnen. Das Stimmenergebnis sahen so aus,
daß die ersten vier Plätze von den "Linken" Pflaumbaum (907),
Schories (712), Ritz (502) und Sander (467) belegt
wurden. Der bisherige Betriebsratsvorsitzende Günter Linde kam nur
auf den fünften Platz mit 447 Stimmen. Dennoch entschied sich die
sozialdemokratische Mehrheit im Betriebsrat, Linde wieder zum Vorsitzenden
und Georgi zum Vertreter zu wählen.
Dem im Mai 1985 veröffentlichten Geschäftsbericht
1984 für die Seebeckwerft AG entnehmen wir, daß die Hauptversammlung
der Aktien-Gesellschaft "Weser" am 6. Juli 1984 den Beschluß faßte,
den Firmennamen in Seebeckwerft Aktiengesellschaft zu ändern und den
Sitz der Gesellschaft von Bremen nach Bremerhaven zu verlegen. Zur AG "Weser"
Bremen vermerkt der Geschäftsbericht:" Die Abwicklung der Stillegung
unseres Bremer Betriebsteils ist in wesentlichen Teilen abgeschlossen."
Im Dezember 1984 stimmte der Aufsichtsrat der Gründung
der "Seebeck TechnoProduct GmbH" zu und die Eintragung ins Handelsregister
erfogte am 30.04.1985. Mit der Seebeckwerft AG wurde ein Ergebnis-
übernahmevertrag
abgeschlossen. Das Stammkapital der Firma betrug 2 Mio. DM und lag
zu 100% in Händen der Seebeckwerft AG. Die Belegschaftszahl bewegte
sich 1985 um ca. 200 Mitarbeiter.
1984 gingen zwei Containerschiffe nach China, vier flußgängige
Seeschiffe wurden für deutsche Rechnung gebaut. Zu ihnen gehörte
auch die "MS Stadt Leer". Mit dem eingebauten Bugstrahlruder kann
der Wendekreis von 96 m auf Null reduziert werden, d.h. das Schiff kann
sich mit Hilfe der Technik auf der Stelle drehen. Zu den Umbauten gehörten
je eine RoRo-Auto- und Passagierfähre, die knapp 8.000 BRT große
"St . Columbia" von Sealink und das RoRo-Frachtfährschiff "Saga
Wind"
der TT-Line. In zwei Wochen wurde das Deckshaus durch Verlängerung
nach achtern durch den Einbau von 22 zusätzlichen Kabinen umgebaut.
Bau von Autofähren
Für die Krupp Atlas Elektronik GmbH in Bremen baute
die Werft eine schwimmende hydroakustische Meßstelle für 7,55
Mio. DM. Seit dem 28.10.1987 liegt die Meßstelle an ihrem endgültigen
Standort im Baggersee bei Bremen-Hemelingen. Die Meßstelle besteht
aus einer auf drei Pontons schwimmenden 40 x 36 m großen Anlage,
die in zwei Stockwerken Labors, einen Rechnerraum, Büro- und Sozialräume
enthält. Zentrum der Anlage bildet die Halle mit dem Pool, einer 17,5
x 6 m großen Öffnung im Boden als Zugang zum Wasser. Die Meßstelle
wird fest verankert und durch einen Steg mit dem Ufer verbunden.
Der Bau der Fähre Nils
Holgerson (31.360 BRZ) fand Ende 1986, Anfang 1987 statt.
Jumbo-Fährschiff "Nils Holgerson"
Diese neue schwedische Jumbofähre mißt vom Kiel bis zum Schornstein 45 Meter und kostete rund 150 Mio. DM und hat eine Länge von 161 m und eine Breite von 27,6 m. Mit ihrem 19.600 KW-Mak-Antrieb erreicht sie eine Geschwindigkeit von 21,5 Kn. Die Fähre bietet Platz für 1.600 Passagiere, und in den Fahrzeugdecks können 550 Pkws abgestellt werden. Das Schiff verfügt über 458 Kabinen, die allesamt mit Dusche und WC ausgestattet sind. Im Achterschiff gibt es fünf Restaurants, einen Salon mit Bar, einen Supermarkt, eine Boutique sowie Fernseh- und Videoräume.
Betriebsratswahlen
Schon weit im Vorfeld der Betriebsratswahlen vom 24.
März 1987 kam es zwischen der SPD-Mehrheit und der DKP-orientierten Minderheit
im Betriebsrat zu starken öffentlichen Auseinandersetzungen. Die aus
der ehemaligen "Betrieblich-Alternativen-Liste"(BAL) hervorgegangene linke
Minderheitsgruppe gab die Zeitung "Auf ein Wort" heraus. Darin kritisierten
sie im März 1987 das Vorgehen der SPD-Mehrheit um Günter Linde.
Es wurde kritisiert, daß die SPD-Mehrheit um Linde eine 16-Personen-
Kandidaten-Liste
veröffentlicht hatte und den Eindruck erweckte, dies seien alle Kandidaten.
Eine gemeinsame Kandidatenliste mit der Minderheit zusammen, wurde abgelehnt.
Auch im Wahlvorstand wurde die Minderheit nicht berücksichtigt.
Bei der Auszählung der Stimmen (April 1987)
zeichnete sich ein politischer Erdrutsch im größten Industriebetrieb
an der Wesermündung ab. Bei der Wahl 1984 hatten die 2.500 Seebecker
noch neun linksorientierte Kandidaten, die sich um einige DKP-Mitglieder
gruppierten, gewählt. Diese Minderheit hatte nur eine Stimme weniger
als die Mehrheit um den Betriebsratsvorsitzenden und SPD-Politiker Günter
Linde. Die auf 2.000 Mitarbeiter geschrumpfte Belegschaft wählte nur
noch drei Vertreter der Minderheit in den Betriebsrat. Einen Verstoß
gegen das Betriebs-
verfassungsgesetz sah die Minderheit darin, daß
der Wahlvorstand die Unterlagen zur Briefwahl an die beschäftigungslosen
Kurzarbeiter auch ohne Aufforderung verschickt hatte. Der Minderheiten-
Sprecher Hannes Schories unterstrich die Ungleichheit bei den Wahlchancen
unter anderem mit dem Argument, daß der Betriebsratsvorsitzende Linde
über genaues Adressenmaterial bei der Versendung von Wahlwerbung an
die Kurzarbeiter verfügt haben mußte, während sich die
Mehrheit mit dem Adreßbuch habe begnügen müssen.
In ihrer Zeitung "Auf ein Wort" Ausgabe April 1987 nahm
die linke Minderheitsgruppe selbst Stellung dazu, warum sie die Betriebsratswahl
angefochten hatte.
"Antrag auf Nichtigkeit der BR-Wahl gestellt
Bei der BR-Wahl vom 24.3.1987 ist in einem solchen Maße
gegen wesentliche und zwingende Wahlvorschriften und Wahlprinzipien
verstoßen worden, daß wir uns gezwungen sahen, einen Antrag
auf Nichtigkeits-
erklärung beim Arbeitsgericht zu stellen. Diese Verstöße
haben einen solchen Umfang, daß von einem Wahlakt im Sinne
des Betriebsverfassungsgesetzes nicht mehr gesprochen werden kann. An einigen
Beispielen wollen wir die groben Verstöße erläutern:
1. Verstoß gegen den Öffentlichkeitsgrundsatz
Nach § 13 der Wahlordnung muß die Stimmenauszählung
öffentlich vorgenommen werden. Dabei muß bereits das Öffnen
der Urnen öffentlich erfolgen. Ebenso muß die Auszählung
in der Weise vorgenommen werden, daß interessierte Arbeitnehmer in
der Lage sind, die Auszählung mitzuverfolgen. Die Auszählung
der gewerblichen Stimmzettel sollte am 25.3.87 im EDV-Raum des Verwaltungsgebäudes
stattfinden. Als sich interessierte Arbeitnehmer vor dem Raum einfanden,
war dieser verschlossen. Obwohl der Wahlvorstand im Raum anwesend war,
wurde die Tür auch nach anklopfen nicht geöffnet. Der Eintritt
in diesen Raum ist nur von außen mit Magnetkarte möglich. Als
später, auf Veranlassung der Arbeitnehmer, die Tür vom Pförtner
geöffnet wurde, war die Wahlurne bereits offen. Die dann folgende
Auszählung (ca. 3 Std.) fand nicht öffentlich statt. Die anwesenden
Kollegen und auch der Wahlvorstand wurden des Raumes verwiesen.
2. Keine Auszählung durch den Wahlvorstand
Nach § 13 der Wahlordnung muß die Stimmenauszählung
durch den gesamten Wahlvorstand erfolgen. Dabei hat der Wahlvorstand die
Stimmzettel den Wahlumschlägen zu entnehmen und die auf jede Vorschlagsliste
entfallenen Stimmzettel zusammenzuzählen. Die Auszählung durch
andere stellt einen groben Verstoß gegen § 18 des Betriebsverfassungsgesetzes
und § 22 der Wahlordnung dar. Die Stimmen wurden nicht durch den Wahlvorstand
ausgezählt, sondern durch Mitarbeiterinnen der EDV-Abteilung. Der
Wahlvorstand war während der Auszählung nicht im Raum.
3. Keine ordnungsgemäße Aufbewahrung der Briefwahlunterlagen
(Stimmzettel).
Nach § 27 Betriebsverfassungsgesetz müssen
die eingehenden Briefwahlunterlagen bis zum Wahltag ungeöffnet vom
Wahlvorstand unter Verschluß genommen werden, damit eine Veränderung
oder Entwendung der Freiumschläge ausgeschlossen ist. Zweckmäßig
ist die Aufbewahrung in einer versiegelten Urne.
Die zurückgesandten Briefwahlunterlagen wurden nicht
ordnungsgemäß durch den Wahlvorstand aufbewahrt. Mehrere Tage
lagen eingegangene Unterlagen für jeden frei zugänglich auf dem
Schreibtisch des Wahlvorstandes. Diese ungeordneten und ungesicherten Briefwahlunterlagen
waren damit für Dritte zugänglich.
4.Keine Möglichkeit für die Nachschicht, an
der Urne zu wählen
...
5. Keine geheime Stimmabgabe bei der Briefwahl
... ( betraf die Nachtschicht - Anm. des Autors)
6. Versendung der Broschüre "Betriebsratswahlen
1987"
Nach § 20 Betriebsverfassungsgesetz wird den Kandidaten
und Wählern Wahlfreiheit garantiert. Dieser Paragraph deckt jedoch
nicht die Anwendung wahlbeeinflussender Täuschungsmittel zum Nachteil
einer ganzen Gruppe von Kandidaten. Die von den BR-Kandidaten um Linde
verschickte Broschüre erweckte den Eindruck, als ob es sich um ein
Kandidatenflugblatt der gesamten IG Metall-Liste handelte und diese Liste
ausschließlich aus den darin abgebildeten 16 gewerblichen Kandidaten
bestehe. In Wirklichkeit bestand die Liste aus 36 Kandidaten. Besonders
auffällig ist in diesem Zusammenhang, daß mit den Briefunterlagen
keine Kandidatenlisten verschickt wurden. Das Mitschicken der Kandidatenlisten
wird im Gesetz ausdrücklich verlangt!"
Im August 1987 erklärte das Arbeitsgericht die Betriebsratswahl vom 23. März für unwirksam und gab der klagenden Minderheit in zwei Punkten Recht. Die regionale Tageszeitung "Nordsee-Zeitung" schrieb damals u. a.:
"Tür fiel ins Schloß - Wahl wurde unwirksam
Noch keine Entscheidung der Mehrheit über Revision
Arbeitsgericht gab Minderheit bei Seebeck recht
Die Betriebsratswahl der Seebeckwerft vom 23. März ist unwirksam. Das erkannte gestern das Arbeitsgericht unter Vorsitz des Richters Helmut Grüninger. Er und seine beiden Beisitzer gaben der klagenden Minderheitengruppe um einige DKP-Mitglieder recht. Nach einem politischen Erdrutsch, bei dem sie ihren Stimmenanteil von knapp der Hälfte auf ein Viertel hinnehmen mußten, fochten sie die Wahl in zwei Dutzend Punkten an. Zwei davon beanstandete gestern das Arbeitsgericht. Das Gericht ließ Revision zu und der Betriebsrat legte beim Landesarbeitsgericht Rechtsbeschwerde gegen den Spruch des Arbeitsgerichts ein.
Am 16. November 1987 trafen sich in Bremen ein Rechtsanwalt des Büros Sieling/Winter (für die Minderheitengruppe) und RA Apitzsch (für die Linde-Gruppe). Es wurde versucht, für die gerichtliche Auseinandersetzung um die Betriebsratswahlen eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung zu finden. RA Apitzsch legte einen Vergleichsentwurf vor, den RA Sieling als völlig unakzeptabel zurückwies. Daraufhin wurde versucht, eine entschärfte Formulierung dieses Vorschlags zu entwerfen. Dieser Vorschlag sah folgendermaßen aus:
Entwurf 2
Die Beteiligten haben von der Rechtsauffassung der IG
Metall für die Bundesrepublik Deutschland Kenntnis genommen, wonach
im Gegensatz zu der Auffassung des Arbeitsgerichts Bremerhaven auch an
Kurzarbeiter Briefwahlunterlagen ohne Aufforderung versandt werden können.
Im Hinblick auf diese Auffassung schließen sie folgende Vereinbarung:
*Antragsteller und Antragsgegner nehmen ihre wechselseitigen
Anträge zurück. Zugleich nehmen beide Seiten wechselseitig ihre
Vorwürfe im Zusammenhang mit den Betriebsratswahlen zurück. Beide
Seiten sind sich darüber im klaren, daß für die ordnungsgemäße
Durchführung der Betriebsratswahl allein der Wahlvorstand die Verantwortung
trägt.
*Beide Parteien stimmen darin überein, daß
den Arbeitnehmern Gelegenheit gegeben werden soll, ihr Votum erneut abzugeben.
Dies soll nicht vor Beendigung der Kurzarbeit erfolgen, um Rechtsprobleme
zu vermeiden. Es soll jedoch vor den Sommerferien erfolgen. Um dies zu
ermöglichen, wird der Betriebsrat zurücktreten, und zwar in der
Zeit zwischen dem 10. und 20. April 1988, und einen Wahlvorstand bestellen.
*Dieser Vergleich kann von beiden Seiten bis zum ...
widerrufen werden.
RA Winter schrieb seinem Mandanten Hannes Schories weiter,
daß er mit Ausnahme des Wahltermins den Vergleichsvorschlag für
akzeptabel halte. "Bei der vorliegenden Frontverhärtung muß
ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, bei dem beide Seiten ihr Gesicht
wahren können. Ein solcher Nenner scheint mir die Kurzarbeiterfrage
zu sein..."
"Bei der Frage des Wahltermins müßtet Ihr
Euch bzw. müssen wir uns eingehend überlegen, ob der Vorschlag
angenommen werden kann. Es gibt an sich keinen Grund für späten
Wahltermin mit Ausnahme der begründeten Vermutung, daß in der
Zwischenzeit Kündigungsschreiben gegen Eure Leute eingeleitet werden
sollen. Herr Apitzsch hat mir erklärt, daß die Gegenseite
am liebsten gar keinen, wenn aber überhaupt einen späteren, Wahltermin
wollte und der jetztige Vorschlag sozusagen einen Kompromißvorschlag
der IG Metall darstelle. Ich habe daran erhebliche Zweifel."
Außerhalb des offiziellen Vergleichstextes sollten
auf Vorschlag von RA Apitzsch zwei geheime Zusatzvereinbarungen geschlossen
werden.
"Zum einen soll der Wahlvorstand mit einer Person Eures
Vertrauens besetzt werden, wobei der Betriebsrat aus einer von Euch vorzulegenden
Liste von 5 Leuten auswählen darf. Zum anderen soll vereinbart werden,
daß der Betriebsrat allen beabsichtigten Kündigungen Eurer Leute
widerspricht, wobei durch mich ( Sieling - Anm. des Autors) formuliert
werden soll.
Um zu gewährleisten, daß die Vereinbarungen
eingehalten werden und sich der Betriebsrat insbesondere nicht an Kündigungen
beteiligt, soll der Vergleich bis zu einem Rücktritt des Betriebsrats
und einer Bestellung des Wahlvorstandes widerrufen werden können.
Würde sich der Betriebsrat also nicht an die getroffenen Abmachungen
halten, so wäre der Vergleich hinfällig mit der Folge, daß
das Verfahren fortgesetzt werden kann."
Am 15. März 1988 trat der alte Linde-Betriebsrat
zurück und tat dies in seinem Aushang Nr. 3/88 der Belegschaft kund.
Eine Woche vor den neuen Betriebsratswahlen zog Günter Linde, Betriebsratsvorsitzender,
seine Kandidatur zurück. Von 1965 bis 1988 gehörte Linde (SPD)
dem Betriebsrat an und seit 1971 war er ununterbrochen Betriebsratsvorsitzender.