Kriegsschiffbau bei SSW- 
1. und 2. Weltkrieg

von Peter Müller

Ein etwas unbekannteres Kapitel aus der Geschichte der Schichau Seebeckwerft ist der Kriegsschiffbau während des I. Weltkrieges und während der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere der Bau von Minensuchbooten, Torpedobooten, U-Booten des Typs IX C und XXI. In der von der Seebeckwerft 1951 herausgegebenen Jubilläumsschrift "75 Jahre Seebeckwerft 1876-1951" findet sich über den Kriegsschiffbau während des I. Weltkrieges kein Wort. Über die Zeit des Faschismus und den II. Weltkrieg findet man den verharmlosenden und nichtssagenden Satz: "In der Kriegzeit führte das Werk Seebeck Neubauten verschiedenster Typen und vor allem Reparaturen aus. 1944 wurde durch Fliegerangriffe ein Teil der Anlagen zerstört."
Es soll hier nicht darum gehen, Kriegsschiffe zu verherrlichen, sondern es geht hier um die kritische Aufarbeitung der Tabus und der dunklen Kapitel in der Geschichte der Seebeckwerft.

Kriegsschiffbau im I. Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg nahm die Werft erstmals seit ihrem Bestehen den Kriegsschiffbau auf. Sie bekam u. a. den Zuschlag für den Bau von Minensuchbooten, den das Reichsmarineministerium zu Kriegsanfang ausgeschrieben hatte. Der von der Seebeckwerft angefertigte Entwurf zu den Minensuchbooten ging als bester aus einem Wettbewerb hervor, der zu Anfang des Krieges vom Reichsmarineamt für eine Reihe von Werften ausgeschrieben worden war. Der Entwurf der Seebeckwerft wurde vom Reichsmarineamt zur Ausführung bestimmt und bildete die Grundlage zu den vielen während des Krieges  bei Seebeck und bei anderen Werften erbauten M-Booten. Die Boote dieses Entwurfs waren trotz des vorgeschriebenen geringen Tiefgangs sehr seetüchtig und entsprachen in jeder Weise den Erwartungen der Kriegsmarine. Für 500.000 Mark sollte ein Boot in sechs Monaten gebaut werden. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus befanden sich  die Boote überwiegend noch  im Einsatz ( bis 1943).1

Die Minensuchboote
Die Minensuchboote M 1-M 6 wurden im Dezember 1914 bei der Seebeckwerft  in Auftrag gegeben und zwischen Juli 1915 und November 1915 von der Kaiserlichen Marine in Dienst gestellt. Bei einer Vermessung von 456 BRT waren die Boote 55,10 m lang und 7,30 m breit. Die Baukosten machten pro Boot 515.000 Reichsmark aus. Die Maschinenleistung betrug 1.400 PS und die Welle leistete 220 U/min. Die Schiffe konnten bis zu 16,3 Kn schnell laufen. Für eine Geschwindigkeit von 14 Km/h hatten die Techniker eine Reichweite von 1.680 Seemeilen berechnet. Jedes Boot besaß max. 100 t Kohle als Treibstoff an Bord.  Es handelte sich um gute und manövrierfähige Seeschiffe. Die Besatzung dieser Boote bestand aus einem Offizier und einer Mannschaft von 39 - 40 Personen. Die Boote wurden mit einer Schnellerfeuerkanone ausgestattet.3

Die Minensuchboote M 15-17
Die M 15-17  verfügten schon über 476 BRT, wurden im Februar 1915 von der kaiserlichen Marine bestellt und liefen  im  Dezember 1915 vom Stapel. Die Indienststellung der Boote passierte zwischen Dezember 1915 und Januar 1916. Diese Minensuchboote besaßen eine Länge von 56,40 m, waren ebenfalls 7,30 m breit und hatten einen Tiefgang von 2 m. Die Maschinenleistung betrug 1600 PS.
Die Minensuchboote M 31-34 und M 50-53 liefen zwischen April 1916 und  November 1916 vom Stapel und hatten 507 bzw. 503 BRT. Eine ganze Reihe dieser Boote wurden im 1.Weltkrieg als Handelsschutz eingesetzt. Nach dem Krieg wurden z.B. M 32 und M34 aus der Kriegsliste gestrichen, verkauft und abgewrackt. Andere wie z.B. M31oder M50 wurden durch Minen versenkt. M51 und M52 dagegen verkaufte man nach dem Krieg an Hugo Stinnes, der das Boot nach Argentinien weiterverkaufte, wo sie dann später abgewrackt wurden.

Die Minensuchboote M 57-62, M 79-82 und M 123, M 124
Die Minensuchboote M 57-62, 79-82, 123, 124 gingen auf einen Amtsentwurf von 1915 zurück. M 123 und 124 liefen nicht mehr vom Stapel. Es handelte sich um gute Seeschiffe, die mäßig schnell manövrieren konnten. Die Schiffe M 57-62 waren für Unternehmungen  auf der Donau geplant. M57 diente nach dem 1. Weltkrieg in Kiel als Wohnboot. Nachdem M58 der Kaiserlichen Marine gelaufen war, wurde es 1922 für 1,1 Mio. Mark zum Verschrotten nach Wilhelmshaven verkauft. Ähnlich erging es M58, das über Paris nach Litauen weiterverkauft wurde. M79 und M80 wurden 1921 aus der Kriegsschiffliste gestrichen und je 1,65 Mio. Mark an Hugo Stinnes, Hamburg, verkauft, der sie nach Argentinien weiterverkaufte, wo M79 als Wohnschiff fungierte, während M80 ab 1937 als Ponton benutzt wurde. M81diente  ab 1929 Minenversuchen des Sperrversuchskommandos, nach der Kapitulation mußte es an die USA übergeben werden und  wurde im Rahmen der Deutschen Minenräumleitung eingesetzt genauso wie M82. Beide Boote fanden auch bei der Omgus Verwendung. M82 schließlich landete nach einem Weg als Wohnboot in Bremerhaven und wurde 1954 an einen Herrn Sonnenberg in Bremen zum Abwracken verkauft.

Torpedoboote
Für die Torpedoboote A.64-67 mit je 300 BRT lieferte die Seebeckwerft im Jahr 1918 die Rümpfe an die A.G. "Vulkan", Stettin. Die Länge betrug 60 m, die Breite 6,40 m und der Tiefgang 3,40 m. Erich Gröner gibt an, daß die Torpedoboote 6.000 PS Maschinenleistung hatten und 28 Kn schnell  liefen. Sie hatten 92 t Öl als Vorrat an Bord, liefen mit einer Geschwindigkeit von 20Kn und hatten  eine Reichweite von ca. 800 sm.8

Flußminenräumer
Die Flußminenräumer FM 1, FM 2, FM 21 und FM 22 wurden zwischen Juni 1918 und Februar 1919 vom Stapel gelassen. Die Konzeption der flachgehenden Minensuchboote ging auf einen Amtsentwurf von 1917 zurück.  Das flachgehenden Minensuchboot FM 1 wurde am 18.7.1918 in Dienst gestellt und hatte eine Vermessung von 193 BRT. Das Boot hatte eine Länge von 43 m, eine Breite von 6,00 m und die Seitenhöhe machte 2,29 m aus. Die Maschinenleistung betrug 600 PS, die auf zwei Schrauben mit 1,40 m Durchmesser übertragen wurde. Die Seefähigkeit dieser Minenboote war beschränkt  und sie manövrierten schlechter als die größeren M-Boote. Die Boote hatten eine Besatzung von 35 Mann. Außen besaßen die Boote einen grauen oder ganz schwarzen Anstrich. Infolge der geringen Seefähigkeit,  des wenig widerstandsfähigen Materials u. a. Mängel verzichtete man nach Entwicklung des neuen Bugschutzgerätes für die M-Boote noch 1918 vor Kriegsende auf den Fertigbau von weiteren 19 Booten.

Fischdampfer:  Bremen (B.-Nr. 55), Bremerhaven (B.-Nr. 57), Lehe (B.-Nr.58), August (B.-Nr.89), Hornsriff (B.-Nr. 106) und auch Theodor (B.-Nr. 140). Die im August 1892 gebaute "Bremerhaven" wurde z.B. am 3.11.1915 der Kaiserlichen Marine unterstellt und hier der Hafenflottille Jade-Weser zugeordnet.

Die Zeit des Nationalsozialismus und des II. Weltkriegs
Im Vergleich zu anderen deutschen Werften war die Seebeckwerft weder im 1. noch im II. Weltkrieg eine typische Werft für den Kriegsschiffbau oder eine Rüstungsschmiede. Das traf dann schon eher auf die AG Weser in Bremen zu, die dann auch prompt von den Alliierten geschlossen und auf die Demontageliste gesetzt wurde. Wie andere Werften auch, war Seebeck aber z.B. in den U-Boot-Bau und insbesondere später in die Reparatur von U-Booten und in den Sektionsbau für den U-Boot-Typ XXI einbezogen und zur Zulieferwerft gemacht worden.
Im Jahr 1935 baute die Seebeckwerft sozusagen schon die ersten beiden Kriegsschiffe, nämlich den Fluß-Tankleichter  "Seeve" und Ilmenau sowie einen Schwimmkörper  für die Kriegsmarine mit einer Vermessung von 685 BRT und einer Länge von 63 m.

Fischdampfer als Vorpostenboote
Im Jahre 1937 zog die Kriegsmarine die ersten Fischdampfer zu Übungen in der Nordsee heran testete sie  auf ihre Eignung als Vorpostenboote hin. Im März desselben Jahres baute man fünf Fischdampfer einer Bremerhavener Reederei auf der Seebeckwerft und der Unterweserwerft zu Vorpostenbooten um, und stellte sie in den Dienst der Marine.15 Zwischen 1939 und 1945 wurden sehr viele Fischdampfer zu Vorpostenbooten, Uboot-Jägern und Hilfsminensuchbooten umgebaut.16
Für den Umbau von Fischereifahrzeugen galten u.a. folgende Forderungen:
 Fischdampfer mit einer Länge von ca. 52 m und 12,5 kn
 Deckshaus anstelle Fischnetzwinde auf Hauptdeck
 Kürzung des hinteren Decksaufbaus um ca. 6 m
 Wohnräume für 80-90 Mann
 Bewaffnung, diverse Waffen u.a. Flak und 2 Waffenbombenwerfer

Viele Fischdampfer, die bei Seebeck gebaut wurden, wie z.B. die "Regulus" (B.-Nr. 374), die "Venus" (B.-Nr. 389), die "Münden" (B.-Nr. 438) und die "Hildesheim" (B.-Nr. 392) wurden zu Vorpostenbooten umgerüstet und nahmen am "Unternehmen Seelöwe" teil.
1938 entstand das Frachtmotorschiff "Tannenfels" mit 7840 BRT und 155 m Länge. Während des II. Weltkriegs kam das Schiff  als Blockade-
brecher-Versorger zum Einsatz. Die Alliierten versenkten es 26.8.44 vor der Girondemündung .
Im gleichen Jahr lief  die 58 m lange und 1.000 PS starke "Weser"  auf der Seebeck-Werft vom Helgen. Sie fuhr mit 24 Mann Besatzung und war damals mit 6.000 Korb der Fischdampfer mit der größten Fangkapazität. Im Kriegseinsatz sank das Schiff, wurde jedoch wieder gehoben und auf der Seebeck-Werft durch den Einbau einer Filetiermaschine sowie einer Fischmehl- und Tiefkühlanlage zum ersten Fangfabrikschiff umgebaut. Nach ihrem erfolgreichen Einsatz in der Ostsee mußte das Schiff nach Kriegsende laut Kontrollratsbestimmungen zum reinen Frischfischfänger zurückgebaut werden.
Am 4. Juli 1938 erhielt die Seebeckwerft von der Kriegsmarine den Auftrag für den Bau von zwei Minen- und Schulschiffe, die eine Verdrängung von 5450 BRT haben sollten. Die Aufträge wurden allerdings nach Kriegsausbruch annulliert. Das Minenschiff A lief unter der Bau-Nr. 625 und das Minenschiff C unter der Bau-Nr. 626. Der Auftrag für das Minenschiff C wurde am 4.5.1939 auf die Deutsche Werft, Hamburg Finkenwerder Bau-Nr. 270 übertragen, jedoch nach Kriegsausbruch annulliert.

Der Bau von Handelschiffen und ihr Einsatz bei der Kriegsmarine
Für die D.D.G. "Hansa" lieferte die  Deschimag, Werk Seebeck, 1938 das Motorschiff "Tannenfels" mit 7840 BRT ab. 1941 erfolgte mit dem Schiff ein Blockadedurchbruch in 80 Tagen Reise von Somaliland nach Bourdeaux.
Ab 1942 befand sich das Schiff bei der Kriegsmarine als Blockadebrecher und Hilfskreuzerversorger im Dienst. Die "Tannenfels" reiste unangefochten mit einer Ladung Traktoren, Maschinenteilen und Chemikalien von Bordeaux nach Japan. Hier ein Auszug aus dem Bericht:
"Gleich nach dem Auslaufen wird das Schiff von einem Feindflugzeug entdeckt. Gegen den ausdrücklichen Umkehrbefehl der Marine-Leitstelle setzt Kapitän Haase die Reise fort. Aber es scheint sich zunächst alles gegen die TANNENFELS verschworen zu haben: Draußen auf dem Atlantik in Luke 2 bricht Großfeuer aus, dem heftige Explosionen folgen. Chemiekalienfässer fliegen reihenweise in die Luft.  Die Lage ist höchst bedrohlich. Mit Gasmasken wagen sich der Zweite Offizier, anschließend dreimal hintereinander der Erste Offizier in das glutheiße Inferno. Es gelingt, durch gezielten Löschangriff gegen den Brandherd vorzugehen, das Feuer zu teilen und abzulöschen. Nun wagen es die Männer des Deckspersonals, die noch nicht detonierten, aber schon gefährlich heißen Chemikalienfässer der restlichen Ladungspartie aus dem Raum zu hieven und über Bord zu werfen. Das alles geschieht während eines heulenden Sturms- und im Nebenraum von Luke 2 lagern einige hundert Fässer Äther-Chloroform!"16... Am 15. Mai 1942 trifft der Frachter nach einer erneuten Prüfung durch einen fürchterlichen Orkan dennoch unangefochten in Japan ein.
Rettete heimkehrend 27.9.42 die 325 Überlebenden des deutschen Hilfskreuzers STIER aus dem Südatlantik. Vollgepfercht mit Menschen setzt die TANNENFELS ihre Reise fort. Und entging auf dem Weg nach Bordeaux knapp der Sichtung durch einen britischen Flottenverband. Schiff 26.8.44 in der eingeschlossenen "Atlantik-Festung Gironde-Süd" von eigener Besatzung versenkt."17
Im August 1939 konnte  die MS Mars unter der B.-Nr. 614 an die D.G. Neptun, Bremen ausgeliefert und in Dienst gestellt werden. Das Schiff verfügte über eine Vermessung von 2469 BRT, eine Länge von 101,53 m, eine Breite von 14,55 m und erzeugte mit 3000 PS eine Geschwindigkeit von 15 Kn. Später setzte die Kriegsmarine den Motorfrachter als Transporter und Hospitalschiff während des II. Weltkrieges ein. Im Dezember 1943  erhielt die "MS Mars" einen Bombentreffer, wurde repariert und 1945 nach England abgegeben und lief dort unter dem Namen "Empire Forth".18 Das 1939 gebaute Motorschiff "Zeus" wurde während des Krieges als "Sperrbrecher 11" und ab 1943 als "Sperrbrecher 22" eingesetzt. Ab 1949 erhielt das Schiff in der BRD wieder den Namen "Zeus" zurück.
Schwadtke gibt an, daß in den Jahren 1943 und 1944 auf der Seebeckwerft die Motorfrachter "Tantalus" (1542 BRT) und "Tellus"(1495 BRT) für die D.G. "Neptun" Bremen gebaut worden sein sollen. Diese Schiffe lassen sich allerdings weder in der Baunummern-Liste von Reinhard Schmelzkopf noch in der Baunummern-Liste des Einkaufs der Schichau-Seebeckwerft finden.19
Für die D.D.G. "Hansa" erfolgte am 4.3.1939 der Stapellauf des Frachters Schwaneck (I). Die Übergabe des Schiffes fand   im Juni 1939 statt. Das 2194 BRT vermessende Schiff war als kleiner Frachter für den Spanien-Portugal-Dienst gebaut worden. Der Fertigbau verzögerte sich infolge des Kriegsausbruchs. Am 17. November 1941 sank der Frachter nach einem Minentreffer vor Stettin. Spätere Hebeversuche waren vergeblich.

Rau IX als U-Boot-Jäger
Im  August  1939 lief  die Rau IX vom Stapel. Vor der Indienststellung überfiel Nazideutschland Polen. Der Walfangdampfer wurde für die Kriegsmarine zwangsgechartert und zum U-Boot-Jäger umgebaut. Als "UJ D" und später als "UJ 1212" gehörte sie zur 12. U-Jagdflottille. Ab 1. Mai 1944 Einsatz als "NH 06" und bis sie 1944 als "V 6505" zur 65. Vorpostenflottille kam. Nach dem Krieg diente sie in der 4. Minenräumdivision der GMSA.1948 lief sie unter norwegischer Flagge als Walfangboot "Krutt". 1949 unter britischer, ab September 1953 unter norwegischer Flagge. Ab 1955 unter isländischer Herrschaft mit dem Namen "Hvalur". 1968 unter Faröer-Flagge als "Heykur".21 Und kam 1969, 30 Jahre nach dem Stapellauf, als Museumsschiff nach Bremerhaven zurück.
Die "Rau IX" ist ein typischer neuerer Walfangdampfer. Gebaut ist er in der sog. Maierform, einer Schiffsform, bei der der Widerstand im Wasser besonders gering ist. Man erkennt die Maierform am weit ausladenden Vordersteven, der das Wasser eher verdrängt als durchschneidet, im Gegensatz etwa zu einem senkrechten Steven. Die Rau X wurde zweckmäßig konstruiert. Die Inneneinrichtung ist karg und eng. Der vordere Niedergang führt zu den Räumen der Mannschaft, die alle in einem Schlaf- und Freizeitraum wohnen mußten. Die Offiziere logierten streng getrennt von der Mannschaft. Der Steuermann wohnte backbord unterhalb der Brücke und der Kapitän steuerbord.
Über die Aufschleppe am Heck des Fabrikschiffes "Rau IX" wurden die Wale auf das über 100 m lange und 22 m breite Schlachtdeck gehievt, abgespeckt, zerschnitten und zersägt. Durch Öffnungen im Deck rutschten die Stücke in die Fabrik, die unter dem Schlachtdeck lag und wurden sofort zu Walöl, Fleischkonserven, Fleischextrakt, Futtermehl u. a. verarbeitet. Bis zu 100 t Lebendgewicht konnte die Fabrik in einer Stunde verarbeiten. Walfang war Saisonjagd im antarktischen Sommer und eine Expedition dauerte ca. acht Monate. Die "Rau IX" liegt heute im Alten Hafen in Bremerhaven-Mitte im Außengelände des Deutschen Schiffahrtsmuseums und kann dort besichtigt werden.

Das Mob-Programm und der U-Boot-Typ IX C
Am 28. Juni 1939 gab die Kriegsmarine den Auftrag für den Bau von 6 Zerstörern an die Seebeckwerft, die die Bezeichnungen Z31-Z36 tragen sollten. Die Schiffe liefen unter den B-Nr. 663-668 und hatten eine Standard-Verdrängung von 1971 BRT. Es handelte sich bei vier Schiffen (Z31-34) um den Typ 38b.
Die Aufträge wurden allerdings am 19.9.1939 annulliert und als Typ 36A-Mob an die Deschimag Bremen unter den B-Nr. 1001-1004 übertragen. Für 2 weitere Zerstörer (Z35-36) wurden die Bauaufträge ebenfalls am 19.9.39 annulliert und am 13.10.39 als Typ 36B an die Deschimag Bremen unter den Bau-Nr. 1005-1006 übertragen.

Bau des Typs IX C
Mit Kriegsbeginn trat das Mob-Programm 1939 in Kraft. Mit ihm war nach einer gewissen Anlaufzeit die Ablieferung von 108 U-Booten (24 Typ IX C) vorgesehen. 25. September 1939: Erster Auftrag zum Bau von  U-Booten des Typs IX C. Bis zum Beginn des Jahres 1944 wurden 14 U-Boote fertiggestellt und abgeliefert. Es waren dies U 161 bis U 170  und U 801 bis U 806 .25 Für die IX C U-Boote U 807-816 und U 1501-1506 wurden die Aufträge sistiert und für die IX C Boote U 817-820 kam kein Auftrag zustande.
Für die Seebeckwerft war die monatliche Ablieferung von 0,75 U-Booten des Typs IX C vorgesehen. Wegen Rohstoff- und Materialmangels, aber vor allem wegen des fehlenden Werftarbeiterpotentials, kam es zu Verzögerungen beim Baubeginn. "U-161" wurde am 25.9.1939 in Auftrag gegeben (zusammen mit 5 anderen Booten), aber erst am 8.7.1941 an die Kriegsmarine übergeben. Für eine rationelle Erstellung der U-Boot-Typen VII C und IX C war eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Werften notwendig. Die Konstruktionswerft  AG Weser (IX C)  wurde zur vorbauenden Werft erklärt, die anderen jeweils den gleichen Typ bauenden Werften zu Nachbauwerften. Der AG Weser wurden ca. 30 Boote des Typs IX zugeteilt.
25. September 1939: Erster Auftrag zum Bau von  U-Booten des Typs IX C. Zwischen Juli 1941 und Januar 1943 baute die Seebeckwerft die U-Boote U 161-170 vom Typ IX C . Es handelte sich um ein großes U-Boot mit 1232 t Verdrängung, einer Länge von 76,8 m und konzipiert für eine Besatzung von  48 Mann. Das Schiff hatte man bereits 1935 für die ozeanische Verwendung entwickelt. Gegenüber dem Typ VII C hatte Typ IX C einen größeren Aktionsradius, eine höhere Torpedozahl und war weniger wendig. Die Bauzeit der Boote betrug 21 Monate.
Daneben stellte die Werft zwischen März 1943 und April 1944 die U 801-806 vom Typ IX C 40 her. Es handelte sich ebenfalls um ein Zweihüllenboot für den Übersee-Einsatz.  Dieser Bootstyp besaß eine Größe von 1257 m3 bei einer Länge von 76,76 m und einem Durchmesser von 6,84 m.27
Für die IX C U-Boote U 807-816 und U 1501-1506 wurden die Aufträge sistiert und für die IX C Boote U817-820 kam kein Auftrag zustande.

Von den Menschen, die während des II. Weltkrieges auf der Seebeckwerft gearbeitet haben, leben nur noch sehr wenige. Drei der letzten Zeitzeugen berichteten in einem Interview28, das ich am 3. November 1993 mit ihnen in Bremerhaven führte, über ihre Beobachtungen während des U-Boot-Baus:
Müller: Ab 1939 hat Seebeck U-Boote gebaut, erst die IX C-Boote, die etwas Kleineren und später die XXIer -Boote. Können Sie da ein bißchen was erzählen? Wie war die Atmosphäre, wie war die Zusammenarbeit mit Kollegen?

Weidenhammer: Man hatte Kollegen. Als das anfing mit den U-Booten, da mußten die entscheidenden Leute 4 Wochen nach Bremen. Weil Bremen schon dieselben Boote baute. Dann wurde das nochmal alles durchgegangen und dann kriegten wir selbst unser erstes Boot. Die erste Arbeit, die wir hatten, war Kugelschotten herzustellen. Auch Druckschotten genannt. Das war die Zentrale. Vorn und hinten waren die Torpedoräume, da waren  Kugelschotten drinnen und in der Zentrale, zwischen Zentrale und Wohnraum. Auf den Probefahrten der IX C-Boote war ich noch bei neun Booten dabei. Ich fuhr dann immer für 6 Wochen mit. Von hier ging das nach Kiel. Das Boot wurde ausgewogen und dann durfte sich keiner vom Platz bewegen. Wenn das Boot im Wasser schwebte, konnte  mit 3-4 Liter Wasser schon etwas Bewegung reinkommen. Wie eine Wasserwaage.

Müller: Für das U-Boot XXI da war das ja so, daß Seebeck nur eine Sektion gebaut hat. Seebeck baute Sektion VII, den Torpedoladeraum.

 Weidenhammer: In der Kesselschmiede liefen Schienen wie für einen Zug.

Wilfried Krakow: Wir haben da ja auch mal reingeschaut in diese Halle, obwohl die streng abgeschirmt war. Das war tatsächlich schon Fließbandarbeit. Die einzelnen Sektionen wurden immer weitergeschoben bis zur Fertigstellung. Und erst dann ging das große Tor auf und die Sektion wurde auf Kähnen nach Bremen verladen, glaube ich. Die Leute, die da drinnen arbeiteten, die hatten einen besonderen Status. Alle anderen, die auf der Werft arbeiteten, hatten da eigentlich nicht viel verloren.

Müller: Herr Krakow, Sie haben das selbst miterlebt?

Krakow: Ich habe von 1944-1947 als Tischler  auf der Werft gelernt.. Und ich habe eben gesagt, wir kamen ja auch auf der Werft herum, auch die damaligen Lehrlinge, jetzt ja Azubis. Und dann hat man schon mal einen Blick da reinwerfen können. Obwohl da gar nicht viel zu sehen war. Die auf der Werft beschäftigt waren, die wußten auch ganz genau, daß da U-Boote gebaut wurden. Aber die da jetzt direkt gewirkt haben und da zuständig waren und ihren Arbeitsplatz hatten und diese Sektionen mitbauten, das war wieder ein abgesonderter, strenger militärischer Bereich gewesen.

Müller: Herr Krakow, von wann bis wann waren Sie bei Seebeck?

Krakow: Ich  hab von 1944-1947 gelernt. Ich bin im August angefangen. Nach dem großen Bombenangriff wurde wir ja von der Modelltischlerei umgesiedelt nach Wulsdorf in die Kistenfabrik Bempen.

Müller: Was für Schiffe haben da im August 1944 und später in den Docks, im Hafen und an der Ausrüstung gelegen? Was wurde da gebaut, umgebaut?
Krakow: Hauptsächlich fand dort der U-Boot-Bau statt. Im Ostdock wurden die U-Boote repariert.

Weidenhammer: Im West-Dock haben wir auch U-Boote drin gehabt.

Krakow: Wir kamen morgens zur Werft und da war die Werft, der Vorhafen und das Dock  voller U-Boote. Und da waren die über Nacht reingekommen zur Wartung. Da hatten sie die eingedockt. Die U-Boot-Fahrer waren vorn an der Ausrüstungskaje wo das Fremdfirmenhaus  untergebracht war, Haupteingang Nordtor. Gästehaus. Das sie mal aus ihren U-Booten rauskamen.

Müller: Auch während des Krieges mußte das Leben und die Arbeit auf der Werft irgendwie weitergehen.

Krakow:  Und wie gesagt, ich bin 1944 angefangen und im September war der große Angriff. Da war ja das Hauptmagazin mit ausgebombt worden und dann mußten wir Lehrlinge alles was Tischlereibedarf war, aus diesen Trümmern bergen. Und alles was an verzinkten Schrauben und an Zubehör da lagerte. Überfälle und Schnäpper und Schlösser und alles was ne Tischlerei gebrauchte, das war da ja gelagert und das mußte jetzt geborgen werden.
 Vor allem müssen sie davon ausgehen, 44 war ja schon tiefster Krieg, der Materialfluß war ja nicht mehr da. Und alles, was nur bergenswert war und wiederverwendbar, wurde da rausgepuhlt, geputzt und fein wieder zur Verwendung gebracht. Dann waren wir ja ausgebombt. Jetzt hatten wir ja keine Hobelbänke mehr. Wir haben dann auch Werkzeugkisten gebaut, bevor wir ausgebombt waren. Dann war erstmal eine ganze Zeit Schluß. Und ganz schwer war auch für uns: Die Lufthoheit war ja schon für die Alliierten gegeben, wir hatten ja Tag und Nacht Fliegeralarm. Also, wenn ich meine Lehrzeit zusammenrechne, von drei Jahren, wo ich wirklich echt an der Hobelbank gestanden habe, das war vielleicht ein Drittel.
Sie haben nach der körperlichen Belastung gefragt. Wir haben nachts im Bunker gesessen bei Fliegeralarm. Jetzt hatten wir einen Fliegeralarm gehabt, dann haben wir drei, vier Stunden im Bunker gesessen oder aber auch nicht, wenn wir Zuhause waren. Aber man war ja wach. Aber ich muß auch sagen, wenn Fliegeralarm war, wir gingen in den Bunker, weil wir unwahrscheinliche Angst hatten. Mein Vater z. B. ging überhaupt nicht in den Bunker. So, denn hat aber keiner gesagt, ihr habt heute Nacht drei Stunden im Bunker gesessen, ihr braucht Morgen nicht arbeiten. Denn standen wir aber um halb acht wieder auf  dem Teppich.  Und wenn wir denn an unserer Hobelbank angelangt waren,  todmüde einmal, und dann war wieder Fliegeralarm und  wir Tischlerlehrlinge waren angewiesen in den sogenannten Marinebunker zu gehen, der war im Fischereihafen in der Nähe von Kühlken. Der ist nach dem Krieg gesprengt worden. Dann saßen wir wieder im Bunker, daß war denn mal eben so.
Die Vierziger Jahre bei Seebeck, das war mit dieser Ausbomberei, Materialknappheit, auch die Arbeit das war schon alles schwierig durch die viele Bunkersitzerei und da hat am andern Morgen keiner gesagt, nun bleib man paar Stunden Zuhause.

Während dieser Zeit hatte die deutsche Wehrmacht  schon viele Facharbeiter von den Werften  eingezogen. Fachkräfte fehlten an allen Ecken und Enden. Die entstandene Lücke versuchte man mit ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zu füllen.29
Wir wissen heute wenig über die Arbeitsbedingungen der deutschen und ausländischen Arbeiter beim U-Boot-Bau auf der Seebeckwerft.

Bau des Typs IX C
Über den Bau des U-Boot-Typs IX  wissen wir, daß Ende 1935 die inzwischen neu gegründete U-Bootabteilung im Konstruktionsamt der Kriegsmarine den Entwurf dieses Schiffes vorlegte. Die AG-Weser30 wurde Vorbau- und wichtigste Serienbauwerft. Sie führte für diesen Bau-Typ die Schußbauweise ein. Bei dieser Vorstufe zur Sektionsbauweise wurde der Druckkörper nicht mehr in einem Stück auf der Helling zusammengebaut, sondern in einzelnen drei bis sechs Meter langen "Schüssen" vorgefertigt. Die Schüsse wurden auf besonderen Montageplätzen oder in der Werkstatt aus Spanten und Mantelplatten zusammengeschweißt und dann auf dem Helgen zum Druckkörper zusammengebaut. Die Produktion von U-Booten erfolgte nach Kriegsausbruch trotz großer Serien in Einzelfertigung. Platten und Profile wurden in der Schiffbauhalle Stück für Stück angezeichnet und bearbeitet, in der Schweißhalle zu Schüssen, Tanks, Fundamenten, zum Turm und anderen Fertigteilen zusammengeschweißt und zuletzt auf der Helling zusammengebaut.31
Erst danach begann der Innenausbau und der Anbau des Außenschiffes an den Bootskörper. Der Innenausbau war dadurch geprägt, daß fast alles in Einzelteilen durch die Lukenengpässe an Bord gebracht werden mußte. Wegen des starken Arbeiterengpasses auf den Werften wurde ab 1941 dazu übergegangen, den Schußbau und den Bau von Teilen des Außenschiffes an Stahlbauanstalten  außerhalb der Werften zu vergeben.

Bau des U-Boot-Typ XXI
Der U-Boot-Typ XXI war konstruktiv eine Weiterentwicklung des Walther-Bootes vom Typ XVIII, allerdings mit großer E-Anlage und mit starken Fahrmotoren. Es war praktisch das erste U-Boot der Welt, daß wirklich längere Zeit unter Wasser bleiben und fahren konnte. Es hatte eine 3fach größere Batteriekapazität und war mit einer 2 Wellen-Antriebsanlage mit je 2500 PS E ausgestattet. Da diese ersten U-Boote mehr Tauchboote als reine Unterseeboote waren   und starke Verluste durch die Luft- und Ortungsüberlegenheit der Alliierten, die geringe Unterwassergeschwindigkeit und die kurze Verweildauer unter Wasser hinnehmen mußten, wurde ein neuer U-Boot-Typ gesucht. Eine revolutionäre Entwicklung war der außenluftunabhängige Antrieb von Professor Walther, mit dem dazu noch eine hohe Unterwassergeschwindigkeit erreicht werden konnte. Mit ihrer stromlinienförmigen Rumpfform wären diese Boote die ersten echten Unterseeboote gewesen. Da der Antrieb aber noch nicht serienreif war und der U-Bootkrieg immer höhere Verluste brachte, wurde ein Kompromiß geschlossen. Man füllte die große Hülle des neuen Bootes vom Typ XXI
32 mit einer großen Anzahl von Batterien und kam so zu dem sogenannten Elektroboot. Es wurde mit 7 m langen Torpedorohren bewaffnet und hatte einen Turm mit Flakbewaffnung.
 

Schiffbauliche Angaben zum Typ XXI:
Länge über alles:                                                              76,70 m
Höhe Unterkante Kiel bis Mitte Ausblick Sehrohr:            17,70 m
Tiefgang Mitte beladenes Boot:                                          6,24 m /6,32 m
Verdrängung Überwasser:                                             1610,0 qm
 

 Hauptangaben über Bewaffnung:
6 Bugtorpedorohre für 20 mitgeführte Torpedos
4 Rohre installiert
1 Maschinenpistole
10 Mauserpistolen
3 Seitengewehre

Angaben über Antriebsanlage:
Überwasser-Antrieb: Zwei 6 Zyl.- MAN 4 Takt-Dieselmotoren mit Turbo-Aufladung und einer Nennleistung von je 2000 PS
Unterwasser-Antrieb: Zwei SSW Haupt-E-Maschinen mit je 2500 PS
                                  Zwei SSW Schleich-E-Maschinen mit je 113 PS
 

Aktionsradius Typ XXI:
Fahrt mit Dieselantrieb (2 Wellen)
Fahrbereich bei Marschfahrt:                     17000 sm bei        8 Kn
                                                                 15000 sm bei        9 Kn
                                                                   5000 sm bei       15,6 Kn

Gesamtschiffsgewicht                               1610,3 t33

Im Dezember 1943 erhielt die Seebeckwerft den Auftrag für den Bau von Sektionen für den neuen U-Boot-Typ XXI.  Weitere Sektionen befanden sich im Bau.

Die Seebeckwerft baute die Sektion VII für den Typ XXI
Das Werk Seebeck der Deschimag baute die Sektion VII für den U-Boot-Typ XXI. Die Sektionen VII und VIII enthielten den Torpedoraum. Wegen seiner Größe wurde er auf zwei Sektionen aufgeteilt. Die Sektion VII hat eine Länge von 6,8 m und wiegt ca. 90 t, die Sektion VIII ist 14 m lang und wiegt ca. 110 t. Der Druckkörper hat einen kreisförmigen Querschnitt und verjüngt sich konisch nach vorn. Eine genauere technische Beschreibung mit Skizze der Sektionen VII und VIII findet sich bei Rössler.
Bis zum 10. Februar 1945 wurden 141 Sektionen  der Sektion VII von der Seebeckwerft abgeliefert, dazu kamen noch mehrere Turmsektionen.Weitere Sektionen befanden sich im Bau. In den letzten Kriegsmonaten dominierten allerdings Reparatur-und Umbauaufgaben.
 Die Sektion VII wurde auf der Seebeckwerft in einer großen Schiffbauhalle auf zwei parallelen Taktstraßen in Serienproduktion hergestellt und dann auf dem Wasser- oder Schienenweg zu den Bauwerften nach Bremen oder Hamburg transportiert. Neben der Sektion VII stellte Seebeck noch druckfeste Luken37, Türen und Verschlüsse her.
 Bei der Deschimag in Bremen wurden nach Herzog vom Typ XXI die Uboote  U 3001-3063 (U 3064-3500 im Bau?) gebaut. Es ist davon auszugehen, daß die 141 Sektionen der Sektion VII nach Bremen gebracht wurden und dort  Bestandteil der in Bremen produzierten 63  XXIer-Boote geworden sind.

Auftrag an Seebeck-Wesermünde, die Sektion VII des U-Boottyps XXI für den gesamten Westraum zu bauen und nach folgendem Plan abzuliefern:

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1944                                                                                 1945
2      3      4      5      6      7      8      9      10      11      12      1      2      3     ...
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
2     7     14     20    23    23    25    25     25      25      25     25    25    25
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Davon wurden abgeliefert bis 31.10.1944  74 und bis 10.02.1945  141 Sektionen.
 

Aufteilung des Bootes in 9 Sektionen

Sektion I     - Länge 12,7  m - Gewicht ca.   65 t   (Heck mit Heckraum, Steueranlage und
                                                                                   Werkstatt)-Howaldtswerke Kiel
Sektion II    - Länge 10,0 m  - Gewicht ca. 130 t  (E-Maschinenraum)-KMW W`haven
Sektion III   - Länge   8,4 m - Gewicht ca.  140 t (Dieselmotorenraum) - DW Hamburg
Sektion IV   - Länge   5,3 m-  Gewicht ca.    70 t Mannschaftswohnräume)-
Flenderwerke                                                                                 Lübeck
Sektion V    - Länge   7,6 m-  Gewicht ca.  140 t (Zentrale und Kombüse)
                                                                            Howaldtswerke Hamburg
                                                                             Bremer Vulkan , Vegesack
Sektion VI   - Länge 12,0 m-  Gewicht ca.  165 t (Vordere Wohnräume) - DW, Hamburg
Sektion VII  - Länge  6,8 m-  Gewicht ca.  92 t  (Torpedolagerraum)- Deschimag
                                                                            Werk Seebeck, Wesermünde
Sektion VIII - Länge 14,0 m- Gewicht ca.  110 t (Bug mit Torpedorohren) -DWK, Kiel
Sektion IX   - Länge  14,1 m                                (Turmumbau) - Hitzler, Lauenburg (Elbe)
                                                                             Büsumer Schiffswerft
                                                                             Sietas; Bremer Vulkan
                                                                             Lübecker Maschinenbaugesellschaft

Montagewerften für den West-Raum waren Blohm & Voss, Hamburg und die AG Weser, Bremen. Für den Bau der Sektion VII waren in der Vorkalkulation 9000 Arbeitsstunden angesetzt worden, benötigt wurden Ende 1944   8500 Arbeitsstunden.40 Die Sektion VII  sollte eisenbaulich von Stahlbauanstalten weitgehend vorgefertigt werden. Für die Sektion waren dies die Firmen:
- Schäfer, Ludwigshafen
- Grohmann & Frosch, Wittenberg (Elbe)
- Uebigau, Dresden
- Beuchelt & Co, Grünberg (Schlesien)

Der erste Bauabschnitt bei der Herstellung des Schiffskörpers erfolgte in den Walzwerken und Gießereien. Aus den Stahlplatten wurden nun in Stahlbaufirmen die Druckkörperschüsse hergestellt. Der Zusammenbau der Schüsse und vorgefertigten Eisenteile zu den Rohsektionen erfolgte bei größeren und an Wasserstraßen liegenden Stahlbaufirmen. In den Sektionswerften wurden die Rohsektionen zu vollständigen Sektionen ergänzt und mit allen Einrichtungen und Maschinen ausgerüstet, mit Ausnahme der Teile, die entweder zu schwer waren  oder durch zwei oder mehrere Sektionen reichten (Hauptwellen).
Nach einem genauen, auf den Tag festgelegten Terminplan sollte die bis auf den letzten Pinselstrich fertigen Sektionen an die Montagewerften abgeliefert werden. Der Transport erfolgte auf dem Wasserweg  nach Bremen oder Hamburg.
Für die Montagewerften sollte ein spezieller Luftschutz geschaffen werden. Im Herbst 1943 wurde mit dem Montagebunker "Valentin" in Farge begonnen. Der Bunker Valentin erhielt eine Größe von 450 m x 100 m. Die Betonmauern hatten eine Stärke von 3-4,5 m. Im Innenraum war Platz für Einzelsektionen (3 U-Boote) und 13 vollständige Boote in den verschiedenen Stadien des Zusammenbaus.41  Das vermutlich letzte erhaltene Boot dieses Typs liegt heute als Technisches Museum im Alten Hafen beim Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven.
42
1943 stieg die Zahl der Beschäftigten bei der Seebeckwerft auf 4.479. Im gleichen Jahrschrieb Dr. Otto Höver folgendes zur Situation der Werft: " Zur Zeit ist das Werk Seebeck voll für den Bedarf der Kriegsmarine eingesetzt. Die derzeitige Lage erfordert freilich, daß über die laufenden Arbeiten noch Stillschweigen gewahrt wird. Nach siegreicher Beendigung des Krieges wird auch die Handelsschiffahrt des Großdeutschen Reiches eine Fülle neuer Aufgaben zu stellen haben. die endgültige gefestigte Weltstellung unseres Vaterlandes auf den Meeren wird dann auch das Werk Seebeck an dem Platz finden, den es sich dank der Tatkraft seiner leitenden Männer im deutschen Schiffbau errungen hat."

Quelle: Peter Müller, Die Geschichte der Schichau-Seebeckwerft von 1876-1994, Manusskript.
.
Anmerkungen
Vgl. O. Höver, Das Werk Seebeck der Deschimag, a.a.O., S.54
3 Vgl.Reinhard Ostertag, Deutsche Minensucher- 80 Jahre Seeminenabwehr,Koehlers Verlagsgesellschaft
1986, S.21ff
8 Über den Verbleib der Torpedoboote siehe Erich Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 2,
Bernard & Graefe 1983, S.39
15 Karlheinz M.Reichert (Hrsg.): Marine an der Unterweser, Nordwestdeutscher Verlag Bremerhaven 1990,
S.89
16 Eine ausführliche Liste aller bei der Seebeck AG/Deschimag gebauten Fischdampfer zwischen 1892-1943, die
im I. und /oder II. Weltkrieg zu Kriegsschiffen umgebaut wurden und über ihren Verbleib, findet sich bei
Erich Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 8/1, 1993, S.160f, 202-216



Literaturhinweis zum Bau von Vorpostenbooten:
1) Erich Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 8/1 (Teil 1)
S. 143 Walfangschiffe, S. 202ff Vorpostenboote Seebeckwerft
2) dergl. Band 8/2 (Teil 2), Bernard & Graefe Verlag Bonn 1993