AG "Weser", Bremen, gegründet 1843, baute 1929 den Schnelldampfer "Bremen" (51.656 BRT) für den Norddeutschen Lloyd und beschäftigte zeitweilig mehr als 10.000 Mitarbeiter. In den 70er Jahren erfolgte der Großtankerbau bis 380.000 tdw und der Bau schneller Containerschiffe (2.200 Container, 33 kn Geschwindigkeit, 120.000 PS-Maschinenleistung). Die AG "Weser", Bremen, wurde im Zuge der Kapazitätsreduzierungen im europäischen Großschiffbau Ende 1983 geschlossen.
Die Seebeckwerft AG, Bremerhaven, gegründet 1876.
Die Schichau Unterweser AG ist hervorgegangen aus den traditionsreichen Firmen
F. Schichau GmbH, Elbing, Danzig und Königsberg, gegründet im Jahr 1837. Diese Werft beschäftigte im Jahr 1944 bis zu 44.000 Mitarbeiter. Im Jahr 1945 mußte der Betrieb in Folge des verlorenen Krieges und der beginnenden Sozialisierungsmaßnahmen in der damaligen sowjetischen Besatzungszone in den o.g. Städten aufgegeben und die Schichau-Werft als kleiner Betrieb in Bremerhaven weitergeführt,
und
Schiffbaugesellschaft Unterweser AG, Bremerhaven, gegründet 1903 als Schiffswerft Delphin Riedemann & Co.,bekannt - inbesondere als Fischdampfer-Werft, später für den Bau von Fracht- und Fährschiffen.
Der Jahresumsatz der Schichau Seebeckwerft
betrug 1993 zwischen 500 und 600 Mio. DM. 80 % des Eigenkapitals
in Höhe von 24 Mio. DM befanden sich im Besitz der Bremer Vulkan AG.
Die SSW verfügte 1993 über einen Helgen für Schiffe bis
ca. 210 m Länge und 29,60 m Breite und ein Baudock für Schiffe
bis ca. 26.000 tdw. Daneben befanden sich in drei räumlich getrennten
Schiffsreparatur-Betrieben insgesamt vier Schwimmdocks.
.
Im Rahmen des Arbeitskreises Stadtgeschichte
des "Heimatbundes der Männer
vom Morgenstern"
entstand die Idee, selbst einen Beitrag zur Geschichte der Schichau Seebeckwerft
zu schreiben. Dabei standen für mich von vornherein Fragen im Zusammenhang
mit der Geschichte der Arbeiterbewegung im Vordergrund. Da ich selbst einige
Jahre von 1966-1970 bei Seebeck gearbeitet habe und früher politisch
engagiert war, interessierte mich die Betriebs- und
Gewerkschaftsarbeit. Ich hatte ein brennendes Interesse daran
herauszufinden, wie es während der Zeit des Faschismus auf der Seebeckwerft
zuging. Mich interessierte, in welcher Weise ausländische Zwangsarbeiter
im U-Boot-Bau eingesetzt waren.
Während die Zeit des Kaiserreichs
von Dirk Peters und die Weimarer Republik von Marc Fisser bearbeitet bearbeitet
wurde, habe ich versucht ein paar Aspekte zur Zeit des Dritten Reiches
beizutragen, der Schwerpunkt liegt aber wohl doch eher in der Nachkriegszeit.
Die Seebeckwerft während des Kaiserreichs von 1876-1918
Das erste richtige eiserne Schiff,
das Georg Seebeck baute und ablieferte, war im Jahr 1879 die Barkasse "Minna"
(6,7 BRT), die er mit Dampfmaschine, an die Fa. Berning & Co.
Hamburg ablieferte. Im gleichen Jahr kam die Barkasse Anna mit 8 BRT
an Kapitän Robert Schmidt in Geestemünde zur Auslieferung. Das
Boot war 8 m lang, 2 m breit und hatte 0,62m Tiefgang.
Am Querkanal erwarb Georg Seebeck
1886 ein Grundstück mit Eisen-
bahnanschluß.
In den folgenden Jahren stellte
die Firma, die zu dieser Zeit etwa 120 bis 150 Beschäftigte
zählte, kleine Barkassen und Schlepper her, die von einer behelfsmäßgen
Helling vom Stapel liefen.4
Der erweiterte Betrieb machte die
Anstellung einer neuen Kraft zur Erledigung der Kontor- und Buchführungsarbeiten
notwendig. Bislang waren die laufenden schriftlichen Arbeiten von Seebecks
Frau "nebenbei" erledigt worden. Jetzt wurde ein richtiges Kontor
eingerichtet. Am 1. Oktober 1886 trat Ferdinand Niedermeyer5
Ferdinand Niedermeyer
in das Unternehmen ein. Dieser war
vier Jahre lang in einer Eisenkonstruktionswerkstatt und Maschinenfabrik
in der Weserhütte in Bad Oeynhausen tätig gewesen. Niedermeyer
stieg vom Buchhalter zum leitenden Direktor und Vorstandsmitglied auf und
gehörte bis zu seinem Tod dem Aufsichtsrat der Deschimag an.6
Ebenfalls im Jahr 1886 kaufte Georg
Seebeck die neben seiner Firma liegenden Lagerhäuser der Bremer Reederei
D.H. Wätjen & Co. Danach baute er noch eine Gießerei und
stellte Jahre später ein Hammerwerk auf.7
1891 erwarb Seebeck am linken Geesteufer
die Werftanlagen von Schau & Oltmanns, erneuerte die Hellinge, nahm
den Fischdampferbau auf und konnte jetzt auch im Trockendock Reparaturen
durchführen.8
Im Jahr 1891 lieferte die Seebeckwerft
unter der B.-Nr. 47 ihren ersten Fischdampfer "Uranus" ab, der mit
142 BRT und einer Länge von 38,7 m, für die damalige Zeit, schon
ein großes Fischereifahrzeug war. Im Jahr 1892 übergab
Seebeck fünf Fischdampfer, davon vier an den Bremerhavener Reeder
Johann F. Lampe. Zu diesen Fischdampfern zählten die "Bremen", die
"Fisk" (Bremerhaven) und die "Lehe". Die "Bremen" unter der B.-Nr. 55
kenterte am 21. Dezember 1898 bei Seebeck im Trockendock, wurde
gehoben und umgebaut.
Im darauffolgenden Jahr wurde für
die Hafeninspektion Bremerhaven der Bereisungsdampfer "Tümmler" hergestellt,
der eine Vermessung von 27 BRT hatte und seinen Liegeplatz am Neuen Vorhafen
unterhalb des Leuchtturm von Simon Loschen
hatte. Das Dampferchen wurde zumeist für Fahrten der Beamten zum Bau
der Kaiserschleuse und der Kaiserhafen-Erweiterung 1892-1897 benutzt.
Den Reichspostdampfer "Stettin"9
verlängerte die Werft für den Norddeutschen
Lloyd. Im ehemaligen großen Trockendock von Schau & Oltmanns
wurde der Lloyddampfer im Herbst 1894 um 50m verlängert. Das
geschah so, daß das Schiff aus eigener Kraft in das Dock hineinfuhr
ohne die Hilfe von Schleppern und wurde an beiden Seiten abgestützt.
Bei Ebbe ließ man das Wasser ab und pumpte den Rest ab. Auf den Dockboden
wurden zu beiden Seiten des Dampfers dicke Balken gelegt und darüber
andere dicke Balken, auf denen nun das Gerüst zum Abstützen des
Schiffskörpers aufgebaut wurde. Man teilte jetzt das Schiff in der
Mitte, wobei jede einzelne Niete mit Kreuzmeißel und Hammer entfernt
werden mußte. Brennschneiden und Schweißen gab es noch nicht.
Als die beiden Hälften auseinandergetrennt waren, mußte die
eine Schiffshälfte neu abgestützt werden. Um die Rutschfähigkeit
zu verbessern, wurde zwischen die beiden aufeinandergelegten Balken
grüne Seife dick aufgeschmiert. An einem Ende des Docks wurde eine
Winde mit Holzstangen befestigt, und kräftige Werftarbeiter
gingen immer in der Runde um die Winde und sangen dabei. Wer nicht mehr
konnte, wurde abgelöst. Auf diese Weise wurden die 50 m in 24 Stunden
geschafft. Das Zwischenstück wurde auf den Kiel gesetzt.
Der Ingenieur Emil Sonnewald
berichtete 1966 im Niederdeutschen Heimatblatt über seine Erinnerungen
an die Verlängerung des Lloyddampfers "Stettin":
"Bi dat Tosamennieten wür
ick mit insett. Insett ist richtig seggt; denn ick müß as`n
Mullwupp in den Duppelböen bit veer Meter rinkrupen van de Städ,
wo Platten utloten wärn. Doar stünn de Feldsmee up`n Podest för
dat Warmmoken van de Nieten. De Platten wären alle anschruwt un nu
müssen de Platten vernietet warn. Van de Binnensiet würn de Nieten
in de Löcker steeken.. Wenn so`n Niet in`n Lock balanziert wär,
denn stemmte de Arbeiter binnen den Vorholder gegen den Nietkopp un de
beiden Arbeiter buten homierten den gleunigen Nietschaft mit Geschicklichkeit
to`n halfrunnen Gegenkopp, un doarmit wär de Platte an düsse
Städ fast. Ober wi käm de Niet an mi ran? Ick sät doch 4
Meter van de Feldsmee binnen up`n Hümpel Holtspön. Ganz eenfach,
wenn een Niet Hitz harr, dat heet dat Schaftenn wittgleunig wär, den
wür de spritzende Niet in de Niettang nohmen un mit Vehemenz bit kort
vör mi rinschleudert, van mi mit mien Niettang upgreepen un in dat
Lock to`n Vernieten praktiziert. Ober bi`t Rinschleudern full so`n lütte
gleunige Bombe ook enns in de Sittgelegenheit van Hobelspän, de gegen
dat koole Isen vorsehn wärn, un de Niet mit dat Inbrandsetten gauer
as dat Togriepen. Doar heet`t wohrdi. De Niet word gau bisiet bröcht
un dat Füer mit`n Sackstück stickt un de Qualm verflüchtigt.
So`n Tüschenakt ist unerwünscht."10
Neben der Verlängerung
führte man auch noch eine Ausrüstung mit neuen Kesseln durch.
Durch den Umbau erfolgte eine Vergrößerung des Schiffes
von 1.815 BRT auf 2.478 BRT.
.
So entstand 1895 die
Firma "G. Seebeck A.G., Schiffbau, Maschinenfabrik und Trockendocks". Zum
Vorsitzenden des Aufsichtsrates wählte man zunächst Carl Hermann
Gildemeister in Bremen. Alfred Wilhelm Conti übernahm das Amt eines
kaufmännischen Direktors. Das anfängliche Grundkapital von 800.000
Mark wurde 1896 auf 1 Mio. und bis 1906 auf 3,5 Mio. Mark erhöht.
Durch die Gründung der Aktiengesellschaft
waren zugleich die Vorraussetzungen für jenen Schritt gegeben,
der den Werftbetrieb von den Zufälligkeiten des Ebbe- und Flutstroms
und den Gefahren unerwarteter Sturmfluten frei machte, die Verlegung nach
dem Südende des alten hannoverschen Handelshafen, des sogenannten Petroleumhafens.
Im Herbst 1896 wurde der neue Fischereihafen
in Geestemünde eröffnet, der sich zum größten seiner
Art in Deutschland entwickeln sollte. Außerdem war seit 1896 auf
den deutschen Fischdampfern das Scherbrettnetz eingeführt worden.
.
Lageplan der Seebeckwerft in Geestemünde 1906/07, aus: Geschäftsbericht
von Georg Seebeck A.G. vom 1.7.1906-30.6.1907
Den Doppelschrauben- Fracht- und
Passagierdampfer "Trier" mit 3.168 BRT übergab die Werft am 15. Juni
1898 an den NDL. Am 7. Februar 1898 wurden dem technischen Direktor Fritz
Dümling in Geestemünde und dem Kaufmann Ferdinand Niedermeyer
Kollektivprokura erteilt, wie es in der amtlichen Bekanntmachung hieß.
1899 erfogte der Bau der Fischdampfer
Theodor und Carl Adolf mit je 200 BRT für den Frischfischfang mit
Schleppnetz und Treibnetzfang von Heringen. Die ersten Dampfer dieses Typs
hatte die Geestemünder Herings-Fischereigesellschaft noch in Holland
bauen lassen. Der Typ stellte letztlich nichts anderes dar als einen vergrößerten
Logger, dessen Hauptantrieb jedoch die Maschine bildete, während die
Heringslogger mehr Segler mit einer Hilfsmaschine waren. Die "Theodor"
baute die Kaiserliche Marine im 1. Weltkrieg, wie viele andere Seebeck-Fischdampfer
auch, zum Vorpostenboot um und bewaffnete sie. Am 3. November 1914 erfolgte
der Einsatz als Kommando der Vorpostenboote. Und ab 18. Oktober
1915 fand das Schiff Verwendung bei der Vorposten-Hafenflottille in Kiel.
Die "Carl Adolf" kam ebenfalls 1914 bei der Vorpostenflottille zum Einsatz.
Für den NDL stellte
die Werft den Salon-Raddampfer Nixe her, der sein Einsatzgebiet
im Seebäderdienst zwischen Helgoland und Norderney fand. Wegen der
geringen Wassertiefen bei Norderney mußte es ein flachgehendes Schiff
mit einem Räderantrieb sein.
.
Anfang des Jahres 1900 lieferte
Seebeck den Fischdampfer "Weser" (181 BRT) an Fa. H. Hohnholz, Bremerhaven,
ab.

Fischdampfer
Weser
Dieses Schiff stellte den ersten Fischdampfer dar, der mit einer Back12
versehen wurde. Auch war in jener Zeit die bisher ungeschützte, offene
Brücke der Fischdampfer durch ein festes, schützendes Ruderhaus
ersetzt worden. Nach dem Vorbild des Hohnholz-Dampfers "Weser" erhielten
noch im gleichen Jahr die Fischdampfer "Bremen" und "Bremerhaven" ebenfalls
eine Back. Es handelte sich um die Dampfer, welche Joh. Friedrich
Lampe,
Bremerhaven, 1892 bei Seebeck hatte bauen lassen und die dann 1896 an die
mit bremischem Kapital in Nordenham gegründete Dampffischereigesellschaft
"Nordsee" übergegangen waren. Die "Nordsee" ließ nur diese
Dampfer bei Seebeck um einige Meter verlängern und bei dieser Gelegenheit
das Vorschiff mit einer Back überbauen. Die Dampfer gewannen auf diese
Weise an Seetüchtigkeit und waren für die langen, stürmischen
Islandreisen besser gerüstet. Für die Hapag, Hamburg, lief am
7.12.1900 der Frachter Kehrwieder bei Seebeck vom Stapel und wurde
am 4.4.1901 an die Reederei abgeliefert. Das 560 BRT große Schiff
war als kleines Lazarettschiff im II. Weltkrieg vorgesehen. Wegen der langen
Umbaufristen sah man davon ab.
Im Juni 1900 hatte die alte Firma F.W.
Wencke unter dem damaligen Besitzer Nicolaus Wencke Konkurs anmelden
müssen. Seebeck erwarb den Platz mit Trockendock und Querhelling.
Seebeck besaß nun fünf Docks.
Die "Nordsee" muß wohl mit
dem Umbau ihrer älteren Dampfer zufrieden gewesen sein, denn noch
im Laufe des Jahres 1901 bestellte sie bei der Werft vier weitere Fischdampfer
von je 208 BRT: Wien, Breslau, Leipzig und Nürnberg, die
1902 fertig wurden. Damit hatte sich Seebeck eine wichtige Geschäftsverbindung
gesichert. Die "Nordsee", die später von Nordenham nach Geestemünde
übersiedelte und sich zum größten deutschen Hochseefischereiunternehmen
entwickelte, gehörte seit jener Zeit zu den besten Auftraggebern der
Seebeckwerft.
Am 30. Juni 1902 berief der Vorstand
der Seebeckwerft Ferdinand Niedermeyer zu seinem stellvertretenden Mitglied
und am 20. November 1911 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen
Vorstandsmitglied der Gesellschaft.
Im Jahr 1902 bestellte die "Nordsee"
fünf weitere Fischdampfer von je 220 BRT: Brandenburg, Straßburg,
Magdeburg, Augsburg und Würzburg. Und auch in den darauffolgenden
Jahren konnten ständig einige geschlossene Serien von Fischdampfern
für die "Nordsee" die Seebeckwerft verlassen.13
Im Jahr 1903 erfolgte die Verlängerung
des Trockendocks von Carl Lange auf eine Länge von 163m. Es
folgte der Bau der beiden Segler Thea und Armgard. Die Segeljachten
waren als Yawl getaktelte Hochsee-
tourenkreuzer. Die "Thea" erhielt Konsul
H. Diedrichsen in Kiel. Der Konsul fungierte als Teilhaber der Howaldt-Werft.
Die Yacht verfügte über eine Länge von 24,20 m und hatte
eine Vermessung von 58 BRT. Als Eignern gehörte die "Armgard"
einem Herrn von Broken sowie Georg Seebeck. Die Länge der "Armgard"
betrug dagegen sogar 32,50 m. Beide Yachten waren hervorragend schnittige
Fahrzeuge aus Stahl von ausgezeichneten Segeleigenschaften. Sie haben auf
den großen Regatten manche Preise geholt.
Für den NDL wurde der
Passagier- und Frachtdampfer Prinz Waldemar
"Prinz Waldemar"
unter der B.-Nr. 191 mit 3.227 BRT
und einer Länge von über 100 m gebaut.14
"Prinz Waldemar" war für den Reichspostdampferdienst des Lloyd in
der Südsee zwischen Hongkong, Singapore und Australien bestimmt und
als Tropenschiff eingerichtet. Mit seinem weißen Rumpf und den zwei
Schornsteinen sah er sehr ansprechend aus.
In jenen Jahren hatte Seebeck gelegentlich
Überholungsarbeiten an den beiden großen kaiserlichen Schuner-Yachten
"Meteor" und "Iduna" auszuführen. Sie fanden einige Jahre hindurch
in einem der Seebeck-Docks auch ihr Winterlager.
Vom 4. bis 20. Juni 1903 streikten
12 Kupferschmiede bei Seebeck und weigerten sich, mit gewerkschaftlich
unorganisierten Arbeitern zusammenzuarbeiten. Dies war allerdings ein Mißerfolg.
1904 feierte die Werft insofern
ein Jubiläum, als der in ihrem Trockendock liegende Dampfer "Sophie
Rickmers" das tausendste Schiff war, das eines der fünf in ihrem Besitz
befindlichen Docks benutzte.15
Im Frühjahr 1904 wurde das verlängerte Lange-Dock mit einer Länge
von 163 m und einer Breite von 19,5 m in Betrieb genommen,
so daß jetzt große Schiffe eingedockt werden konnten. Hier
lagen dann oft die mächtigen Segelschiffe der Firma Rickmers, um den
Bodenanstrich zu erhalten, unter ihnen das hochgetakelte Viermastvollschiff
"Peter Rickmers" und die Fünfmastbark "R. C. Rickmers", das größte
Segelschiff der Welt. Die hohen Masten ragten weit über die Häuser
hinweg und die Nocken der breiten Rahen reichten fast bis über den
Fahrdamm der Deichstraße. Ein Teil des Docks lag in der Achse der
Hauptverkehrsader Bremerhavens, der Bürgermeister-Smidt-Straße.
Blickte man nach Süden, so sah man die hohen, sehnigen Riggen der
dockenden Segelschiffe, blickte man nach Norden, so sah man in der Ferne
die mächtigen gelben Schornsteine der Lloydschnelldampfer im neuen
Kaiserhafen.
Oft lagen auch mächtige Frachtdampfer
fremder Flagge in Seebecks Dock. Sie hatten meist Baumwolle von Nordamerika
angebracht und wurden hier überholt. Einer der längsten dieser
Baumwolldampfer, der bei Seebeck eindockte, war der viermastige englische
Frachter "Manhattan", ein Typ, der zu jener Zeit, bei den Reedern
sehr beliebt gewesen ist und zumal für die große Trampfahrt
verwendet wurde.16
Der Gesamtbetrieb Seebecks an der
Geeste belief sich jetzt auf 65.000 qm mit einer Wasserfront von 920 m.
War schon beim Ankauf der Wencke-Werft im Jahr 1900 das Aktienkapital um
200.000 Mark erhöht worden, so wurde zur Vergrößerung des
Trockendocks das Kapital im Juni 1902 nochmals um 1 Mio. Mark heraufgesetzt.
Weitere Kapitalerhöhungen wurde im Juli 1904 (550.000 Mark) sowie
im Mai 1906 (750.000 Mark) vorgenommen. Damit errreichte das Gesamtkapital
die Summe von 3,5 Mio. Mark.17
Neben dem Schiffbau- und Dockbetrieb
hatte in diesen Jahren auch die Maschinenfabrik gut zu tun. Es konnten
mancherlei ortsfeste Anlagen hergestellt werden. Unter anderem erhielt
die Stadt Bremerhaven von Seebeck die Maschinen- und Kesselanlage für
das neue Elektrizitätswerk an der Schifferstraße, das 1904 eröffnet
wurde. Weiter lieferte Seebeck die Betriebsanlage für das Hansa-Kohlen
-und Brikettwerk am Südende des Neuen Hafens in Bremerhaven. Diese
Lieferung bestand aus zwei Dampfdynamos, einer Kondensations- und
einer Wasserröhren-Anlage mit dazu gehörigen Rohrleitungen.
.
2.4 Neuzeitliche Baudocks entstehen
Am 12. und 13. März 1905 richtete
eine außergewöhnliche hohe Sturmflut - die höchste
seit 1825 - an den Werft - und Dockanlagen der Geeste arge
Verwüstungen an.
Trotz der krisenhaften Entwicklung
bemühte man sich darum, ein neues, größeres Grundstück
am Petroleumhafen zu bekommen. Über die ersten Schritte zu dieser
weiteren Entwicklung heißt es im Geschäftsbericht vom 6.
November 1906: "In der außerordentlichen Generalversammlung vom 19.
Mai dieses Jahres wurde einstimmig die Annahme eines Vertrages mit der
Kgl. Preuss. Regierung (Staatsbauverwaltung) beschlossen und damit auch
die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft nach Geestemünde. Laut diesem
Vertrag sind unsere Betriebsanlagen in Geestemünde, Dockstraße
6, von etwa 10.742 Quadratmetern Flächen Inhalt, mit dem Trockendock,
allen Baulichkeiten und einem Teil der Maschinen in das Eigentum der Staatsbauverwaltung
(Preuss. Wasserbauamt) übergegangen. Diese Anlagen, die von uns noch
bis zum 30. Juni 1907 kostenlos weiter benutzt und dann abgegeben werden,
haben uns zur Ausführung von kleineren Reparaturen und für einen
Teil der Holzbearbeitung gedient. Dagegen hat uns die Staatsbauverwaltung
im Geestemünder Hafengebiet den ganzen etwa 250 m langen und 50
m breiten sog. Petroleumhafen und ein letzteres von drei Seiten einschließendes
Areal von reichlich 100.000 Quadratmeter Grundfläche mit zwei Eisenbahnanschlüssen
in Erbbaurecht überlassen, und zwar auf die Zeitdauer von 60 Jahren
mit eventuell dreißigjähirger Verlängerung.
...mit Rücksicht darauf, daß
den räumlichen Abmessungen der Schiffe keine Grenzen gesetzt sind,
haben wir im Interesse der weiteren Entwicklung unserer Gesellschaft der
Generalversammlung empfohlen, die sich vielleicht nie wieder bietende Gelegenheit,
unter so günstigen Bedingungen ein für Werftzwecke bestens geeignetes
Gelände zu erwerben, nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen.
Selbst die schwierige Geschäftslage, in der wir uns befanden, muß
unbeachtet gelassen werden, wenn nicht alle Chancen preisgegeben werden
sollten, den für uns erhebliche Vorteile in sich bergenden Vertrag
perfekt zu machen.
Wir beabsichtigen auf dem neuen
Gelände eine Werft für zunächst ca. 1.500 Arbeiter zu errichten
und durch Einführung der neuesten Transport -und Arbeitsmethoden die
billigste Produktion zu erreichen.19
Im Herbst 1906 begannen die
Bauarbeiten im Geestemünder Handelshafen. Zwei Baudocks mit je 163
m Länge entstanden. Während der vier Baujahre (1906-1910) wurden
laut Berichten 2,73 Mio. Mark in die neue Anlage investiert. Es war nun
möglich, Schiffe bis zu 16.000 Tons Tragfähigkeit mit den dazugehörigen
Maschinen- und Kesselanlagen zu bauen. Die Firma war um diese Zeit
die einzige Werft, die den Bau großer Schiffe in sogenannten Baudocks,
d. h. Trockendocks mit darüber angeordneten Helgen- und Krananlagen
betrieb, wobei Vorteile durch kürzesten Materialtransport, lotgerechtes
Aufstellen der Schiffe und Fortfall des nicht ungefährlichen Stapellaufs
erzielt wurde.20
Auf dem 13 ha großen Gelände
entstand eine Werft neuesten Stils. Am Eingang zur Werft lag das dreistöckige
Verwaltungsgebäude. Es enthielt Direktionsräume, kaufmännische
Büros, Konferenzsaal, Zimmer für Baubeaufsichter, Lichtpauserei
und oberhalb dieser Räume eine Direktorwohnung. Nach hinten angebaut
war das schiffbau- und maschinenbautechnische Büro. Die wichtigste
Aufgabe bei der Erstellung dieser neuen, revolutionären Werftanlagen
bildete eine günstige Lösung der technischen Einrichtungen, insbesondere
der Versorgung der Werft mit Licht, Wasser usw. Auf Grund der auf dem Gebiet
der Werftanlagen gemachten Erfahrungen wurde die Leistungsgröße
für die Beschaffung von Elektrizität für Licht- und
Kraftzwecke auf 1.000 PS festgesetzt, wobei bestimmt wurde, daß möglichst
nur elektrischer Antrieb und elektrische Beleuchtung zur Verwendung kommen
sollte und die Elektrizität in einem gemeinsamen Kraftwerk erzeugt
werden sollte. Der Platz für das Kraftwerk wurde ziemlich im Mittelpunkt
der Werft, gegenüber dem Verwaltungsgebäude, getrennt durch eine
breite Werftstraße, gewählt.21
Am Kopf der Baudocks lag die 1.500
qm große Winkelschmiede mit Glühofen, Richtplatten an beiden
Enden, acht großen Rundfeuern, einer Winkelschere, Profil- Biegemaschine,
Rundeisenschere, Winkel-Preßmaschine und einer waagerechten Bohrmaschine.
Seitlich von der Winkelschmiede und dem zweiten Baudock lagen die Schiffbauhallen
und der Schnürboden nebst der Zulage von zusammen rd. 10.000 qm Fläche.
Eine Gleisanlage war über die ganze Werft verzweigt, so daß
fast sämtliche Baustoffe auf dem Schienenwege in die Werkstätten
gelangen konnten. Das zweistöckige Tischlereigebäude hatte einschließlich
Holzlager und Trockenraum rd. 4.000 qm Grundfläche. Das Gebäude
lag in der Nähe des Ausrüstungshafens, so daß fertige Möbel,
Wandbekleidungen usw. auf dem kürzesten Wege dorthin geschafft und
eingebaut werden konnten.22
Im gleichen Jahr, als erstes
echtes Kriegsschiff, baute man den 470 BRT-Artillerietender
Hay (B.-Nr. 262) für die Kaiserliche Marine. Er verdrängte
bei 46,3 m Länge, 9 m Breite sowie 3,2 m Tiefgang 670
t und war mit seiner 1.100 PSi-Dampfmaschine 12,4 kn schnell. Der Tender
fuhr mit 56 Mann Besatzung und verfügte wechselweise über 4 bis
8 Kanonen 10,5 bzw. 8,8 oder 5,2 cm. Erst 1932 wurde dieser Veteran abgewrackt.
An die HAPAG, Hamburg, wurde im
Jahr 1905 als ostasiatischer Küstendampfer die Admiral von Tirpitz
als B.-Nr.220 mit 2.007 BRT abgeliefert. Die Jungfernreise trat der erste
Hapag-Neubau am 5.7.1905 an, und die Reise führte von Hamburg
nach Ostasien. Dort wurde das Schiff dann im Shanghai-Tsingtau-Tientsin-Dienst
eingesetzt. Nach verschiedenen Stationen lief das Schiff ab 1939 als "San
Rafael" für die F. B. Rexach, Ciudad Trujillo und wurde
am 3. Mai 1942 westlich von Jamaika von "U 125" versenkt.23
Ebenfalls im Jahr 1905 baute die
Seebeckwerft für die Hamburg-Amerika-Linie den Mittel- und Südamerika-Liner
"Präsident". Das 1.849 BRT vermessende Schiff hatte am 9. Dezember 1905
seine Überführungsfahrt von Hamburg nach Westindien. Bei einer
Besatzung von 54 Mann konnte der Frachter 45 Passagiere der I. Klasse und
36 Passagiere der II. Klasse mitnehmen.
Das Schiff wurde zunächst
in Westindien im Zubringerdienst eingesetzt. In den ersten Kriegsmonaten
des Jahres 1914 machte das Schiff einige Reisen im Dienste des Kaiserreiches
und wurde auch als Funkstation der Etappe Westindien benutzt. Die weiteren
Stationen:
12. Dezember 1914 in San
Juan aufgelegt
4. April 1917 von den USA
beschlagnahmt.
6. Juli 1917 als Navy-Transporter
"Kittery" in Dienst
Juni 1933 außer Dienst
gestellt
Oktober 1937 in Baltimore
abgewrackt.24
Ebenfalls für die HAPAG wurde
die "Karlsruhe" 1905 gebaut. Die technischen Daten lauteten: 897 BRT, Länge
66,30 m, Breite 10,10 m und eine 500 PSi-starke Maschine. Die
Ablieferung an die Reederei erfolgte am 20.1.1906 für den Dienst Hamburg-
Rheinhäfen. Während des 1. Weltkrieges wurde die "Karlsruhe"
in Ruhrort aufgelegt. Weitere Stationen: 10.3.1935 an E. Russ, Hamburg.
13.4.45 bei Hela durch Luftangriff versenkt.26
Das 1906 gebaute Schwesterschiff Mannheim ging einen ähnlichen
Weg und wurde am 31.12.1944 in Hamburg durch einen Luftangriff versenkt.26
Beschäftigte auf der Seebeckwerft
1906-1913
| Jahr | 1906 | 1907 | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1913 |
| Beschäftigte | 1106 | 1054 | 804 | 611 | 521 | 1009 | 1087 | 1098 |
2.5 Die Seebeck-Villa
Neben der alten Geestebrücke
entstand im Jahr 1907 die Seebeck-Villa. Schon seit dem Jahr 1906 trug
sich Georg Seebeck mit dem Gedanken, seinen Wohnsitz von Geestemünde
nach Bremerhaven zu verlegen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Fischplatz,
an der Stelle des ehemaligen Wenckeschen Maschinenhauses, plante Seebeck
den Bau einer Villa. Allerdings gefiel ihm die Umgebung wohl nicht so recht.
Da Seebeck damit rechnen konnte, daß der Stadt daran gelegen war,
einen Unternehmer und Steuerzahler seines Formats für sich zu gewinnen,
und sie sich die Übersiedlung nach Bremerhaven etwas kosten lassen
würde, trat er am 16. Juli 1906 mit folgendem Schreiben an den Stadtrat
heran:
"Ich beabsichtige, meine Wohnung
von Geestemünde nach Bremerhaven zu verlegen und gestatte mir
infolgedessen, dem wohllöblichen Stadtrat folgendes Ansuchen
ergebenst vorzulegen. Das Haus soll auf dem ehemaligen Wenckeschen Dockplatz
unmittelbar an der Brücke errichtet werden an der Stelle, wo
jetzt die lange Werkstatt steht, wenn der Herr Stadtrat sich dazu verstehen
könnte, den sogenannten Fischplatz in entsprechender Weise herrichten
zu lassen. Der Platz wäre zu pflastern, an der Weserseite mit einem
ordentlichen Bollwerk oder einer Ufermauer zu versehen und könnte
eventuell auf einer Seite gärtnerische Anlagen erhalten. Das Pissoir
wäre auf die andere Seite der Brücke zu versetzen. Dagegen würde
ich ein hübsches, nettes Haus dort erbauen, welches der Gegend zur
Zierde gereichen würde, und es persönlich bewohnen.
Unstreitig würde die Bebauung
des genannten Platzes, der ja doch am Eingange Bremerhavens
gelegen ist, zur Verschönerung der Stadt bedeutend beitragen, da der
Anblick, welchen jene Gegend mit den alten, leer stehenden Gebäuden
und dem hässlichen Platze an der Brücke, wo nur Kinder sich in
oft ungehöriger Weise herumtummeln, jetzt bietet, ein geradezu trostloser
zu nennen ist. Ich bitte, meinem Antrag in geneigte Erwägungen zu
ziehen und mir einen entsprechenden Bescheid resp. Gegenvorschläge
freundlichst zukommen zu lassen.
In dieser Erwartung zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung G. Seebeck"
Nach einigem Hin und Her nahm man
in den Haushaltsplan 1908/1909 einen Betrag von 5.000 Mark für die
Regulierung des Fischplatzes auf. Während sich die Stadt bereit
erklärte, Seebeck entgegenzukommen, allerdings von ihm auch eine gewisse
Eigenbeteiligung erwartete, stellte Seebeck nun neue Forderungen. Er beantragte
die Abtretung eines 4 m breiten Streifens vom Fischplatz seitens der Stadt
u.a. Eine Unkostenbeteiligung lehnte er ab.
Am 9. März 1909 schrieb Baurat
Dieckmann enttäuscht: "Wie zu erwarten war, zieht Herr
Seebeck seine übernommenen Verpflichtungen zurück, nachdem
die Stadt ihm in weitgehendster Weise entgegengekommen ist. Das hindert
nicht, daß die Stadt die Regulierung des Platzes auf eigene Rechnung
ausführt, wie sie geplant ist, ohne Rücksicht auf Seebeck."
Zum Ärger Seebecks wurde beschlossen,
ihm den gewünschten Streifen vom Fischplatz nicht zu vermieten. Nach
Fertigstellung der Anlage waren 4.944,61 Mark verausgabt worden. Es mußte
allerdings zugegeben werden, daß durch Seebecks Villa und den neuen
"Schmuckplatz" an der Geeste, das Eingangstor von Bremerhaven um einiges
attraktiver gemacht wurde.27
Im Jahr 1908 bezog Georg Seebeck
seine von dem Architekten Allers neuerbaute Villa an der Geestebrücke
auf dem Platz des früheren Wenckeschen Maschinenhauses.
In der Zeit zwischen 1904 und 1909
gab es eine Krise in der Handelsschiffahrt und auch die Hochseefischerei
hatte wenig befriedigende Geschäftsergebnisse. Die Seebeckwerft konnte
zwar Neubauaufträge verbuchen, mußte aber einige zu verlustbringenden
Preisen annehmen.
Im Jahr 1907 begann der spätere
kaufmännische Direktor der Werft, Heinrich Kloppenburg, seine Lehre
als Kontorist. Die Seebeckwerft beschäftigte Kloppenburg von 1907
bis 1957.28
Am 28. März 1908 kam es auf
den Werften (bei Seebeck 225 Mann) der Unterweserstädte zur
Aussperrung von 775 Werftarbeitern, weil auf einer Kieler Werft eine kleine
Gruppe Nieter die Arbeit niedergelegt hatte. Nach Beendigung des Streiks
stellte sich heraus, daß die Maßnahme der Werften vor allem
der Reduzierung der Belegschaften wegen der schlechten Geschäftslage
gegolten hatte. Besonders eine große Zahl von älteren, nicht
mehr voll leistungsfähigen Arbeitern, die z.T. ihr gesamtes
Arbeitsleben auf den Werften zugebracht hatten, wurde nicht wieder eingestellt.
Besondere Erwähnung verdienen
die beiden Neubauten Schleppdampfer und Eisbrecher "Primus" (1908)
mit 243 BRT und etwa 800 PS für die Wasserstraßendirektion Bremen
sowie der kleine Lotsenversetzdampfer Flusslotse ( 243 BRT und 35,72
m Länge) für die bremische Flußlotsengesellschaft zum Versetzen
der Lotsen auf Bremerhaven-Reede vor der Geestemündung.29
Der kleine "Flußlotse" versah tagein tagaus treu seinen Dienst beim Lotsenhaus an der Mole des alten Vorhafens. Der helle Ton seiner Dampfpfeife schwang munter über den Deich und war nicht aus dem Eindruck der Weser fortzudenken. Nebenbei hat das Dampferchen vielen Menschen das Leben gerettet.
2.6 Die Trockendocks
Im Laufe des Jahres 1910 konnte
Seebeck zwei Trockendocks, eine kleine Helling und das Verwaltungsgebäude
auf dem neuen Werftgelände am Petroleumhafen in Betrieb nehmen. Die
kleine Helling besaß eine Länge von 80 m. Die Docks wiesen
folgende Abmessungen auf: Länge 180 m, Breite 25 m und Tiefe 7,50
m. Der Vorteil von Baudocks ist, daß sie nicht nur für Neubauten,
sondern auch für Reparaturarbeiten in Frage kommen. Der
Name "Trockendock" ist aus dem englischen "dry dock" entstanden und bezeichnet
einen Hafenteil, der sich von dem übrigen Hafen wasserdicht absperren
läßt, so daß ein vorher eingefahrenes Schiff auf dem Boden
zum Aufsitzen kommt und seine Unterwasserteile zugänglich werden.30
Zum Lenzen der Baudocks dienen
Pumpen mit eigenem elektrischen Antrieb. Die Ausschachtungen für die
Baudocks wurden von Fa. Ph. Holzmann & Co. in Frankfurt a.M, sämtliche
Maurer- und Betonarbeiten von F. H. Schmidt in Altona ausgeführt.
Für den Verschluß der Baudocks wurden schwimmbare Verschlußtore
gewählt.31
Jedes Baudock wurde damals
mit zwei elektrischen Laufkränen von je 5 t Tragkraft auf einem
Gerüst von 21 m Höhe und 28 m Spannweite ausgerüstet. Für
das Versetzen schwerer Teile im Ausrüstungshafen wurde ein Schwimmkran
von 100 Tonnen Tragfähigkeit benutzt. Der Ponton für diesen Kran
wurde von der Werft selbst gebaut. (B.-Nr. 281, Stapellauf 1908,
430 BRT, 24,50 m Länge und 19,50 m Breite).
Erst im Juli 1910 konnte das neue
Verwaltungsgebäude, das nach dem Entwurf von Architekt H. Jäger
erbaut worden war, bezogen und damit der Sitz der Gesellschaft wieder nach
Geestemünde verlegt werden. Im Frühjahjr 1910 wurde mit dem Schiffbau
in den neuen Baudocks begonnen. Die Belegschaft des Betriebes umfaßte
damals rund 950 Arbeiter.
Den Fischlogger Berthold (B.-Nr.
299) übergab Seebeck im Juli 1910 an die Geestemünder Herings
& Hochseefischerei, Geestemünde. Seine Bezeichnung lautete PG
155. Am 27. Oktober 1915 übernahm die Kaiserliche Marine (1. U-Bootsuch-Halbflottille)
das Schiff und gegen Ende des 1. Weltkriegs wurde es versenkt.
Ein ähnliches Schicksal erfuhr
die "Dietrich" (B.-Nr. 300), die am 10.4.1911 an die Königliche
Wasserbau-Inspektion, Geestemünde, abgeliefert wurde. Der Logger "Dietrich"
wurde der Kaiserlichen Marine am 27.10.1915 unterstellt und der 1.
Ubootsuch-Halbflottille zugeordnet. Ab Mai 1917 gehörte der Logger
zum Netzsperrverband Ost. Am 29.3.1919 strandete das Schiff vor Sylt und
versank.32
1911 erhielt die Werft einen
Auftrag über sieben Frachtdampfer mit Abmessungen zwischen 1.668 und
1.735 BRT für die Erz- und Kohlenfahrt von der Reederei Stinnes.
Vom 1.- 16. Dezember 1911 organisierten
die Schlosser und Dockarbeiter einen Streik in Seebecks Dock. Es
ging um drei Pfennige Zulage, Frühstück und Waschraum sowie die
Wiedereinstellung von sechs Entlassenen. Erreicht wurden die Einrichtung
eines Waschraums und die Wiedereinstellung der Entlassenen.
Belegschaft der Seebeckwerft
von 1912- 1930
| Jahr | 1912 | 1916 | 1919 | 1922 | 1923 | 1926 | 1930 |
| Beschäftigte | 1087 | 1098 | 1500 | 750 | 1600 | 263 | 1187 |
Wegen Fernbleibens von der Arbeit
anläßlich der Feier am 1. Mai wurden 1912 bei der Seebeckwerft
800 Arbeiter für 4 Tage ausgesperrt.
26. Juni bis 20. Juli 1912:
Schlosser, Dreher, Maschinenbauer u. a. streikten in Seebecks Dock
für eine Bordzulage von 6 Pfennige und die Neufestsetzung des
Akkordes.
Ab 1912 übernahm H.C. Gildemeister den Vorsitz im Aufsichtsrat der G. Seebeckwerft AG.
Im Jahr 1913 begann die Werft
zum erstenmal mit dem Tankerbau. Für die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft
stellte sie die beiden 4.046 BRT großen Tanker "Meppen"
und "Ems" her. Ihnen folgte die "Niobe" mit 7.229 BRT, einer der größten
Tanker zu dieser Zeit.34
Im Jahr 1913 betrugen die Löhne
und Verdienste (Lohn und Akkord) auf der Seebeckwerft für einen Schiffbauer
mit Akkord 53 Pfennige und für einen Nieter mit Akkord 55 Pfennige.35
Otto Höver, der frühere
Stadtbibliothekar in Bremerhaven, schrieb, daß im Juli 1913 für
12 Wochen ein allgemeiner Streik der Werftarbeiter ausbrach. "... in einer
Zeit, wo durch reichliche Aufträge eine gute Beschäftigung für
längere Frist gewährleistet war. Wie in so vielen anderen Fällen
jener Tage hat die mißgeleitete Arbeiterschaft diese Gelegenheit
benutzt, um höhere Lohnforderungen durchzudrücken."
Im Jahr 1913 beschäftigte
die Seebeckwerft 1.400 Arbeiter und Angestellte und verfügte über
ein Aktienkapital von 3,5 Millionen Mark. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges
wirkte sich äußerst schlecht auf die Beschäftigungslage
in der Hochseefischerei, dem Fischhandel und der Fischindustrie aus. Die
Rickmerswerft mußten ihre Betrieb bereits im September 1914 einstellen.
Tecklenborg und Seebeck verfügten bei Kriegsbeginn noch über
eine relativ gute Beschäftigungslage.36
Literaturhinweise:
1) Dirk J. Peters, Der Seeschiffbau in Bremerhaven
von der Stadtgründung bis zum Ersten Weltkrieg, Veröffentlichungen
des Stadtarchivs Bremerhaven, Bd. 7
Herausgeber: Burhhard Scheper, Gesamtherstellung: Ditzen
Druck und Verlags-GmbH, Bremerhaven 2. unveränderte Auflage 1992