






Vor 25 Jahren in der Zeitung
Vietnam-Schiff gegen Hunger und Durst
Sieghold-Werft baut
"Fora" um- Einzigartiger Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes
Bremerhaven.(18. August 1979). Flora, die alte römische Göttin des blühenden
Getreides, ist Namenspatronin des Vietnam-Frachters, mit dem das Deutsche Rote
Kreuz hungernde Flüchtlinge auf den Inseln in Südostasien versorgen will. Wenn
die "Flora" (1143 Tonnen Tragfähigkeit) am 1. September von
Bremerhaven ausläuft, wird sie unter anderem 150 Tonnen Reis an Bord haben.
Es ist das erste Schiff der internationalen Hilfsflotte, das weniger die
Flüchtlinge bergen, sondern deren Überleben an Land ermöglichen soll.
Als die "Flora" 1966 bei der Schiffbaugesellschaft Unterweser vom
Stapel lief, sollte die römische Göttin der Bremer Neptun-Reederei bei der
Beförderung von Stückgütern oder Dünger und Fischmehl Glück bringen. Nach
dem Ankauf des Frachters für 5,7 Millionen DM behielt das DRK den Namen der
Getreide-Göttin bei, die sicherlich nachsichtig sein wird, wenn in den
nächsten Tagen außer Reis noch 150 Tonnen Milchpulver und 50 Tonnen
Fleischkonserven sowie fünf Tonnen Zucker in Luke 1 geladen werden.
Daneben werden noch 2000 Zelte und neun Fertighäuser mit 210 Krankenbetten
gestaut, die Landstationen für den DRK-Einsatz. Die Lazaretteinrichtung ist
komplett bis zu Medikamenten, Blutkonserven, Einmaldecken und Toilettenpapier.
Die Besatzung wird über eine 200 Meter lange Schlauchleitung auch Trinkwasser
an Land pumpen können. Die Süßwassertanks an Bord werden deshalb auf eine
Kapazität von 400 000 Liter gebracht. Zusätzlich kommt eine Filteranlage an
Bord, die das Gebrauchswasser aus den Ballasttanks auf Trinkwasserqualität
bringt.
Um die schweren Hilfsgüter auch ohne Hafeneinrichtung absetzen zu können,
erhält die "Flora" einen Landungsponton. Die drei Bordkräne können
selbst die beiden Lastwagen, die zwei geländegängigen Krankenwagen, den
Feldkochherd sowie die beiden Anhänger mit Notstromaggregaten auf den Ponton
hieven.
Hilfe vor allem an Land
Mit den mobilen Hilfszügen will das DRK dort helfen, wo Hilfe dringend
erforderlich ist: an Land. Doch auch für Hilfeleistungen auf dem Wasser wird
"Flora" ausgerüstet. Unter der Luke 2 richtet die Sieghold-Werft den
Laderaum unter anderem für den kurzfristigen Aufenthalt von Flüchtlingen her.
Hinter den Bullaugen, die Werftarbeiter in den Rumpf einbauten, entstehen ein
Behandlungsraum, in dem operiert werden kann, sowie Unterkünfte für das
DRK-Bordpersonal: Delegationsleiter, Verwalter, Arzt und zwei Heilgehilfen. Die
Räume und Unterkünfte für das dreizehnköpfige seemännische Personal unter
dem Braker Kapitän Heino Metz (50) erhalten Klimaanlagen.
Kapitän Metz, der schon für die Slomann-Neptun-Schiffahrts-AG die
"Flora" fuhr, wollte eigentlich Anfang November Urlaub nehmen, um
seine Silberhochzeit zu feiern. Mit der neuen funktechnischen Abteilung, die an
Bord installiert wird, kann er nun wenigstens am 4. November von Südostasien
schöne Grüße nach Brake senden.
Nordsee-Zeitung vom 18. August 2004