"Ich bin vollauf zufrieden"
Olga Sieghold feiert morgen ihren 100. Geburtstag- Werftbetrieb 1988 verkauft

Sie erzählt am liebsten von den schönen Dingen ihres langen Lebens. Olga Sieghold, geborene Rogge, feiert morgen ihren 100. Geburtstag. Ihre frühen Erinnerungen, über die sie plaudert, werden von Liedern aus der Jugendzeit unterbrochen, darunter alte Wanderlieder, die sie in Text und Ton noch gut beherrscht.

Olga war das Nesthäkchen des Geestemünder Drogisten Heinrich Rogge, und sie war unter ihren sechs Geschwistern das große Sorgenkind der Familie. "Weil man um meine Gesundheit fürchtete, wurde ich schon früh mit Ei und Kaffee hochgepäppelt. Ja, sogar zur Erholung auf die Ostfrie
sischen Inseln geschickt, der besseren Luft wegen. Sehen Sie, und nun bin ich 100 Jahre alt geworden", erzählt sie und lacht- erfreut sich  bester Gesundheit.
Ihre Jugendzeit wurde bestimmt von der letzten deutschen Kaiser-Ära. Die politische Szenerie jener Tage interessiere sie weniger. "Woran ich mich besonders erinnern kann, das war die Ruhe und Geborgenheit in meinem Elternhaus. War Feierabend, dann saß die Familie um den runden Tisch, es wurde gestrickt und gehäkelt, jemand erzählte Geschichten oder las etwas vor, und danach habe ich Klavier gespielt", erzählt Olga Sieghold lebhaft.
Im Jahre 1926 heiratete sie den Maschinenbau-Ingenieur Max Sieghold. "Die politische und wirtschaftliche Hektik zwischen den beiden großen Kriegen hat unsere Familie gut überstanden", sagt die Jubilarin.

Werft im Fischereihafen
Max Sieghold, ein willensstarker, dynamischer Mann, gründete nach zweijähriger Fahrenszeit als Assistent schon 1924 in der Nelkenstraße eine Schmiede. Aus diesem Zwei-Mann-Betrieb entwickelte sich nach und nach eine Werft im Fischereihafen, die neben Spezialfahrzeugen und Großgeräten Fischtrawler, kleine und mittlere Frachter, vor allem aber Ölbohrinseln und Schlepper baute. Max Sieghold starb 1955. Der Werftbetrieb ist 1988 verkauft worden.
Das schlimmste Ereignis, an das Olga Sieghold sich erinnert, war die Bombennacht am 18. September 1944 auf die damalige Stadt Wesermünde. Ihr Haus in der Verdener Straße sank in Schutt und Asche. "Nach den Wirren der Nachkriegszeit ging es bergauf. Ich kann nur sagen, dass ich mit meinem bisherigen Leben vollauf zufrieden bin. In der Langener Senioren-
residenz Astor Park bin ich bestens aufgehoben. Vor allem freue ich mich, dass mich meine Kinder fast jeden Tag besuchen, dann spielen wir Karten oder erzählen von alten Zeiten, was will man mehr."

Feier mit der Familie
Gefeiert wird morgen nur im engeren Freundes- und Familienkreis. Neben Freunden und Verwandten gratulieren Olga Sieghold eine Tochter, zwei  Söhne und 14 Enkel- und Urenkelkinder.

Nordsee-Zeitung vom 19. August 2000