Im nördlichen Teil des Fischereihafens
II hatte am Ostufer Bremerhavens kleinste Seeschiffswerft ihren Sitz, die
Sieghold-Werft Bremerhaven GmbH & Co.
Siegholdwerft 1952
Dieses 1924 von Max Sieghold
als Schmiede und Schlosserei gegründete Unternehmen reparierte
anfangs nur Haushaltsgeräte. 4 Jahre später baute Sieghold den
ersten Fischdampfer um. Er fertigte auch mechanische Transportanlagen für
frische Heringe. Mit diesen Arbeiten wandelte sich der ursprüngliche
Handwerksbetrieb zum Industriebetrieb.
1937 siedelte der Betrieb auf seinen
Standord an der Ostseite über und stellte ein Schwimmdock in Betrieb,
das erste im Unterweserraum.
Während des II.Weltkrieges
wurden mit einer Mannschaft von 120 Mann Vorpostenboote umgerüstet,
Fischdampfer repariert und umgebaut.
Am 15.12.1950 dann Kiellegung des
ersten Neubaus, Stapellauf der "Cornelia Sieghold" am 5.6.1951, besser
gesagt eines Stapelhubs an zwei Kränen.
Es handelte sich um ein Küstenmotorschiff, es hatte die
Baunummer 101.
"Cornelia Sieghold", 1951
Der nächste Neubau mit der
Nummer 102 war die "Bernhard".
Danach Bau der H.J."Kyvik" für
eine norwegische Reederei.
Danach folgte der Neubau Nr.104
ein Zollponton für die Oberfinanzdirektion Bremen.
Danach Bau einer neuen "Cornelia
Sieghold" mit 300 BRT unter der Bau-Nr.105.
Der Firmengründer Max Sieghold starb 1955. Sein Sohn, ein gelernter Schiffbauer und seit 1954 auf der Werft beschäftigt, führte zusammen mit dem damaligen Betriebsleiter Ernst Franke den Betrieb weiter.
Größere Geländeerweiterungen
in den 60er-Jahren gaben der Werft ihr späteres Gesicht. Neben Schiffsreparaturen-die
beiden Schwimmdocks hoben je 3200t- gehörte auch der Neubau von Fischereifahrzeugen,
Schottelschleppern und Küstentankern zur Angebotspalette der Sieghold-Werft,
die außer 1964 als erste Bremerhavener Werft den Bau und die Reparatur
von Offshore-Anlagen (z.B. "Transocean 2") aufnahm.
1960 lief unter der Baunummer 115 für das Hansestadt Bremische Amt,
Bremerhaven, der Schlepper "Sirius" bei Sieghold vom Stapel. Das
Schiff hatte eine Länge von 21,51m, eine Breite von 5,8 m sowie einen Tiefgang
von 2,7m.

Schlepper "Sirius", 1960
Im Jahre 1974 baute Sieghold für das Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, ein Fischereiforschungsschiff namens "Solea".
Bei einer Länge von 35,37m, einer Breite von 9 m und 4,4 m Tiefgang
hatte es 337,40 BRT.

Fischereischiff "Solea" Baunummer 162, 1974
1984 brachte das Dockschiff "Super-Servant
1" der Sieghold-Werft die dreibeinige Bohrinsel "Transocean 7". Es wurde
für die kältere Region Nordsee eine Heizung eingebaut und ein
Wetterschutz. Im August 1984 arbeiteten drei Schichten der Sieghold-Werft
rund um die Uhr, rund hundert Arbeitskräfte, um innerhalb von vier
Monaten die Bohrinsel "F.G.McClintock" zu überholen und für den
speziellen Einsatz in der Nordsee umzurüsten.
Mit der Reparatur von Trawlern,
Schleppern, Kuttern und seit 1964 auch von Bohrinseln sowie mit Schiffsneubau
behauptete sich der Familienbetrieb, der zeitweise 400 Beschäftigte
hatte, bis 1988.
Wilhelm Werst schrieb 1988 in "Schiffahrt
International", daß diese Spezialität, nämlich die weltweite
Reparatur von Bohrinseln der Sieghold-Werft zum Verhängnis wurde.
Die US-Bohrgesellschaft Reading & Beates ließ die Sieghold-Werft
auf unbezahlten Rechnungen von mehr als fünf Millionen Mark sitzen.
So blieb der Werftleitung nichts
anderes übrig, als die Werft an den Vulkan zu verkaufen. Die
Betriebsübernahme kam dann einer Werftstillegung gleich.
Mit der Eingliederung in den Werftenverbund
unter der Dominanz des Bremer Vulkans endete der Schiffsneubau.
Am 30.September 1988 schloß
die kleinste Werft Bremerhaven für immer ihre Tore.
Nach dem Verkauf der Schwimmdocks
führte die Nachfolgefirma "Höhne Anlagenbau" nur noch gelegentlich
Arbeiten auf Schiffen durch.
ehemalige Gebäude der Siegholt-Werft