| Art: | Bark |
| Nation: | Deutschland |
| Eigner: | Deutsches Schiffahrtsmuseum |
| Heimathafen: | Hamburg |
| Liegehafen: | Bremerhaven |
| Baujahr: | 1919 als Schoner "Elisabeth Bandi" in Gulfport (USA); Umbau 1938 zur Bark bei Blohm & Voss in Hamburg |
| Länge über alles: | 75,70 m |
| Breite: | 11,30 m |
| Tiefgang: | 5,00 m |
| Segelfläche: | 1419 qm |
| Antrieb: | keine Maschine |
| Liegeplatz: | Museumshafen Alter Hafen, Bremerhaven |
"Seute Deern" braucht neues Deck
DSM-Flaggschiff geht im Herbst für mehrere Wochen ins
Dock
Die "Seute Deern" muss ins Dock. Im Herbst soll das Restaurantschiff
des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM) ein neues Hauptdeck erhalten. Die
Museumsführung rechnet mit Kosten in Millionenhöhe. Bislang ist das Geld im
Haushalt nicht vorhanden.
Seit 1998 arbeiten die Haushandwerker an den morschen Planken der alten Dame.
Eigentlich wollten die DSM-Zimmerleute das Aushängeschild des Museums Stück
für Stück und über mehrere Jahre verteilt am Liegeplatz auf Vordermann
bringen. Jetzt stellte sich heraus: "Mit eigenen Leuten ist das nicht zu
schaffen", so DSM-Werkstattleiter Jörg Geier.
Die Schäden am Hauptdeck erwiesen sich als so gravierend, dass der alte
Frachtensegler ein komplett neues erhalten muss. Konsequenz: Das darunter
liegende Restaurant muss für die Dauer der Reparatur ausgebaut und einge-
lagert werden.
Auch der Rumpf hält nicht mehr dicht. "Wir müssen ihn neu
kalfatern", sagt Geier. Da die Schäden bis unter die Wasserlinie reichen,
muss die "Seute Deern" ins Dock.
Dockung bei MWB
Die Arbeiten sollen im Herbst beim Motorenwerk Bremerhaven (MWB)
durchgeführt werden. Voraussichtliche Dauer: neun bis zehn Wochen. Zurzeit holt
das Museum Angebote von Bootsbauern ein, die über ausreichend Erfahrung mit
Holzschiffen verfügen. "Erst danach können wir genau sagen, was die
Reparatur kosten wird", erklärt Geier.
Mit Schätzungen hält sich die Museumsführung einstweilen zurück, um die
Verhandlungsposition gegenüber den Werften nicht zu schwächen. "Wir
rechnen mit einem einstelligen Millionenbetrag", sagt der 2. Direktor des
DSM, Hans-Walther Keweloh. "Ein zweistelliger wäre ein Hammer."
Im Haushalt ist so viel Geld für die "Seute Deern" nicht vorgesehen.
"Wir würden wohl an unsere Zuwendungsgeber- also Stadt, Land und
Bund herantreten, um das Geld aufzutreiben", kündigt Keweloh an.
Immerhin: Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt sich an der
Reparatur des letzten hölzernen Frachtseglers in Europa.
Die "Seute Deern" hatte zuletzt 1995 bei MWB im Dock gelegen. Damals
musste der Kiel erneuert werden. Die letzte Grundsanierung der Holzbe-
plankung war 1978/79 von der Seebeckwerft durchgeführt worden.
Der Segler war 1919 in Gulfport, Mississippi (USA), gebaut worden. Nach dem
Krieg diente er als Jugendherberge, Hotel- und Restaurantschiff. Seit 1965 liegt
er in Bremerhaven.
Nordsee-Zeitung vom 10. Januar 2001
| 1919 | Als Viermastbark "Elisabeth Brandi" wird das Schiff für die "Marine Company" aus New Orleans (USA) gebaut und unter amerikanischer Flagge überwiegend zum Holztransport eingesetzt. |
| 1.Reise | Bereits die erste Reise ist ereignisreich: Wegen Verwendung von frischem Holz beim Bau hat das Schiff schnell verzogene Planken und ohne die übliche "Wurmhaut" aus Kupferplatten kommt es zum Bormuschelfraß. Wassereinbrüche sind die Folge. Unter mysteriösen Umständen verliert es seinen Kapitän und dann durch Desertion seine Mannschaft. Nach seiner Rückkehr wird es in Philadelphia repariert. |
| 1925 | Die unrentablen Reparaturkosten nach wiederholten Wassereinbrüchen führen zum Verkauf an die Firma Reid aus Bath (Maine, USA). |
| 1931 | William Uskanen, ein Reeder aus dem finnischen Sotkoma kauft das Schiff, benennt es in "Brandi" um und setzt es für den Holztransport von Finnland nach England ein. Durch das kalte, salzarme Ostsee-Wasser verschwinden die Bohrmuscheln mit der Zeit. |
| 1935/36 | Auch nach dem Verkauf an die Reederei "Yrjänen & Kumpp" aus dem ebenfalls finnischen Raumo wird der Schoner in der Holzfahrt eingesetzt. |
| 7.11.1938 | Der Hamburger Reeder John T. Essberger erwirbt den Schoner für 26.500 Reichsmark. |
| 16.12.1938 bis 15.05.1939 | Auf der Werft Blohm & Voss in Hamburg wird das Schiff in eine Bark umgebaut und erhält eine Galionsfigur und wird in "Seute Deern" umbenannt. |
| 15.06.1939 | Essberger stellt das Schiff als frachtfahrendes Schulschiff für die Ausbildung des Nachwuchses für seine eigene Flotte in Dienst. |
| 1939 | Während der Heimkehr von ihrer ersten
Reise unter Deutscher Flagge mit Holzfracht aus Finnland wird die Bark
vom Beginn des 2.Welt- krieges überrascht und sucht Schutz in einem dänischen Hafen bis zum Ende des Krieges mit Polen. |
| 1941 | In den weiteren Kriegsjahren folgen kleinere Frachtfahrten mit Salz und Holz auf der Ostsee nur noch im Küstenbereich bei Rügen auf dem Greifswalder Bodden. Der Besonnenheit des Kapitäns ist es zu verdanken, daß die "Seute Deern" nicht dem Zerstörungsbefehl der Nazis zum Opfer fiel. In der Wintermonaten wird das Schiff Slupsk aufgelegt. |
| 1944 | Die Bark wird nach Lübeck verlegt und verbleibt dort bis zum Kriegsende. Stengen und Rahen werden abgenommen. |
| 1946 | Essberger läßt die "Seute Deern" nach Travemünde zur Schlichting-Werft schleppen, neu auftakeln und zum Hotelschiff umbauen. |
| 1947 | Das Schiff wird nach Hamburg geschleppt. Als Hotel- und Restaurantschiff liegt sie im Hamburger Hafen an dem berühmten Liegeplatz der alten Fähre "VII" |
| 1954 | Nach ein paar Jahren machten die steigenden Unkosten die Nutzung unrentabel und die Reederei verkaufte das Schiff für 40.000 DM nach Holland an Albert Koerts, einen aus Holland stammenden Amerikaner. Er tauft die Bark um auf seines Vaters Namen "Pieter Albrecht Koerts" und schenkt das Schiff als schwimmende Jugendherberge seiner Vaterstadt "Delfzijl". |
| 1964 | Wieder wird das Schiff wegen zu hoher
Unter- haltskosten zum Verkauf angeboten. Die Emder Gastwirtin Erna Hardisty kaufte den Segler für 33400 DM und überführte ihn in ihre Heimatstadt um ihn wieder in ein Gaststättenschiff umbauen zu lassen. Leider geht das wieder in "Seute Deern" zurück benannte aber wieder undichte Holzschiff an seinem Liegeplatz auf Grund. |
| 1965 | Erneut zum Kauf angeboten erwirbt der
Helgoländer Kaufmann Hans Richartz für 61000 DM die "Seute
Deern" und vollendet die Pläne zum erneuten Umbau in eine
stilvolle Gaststätte nun jedoch für Bremerhaven auf der Schröder- Werft in Emden. |
| 1966 | Helgoland, Cuxhaven, Hamburg und Bremen werben um den alten Segler, doch Bremen erhält den Zuschlag und gründete mit der Bark die Stiftung "Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven". Am 22. Juni wird die Bark von Emden nach Bremerhaven geschleppt und findet ihren neuen Liegeplatz im "Alten Hafen". |
| 1972 | Nachdem Bremerhaven und Bremen die "Seute
Deern" gründlich restaurieren ließen, übernimmt das Deutsche
Schiffahrtsmuseum als Gründungs- geschenk die Bark. |
| 1983 | Nach Übernahme des Restaurantbetriebes durch das Hotel Naber und umfangreichen Umbauarbeiten wird die "Seute Deern" im April als Restaurantschiff neu eröffnet. |
| Seit Mitte der 80er Jahre ist die Bark offizielle Außenstelle des Bremerhavener Standesamtes und Paare können sich auf dem Dreimaster in der Kapitäns-Kajüte das Ja-Wort geben. |
Quellen: 1) Otmar Schäuffelen: Die letzten großen
Segelschiffe, Delius Klasing Verlag, 9. aktualisierte Auflage, Seite 109f.
2) http://www.janmaat.de/seuted.htm
3) http://www.hotel-naber.de/seutedeern.html
Fotos Peter Müller 01.02.2005