


Schiff mit bewegter Geschichte
Alfred Dondrup lehrt auf dem Kutter
"Seelust" Sportbootfahren

Foto: Peter Müller 11/2000
Kapitän Alfred Dondrup (64) sitzt rauchend und mit einem Kaffee in der Kombüse
der "Seelust". Mit dem Maschinisten und dem Schiffszimmer-
mann bespricht er letzte Reparaturen im Maschinenraum. Die Crew macht den
Hochseekutter flott- damit Dondrup ehrenamtlich Schüler im Sportboot-
fahren unterrichten kann.
Die Fahrschüler lernen nicht nur Seezeichen und Wetterkunde, sie müssen auch
mal das Deck schrubben und Kartoffeln schälen. Dafür bereitet ihnen der
Kapitän persönlich das Essen zu. "Wenn wir auf See sind, pendle ich
ständig zwischen Brücke und Kombüse", scherzt der gelernte Koch und
Konditor. Deftiges, von Labskaus bis Schweinebraten, brutzelte er in seiner
Kombüse.
Die "Seelust" gehört seit 1989 der Sportmarine, erzählt Dondrup.
"Das historische Schiff sollte damals abgewrackt werden", sagte der
Rentner. Da habe der gemeinnützige Verein den Kutter gekauft und halte
ihn seitdem in Fahrt. Die Vereinsmitglieder fuhren auf dem Schiff nach
Helgoland, Dänemark und in die Ostsee. Und beinahe nebenbei könne auf der
"Seelust" ein Sportboot-Führerschein für Fortgeschrittene gemacht
werden, berichtet Dondrup.
In dieser Woche starten die nächsten Ausbildungsfahrten. Dann liegt die
"Seelust" auch wieder im Neuen Hafen. Während der Sail musste
das Schiff vorübergehend in den Kaiserhafen ausweichen und an der alten Bananenpier
festmachen. Dort wurden im Maschinenraum auch die nötigen Reparaturen in
Angriff genommen- eine Druckluftleitung sei defekt gewesen, berichtet Dondrup.
Nun hofft er, dass nicht noch mehr Reparaturen anfallen. Der Verein sei nicht
gerade reich mit finanziellen Mitteln gesegnet.
"Die Seelust ist ein altes Schiff mit einer bewegten Geschichte", sagt
der Kapitän. Als Kriegsfischkutter wurde die "Seelust" 1942 auf einer
Werft in Swinemünde erbaut, gehörte zum Minensuchgeschwader 42 und blieb bis
Kriegsende in der Ostsee. Zuletzt wurden auf dem Kutter deutsche Soldaten
evakuiert. Nach dem Krieg wurde die "Seelust" von der US-Armee
beschlagnahmt, diente zur Minenräumung in Nord- und Ostsee und gehörte
schließlich einem Bremerhavener Fischer.
Während des Zweiten Weltkrieges seien weit mehr als tausend Exemplare dieses
Schiffstyps gebaut worden, sagt Dondrup, "inzwischen existieren nur noch
eine Handvoll".
Auf dem Boot gibt es eine Kapitänskajüte, eine kleine Kombüse, ein Mann-
schaftslogis und die ehemaligen Fischräume- sie wurden zu einer Messe und zu
Schlafräumen umfunktioniert. Die "Seelust" (83 BRT) wird von einer
300 PS starken Hauptmaschine sowie drei Hilfsdieseln angetrieben. Und außerdem
ist sie wohl eines der wenigen Schiffe, auf denen der Kapitän die Besatzung
bekocht", sagt Dondrup und grinst.
Nordsee-Zeitung vom 12. September 2000