1924
erhielt die Tecklenborg AG in Bremerhaven-Geestemünde von der Reederei W.
Schuchmann den Auftrag zum Bau des Hochseeschleppers "Seefalke". Er
war anfangs ausgerüstet mit MAN-Motoren, die 1942 durch Deutz-Dieselmotoren
errsetzt wurden. Die äußerst stabile Außenhaut besteht aus 14 mm dicken
Eisenplatten. Der schnell Schlepper hatte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von
über 15 sm/h.
Der Seefalke konnte mit seinen starken Maschinen fast mühelos Schiffe bewegen,
die über das Hundertfache seines Eigengewichts betrugen. Er hat viele Schiffe,
die durch schwere Stürme oder durch Maschinenschaden in Seenot geraten waren
und sich nicht mehr aus eigenen Kraft in Sicherheit bringen konnten, am Haken
genommen und sie sicher in einen Hafen gebracht.
| Werft: | Tecklenborg AG Geestmünde |
| Typ: | Hochseebergungsschlepper |
| Baujahr: | 1924 |
| Länge: | 58,50 m |
| Breite: | 9,00 m |
| Tiefgang: | 4,40 m |
| Vermessung | 509 BRT, nach Umbauten 629 BRT |
| Antrieb: | 2 Deutz-Dieselmotoren, 6 Zylinder 3000 PS (2206,5 KW) |
| Besatzung: | 19 Mann |
| Liegeplatz: | seit 1970 im Museumshafen des DSM |
Foto: Peter Müller, 2/2002
Zur Bergungsausrüstung gehören u.a. Schutzanzüge für die
Brandbekämpfung, Leinenraketengeräte, Ausrüstungen für Taucher, auch
Unterwasserschweiß- und schneidgeräte. Das Schleppgeschirr mit zwei
Patentschlepphaken befindet an der Rückseite des Deckshauses.
Zur Schleppausrüstung gehören 6 Stahltrossen von je 220 m Länge, 4
Stahltrossen 410m Länge und 2 16 Zoll-Manilatrossen (46cm).
Die Bugsier- und Bergungs-Reederei von Schuchmann ließ ihren Kraftprotz dort
auf Lauer liegen, wo am ehesten die Chance bestand, daß er Aufträge erhalten
würde: in Dover ebenso wie in La Corona, im Hafen von Las Palmas wie in Tanger
und Casablanca. Einmal barg der "Seefalke" auf dem Atlantik einen
halben Tanker und brachte ihn sicher in den Hafen, selbstverständlich nur noch
zu einem Abwrackbetrieb.
Seine spektakulärste Schleppfahrt aber legte der "Seefalke" im Jahre
1928 zurück: Im Auftrage eines britischen Abwrackunternehmens brachte er den
kieloben und auf Preßluft schwimmenden Schlachtkreuzer "Moltke" von
Scapa Flow, dem Schiffsfriedhof der deutschen Hochseeflotte, durch die meist
unruhige nördliche Nordsee nach Rosyth in Schottland. "Moltke"
gehörte zu jenen 74 internierten deutschen Kriegsschiffen, deren
Selbstversenkung Konteradmiral Ludwig von Reuter am 21. Juli 1919 angeordnet
hatte, weil er einen Handstreich der Briten befürchtete. Nun, neun Jahre
später, sollten die Wracks endlich aus Scapa Flow verschwinden.
Der Chef des britischen Abwrackunternehmens hatte die Bergung des
Schlachtkreuzers persönlich geleitet und den anfangs skeptischen "Seefalke"-
Kapitän Peter Eckhoff beruhigt: Wegen der Aufbauten der "Moltke"
brauche sich der Deutsche keine zu machen, er habe bei den
Vorbereitungsarbeiten Masten und Schornsteine absprengen lassen. Den gepanzerten
Kommandostand schließlich habe man kurzerhand an einer geeigneten Felsnase in
den Rumpf gedrückt.
Eckhoff und seine Steuerleute stellten bei einer Besichtigung des
außergewöhnlichen Schleppobjektes vom Motorboot aus fest, daß sein
"Seefalke" sich als Kopfschlepper mit seinem Trossengeschirr nur
an der Kielhacke und an den Propellerblöcken anpacken konnte. Das bedeutete:
Der 23.000 Tonnen schwere mußte nicht nur nicht kieloben, sondern auch noch
rückwärts geschleppt werden.
Die Überfahrt begann. Der "Seefalke" zog, zwei englische Schlepper
assistierten beidseits vom Wrack, dessen Schiffsboden zum Oberdeck geworden war,
und darauf stand neben der Kompressorstation eine Baracke für die
Überführungscrew. Als schlechtes Wetter und in seinem Gefolge schwere See
aufkamen, begann das "Moltke"-Wrack derart zu tanzen, daß die Männer
in der Baracke bald seekrank darniederlagen. Dennoch ging bis Firth of Forth
alles gut. Als der Schleppzug sich jedoch der weltbekannten Eisenbahnbrücke
näherte, war zum Ärger Eckhoffs das Schwimmdock zum Anheben des Wracks noch
nicht klar. Der Kapitän mußte deshalb versuchen, den Schleppzug vor Anker zu
legen. Der auflaufende Gezeitenstrom erfaßte jedoch den
Schlachtkreuzer mit derartiger Wucht, daß die Anker nicht hielten: Der Zug
trieb auf die große Brücke zu. Sofort ließ der Kapitän die drei
Schlepper loswerfen.
Was nun geschah, erschien den Bergern anfangs wie ein Wunder. Zunächst trieb
der Schlachtkreuzer zielgenau auf einen Platz zu, unaufhaltsam, wie es schien.
Plötzlich jedoch schwang "Moltke" zurück und schoß zwischen den
beiden Pfeilern hindurch. Das "Wunder" fand später eine ganz
rationale Erklärung: Einer der schweren 28-Zentimeter-Geschütztürme hatte
sich am Meeresgrund festgehakt und so in allerletzter Sekunde die Kursänderung
ausgelöst.
Der Bergungsschlepper "Seefalke" war bis kurz vor Ende des II.
Weltkrieges im aktiven Einsatz.
| Neben einem Neubau führte
die Seebeckwerft Großreparaturen/ Großumbauten an Frachtmotorschiffen dem Schlepper "Seefalke" mit 619 BRT für die Reederei W.Schuchmann, Bremerhaven durch. Es handelte sich um einen Bergungsschlepper, der im Jahr 1924 von der Joh. C. Tecklenborgwerft AG, Geestemünde, gebaut wurde und mit einer Länge von 58,50 m an die Reederei W. Schuchmann, Geestemünde/Cuxhaven/Hamburg ausgeliefert wurde. Damals hatte der Schlepper eine Vermessung von 569 BRT, eine Maschinenleistung von 3.000 PS und war für eine Besatzung von 19 Mann konzipiert worden. Während der Zeit des II. Weltkrieges war der "Seefalke" der Kriegsmarine unterstellt und dort bis zum Frühjahr 1945 im Dienst gewesen. In den letzten Kriegstagen wurde der Schlepper durch einen Luftangriff in Kiel versenkt. Die Reederei Schuchmann "entwendete" den "Seefalke", trotz Verbot bei Nacht und Nebel, und später wurde er bei der Seebeckwerft für einen Kostenaufwand von über 700.000 Mark instandgesetzt und modernisiert. Das Schiff erhielt einen neuen Brückenaufbau und später auch noch eine neue Radaranlage. 1950 wurde der Bergungsschlepper erneut in Dienst gestellt. Nach 46 Einsatzjahren ging "Seefalke" 1970 außer Dienst. |
1945 wurde er während eines Luftangriffes in
Kiel versenkt. Angehörige der Reederei bargen ihn und versenkten ihn an anderer
Stelle wieder, damit er der endgültigen Vernichtung entging. Nach der späteren
Bergung wurde der "Seefalke" wieder instand gesetzt, moderner
ausgerüstet und 1950 für weitere 20 Jahre wieder in Dienst gestellt. Seit 1970
gehört er zum Deutschen Schiffahrtsmuseum. Heute sind auf dem Museumsschiff
fast alle technischen Details und Mannschaftsräume zu besichtigen.
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Quellenangaben:
1) Deutsches Schiffahrtsmuseum Regional-Presse-Info 2/99 vom 12.3.1999
2) http://members.tripod.de/WKernchen/seefalke.htm
3) Nordsee-Zeitung vom 28.03.1999 "Erinnerungen an die Zeit an Bord des
Schleppers "Seefalke"