Windjammer auf Kaperfahrt
Der Hilfskreuzer "Seeadler" lief heute vor
83 Jahren von Bremerhaven aus
"Die Piraten des Kaisers" heißt die Reportage, die heute um 22.05 Uhr
von der ARD ausgestrahlt wird. Erzählt wird die abenteuerliche Geschichte des
deutschen Kriegsschiffs "Seeadler", das vor genau 83 Jahren
Bremerhaven zu einer Kaperfahrt ohne Wiederkehr verließ.
Die Geschichte der "Seeadler" unter deutscher Flagge begann im Jahre
1915. Vorher war die rund 1500 Bruttoregistertonnen große Viermastbark mit
Hilfsmotor als "Pass of Balhama" registriert. Im Juli 1915 wurde das
Schiff jedoch von "U 36" gestoppt, beschlagnahmt und schließlich nach
Cuxhaven gebracht.
Die deutsche Admiralität beschloss, den Neuzugang auf der Tecklenborg-Werft
in Geestemünde zum Hilfskreuzer der Kaiserlichen Marine umzubauen. Unter
anderem erhielt er zwei 105-Millimeter-Kanonen, die hinter der ausklappbaren
Decksladung versteckt wurden. Am 6. Dezember 1916 übernahm Kapitänleutnant
Felix Graf von Luckner das Kommando über die neue "Seeadler", um
gemeinsam mit seiner 64köpfigen Besatzung auf weltweite Kaperfahrt zu gehen.
Die Reise startete am 21. Dezember 1916. Das Erreichen des Einsatzgebietes
südlich des Äquators war zunächst die größte Schwierigkeit für Graf von
Luckner, da die Seewege von überlegenen britischen Einheiten kontrolliert
wurden. Um den Blockadedurchbruch gleichwohl zu schaffen, griff man auf die
jahrhundertealte List der Täuschung zurück: Die "Seeadler" wurde als
ein norwegischer Tiefwasser-
segler getarnt. Sie führte eine norwegische Flagge, war mit norwegischen
Papieren ausgestattet, und selbst ihre Mannschaft stammte ausnahmslos aus
Norwegen.
Die Tarnung war perfekt. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurde das Schiff von dem
englischen Hilfskreuzer "Avenger" gestoppt. Dieser schickte ein
15-köpfiges Untersuchungskommando an Bord, das sich von vorn bis hinten genau
umschaute, jedoch nichts Auffälliges entdeckte und unverrichteter Dinge wieder
abzog.
Im Einsatzgebiet angekommen, schlug die "Seeadler" rasch zu. Das erste
Opfer war der britische Kohlendampfer "Gladys Royal", gefolgt von der
"Lundy Island". Bis Mitte 1917 hatte der Hilfskreuzer schon 40 000
Tonnen alliierten Schiffsraums versenkt.
Nach einem halben Jahr auf See, wurde es für Graf Luckner nunmehr Zeit, das
Schiff zu überholen und der Mannschaft eine Ruhepause mit Landgang zu gönnen.
Da aufgrund des geheimen Charakters der Fahrt hierfür kein normaler Hafen in
Betracht kam, wurde ein einsames Südsee-Atoll namens Mopelia angelaufen. Am 2.
August wurde die "Seeadler" dort vor Anker liegend von einer
plötzlich auftretenden Flutwelle erfasst und auf ein Riff geworfen. Das Schiff
war nicht mehr zu retten.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 21. Dezember 1999