Name "Deutschland" schon reserviert
Autor Prager legt Buch über Segelschulschiff vor
Hans-Georg Prager: Schulschiff Deutschland- Weißer Schwan der Unterweser, Koehlers Verlagsgesellschaft, 324 Seiten, 88 Abbildungen, 39,80 Mark.

Eigentlich sollte das Schiff schlicht "Deutschland" heißen. Doch diesen staats-
tragenden Namen hatte sich die Marine für ihren geplanten Panzerkreuzer A reserviert. Und so wurde der Rahsegler, der am 14. Juni 1927 bei der Geeste-
münder Tecklenborg-Werft vom Stapel lief, auf den ungewöhnlichen Namen "Schulschiff Deutschland" getauft.
Denn der Ausbildung von Seeleuten sollte der "Fullrigger" von Anfang an dienen: Auftraggeber war der deutsche Schulschiff-Verein (DSV), der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Nachwuchs für die deutsche Handelsmarine heranzuziehen.
Dieser Aufgabe dient das Schiff bis heute, wenn auch nur noch als schwimmendes Klassenzimmer. Fahrtüchtig ist der stolze Segler schon lange nicht mehr, allerdings tipptopp restauriert und in Bremen-Vegesack an der Lesum-Mündung fest vertaut. Zur Sail kommt das Schiff am Haken eines Schleppers nach Bremerhaven.
Der Fachautor Hans Georg Prager hat jetzt ein Buch vorgelegt, das der Geschichte der "Schulschiff Deutschland" gewidmet ist. Er hat den Verlauf der insgesamt 29 Ausbildungsreisen des Schiffes rekonstruiert, von denen einige bis Westindien, Nord- und Südamerika und Südafrika führten. Er beschreibt die Tricks, mit denen es nach dem 2. Weltkrieg gelang, das Schiff den "alliierten Beutemachern" (Prager) zu entziehen und in Deutschland zu halten. Freunden deftiger Seefahrtabenteuer dürfte das 24. Buch des Autors spannende Lektüre bieten.
Vorgestellt wurde es der Öffentlichkeit mit einer Autorenlesung am passenden Ort: nämlich auf dem Schulschiff selbst. Der Rekumer Schifferchor sorgte für die passende folkloristische Untermalung.

Nordsee-Zeitung vom 25. August 2000