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Schulschiff
Deutschland
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Das "Schulschiff
Deutschland"
ist das einzige erhalten gebliebene Vollschiff der deutschen Schiffahrtsgeschichte.
Es wurde 1927 von der Tecklenborgwerft in Geestemünde gebaut. Der
Linienriß und die Takelung führen im Ursprung auf die Konstruktion
des renommierten Schiffsbaudirektors Georg W. Claussen zurück. Die
"Schulschiff Deutschland" wurde von vornherein als reines Segelschulschiff
und Ausbildungsschiff, nicht als frachttragender Rahsegler konzipiert.
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"Schulschiff Deutschland", Foto Peter Müller 6/2002
"Schulschiff Deutschland"
hatte nie einen Hilfsmotor. Seine legendären Kapitäne Reinhold
Walker (1927-1933), Walter von Zatorski (1933-1936), Erwin Sieck (1936-1938)
und Otto Bauer (1938-1945) konnten mit diesem großen Vollschiff,
das immerhin 1900 qm Segelfläche hatte, sozusagen ihren Namen schreiben.
Beheimatet war das ins Schiffsregister
von Oldenburg eingetragene Schiff in Elsfleth an der Unterweser, obwohl
die Auslandsreisen nach vorheriger stationärer Vor-Ausbildung in der
Regel in Bremen oder Bremerhaven begannen und endeten.
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Mit Ausnahme einer schuldlos
erlittenen und glimpflich verlaufenen Kollision mit einem unachtsamen Dampfer
im Englischen Kanal und einer außerordentlich ernsten Lage im Novembersturm
bis Windstärke 11 vor den dänischen Grönsundbänken
verliefen alle 29 Reisen des glückhaften Schiffes glatt, dank der
souveränen Schiffsleitungen. Sogar im Krieg blieb das Schiff unbehelligt.
Es war freilich zur Vorsorge mit einem MEW- Mineneigenschutz- zwecks Nichtaktivierung
magnetischer Grundminen und ganz zuletzt sogar mit Zwei-Zentimeter-Flugabwehrgeschützen
zur Tieffliegerabwehr ausgerüstet worden.
Die erste Überseereise
hatte das Vollschiff am 26. September 1927 und die erste Ostseereise am
20. April 1928 angetreten. Seine letzte Fahrt unter Segeln endete am 25.
September 1944 in der Hansestadt Lübeck.
Das "Schulschiff Deutschland"
hatte neben dem Kapitän eine Stammbesatzung von acht Offizieren, zwölf
Unteroffizieren, acht Vollmatrosen und nahm bis zu 180 "Zöglinge"
an Bord, wie man die Schiffsjungen auf den Segelschulschiffen zu nennen
pflegte. Das Offizierskorps bestand aus Kapitän, Erstem und Zweitem
Offizier sowie drei Wachoffizieren, dem Schiffsarzt und dem Zahlmeister.
Zu den Unteroffizieren gehörten Wachtmeister, Proviantmeister, Koch,
Segelmacher, Zimmermann, Schmied und zwei Bootsmänner.
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Eine ganze Generation von
späteren Nautikern wurde durch ihre Ausbildungsreise auf dem "Schulschiff
Deutschland" nachhaltig geprägt.
Die Kenner seiner Lebensgeschichte
sind sich einig, daß das Schiff wirklich immer einen Schutzengel
gehabt hat. Das bewies auch das weitere Schicksal bei Kriegsende und danach.
Freilich hat eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit dabei mitwirken
müssen, daß der Windjammer einer zunächst per Befehl zu
befürchtenden Selbstversenkung im Lübecker Hafen ebenso entgehen
konnte wie der Ablieferung als "Kriegsbeute" an eine der Siegermächte:
Als die britischen Truppen immer näher an Lübeck heranrückten,
pumpte man sich geistesgegenwärtig eine ausreichende Anzahl von Krankenbetten,
stellte sie in den Hängemattdecks auf und malte deutlich sichtbar
rote Kreuze auf die Bordwände. Schulschiff "Deutschland" wurde am
27. April 1945 als "Lazarettschiff" in Betrieb genommen, nachdem 250 Leichtverwundete
übernommen worden und in die Betten gepackt worden waren. Als am 5.
Mai die Royal Army in Lübeck einrückte, respektierte sie den
neuen Status des Schiffes, das damit zunächst einer Beschlagnahme
durch den Alliierten Kontrollrat ebenso entging wie den damals einsetzenden
Plünderungen durch befreite Fremdarbeiter. Die Verwendung als Lazarettschiff
hielt bis zum 5. August 1945 an. Aber bis dahin hatte man genug Zeit gewonnen,
einen Coup einzufädeln, der wiederum die Ablieferung an eine der Siegermächte
auf unbestimmte Zeit hinausschob.
Während das Schulschiff
Deutschland bis zum August 1945 als Lazarettschiff verwendet wurde, hatte
ihm die britische Besatzungsmacht eine sog. X-Nummer zugeteilt. Sie besagte,
daß die Ablieferung an die Alliierten als Kriegsbeute nur vorübergehend
ausgesetzt worden war. Nach Vonbordgabe der letzten Verwundeten bestand
sofortiger Handlungsbedarf für eine neue zeitweilige Aussetzung der
Beschlagnahme.
Es gelang dem deutschen
Verbindungsoffizier beim britischen Controller der German Mine-Sweeping
Administration (GM/SA), das Schiff nach Cuxhaven zu beordern, wo für
das deutsche Minensuchpersonal ein Wohnschiff benötigt wurde. Es stand
fortan der 2. Deutschen Minenräum-Division zur Verfügung und
war vorerst erneut "von der Schippe gesprungen".
Am 1. Januar 1948 wurde
das Schiff aus dieser Verwendung wieder entlassen und von einem kleinen,
angemusterten Besatzungsstamm mühsam gereinigt und mit Bordmitteln
einigermaßen renoviert, auch kehrten die an Land gegebenen schiffseigenen
Boote und Segelsätze wieder an Bord zurück.
Das Damoklesschwert einer
eventuellen Ablieferung hing aber noch immer über dem X-Schiff. Da
war es besser, es aus britischem Einflußbereich zu entfernen und
in Bremen der Obhut der dortigen, von Marineoffizieren geleiteten, betont
deutschfreundlichen US-Militärregierung für die amerikanische
Besatzungsenklave zu unterstellen, aus der später das Land Bremen
hervorgegangen ist.
Am 6. März 1949 wurde
das Schiff von Bürgermeister Wilhelm Kaisen dem Deutschen Jugendherbergswerk
zur Nutzung als Herberge für die wandernde Jugend übergeben,
obwohl sein endgültiges Schicksal noch ungewiß war.
Erst am 17. März 1950
wurde das "Schulschiff Deutschland" mit Ermächtigung Alliierten Hohen
Kommission dem Deutschen Schulschiff-Verein endgültig wieder als Eigentum
zurückgegeben. Der Jugendherbergsbetrieb lief bis 1952 weiter. Inzwischen
war das Petersberger Abkommen vom 21. November 1949 unterzeichnet, das
der kurz davor gegründeten Bundesrepublik Deutschland den Wiederbaufbau
einer Hochsee-Kauffahrteischiffahrt ( mit zunächst noch festgesetzten
Obergrenzen für Schiffsgrößen) erlaubte.
Aus finanziellen Gründen ging man von der vorher üblich gewesenen
Pflichtfahrtzeit für künftige Nautiker auf Segelschiffen und damit von einer
obligatorischen Ausbildung auf Segelschulschiffen ab. Der Bundesrat
unterzeichnete am 24. März 1952 das Gesetz, demzufolge alle Jugendlichen, die
im Decksdienst zur See fahren wollten oder Nautiker zu werden wünschten, eine
zweimonatige Vorausbildung in einer stationären Ausbildungsstätte abzuleisten
hätten. So kam es zur stationären Schiffsjungen-Ausbildung auf der bis zum
heutigen Tage beibehaltenen schwimmenden Ausbildungsstätte Schulschiff
Deutschland.
Den endgültigen Status als Seemannsschule erhielt das Schiff allerdings erst
1955. Die gesetzlich vorgeschriebene Vorausbildungszeit der künftigen Seeleute
war inzwischen auf drei Monate verlängert worden.
Es folgten die Jahre des Booms, die neu aufgebaute Handelsflotte bot mehr
Arbeitsplätze an, als Bewerber vorhanden waren. 1958 durchliefen nicht weniger
als 455 See-Berufsanwärter die Ersatzberufsschule für die im Land Bremen
auszubildenden künftigen Seeleute. "Schulschiff Deutschland" hatte einen
vorläufigen Liegeplatz auf der Kleinen Weser, dicht unterhalb der
Stephanibrücke gefunden, als es im Juni 1955 von Buffkaje des Europahafens
dorthin verholt wurde.
Bis zum Jahre 1955 blieb Schulschiff Deutschland eine von den sechs
westdeutschen Schiffsjungenschulen mit zweimonatigen Vorausbildungslehrgängen.
Dann trat die neue "Einigungs- Verordnung" mit den besagten
dreimonatigen Lehrgängen in Kraft. Schulschiff Deutschland wurde offiziell zur
Seemannschule des Landes Bremen.
Der neue Liegeplatz an der Kleinen Weser von Bremen-Woltmershause, die durch
einen Leitdamm von der eigentlichen Weser abgetrennt ist, erwies sich für den
Bootsdienst als günstig. Er konnte dort weitgehend ungestört vom Hafenbetrieb
und vom Schiffsverkehr durchgeführt werden.
Im Eiswinter 1986/87 erlitt Schulschiff Deutschland Havarieschäden durch drei
vom starken Eisgang abgerissenen Binnenschiffe. Die Behebung der Schäden wurde
1987 mit einer Eindockung zur Inspektion und Konservierung des
Unterwasserschiffes, dem Einbau einer modernen Kombüse, neuer Waschräume und
Sanitäranlagen sowie von 38 Zwei-Mann-Kammern für 76 Auszubildende kombiniert.
Damit war die Ära der Hängematten vorbei.
Am 29. April 1995 wurde das Schiff von zwei Schleppern zur damals noch intakten
Werft Bremer Vulkan geschleppt, die von Anfang Mai 1995 bis zum 19. Januar 1996
zusammen mit den Subunternehmer-Werften Motorenwerke Bremerhaven (Takelage) und
Fr. Lürssen, Vegesack (Holzdeck) die komplizierte Verjüngungskur mit Sorgfalt
und Qualität vollbrachte. Danach machte das Schiff erstmals am inzwischen
fertiggestellten neuen Anleger in der Lesum-Mündung von Bremen-Vegesack fest.
Allen Verantwortlichen ist klar, daß die aufwendige Renovierung nur zu
vertreten war, wenn zukünftig eine neue Mischnutzung des Schiffes als
schwimmende Komponente der Seemannsschule Bremen, zugleich aber auch als
öffentlich zugängliches Museumsschiff für laufende zusätzliche Einnahmen
sorgt. Über seine Verwendung als schwimmende Komponente der Seemannsschule
Bremen hinaus dient das Schiff an seinem neuen verkehrsgünstigen Liegeplatz
mehreren Zwecken zugleich, -nämlich als Museumsschiff ist es gegen Entgelt für
den Besucherverkehr geöffnet,
- maritim interessierten Zielgruppen werden Wochenend-Beherbergungen mit
ensprechenden Besichtigungsprogrammen auch in der Freien Hansestadt Bremen und
der Seestadt Bremerhaven geboten.
- das Schiff wird auch für kulturelle Veranstaltungen maritimen Zuschnitts
sowie für besondere festliche Anlässe zur Verfügung gestellt.
- der Reinerlös kommt ausschließlich dem vom Landesamt für Denkmalschutz
gestellten Kulturdenkmal zugute.
Das Schiff ist ein 86 Meter langes Vollschiff in Stahlbauweise
mit 3 Masten und 25 Segeln. Gebaut bei der Werft J.C. Tecklenborg in Bremerhaven,
sein sein Heimathafen ist Oldenburg.
"Schulschiff Deutschland" liegt gegenwärtig in Bremen-Vegesack.
| Reederei: | Deutscher Schulschiff-Verein |
| Schiffsgattung: | Vollschiff |
| Bauwerft: | Joh. C. Teckenborg, Geestemünde |
| Stapellauf: | 14.06.1927 |
| Länge über alles: | 88,2 m |
| Breite über alles: | 11,9 m |
| Seitenhöhe bis Hauptdeck: | 7,3 m |
| Konstruktionstiefgang: | 5,2 m |
| Bruttoraumgehalt: | 1.257 BRT= 3.562 cbm |
| Segelfläche: | 1.900 qm |
| Anzahl der Segel: | 25 |
| Höhe des Vormastes: | 50 m |
| Höhe des Großtopps: | 52 m |
| Höhe des Kreuztopps: | 48 m |
| Das Schiff unternahm: | 1927- 1939: 12 Überseereisen und 1928-1944: 17 Nord- und Ostseereisen. |
Literatur: Hans-Georg Prager: Schulschiff Deutschland- Weißer Schwan der Unterweser, Koehlers Verlagsgesellschaft, 324 Seiten, 88 Abbildungen, 39.80 DM (Buchbesprechung Nordsee-Zeitung vom 25.08.2000)