Schon bald nach der Eröffnung am 1.November 1896
begannen die Ausbauarbeiten für den Fischereihafen. An der Westseite
entstanden weitere Packhallen, der Ausbau des Ostufers begann.
Der Lune-Weser-Deich wurde verlegt, um weitere Flächen
zu gewinnen. Wieder war ein beträchtliches Stück Watt und Außendeichsgelände
dem Wasser entzogen. Der Bau des neuen Fischversandbahnhofs, der 1913 begann,
mußte wegen des I. Weltkrieges unterbrochen werden. Erst
im März 1920 konnte dieser neue Bahnhof dem Verkehr übergeben
werden. Aber immer drückender wurde der Platzmangel für die fischverarbeitenden
Betriebe, auch die Wasserflächen erwiesen sich für den starken
Schiffsverkehr als zu knapp. Schon seit 1912 lagen umfassende Erweiterungspläne
mit Einschleusung des Geestemünder Fischereihafens vor. Diese Pläne
wurden 1920 im Preußischen Landtag beschlossen. Bei der Lebensmittelknappheit
im Kriege und danach war die Zeit für die Vergrößerung
des Fischereihafens günstig. Die Bedeutung Nahrungsmittels Fisch wurde
gerade jetzt erkannt.
Das Erweiterungsgelände lag im Wulsdorfer Außendeichsland
und war schon 1912 vom Staat Preußen und der Stadt Geestemünde
erworben worden. Wie schon 1896 und danach mußte ein großer
Teil für den neuen Fischereihafen der Weser abgerungen werden. Der
Lune-Weser-Arm wurde zugeschüttet und eine Lunemündung mit einem
Siel geschaffen. Von hier bis an die Geestemündung entstand in Watt
und Wasser ein neuer Deich, der heutige "Seedeich". Die Arbeiten waren
recht schwierig, da hier zum Teil Wassertiefen bis zu 9 Metern auftraten.
Während der Bauarbeiten war der neue Deich durch mehrere Sturmfluten
ernsthaft gefährdet.
Löschen des Fischdampfers Oldenburg im neuen Geestemünder Fischereihafen, 1905
Um das Hafengebiet in Zukunft vor Sturmfluten und Schlickfall zu schützen und annähernd gleichbleibenden Wasserstand zu gewährleisten, gehörte zu diesen umfassenden Erweiterungsplänen die Umwandlung des Fischereihafens in einen Schleusenhafen. Als Baustelle für die neue Schleuse war der restliche Wattstreifen des alten Fischereihafenufers im Schutz der ehemaligen Nordmole ausgewählt worden. Der Tag der Grundsteinlegung der neuen Doppelschleuse, der 5.November 1921 war gleichzeitig das Jubileum des 25 jährigen Bestehens des Geestemünder Fischereihafens. Die Doppelschleuse umfaßte bisher zwei Schleusenkammern von 100m Länge (zur Zeit wird sie umgebaut, die größere wird verlängert und verbreitert). Eine der Kammern ist 12m breit, die andere 30 m. Diese Breite wurde gewählt, um auch Frachtdampfern den Verkehr durch die Schleuse zu ermöglichen. Mit den Fahrbahnen über die Schleusentore wurde der Autoverkehr von der Stadt nach dem neuen Gelände auf der Westseite der Fischereihafenerweiterung und bis zum Neuen Lunesiel möglich.
Am 23. März 1925 benutzte als erster der von
See kommende Fischdampfer "Ehrenfels" der "Nordsee" die fertige Doppelschleuse.
In den ersten sieben Monaten wurde die Schleusenanlage als offene Durchfahrt
benutzt, bis die alte Fischereihafeneinfahrt zwischen den Molen geschlossen
war.
Wiederum am 5. November konnte die Doppelschleuse endgültig
ihrer Funktion als Kammerschleuse übergeben werden, der Fischereihafen
war nun zur Wasserseite hin abgeschlossen und damit ein tideunabhängiger
Hafen geworden.
Die Erweiterungsarbeiten für den Wesermünder
Fischereihafen von 1921 bis 1925 hatten einen enormen Umfang. Im Sommer
1923 betrug die Höchstzahl der dort beschäftigten Arbeiter 2960.
Es mußten insgesamt 7 Millionen Kubikmeter an Boden und Sandmassen
durch Naßbaggerung, Aufspülung Trockenbetrieb bewegt werden.
Gewaltige Mengen von Beton, Eisen, Stahl, Rammpfählen,
Spundwänden, Busch, Pflasterpfählen und Sinkstücksteinen
waren verarbeitet worden.
Dieses eindrucksvolle und großzügige Werk,
das der Fischindustrie den erforderlichen Platz und günstige Arbeitsbedingungen
verschaffte, machte Wesermünde in kurzer Zeit zum größten
Fischereihafen des Kontinents.