Altes Handwerk hält Traditionsschiffe jung
Sommerwerft der Schiffergilde bleibt bis Oktober geöffnet- Pläne für die Debeg-Halle

Wenn Holz unter Dampf steht, wird es biegsam. Falk Pfau, Eigner der "Rakel", heizt am Südende des Neuen Hafens die "Steamkiste" an. Darin bringt er eine sechs Zentimeter starke Lärchenplanke auf Temperatur. Auf der Sommerwerft der Schiffergilde gibt es auch bei herbstlichem Wetter altes Handwerk zu sehen.

Der 51-jährige Pfau widmet sich seit rund 20 Jahren liebevoll der 1896 in Norwegen gebauten Gaffelketsch. "Wenn man hinten fertig wird, kann man vorne wieder anfangen", sagt das langjährige Mitglied der Schiffergilde. Rund 100 Meter Holz hat Pfau sich erst vor kurzem bestellt, um notwendige Reparaturen auszuführen. Er erhitzt die Planken, um sie dann der Form seines 19 Meter langen Schiffes anzupassen. Anschließend wird traditionell kalfatert, um Wassereinbruch zu verhindern. "Wo immer es geht, versuchen wir, die althergebrachten Techniken anzuwenden", sagt Hennig Goes, Vorsitzender der Schiffergilde. Pfau hat sich viel angelesen und als junger Mann anderen über die Schulter geschaut: "Anders geht es nicht." Heute wird der 51-Jährige oft von Touristen bei der Arbeit beobachtet und ausgefragt- nicht wenige von ihnen sind sachkundig.
Zahlreiche Schiffe der Schiffer gehören zurzeit zur Sommerswerft. Das Projekt läuft in diesem Jahr unter der Federführung der Bremerhaven- Werbung. Goes. "Dafür stehen insgesamt 44000 Mark aus Rest-Expo-Mitteln zur Verfügung."
                Gleich für drei Schiffe wurden in Steinkimmen Douglasien geschlagen und mit einem Langholztransporter nach Bremerhaven gebracht. Der neue Mast von Harald Denkers "Henny" (Baujahr 1904) misst knapp 20 Meter.
Zunächst zum Vierkant gesägt erhält der Stamm mit viel Handarbeit und Einzel-
schritten nach und nach seine Form.
Mit Plänen für die traditionsreiche Debeg-Halle- sie wird unter anderem als Werkstatt genutzt- wartet die Schiffergilde im 23. Jahr ihres Bestehens auf. Das Gebäude am Südende des Neuen Hafens soll danach im Zuge der Umgestaltung des Gebietes Alter/Neuer Hafen mit Gastronomie und maritimer Ladenzeile genutzt, Werkstatt und Lagerräume sollen saniert werden. Unter Farbe verborgener Klinker könnte nach Goes' Vorstellung wieder in altem Glanz erstrahlen. Das Projekt kostet nach seiner Schätzung zwei Millionen Mark. Die Entwürfe liegen zurzeit beim Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD). Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Nordsee-Zeitung vom 11. September 2001