Schiffergilde Bremerhaven

von Peter Müller, Bremerhaven

Am 9. Januar 1978 wurde die Schiffergilde Bremerhaven e.V. gegründet mit dem Satzungsziel, bei Wiederherstellung und Infahrthaltung traditioneller Segelschiffe und anderer historischer Wasserfahrzeuge förderlich mitzuwirken sowie seemännisches Gedankengut, traditionelle Seemannschaft, Begegnungen mit anderen Menschen und Kulturkreisen zu vermitteln. 20 Jahre später hat sie sich zur größten Traditionssegler-Vereinigung in Deutschland entwickelt und beherbergt im Alten und Neuen Hafen ca. 30 schifffahrtshistorisch wertvolle Segelschiffe. Das erste Schiff war der Finkenwerder Kutter HF 244 "Astarte".
30 Traditionsschiffe, die in der kleinen Gilde-Werft im Neuen Hafen zu neuem Glanz gebracht wurden. Diese Werft sowie die Steganlagen im Alten Hafen und Neuen Hafen sind das schiffshandwerkliche Rückgrat der Gilde. Hier restaurieren die Mitglieder der Gilde und Eigner von Schiffen ihre Schätze, entstehen Masten aus rohen Holzbäumen, werden Planken gebogen, Gaffeln gehobelt und Decks kalfatert.

1) Ambulant ZL 9
Ehemaliger holländischer Kutter aus dem Isle-Meer.
Baujahr 1914 in van Svylekom te Raamsdonksveer/Ijsselaal. 260qm Segelfläche, Länge über alles 22,21m, Breite ca. 5m, Tiefgang 0,90-1,30m. 5 Mann Besatzung, Heimathafen Bremerhaven
Eigner Detlef Grassdeit und Kirsten Ströhlein.

2) HF 244 "Astarte"

Die "Astarte" wurde 1903 auf der Werft von August Albers an der Finkenwerder Südelbe gebaut und zwar für den Seefischer J.Nikolaus Külper. Als reiner Segler hat die "Astarte" nur wenige Jahre gefischt. 1912 erhielt sie einen Hilfsmotor. Noch bis 1952 fischte Külpers Sohn mit der "Astarte" auf der Nordsee, dann hängte er seinen Beruf an den Nagel.
Der Kutter wurde nach Wilhelmshaven verkauft, wo er viele Jahre für das Senckenberg-Institut als Fischerei-Forschungsschiff seinen Dienst tat. 1978 kam die "Astarte" zum Verkauf und wurde als letztes Schiff von der Schiffergilde Bremerhaven e.V. erworben.
Auf der Lloyd-Werft wurden die dringendsten Instandsetzungsarbeiten am Rumpf in Angriff durchgeführt und schon im Sommer segelte die "Astarte"- allerdings noch mit ihrem alten Rigg- mit Jugendlichen auf der Weser. 1979 wurde die "Astarte" dann auf der Grundlage alter Pläne des Altonaer Museums in Hamburg, nach Detailzeichnungen des Hamburger Schriftstellers Hans-Joachim Kaiser und Berechnungen des Bremerhavener Schiffskonstrukteurs Lothar Onasch in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die "Astarte" segelt seit dieser Zeit mit Jugendlichen  auf der Weser und Elbe und in Nord- und Ostsee.
Am 17. Juli 1998 erlitt der Traditionssegler bei der Kollision mit einer Fahrwassertonne einen schweren Schaden. Der Kutter verlor seinen Propeller und zog sich am Bug einen zwei Meter langen Riß zu. Das Schiff mußte vom Seenotrettungskreuzer "Hermann  Rudolf Meyer" in den Geestevorhafen geschleppt werden.
Am 24.10.1998 mußte die "Astarte" nach 20 Jahren wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten in den Hafen. Bis zu 50.000 DM wird die Reparatur kosten. Die komplette Steuerbordseite oberhalb der Wasserlinie soll instandgesetzt werden. Eichenplanken und Spanten verlangen eine Generalüberholung.
Ansprechpartner: Herr Bankert Tel.: 0471-590-2393

 
3) Atlantic Tramp
Eigner: Harald Hanse

4) Bracki
Eigner Uwe Herbst

5)
Cementesse
Art: Schoner
Heimathafen: Bremerhaven
Baujahr: 1975-1982
Bauwerft: Aroldsener Bauwerft, Aroldsen
Konstruktion: Ferrebeton
Länge u.a.: 17,00 m
Länge z.d.L: 15,0 m
Breite: 4,2 m
Tiefgang: 2,05 m
Segelfläche: 128 qm
Antrieb: 135 PS Ford-Diesel Lehmann SP 135
Rufzeichen: DLHF
Besatzung: 3 Mann
Eigner: Dr. Hans-Dieter Gahren.


6)
Christel
1936 als Fischkutter (Motorsegler) auf der bekannten Modersitzky-Werft in Ostpreußen gebaut. Solider Rumpf aus Eichenholz, große Stabilität durch das Längen/Breitenverhältnis 2,7:1.
Fuhr auf der Ostsee von ihrem ersten Heimathafen Kolberg aus zum Fischfang.
Rettete 1944/45 am Ende des II.Weltkrieges deutsche Flüchtlinge aus Pommern aus der Ostsee. Nach dem Krieg setzte sie den Fischfang von Neustadt bei Flensburg und Eckernförde aus fort. Im Jahre 1988 kam sie in stark renovierungsbedürftigem Zustand nach Bremerhaven und wurde Eigentum des heutigen Eigners und Skippers Michael  Pfau. Nach aufwendiger Restaurierung bietet sie seit 1992 für 6 Gäste die Möglichkeit mitzusegeln.

7) Grete
Schiff und Reise
Die Grete wurde 1937 als segelnder Krabbenkutter mit Hilfsmotor Eiche auf Eiche bei Bieritz & Söhne in Meldorf gebaut. Bis 1979 war sie in der Fischerei- meistens in der Nordsee- tätig.
Danach fuhr die Grete bis 2001 im Rahmen der S.T.A.G. in der Ostsee mit den Schwerpunkten Familiensegeln mit Kindern sowie der Ausbildung von Traditionsschiffen.
Nach der Aufrüstung zum Blauwassersegler im Winter 2001/02 startet die Grete im Juni 2002 von Hamburg aus zu einer dreijährigen Weltumsegelung. Zusätzlich zur zweiköpfigen Stammcrew können jeweils 3 Mitsegler mitgenommen werden. Segelerfahrung ist nicht erforderlich, wohl aber eine Beteiligung an der täglichen Bordroutine.
Der Törn ist den vorherrschenden Windrichtungen angepasst und vermeidet alle Hurrican- bzw. Taifunzeiten. Dadurch ergibt sich ein Zeitplan, der es nicht nur erlaubt zu Segeln, sonder auch Raum und Zeit läßt, Land und Leute unterwegs kennen zu lernen.
Sicherheitsausrüstung gemäß GSHW, Selbststeueranlage, Seewasseraufbereitungsanlage, Solar- und Windenergieanlage, GPS, Echolot, UKW und Kurzwelle, Laptop mit Wetterfax, Radar.

Technische Daten
Heimathafen: Friedrichskoog
Altes Fischereikennzeichen: FRI 28
Segelnummer: TS- G 589
Rufzeichen: DH 9046
Rumpflänge: 13,5 m
Länge über alles: 18 m
Breite: 4 m
Tiefgang: 1,75 m
Masthöhe: 17 m
Maschine: 150 PS Deutz-Diesel
Treibstoff: 800 Liter
Besegelung am Wind: 130 qm
Großsegel: 56 qm
Klüver: 22 qm
Fock: 18 qm
Großtopp: 14 qm
Flieger: 20 qm
Breitfock: 44 qm
Sky: 10 qm

Besitzer: Reinhard Beinund Katrin Hennings, Bremerhaven

8) Elli
Eigner: Klaus Prasse

9)
Henny
1904 als Plattenboden-Klipper auf der Gideon-Werft bei Groningen/Holland gebaut. Diese Klipper sind den großen Teeklippern nachempfunden. Durch den Plattboden konnten sie alle flachen Küstengewässer befahren. Hunderte dieser Frachtsegler transportierten bis etwa zum I. Weltkrieg alle Arten von Fracht und gelegentlich auch Passagiere. Heimathafen war von 1912-1945 Großensiel bei Nordenham.  Die Henny diente ohne Masten von 1950-1981 als Anlegeponton in Brake. Seit 1981 versuchen die neuen Eigentümer die Henny zu erhalten und in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Man beachte die Seitenschwerter, die abgesenkt die seitliche Abdrift des Bootes verhindern sollen.
Eigner: Harald Denker

10)
Hohwacht
Eigner: Paul Wilhelm Wagenlöher.

11) Kathrin
Eigner: Hennig Schröder und Jürgen Wolff, Bramsche
Länge: 16,8 m
Breite: 4,8 m
Tiefgang: 2,0 m
Motor: Daimler-Benz UM 312, 76 PS
Segelfläche: 140 qm

12)
Kramputz
Art: Tjalk
Heimathafen: Bremen
Baujahr: 1925
Bauwerft: unbekannt
Konstruktion: Stahl
Länge u.a.: 13,48m
Breite: 3,86m
Tiefgang: 0,80qm
Antrieb: 54 PS Diesel
Besatzung: 2 Mann
Eigner: Dr. Jörg Tegeler

13) Krista Rud

Eigner: Bernd Ahlers

14)
Löschboot 1
Das Löschboot 1 wurde 1941 erbaut und als Feuerlöschboot von der Marine eingesetzt. 1950 wurde das Boot von der BRD für 11 Jahre an die Stadt vermietet, die das Boot 1954 dann endgültig durch Kauf erwarb.
Ansprechpartner: Bodo Jänicke

15)
Nell Britt
Art: Segelschiff (Rigg Galeas)
Heimathafen: Västervik (Schweden)
Baujahr: 1929 in RAA (Schweden)
Konstruktion: Holz
Länge u.a.: 28 m
Länge z.d.L. 22,5 m
Breite: 6,15 m
Tiefgang: 2,2 m
Segelfläche: 250 qm
Antrieb: 210 PS
Rufzeichen: SJLR
Besatzung: 2/4 Mann
Aus der Ostsee stammt der Schoner "Nell-Britt" von Siegfried Hoffmann. Er kaufte den 28 Meter langen Baltic Trader, der 1929 in Raaa (Schweden) gebaut wurde, und restaurierte den schwarzen Zweimaster im Alten Hafen. Seit dem vergangenen Jahr gehört der 70 Jahre alte Traditionssegler einer älteren Dame aus Hannover. 1929 im schwedischen  Raa bei Helsingborg erbaut, kreuzte der 30 Meter lange Gaffelschoner "Nell Britt" als Frachtsegler an der schwedischen Ostküste. Ein Prediger soll sie später für gottesdienstliche Zwecke gekauft, aber wegen "Mangel an Schäfchen" schwedischen Pfadfindern überlassen haben. Ihren seltsamen Namen verdanke der einstige "Baltic Trader" einem gewissen Davidsson.
Der soll gleich zwei Frauen gehabt haben, eine hieß Nelly und die andere Britt. Im kommenden Jahr ist einen Weltumsegelung geplant. In Etappen auf den Spuren von Magellan und mit zahlenden Gästen.
Eigner: Siegfried Hoffman.

16) Nellie & Leslie
1914 bei Worfolk in King`s Lynn (Norfolk, England) gebaut. Bis 1977 war "Nellie & Leslie" in der Fischerei an der englischen Ostküste eingesetzt. Das Schiff wurde nach Dänemark verkauft, wo es die jetzigen Eigner 1981 entdeckten, kauften und in jahrelanger Arbeit in seinen Urzustand zurückbauten.
Eigner: Dr. Peter Gerstenberger, Alexander Nürnberg, Florian Müller.

17) Nordstern

Eigner: Harry Herzberg

18 ) Phönix
Baujahr 1958 Schlichting Werft in Travemünde. Pinasse Länge 11.20m, Breite 2.58m. Verdrängung 6m³. Motor: Deutz ,70 PS ,4 Zylinder,9 Liter Hubraum, 1200 Umdrehungen. Rumpf ist aus Holz und hat noch kein Leichentuch. Eigner: Thorsten Lucius



19)
Rakel
1896 als robustes, segelndes Fischereifahrzeug von dem bekannten Baumeister Colin Archer, Larvik (Norwegen) gebaut. Fischte jahrzehntelang an der rauhen  norwegischen Küste und sogar im Nordmeer auch im Winter bei extrem harten Witterungsbedingungen. 1911 Einbau einer Dampfmaschine, später dann Motorsegler. Rakel war auch zum Robbenfang in arktischen Gewässern eingesetzt. Später fand das Schiff nicht nur als Fracht- und Fischereifahrzeug Verwendung, sondern auch als Eisbrecher in Nord-Norwegen. 1980 entdeckte der heutige Eigner das herunter gekommende Schiff in Südnorwegen, verholte es 1981 auf den jetzigen Liegeplatz. Innerhalb von vier Jahren vorwiegend in Eigenarbeit nach den Originalplänen restauriert. Sie segelt seit dem in alter Schönheit - 1985/86 sogar in die Karibik. Das Schiff ist eine besondere Rarität. Eigner: Falk Pfau, Bremen.

20) Regenpieper
Eigner: Ingo Heidbrink

21)
Rungholt HF 510
1949 als Küstenfischkutter mit der Bau-Nr. 346 auf der Werft J.J. Sietas in Hamburg-Neuenfelde gebaut. Aufgrund der noch bestehenden alliierten Schiffbaubeschränkungen hatte der Kutter nur eine Länge von 11,60 m. 2 Jahre fuhr "Rungholt" von Tönning/Schleswig-Holstein aus zum Fischfang und ging dann wieder an die Werft zurück. 1953 von dem  Fischer Otto Wulf erworben. Heimathafen war nun Altenwerder. Der Kutter wurde auf 15,30 m verlängert (Mittelsektion mit Bünn) und als Hamenfischer umgebaut. Die Rungholt HF 510 war einer jener kleineren Kutter, die zwar ein Finkenwerder Fischereizeichen führten, aber nicht in der Hochseefischerei, sondern in der Elbfischerei tätig waren. 1989 nur noch Nebenerwerbsfischerei (HBK 62 N), 1995 schied der Kutter aus der Fischerei aus und ging in private Hand über. Seit nun mehr als 4 Jahren lag Rungholt, teilweise umgebaut und abgewrackt, am Mittellandkanal an Land und führte ein erbarmungswürdiges Dasein. Seit Dezember 1999 restauriert der Eigner Achim Köpsel das Schiff.

Stahlkutter: 22,32 BRT
genietet
Länge: 15,30 m
Breite: 3,96 m
Antrieb: MAN Schiffsdieselmotor, Bj. 1948
3 Zyl., 50 PS, 500 U/min
Viertaktbauart mit Vorkammer
Luftanlassung

22) Seelotse
Die Lotsenbrüderschaft WeserII/Jade übernahm 1956 den Lotsenversetzer "MS Seelotse" von der Bauwerft Fr. Schweers in Bardenfleth/Weser. Nach einem Umbau der Ruderanlage wurde es neben dem Zubringerdienst auch hilfsweise im Reedeversetzdienst vor Bremerhaven eingesetzt.
Mit Unterstützung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Aurich und der Lotsenbrüderschaft WeserII/Jade konnte der Förderverein "Maritimer Denkmalschutz e.V." das Lotsenversetzschiff "MS Seelotse" am 30.10.1998 übernehmen.
Während der winterlichen Aufliegezeit wurde das Schiff an seinem Liegeplatz Barbarossapier von ehrenamtlichen Helfern und einem hauptamtlichen Betriebsingenieur gewartet. Vom 6. bis 19. April 1999 fand eine Werftüberholung im Dock statt. Das Versetzschiff ist ein seetüchtiges Stahlschiff mit der Klasse und dem Sicherheitszeugnis des Germanischen Lloyd. Es wird im Schiffsregister als Traditionsschiff geführt. Für die Übernachtung der Gäste an Bord stehen 2 Vierbettkabinen zur Verfügung. Es können 15 Personen inklusive 3 Mann Besatzung mitfahren. Voraussetzung für die Teilnahme an einer Fahrt ist die Mitgliedschaft im Förderverein "Maritimer Denkmalschutz e.V.". Das Schiff ist für Fahrten über die Seegrenze hinaus zugelassen.

Name: MS Seelotse
Unterscheidungssignal: DBLM
Heimathafen: Bremerhaven
Jahr des Stapellaufs: 12/1955
Bauwerft: Fr. Schweers Bardenfleth/
Weser
Länge über alles: 30,00 m
Breite über alles: 5,45 m
Tiefgang: 2,20 m
Verdrängung: 82,08 BRT
Geschwindigkeit: 26,0 km/h
Maschinenleistung: 628 PS
Hauptmaschine: 6 Zyl.-MWM-Viertakt-Dieselmotor
Typ TRHS 134 SU
Fahrgäste: max. 12
Besatzung: 3
Baukosten: 420.306 DM

23) SjØglimt
Art: Lista Skotje
Heimathafen: Bremerhaven
Baujahr: 1932
Bauwerft: in Flekkefjörd (Norwegen)
Konstruktion: Holz
Länge u.a.: 19,0 m
Länge z.d.L. 14,87m
Breite: 5,19m
Tiefgang: 1,9m
Segelfläche: 115qm
Antrieb: 100 PS Mercedes-Benz
Rufzeichen: DESW
Besatzung: 3 Mann
Eigner: Christoph Bäuml, Holger Frank.

24) Sofie
Art: Dänischer Spitzgatter
Heimathafen: Bremerhaven
Baujahr: 1916
Bauwerft: in Nystad (Dänemark)
                bei Th. Rasmussen
Konstruktion: Holz
Länge u.a.: 13,65 m
Länge z.d.L. 9,10 m
Breite: 3,30 m
Tiefgang: 1,35 m
Segelfläche: 60 qm
Antrieb: 36 PS Bukh 3 Zyl.
Besatzung: 4 Mann
Eigner: Jürgen Besecke

25)
Sorlandet
Eigner: Dr. Henning Hensel

26) Vestby
Eigner: Harald Bieling

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Stand: Juli 2002