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Nur Reste erinnern an Lloyd-Dock
Entscheidung über Zukunft nach Gutachten
Wie eine archäologische Schatzkammer sieht das Rogge-Gelände am Weserdeich
nicht gerade aus: alte Container, Pfützen, Schutt, mittendrin ein rostiger
Bagger, ein umgekippter Bürostuhl. Nur ein paar Mauerreste erinnern an eine
bessere Vergangenheit: Hier lag einmal das große Reparatur-
dock des Norddeutschen Lloyd.
Seit Jahren fordern Denkmalschützer, Historiker und geschichtsbewußte
Bremerhavener, das fast 140 Meter lange Trockendock wieder freizulegen. Auf
große Begeisterung bei den Projektentwicklern und Tourismusplanern sind sie
damit nicht gestoßen. Jetzt hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS
immerhin ein bisschen im Boden gekratzt und ein paar Mauerreste Docks
freigelegt. Gibt es doch noch ein Chance für das alte Gemäuer?
Volker Osterloh, Bereichsleiter Immobilien und Infrastruktur bei der BIS,
wiegelt ab: "Die Arbeiten sind im Zusammenhang mit der Altlasten-
Erkundung des Geländes erfolgt." Spätestens im Oktober wird die Baufirma
Rogge ihr Gelände am Neuen Hafen verlassen; dann soll hier aufgeräumt und das
Grundstück für seine zukünftige Nutzung als Tourismus- und Freizeit-
areal vorbereitet werden.
In keinem der Pläne taucht das Lloyd-Dock bislang auf, und so will man bei der
BIS auch lieber gar keine Begehrlichkeiten wecken. "Es ist illusorisch, das
ganze Dock wieder freizulegen", sagt Osterloh. Denn nur die Einfahrt und
die gerundeten Dockenden waren in Stein und Ziegel ausgeführt und haben dem
Zahn der Zeit halbwegs widerstanden. "Die Wände des Docks bestanden aus
Holzpfählen", erklärt Osterloh. "Das wieder herzustellen wäre ein
Wahnsinnsaufwand."
"Slip-Anlage errichten"
Dr. Dirk J. Peters, Industriearchäologe am Deutschen Schiffahrtsmuseum,
gibt dem BIS-Bereichsleiter Recht: In einer zeitgenössischen Baubeschreibung des Docks ist von "Spundwänden, die von Pfählen gehalten
werden" die Rede. "Und Spundwände bestanden damals nicht aus Stahl,
sondern aus Holz", räumt Peters ein.
Bei der BIS überlegt man jetzt, die aus Ziegeln gemauerte Einfahrt- ähnlich
wie beim Wencke-Dock an der Geeste- zu restaurieren und die Konturen des Docks
mit Steinplatten anzudeuten. Peters ist das zu wenig: "Man könnte dort
wenigstens eine Slip-Anlage errichten", schlägt er vor. Dazu müsste
hinter der einstigen Dockeinfahrt eine Schräge mit Schienen, Wagen und
Winden angelegt werden, auf der kleinere Fahrzeug- wie die Boote der
Schiffergilde- zu Reparaturen an Land gezogen werden könnten. "So etwas
gibt es in Bremerhaven gar nicht", beklagt Peters.
Vor einer Entscheidung will die BIS auf jeden Fall die Ergebnisse der
Altlasten-Untersuchung abwarten. Diese sollen Mitte August vorliegen.
Aktuelles Stichwort
Lloyd-Dock
Das Lloyd-Dock wurde 1870/71 gebaut und bot auf 120
Metern Länge zwei Schiffen nebeneinander Platz. Zehn Jahre später wurde die
östliche Dockhälfte auf knapp 140 Meter verlängert. 1937 konzentrierte der
Nord-
deutsche Lloyd seinen Technischen Betrieb um die neueren und größeren Docks im
Kaiserhafen und verkaufte das Gelände am Neuen Hafen an die Kriegsmarine.
Bis in die 70 Jahre hinein diente das alte Dock noch als Liegeplatz für Boote
und Pontons der Baufirma Rogge, bevor es endgültig unter Schutt und Erde
verschwand.
Nordsee-Zeitung vom 19. Juli 2001