Rogge-Hallen bleiben: Schulz macht Rückzieher
Beim Thema Rogge-Hallen hat sich der Wind gedreht- Viel Druck auf die Politik

Bremerhaven. Der Wind hat sich gedreht- die Rogge-Hallen (genauer: die historischen Lloyd-Hallen) sollen erhalten werden. Das ist aus Politik und Verwaltung immer deutlicher zu vernehmen. Dabei ist es erst gut ein Jahr her, dass Oberbürgermeister Jörg Schulz auch diese "alten Schabracken" platt machen wollte.

Am 15. Juni vergangenen Jahres erläuterte der Oberbürgermeister auf einer Delegiertenversammlung der SPD eine Zwischenbilanz für die Entwicklung des Ocean Parks. Manche Illusionen hatte er zu diesem Zeitpunkt noch, beispielsweise über ein Multiplex-Kino am Nordende des Columbuscenters ("Es gibt mehrere Interessenten. Die Verhandlungen sollen noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden.") Schulz sprach vor den SPD-Delegierten vor einem Jahr auch über "Flächenbereinigung" am Neuen Hafen, "um Einengungen für die Planung zu vermeiden".
Schulz nannte die historischen Lloyd-Hallen auf dem Rogge-Gelände "alte Schabracken", die nicht erhaltenswert seien. Das blieb nicht ohne Widerspruch. Gestritten wurde in dieser Delegiertenversammlung auch noch über die Hallen auf der Ostseite des Neuen Hafens. Uwe Parpart plädierte dafür, die HAP-Krane-Halle nicht platt zu machen, sondern diese "Gepäckhalle des Lloyd" in die Planungen zu integrieren. Bereits wenige Wochen später war dann nur noch  ein Trümmerhaufen zu finden- nach einem "handstreichartig" organisierten Abriss in der Sommerpause, wie später kritisiert wurde.

Viel Druck auf Schulz
Die Geschichte der Lloyd-Hallen auf dem Rogge-Gelände ist in den vergangenen zwölf Monaten etwas anders verlaufen. Insbesondere bei den Grünen und innerhalb der SPD wuchs der Druck, nicht einfach so weiter zu machen mit der als blind und bedenkenlos empfundenen Abriss-Politik. Dem Druck aus Politik und Bevölkerung konnte sich offensichtlich auch die Verwaltung bis hin zur Spitze des Magistrats auf Dauer nicht verschließen.

CDU für Erhalt
Deutlich wurde das zuletzt in der Sitzung der Stadtverordnetenversamm-
lung am 28. Juni. Während der beschlossene Abriss des Stadtbades von 1956 von Sprechern der großen Koalition verteidigt wurde, waren über die Lloyd-Hallen auf dem Rogge-Gelände ganz andere Töne zu hören. "Wir können uns eine Nutzung gut vorstellen", betonte CDU-Fraktionschef Paul Bödeker. "Nach der Sommerpause werden wir auf alle Fälle weiter Druck machen."
Unklar ist allerdings bis heute, wie das konkret aussehen soll. Vorrangig geplant wird auf diesem Gebiet weiterhin an einer Marina samt Wassersport-
Dienstleistungszentrum. Dabei ist es nach Auffassung der Experten aber wenig sinnvoll, historische Hallen zu restaurieren, um sie anschließend wieder auf die alte Weise zu nutzen- als Werkstätten und Lagerräume. Interessant werden die alten Gemäuer erst durch neue Nutzungen wie beispielsweise Gastronomie oder ähnlich Angebote an die Öffentlichkeit.
                Für die Interessenten am Betreiben einer Marina macht dies die Angelegenheit nicht eben leichter, aber insgesamt vielleicht doch attraktiver. Denn klar ist, dass von Seiten der öffentlichen Hand Geld fließen muss, wenn sie die Erhaltung der historischen Hallen durchsetzen will. Derzeit verkleidet Oberbürgermeister Jörg Schulz seinen Rückzieher noch in der Aussage, dass jetzt Fachleute klären sollen, in welchem Zustand sich die alten Hallen befinden und welche Kosten für eine Sanierung zu erwarten sind.

Schulz: Bald Ergebnisse
Mehr wollte der Oberbürgermeister kurz vor seinem morgen beginnenden Jahresurlaub nicht sagen. "Kein Kommentar" lautete seine Devise zu diesem Zeitpunkt. Allerdings kündigte er an, dass zum Thema Alter und Neuer Hafen "in den nächsten Tagen" noch etwas  kommt und dass "noch in diesem Jahr" Ergebnisse zu erwarten seien. So ähnlich hatte er sich auch schon anlässlich der Sommerpause des Jahres 2000 geäußert.

Sonntagsjournal vom 15. Juli 2001