Rogge-Hallen sollen bleiben
SPD und CDU streiten um Abrisspolitik
Der politische Streit um den Abriss historischer Gebäude in Bremerhaven nimmt
derzeit kuriose Formen an. Nachdem der Magistrat jahrlang unbehelligt immer mehr
Flächen freiräumen konnte, streiten jetzt CDU und SPD um die Rolle des
"größten Beschützers" der "Rogge-Hallen" (frühere
Lloyd-Hallen) am Neuen Hafen.
Gelinde gesagt erstaunlich", findet der stellvertretende SPD-Fraktionsvor-
sitzende Werner Hofmann den Versuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden Paul Bödeker,
einen SPD-Antrag als CDU-Antrag zu verkaufen. Bereits am 26. September sollte
nämlich der Bauausschuss auf Vorschlag der Sozialdemo-
kraten beschließen, wie künftig historische Bausubstanz in Bremerhaven
geschützt werden könnte.
Mit diesem Beschluss sollte der Magistrat aufgefordert werden, erst einmal
"ein Kataster sämtlicher erhaltenswerter bzw. denkmalwürdiger Bauten in
Bremerhaven zusammenzustellen und dem Bauausschuss zur Kenntnis zu geben".
Außerdem sollten die Abbruchanträge dem Bauauschuss zur abschließenden
Entscheidung vorgelegt werden, "unter Beifügung der Stellung-
nahme des Landesamtes für Denkmalpflege bzw. der Denkmalschutzbehörde
entsprechend der Bremer Regelung"
Bekanntlich war nun die Behandlung dieses öffentlich umstrittenen Themas in der
Stadtverordnetenversammlung vom 20. September gegen den Willen der Grünen von
der Großen Koalition in den Bauausschuss am 26. September verschoben worden. In
dieser Sitzung sorgte dann allerdings der Vorsitzende, Baustadtrat Volker Holm
(CDU), mit einem "Verfahrenstrick" dafür, dass auch in dieser Sitzung
die Abrisspolitik der Stadt nicht ausführlicher behandelt werden durfte. In der
vergangenen Woche spielte sich nun wieder die CDU als Vorreiter auf und
präsentierte im wesentlichen den SPD-Vorschlag.
Ursache dieser auf den ersten Blick verwirrenden Verhaltensweisen dürfte wohl
das Gerangel innerhalb der großen Koalition beim Sammeln politischer Plus-
punkte gegenüber der Bremerhavener Öffentlichkeit sein. "So geht man in
einer Koalition nicht miteinander um", kritisierte kürzlich die CDU
Oberbürgermeister Jörge Schulz, als er sich als Organisator der
"zusätzlichen 100 Millionen Mark für Bremerhaven" präsentierte. Das
jetzige Vorgehen der CDU in Sachen Abrisspolitik kann als Retourkutsche darauf
interpretiert werden.
Es könne nicht angehen, meinte Paul Bödeker, dass der sozialdemokratische
Oberbürgermeister mit der von ihm beaufsichtigten Wirtschaftsförderungsgesell-
schaft BIS den Antrag zum Abriss der restlichen Gebäude der früheren SUAG-
Werft (zuletzt Geeste-Metallbau) stellt und der sozialdemokratische Sprecher im
Bauausschuss dafür den christdemokratischen Baustadtrat verantwortlich macht.
Bödeker nannte solche "Rollenspiele innerhalb der SPD" eine
Frechheit, weil der Baustadrat im Falle Geeste Metallbau keinen
Entscheidungsspielraum gehabt habe, um mit einem Nein auf den gestellten Antrag
zu reagieren.
Klar scheint zum jetzigen Zeitpunkt immerhin zu sein, dass sich SPD und
CDU
darin einig sind, die "Rogge-Hallen" (Lloyd-Hallen) am Neuen Hafen zu
erhalten und künftig ähnliche Nacht- und Nebel-Abrisse wie an der Geeste zu
verhindern.
Sonntagsjournal vom 14. Oktober 2001