Historische Schätze in den Rogge-Hallen
Politiker wollen alte Werkzeugmaschinen retten

Die Kohle in der Esse ist längst kalt. Seit 30 Jahren wurde hier kein Stahl mehr zum Glühen gebracht. Die Zeit ist über die Schmiede in der alten Rogge-Halle hinweggegangen. Jetzt versuchen Stadtverordnete quer durch alle Parteien, die alten Schätze vor der "Abrissfraktion" in den eigenen Reihen zu retten.



Bis Oktober will die Baufirma Rogge die Hallen am Neuen Hafen räumen und in ihren Neubau am Kaiserhafen ziehen. Dann sind die Stadt und ihre Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS am Zuge: Sie wollen auf dem Gelände eine Marina ansiedeln. Die Frage ist: mit oder ohne die alten Backsteinhallen?
Für den Industriearchäologen Dr. Dirk Peters vom Deutschen Schiffahrts-
museum ist die Antwort klar: "Wir sollten das Ensemble nach Möglichkeit bewahren." Denn die Hallen stellen eines der wenigen Zeugnisse dar, die der Stadt vom Norddeutschen Lloyd geblieben sind. Ab 1870 baute die Reederei an dieser Stelle ein  Reparaturdock und Werkstätten- darunter eine Maschinenfabrik und ein Lagerhaus. Beide sind erhalten und dienten seit den späten 40er Jahren dem Stahlbau der Firma als Produktionsstätte.
Doch nicht nur die Backsteinmauern selbst weckten das Interesse der Technikhistoriker. In den Hallen fand Peters uralte Maschinen: Schmiedehämmer, Bohrmaschinen, sogar eine alte Einzylinder-Dampf-
maschine. Und die längst erkaltete Esse- komplett mit Amboss und einem Regal voller Zangen, Hämmer und Keile.
Stadtverordnete aus allen Fraktionen suchen jetzt nach einem Zwischenlager für das Werkzeug. "Ich könnte mir vorstellen, die Maschinen später in der Nähe des restaurierten Wencke-Docks auszustellen", sagt der SPD-Abge-
ordnete Uwe Parpart. Zuerst aber möchten er seine Kollegen in der Stadtver-
ordnetenversammlung und die BIS davon überzeugen, dass die alten Rogge-Hallen und ihr Inventar ein erhaltenswertes Stück Stadtgeschichte darstellen.

Nordsee-Zeitung vom 21. März 2001