Kleine Reste künden von großer Zeit
Rundgang über das Gelände der früheren Rickmers-Werft- Kran marode

Früher war die Geesthelle ein Ort, an dem es regelrecht nach Arbeit roch: Anwohner und Passanten konnten bei Nacht die Schweißblitze sehen, die von der guten Auftragslage der Rickmers-Werft kündeten. Mächtige Schiffe entstanden, hier wurden 1969 die ersten Heckfänger gebaut. Das ist Vergangenheit.


Foto Peter Müller 9. Januar 2005

Von der Schiffbautradition an der Geeste sind nur Reste geblieben. 1986 schloss die Werft für immer ihre Tore. Den letzten Zeugen großer Handwerkskunst gingen am Mittwoch Stadtarchivar Dr. Hartmut Bickelmann und der Industriearchäologe Dr. Dirk J. Peters vom Deutschen Schiffahrtsmuseum  nach.
Mehr als 100 Gäste nahmen am Rundgang des Stadtarchivs teil. Sie nutzten die vielleicht letzte Gelegenheit, die Geesthelle noch einmal unter wissenschaftlicher Leitung in Augenschein zu nehmen, bevor an der idyllischen Lage an der Geeste attraktive Wohnbebauung entsteht. Seit einigen Jahren steht der Arbeitsamts-Neubau auf dem vorderen Bereich des früheren Firmengeländes.
1857 war der aus Helgoland stammende Rickmer Clasen Rickmers mit seiner Werft vom Bremerhavener Ufer der Geeste zur Geesthelle gezogen, die eigentlich zu Lehe gehörte. Doch Rickmers gelang es durchzusetzen, dass das Gebiet nach Geestemünde eingemeindet wurde.
Damit war der Grundstein für ein expandierendes Unternehmen gelegt. Herrliche Schmuggelgeschichten werden aus jener Zeit erzählt. Denn nun stießen in der Nähe des alten Werftportal von 1857 drei alte Grenzen aufeinander: Geestemünde, Lehe und Bremerhaven. Bis zum Zollanschluß 1888 nutzten Spitzbuben und ehrbare Bürger gerne die komplizierte Rechtslage des Grenzecks aus.
Die Werft florierte, baute im Schnitt zwei Segelschiffe pro Jahr. In den 1890er Jahren gelang die Umstellung auf den Eisen- und Stahlschiffbau. In der Konjunkturkrise 1924 wurde der Betrieb eingemottet und erst 1937 wieder aufgenommen. Die Nationalsozialisten ließen Fischdampfer zu Minensuchern umbauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb sich Rickmers Weltruf durch den Bau der ersten Heckfänger unter der Ägide des technischen Leiters Heinz Heinsohn. "Wir haben in manchen Jahren elf bis zwölf Dampfer gebaut", erzählt er. Der Zusammenbruch kam 1986, als die Bundesregierung die Schiffbauhilfe kürzte. Die Schiffe waren nicht ausreichend finanziert. 970 Mitarbeiter standen auf der Straße.
Erhalten geblieben sind neben dem Werftportal zwei Ausrüstungskajen, eine Slipanlage von 1937 und ein sanierungsbedürftiger Helgenportalkran von 1956.

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 26.05.2000


                                                                                                    

Rickmerskran bei Nacht, Foto Peter Müller 31.01.2005