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Stapellauf der "Preußen"
Historisches- Geestemünde anno 1902
Der Bau des Fünfmastvollschiffes "Preußen" gehört zu den
schiffbautech-
nischen Höhepunkten in unserer Stadt. Die "Preußen" war das einzige
Fünfmast-
schiff, das es in der Welthandelsflotte gegeben hat.
Sein Konstrukteur war Georg W.Claussen, unter dessen Leitung das schöne Schiff
auf der Geestemünder Tecklenborgwerft erbaut wurde. Auftraggeber war die große
Hamburger Reederei F. Laeisz, die mit Tecklenborgseglern bereits die besten
Erfahrungen gemacht hatte. Die besonders schnellen und seetüchtigen Segler
"Parchim", "Pera", "Placilla" und "Pisagua"
trugen die Reederei Laeisz, die alle ihre Schiffsnamen mit einem "P"
beginnen ließ, den in der ganzen Welt berühmten "Flying-P-Line" ein.
1895 bestellte Laeisz trotz des tragischen Schicksals der "Maria
Rickmers" wiederum auf der Tecklenborgwerft eine Fünfmastbark. Die "Potosi"
bewährte sich schon auf der ersten Fahrt und war unbestritten das beste
Segelschiff, über das die damalige Welthandelsflotte verfügte. Wegen der sehr
guten Erfahrungen mit diesem Schiff gab Carl Laeisz als nächstes wiederum einen
Fünfmaster in Auftrag. Diesmal sollte es als Vollschiff getakelt werden, das
mehr Segelfläche führen kann als eine Bark. Die Tecklenborgwerft unter
Claussen, die zu der Zeit über 4000 Menschen beschäftigte, löste auch diese
große Aufgabe mit gewohnter Zuverlässigkeit. Der Stapellauf des
Fünfmastvollschiffes "Preußen" war am 7. Mai 1920. Am Ufer der
Geeste drängten sich die Menschen.
Das Interesse und die große Teilnahme der Bevölkerung waren verständlich,
denn an diesem Tage wurde in Geestemünde für die internationale Schiffahrt ein
neuer Schiffstyp Wirklichkeit. Die aus bestem Stahl gebaute "Preußen"
war 133 Meter lang, trug 7900 Tonnen und hatte die stattliche Höhe von 68
Metern. Nur durch den Wind getrieben, erreichte die "Preußen" mit der
enormen Fläche von 5560 Quadratmetern ihrer 43 Segel eine Höchstgeschwin-
digkeit von 18,5 Knoten, eine Leistung, die selbst in heutiger Zeit vielen
Dampfern nicht gelingt. Die Reederei Laeisz setzte die "Preußen" in
der Salpe-
terfahrt ein. Auf der Strecke von Europa an die Westküste Südamerikas, wo der
chilenische Salpeter verladen wurde, war die "Preußen" das schnellste
Schiff. Im November 1910 stieß die "Preußen" vor Dover mit einem
englischen Postdampfer zusammen. Das stolze Schiff strandete auf den Klippen und
musste aufgegeben werden.
(Artikel wurde von P.M. gekürzt)
Nordsee-Zeitung vom 1. Juli 2000