Placilla

1882 lief  bei Joh. C. Tecklenborg, Geestemünde (heute Bremerhaven), die "Placilla" vom Stapel- die erste Viermastbark.


Viermastbark "Placilla"

Mit dem Auftreten der Viermastbark bekam auch die Reederei Laeisz den Schub zum Aufstieg. Die Schiffe wurden immer größer, und es wurde notwendig ihnen vier Masten zu geben, um ihnen ein gutes Gleichgewicht zu geben. Sie wurden handlicher und vier Masten gaben ihnen bessere Manövriereigenschaften. An "Placilla" und "Pisagua" konnte man die Überlegenheit des Viermasters auf der Salpeterfahrt erkennen. Tatsächlich waren auf allen Laeisz-Vier- und Fünfmastern die Masten aus Stahl.

Mit "Placilla" und "Pisagua"  war ein neuer Schiffstyp geschaffen, der Vorbild für das Aussehen aller künftigen Laeisz-Segler werden sollte: Nicht nur Back und Poop waren, wie bei den früheren Schiffen, erhöht, sondern zusätzlich befand sich in der Schiffsmitte ein sogenanntes Hochdeck, das als Kommandobrücke fungierte. Kartenhaus und Ruderrad bzw. Ruderhaus waren hier installiert. Auf der Poop befand sich fortan nur noch ein Notruder. Der Wachhabende Offizier und die Rudergänger waren auf dem Hochdeck vor den gefährlichen mitlaufenden Seen sicher, die vor Kap Hoorn schon manchens Unheil angerichtet hatten.
Zentrale Wohn- und Arbeitsräume für Kapitän, Offiziere, Koch und Mannschaft befanden sich jetzt im Mittelbau. Waren die Matrosen früher unter der Back in engen, feuchten Quartieren oder im ständig überfluteten Deckshaus untergebracht, bekamen sie nun große wassergeschützte und gut belüftete Unterkünfte, getrennt in Steuerbord- und Backbordwache, für jeweils 12-18 Mann.
Um trockenen Fußes vom Hochdeck zur Back oder Poop zu gelangen, kamen später Laufstege hinzu, welche die drei Inseln miteinander verbanden.
Kapitän Robert Hilgendorf, nicht nur der populärste unter den Laeisz-Kapitänen, sondern sämtlicher Segelschiffskapitäne seiner Zeit, stellt auf der ersten Fahrt mit der Placilla 1892 mit 58 Tagen für die Strecke Lizard- Valparaiso eine Bestleistung auf.
 
Name: Placilla  
Baujahr: 1891/92- Unterscheidungssignal:
RJLM
 
Typ/Material: Viermastbark/Stahl  
Unter FL-Flagge: 1892- 1901  
Länge ü. alles: 113,00 m  
Rumpflänge: 103,94 m  
Länge auf Deck: 95,87 m  
Länge in KWL: 94,49 m  
Breite: 13,90 m  
Raumtiefe: 7,96 m  
Seitenhöhe: 8,43 m  
Tiefgang:  7,04 m  
BRT/NRT 2845/2681  
Höhe Großmast: 52,50 m über Wasserlinie  
Unterrahen:  29,26 m  
Segelfläche: 3700 qm  
FL-Kapitäne: R. Hilgendorf, O.Schmidt  
Verbleib: 1901 an die "Rhederei-Actien-Gesellschaft von 1896" verkauft, wie es bei den 1896ern Tradition war, einen "O"-Namen: Opima; 1905 auf den Haisbro-Sänden unter der englischen Ostküste gestrandet.  
Reisen nach: Chile  
Kapt. Hilgendorf:    
1892 Lizard- Valparaiso 58 Tage
1892 Iquique- Kanal 75 Tage
1892/93 Kanal- Valparaiso 61 Tage
1893 Iquique- Kanal 71 Tage
1893 Lizard- Valparaiso 76 Tage
1893/94 Iquique- Lizard 84 Tage
Kapt. Schmidt    
1894/95 Lizard- Iquique 70 Tage
1895 Pisagua- Lizard 78 Tage
1897 Lizard- Valparaiso 72 Tage
1897 Iquique- Lizard 77 Tage
1898 Lizard- Valparaiso 66 Tage
1898 Iquique- Lizard 91 Tage
1898/99 Lizard- Valparaiso 59 Tage
1900 Lizard- Valparaiso 77 Tage
1900/01 Iquique- Lizard 84 Tage

Quellen/Literaturhinweise:
1)  Peter Klingbeil: Die Flying P-Liner- Die Segelschiffe der Reederei F. Laeisz, 1998 Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven, und Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg
2) Hans Georg Prager: F. Laeisz-Vom Frachtsegler zum Kühlschiff Containerschiff und Bulk Carrier, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH Herford 3. Auflage 1994