Dr. Peter Burkhard 1894-1965
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aus WA 143/65 Historisches Archiv Krupp, Villa Hügel, Hügel 1, 45133 Essen:

 "Das 60. Lebensjahr vollendete am 25. Oktober 1954 Dr. Peter Burkhard, Mitglied des Vorstandes der Aktien-Gesellschaft "Weser", Bremen. Nach erfolgreicher Tätigkeit in führenden Positionen namhafter Industrieunternehmen wurde Dr. Burkhard im Jahre 1948, als die russische Demontagekommission die Werft verlassen hatte, auf Vorschlag des Finanzsenators zum Managing Custodian der Aktien-Gesellschaft "Weser" bestellt. Als er im Frühjahr 1949 zum Vorstand der Gesellschaft berufen wurde, bereitete er den äußeren Wiederaufbau der großen Bremer Werft vor und verhalf ihr zu der Leistungsfähigkeit, die sie brauchte, um wieder zahlreichen Menschen einen Arbeitsplatz bieten zu können. Schon im Laufe des Jahres 1949 konnte die A.G. "Weser" nach Instandsetzung des schwer beschädigten 16000-t-Schwimmdocks die ersten größeren Schiffsreparaturen ausführen. Aber erst im April 1951 erhielt sie, nach ihr Ende 1949 auch diese Schiffsreparaturen verboten worden waren, die Genehmigung zum Bau neuer Schiffe. Als dann im Herbst 1951 auch die Wiederaufbaugenehmigung für die Werft erteilt wurde, erstanden sehr rasch neue Hellingkräne und weitere Werkstätten. Die Maschinenfabrik wurde ausgebaut, dazu ein Prüffeld für Dampfturbinen und eine moderne Schweißhalle, in Verbindung mit der Wiedergeburt der großen Helling  V, auf der einst die "Bremen" geschaffen wurde."

Am 25. Oktober 1954 vollendet Herr Dr. Peter Burkard, Mitglied des Vorstandes der Aktien-Gesellschaft "Weser", Bremen, sein sechzigstes Lebensjahr. Aus der alten Handelsstadt Frankfurt a.M. gebürtig, widmete er sich dem Studium der Naturwissenschaften, um sich dann schließlich der Betriebswirtschaft zuzuwenden. Seine erfolgreiche Tätigkeit in führenden Positionen namhafter Industrieunternehmen wurde durch  den letzten Krieg unterbrochen, der ihn- wie auch schon der erste Weltkrieg- zum Waffendienst als Flieger rief. Nachdem ihn sein Lebensweg aus der ameri-
kanischen Kriegsgefangenschaft nach Bremen geführt hatte, wurde Dr. Burkard im Jahre 1948, als die russische Demontagekommission die Werft verlassen hatte, auf Vorschlag des Finanzsenators zum Managing Custodian der Aktien- Gesellschaft "Weser" bestellt.

Die Ereignisse des Krieges und ihre Nachwirkungen hatten bei der A.G. "Weser" nicht nur für jedermann sichtbare Trümmerfelder hinterlassen, sondern auch die innere Struktur des Unternehmens, zu dem unter anderem auch die frühere "Weser" Flugzeugbau GmbH gehört, aus dem Gleichgewicht gebracht. Eine den neuen Verhältnissen angepasste Ordnung wiederherzustellen, war das erste Ziel, das sich Dr. Burkard als Treuhänder setzte, eine Aufgabe, damals vielen schwierig und manchem unlösbar erschien. Sein Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge, sein unermüdliches Ringen um neue Erkenntnisse und der feste Wille, aus den gegebenen Tatsachen das beste Ergebnis herauszuarbeiten, liessen ihn den Weg finden, den er dann mit zuversichtlicher Ruhe einschlug und beharrlich verfolgte. Gestützt auf das Vertrauen des Bremer Senats, der Dr. Burkards Gedanken und Anregungen mit grossem Interesse folgte und seine auf nüchterne und klare Urteile gegründeten Vorschläge in jeder Hinsicht tatkräftig unterstützte, gelang es dem Treuhänder sehr bald, dem wirtschaft-
lichen Fundament der Aktien-Gesellschaft "Weser" die für die Zukunft notwendige Festigkeit zu verschaffen.
Als Dr. Burkhard im Frühjahr 1949 zum Vorstand der Gesellschaft berufen wurde, war sein erstes Ziel im wesentlichen erreicht, und er konnte nun die zweite Aufgabe anpacken, den äusseren Wiederaufbau der grossen Bremer Werft vorzubereiten und ihr zu der Leistungsfähigkeit zu verhelfen, die sie brauchte, um wieder zahlreichen Menschen einen Arbeitsplatz bieten zu können. Schon im Laufe des Jahres 1949 konnte die A.G. "Weser" nach Instandsetzung des schwer beschädigten 16.000 t- Schwimmdocks die ersten grösseren Schiffsreparaturen ausführen, während die Maschinenbau-
Abteilungen neben anderen Arbeiten mit dem Bau von Abdampfturbinen und Vulcan-Getrieben zunehmend beschäftigt werden konnten. Der schwere Rückschlag, den die Werft Ende 1949 durch das von den alliierten Kontrollbehörden verhängte Verbot der Schiffsreparaturen erlitt, konnte Dr. Burkard nicht erschüttern. Gelassen überprüfte er die neue Lage, in langen Beratungen sammelte er seine Argumente und liess nicht locker, bis seine Apelle an die Vernunft dank der wirksamen Hilfe des Senats und der Einsicht des damaligen Land Commissioners, Admiral Jeffs, Anfang 1950 die Genehmigung der Ausführung von Schiffsreparaturen erreichten. Wieder ein Schritt vorwärts, aber es galt noch vieler Schwierigkeiten Herr zu werden, ehe im Zug einer wohlwollenderen politischen Entwicklung weitere sichtbare Fortschritte erzielt werden konnten. Langsam stieg die Beschäftigtenzahl, als mehr und mehr Schiffe zur Werft kamen, und mit der Inbetriebnahme des inzwischen erworbenen und wiederhergestellten 150t-Schwimmkrans konnten auch Reparatur- und Umbauobjekte grössten Ausmasses bearbeitet werden. Inzwischen arbeitete Dr. Burkard konsequent weiter. Im April 1951 konnte er endlich aus der Hand des Herrn Senats-
präsidenten das Dokument entgegennehmen, das der A.G. "Weser"  die Genehmigung zum Bau neuer Schiffe gewährte. Dieses denkwürdige Ereignis brachte den Augenblick, in dem er seinen Plänen Gestalt geben konnte, und als dann im Herbst 1951 auch die Wiederaufbaugenehmigung für die Werft erteilt wurde, erstanden sehr rasch neue Hellingkräne, weitere Werkstätten wurden instandgesetzt, die Maschinenfabrik ausgebaut, dazu ein Prüffeld für Dampfturbinen, und schliesslich eine moderne Schweisshalle in Verbindung mit der Wiedergeburt der grossen "Helling V", auf der einst die "Bremen" geschaffen wurde. Schon ein Jahr nach der Erteilung der Schiffbau-
Genehmigung konnte der erste Neubau nach dem Kriege, das Motorschiff "Werratal", vom Stapel laufen, und seitdem wurden von der Bremer Werft der A.G. "Weser" zehn Frachtschiffe für deutsche Reeder und sieben Tanker für ausländische Rechnung, davon vier von je 21.500 tons für den bekannten griechischen Reeder A.S. Onassis, abgeliefert. Weitere 14 Schiffe bilden den gegenwärtigen Auftragsbestand der Bremer Werft, darunter zwei 26.500 tons Tanker für die Waried Tankschiff Rhederei G.m.b.H. in Hamburg- von denen der erste, "Esso Düsseldorf", kürzlich vom Stapel lief- und zwei der fünf Passagierschiffe, welche die A.G. "Weser" von der Denizcilik Bankasi, Instanbul, für ihre beiden Werften in Bremen und Bremerhaven (Seebeckwerft) in Auftrag erhielt. Das Zustandekommen dieses türkischen Grossauftrages war im wesentlichen ein Erfolg langjährigen persönlichen Bemühungen des Jubilars.

Dr. Burkhard, der dem Plenum der Handelskammer zu Bremen angehört und ausserdem Mitglied des Aufsichtsrates der Norddeutschen Kreditbank A.G. ist, liebt es, seiner Arbeit still und zurückgezogen nachzugehen und seinen Mitarbeitern mit planvollen Methoden und einsichtigen Entschlüssen Vorbild zu sein und Ansporn zu geben.