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"Norwegian Sun" soll Sonne ins Herz der Gäste
bringen
Bremerhavener Lloyd-Werft stellt Kreuzfahrtschiff für
NCL fertig- 1,2 Millionen Arbeitsstunden
Bremerhaven. Als jüngstes Vorzeigestück Bremerhavener und deutscher
Schiffbaukunst soll in einer Woche der von der Lloyd-Werft Bremerhaven GmbH
fertig gestellte Kreuzliner "Norwegian Sun" die Unterweserstadt
verlassen.
Auftraggeber ist die Norwegian Cruise Line (NCL) in Miami, die seit Februar 2000
zur Star Cruises in Malaysia gehört. Nach der Präsentation in England wird die
"Norwegian Sun" am 10. September von Southampton zur 16-tägigen
Jungfernfahrt "auf den Pfaden der Wikinger" nach New York auslaufen.
Mitte November soll die "Sun" dann in Miami getauft werden.
650 Millionen DM teuer
Perfekt geworden war der 650-Millionen-DM-Auftrag für die B.-Nr. 109 Mitte
September 1999 mit der Absicherung durch die Wettbewerbshilfen vom Bund und Land
Bremen in Höhe von rund 43 Millionen DM. 160 Millionen DM waren von der
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zugesagt worden. Der Auftrag sieht 1,2
Millionen Arbeitsstunden und die Ablieferung bis zum 31. August vor.
Star Cruises ist mit zurzeit 20 Schiffen und über 21000 Bettenplätzen die
viertgrößte Kreuzfahrt-Reederei der Welt. Auf NCL entfallen davon neuen
Kreuzliner einschließlich der "Norwegian Sun". Darüber hinaus sind
für sie in Papenburg bei der Meyer-Werft in Bau die "Norwegian Star"
(91 000 BRZ) zur Lieferung im Dezember sowie das Schwesterschiff "Norwegian
Dawn" zur Ablieferung ein Jahr später, beide mit Platz für je 2200
Passagiere.
Die in Nassau/Bahamas beheimatete "Norwegian Sun" ist im Wesentlichen
eine Schwester der Mitte 1999 auch von der Lloyd-Werft fertig gestellten "Norwegian
Sky" (77 104 GT) mit einigen Veränderungen, vor allem bei den für das
neue NCL-Konzept "Freestyle Cruising" notwendigen Einrichtungen, dem
in Zukunft alle NCL-Schiffe entsprechen sollen. Auch stehen mehr der in letzter
Zeit in Mode gekommenen Kabinen mit eigenen Balkonen zur Verfügung.
Rumpf bei Aker MTW gebaut
Für die "Norwegian Sun" ist der Rumpf im Unterauftrag in Wismar
von der Werft Aker MTW gefertigt und im Herbst 2000 nach Bremerhaven geschleppt
worden. Von den 14 Decks gehörten die 6 unteren mit einem Stahlgewicht von
9857t zum Lieferumfang. Sektionen wurden unter anderem aus Lübeck von der
Flender-Werft und aus Bremerhaven von Stahlbau
Nord zugeliefert. Auch die Hauptmotoren waren schon installiert. Die
restliche Montage, Inneneinrichtung und Ausrüstung, erfolgte dann in
Bremerhaven.
Die fertige "Norwegian Sun" weist bei 258,1/223,05 m Länge, 32,25 m
Breite sowie 45 m Seitenhöhe bis zum 14. Deck eine Vermessung von 78 309 GT
bzw. 46 069 NT auf und trägt auf 8m Tiefgang 7100 T. Ihre Verdrängung beträgt
39 000 t.
Klassifiziert wieder bei Den NorskeVeritas (DNV) wurde auch der
diesel-elektrische Antrieb der Vorgängerin beibehalten. Je drei MAN
B&W-Diesel 7L 58/64 mit je 9100 kW bzw. 6L 58/64 mit je 7800 kW speisen
über Synchron-Generatoren zwei STN-LDW-Propellermotoren mit je 15 000 kVA.
Diese wirken auf zwei KaMeWa-Verstellpropeller und ergeben 22,6 (max. 23,6) kn.
Dazu kommen als Manövrierhilfen drei Bug- und zwei Heckstrahlruder mit je 1700
kW auch von KaMeWa. Zur Dämpfung der Schlingerbewegungen wurden zwei
Financieri-Stabilisatoren mit je 8 m² Fläche installiert. Der
Brennstoffverbrauch beträgt täglich 100 (max. 190) t, der Bunkervorrat 2716 t,
der Aktionradius 6000 Seemeilen.
Für Passagiere stehen 1960 Betten zur Verfügung. Bei Nutzung auch von
Oberbetten sind es sogar 2359, verteilt auf 968 Kabinen. Unter den
Gesellschaftsräumen, die über den Wohndecks angeordnet sind, fällt besonders
die sich über das Promenaden- und International-Deck erstreckende
"Standard Lounge" mit 1000 Plätzen auf. Sie kann auch als Bühne z.B.
für Broadway-
Inszenierungen genutzt werden. 278 Plätze hat die "Observation
Lounge" auf dem Sonnendeck für Cocktails und Tanz. "Dazzles" mit
309 Plätzen bietet ebenfalls Tanz und Musik. Dazu kommt unter anderem ein
"Internet Café" mit 20 Computer-Terminals.
Über acht Decks hoch reicht mittschiffs das "Atrium" mit der
Rezeption und vier Panorama-Lifts. Dazu kommen die üblichen Einrichtungen wie
Boutiquen, Galerien, Konferenzräume, zwei Schwimmbäder, Kinderspielzimmer,
Casino, Bibliothek und Kapelle.
Nordsee-Zeitung vom 25. August 2001