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Zum Abschied rollen Tränen
"Norway"-Schleppzug fährt 70 Tage bis nach
Malaysia- NCL sagt nichts über die Zukunft des Schiffes-Hunderte im Hafen
Überseehäfen (bro/fm). Der Hochseeschlepper "De Da" ist ein
Kraftprotz. Aber auch der braucht noch gute 70 Tage, die "Norway" nach
Fernost zu schleppen. Anfang August soll der mehr als 500 Meter lange Schleppzug
vor der Küste Malaysias auftauchen. Und dann? Niemand weiß es. Beim Abschied
von Bremerhaven rollten gestern sogar Tränen.
Wie sie heißt, mochte die junge Frau nicht sagen. Sie arbeitet bei der
Norwegian Cruise Line, bis gestern früh auf der "Norway": "Ein
wunderschönes Schiff", sagt sie, winkt ihren Kollegen an Bord zu. Nur 29
sind geblieben von einst 1000. Sie werde nun kurz auf die "Pride of
America" wechseln, sagt die Frau, dann auf die "Norwegian Jewel".
Ob sie traurig ist? "Ja, sehr." Dann rollen die Tränen. Aber
vielleicht gelten sie auch viel mehr dem philippinischen Rudergänger, der ihr
auf dem Weg zur Schleuse immer wieder herunterwinkt. "Sie wird
weiterfahren", sagt sie beinahe trotzig. "Sie wird
weiterfahren..."
An Bord, weiß Editha Satow, seien die Hoffnungen ähnlich. "Sie hängen an
ihrer Norway", so wie die Franzosen noch ihrer "France" hinterher
trauern. Editha Satow war am Sonntagabend ein letztes Mal an Bord, um sich zu
verabschieden und von der Crew Unterschriften unter einem Bordstempel zu
sammeln, wie sie es immer gemacht hat, wenn sie an Bord gewesen ist. Mindestens
25 Reisen hat sie auf der "Norway" erlebt, weil ihr Mann
Schiffsingenieur bei der Lloyd Werft war und zuständig für die Maschine der
"Norway". Vor zwei Jahren begutachtete er auch in Miami die Schäden
der Kesselexplosion, bei der acht Matrosen ums Leben gekommen waren. Was mit der
"Norway" als einem der klassischen Transatlantikliner geschehen wird?
Auch Kurt Satow weiß es nicht. Die Reederei Star Cruise- Mutterkonzern von NCL-
hatte zwei Jahre Zeit, sich etwas zu überlegen. "Es ist alles an den
Kosten gescheitert."
NCL-Sprecherin Eva Marx muss daher noch immer die Antwort schuldig bleiben,
welche Pläne die Reederei verfolgt. Eine Entscheidung, rechnet sie, werde wohl
nicht vor der Ankunft in Port Klang in der Nähe von Singapur fallen. Ende
Juli, Anfang August soll die "Norway" eintreffen.
Für die lange letzte große Reise wurden die Bullaugen mehrere Decks hoch
verschraubt. Wahrscheinlich wird der eine oder andere Sturm auf dem Atlantik, am
Kap der Guten Hoffnung oder dem Indischen Ozean am Schiff zerren. Mehr als
500 Meter lang ist der Schleppzug.
Verlust für Bremerhaven
Lutz Zache ist traurig, dass die "Norway" die Seestadt
verlassen hat: "Ich habe damals beim Umbau von "France" in "Norway"
mitgearbeitet", erzählt der Rentner. "Das ist ein Verlust für
Bremerhaven. Das Schiff hat immer Touristen angelockt." Er glaubt, dass es
die letzte Fahrt des Kreuzliners sein wird. "Da ist Asbest drin, die
könnten sie hier nicht abwracken. Aber in Asien kümmert das keinen."
Ähnliches befürchtet auch Klaus Wesemann aus Schiffdorf. "Reparatur
und Betrieb sind viel zu teuer", sagt der frühere Seemann. Aber der
Gedanke, dass sie in einen Hochofen wandern könnte, tut weh."
Textquelle: NZ vom 24. Mai 2005
Textquelle: NZ 24.05.2005