Andrang auf die Hafenrundfahrt
"Norway" darf nur bei Tageslicht verlassen- Schlepper noch nicht eingetroffen- 200 Franzosen reisen an

Überseehäfen (mas/bro). Die "Norway" wird frühestens Freitag Bremerhaven verlassen, denn der Hochseeschlepper "De Da" ist noch nicht eintroffen. Polizei und Hafenverwaltung wollen heute besprechen, wie der erwartete Besucherstrom möglichst reibungslos durch den Hafen geführt werden soll. Zu den Auflagen gehört, dass der Schleppzug nur bei Tageslicht auslaufen darf.



Fast zwei Jahre waren die Fensterplätze im "Treffpunkt Kaiserhafen", der letzten Kneipe vor New York, fast immer belegt. Egal ob Matjes, Scholle oder Limandes- den Blick auf die "Norway" gab`s als Beilage dazu. "Wir hatten schon Gäste aus Bayern, die nur wegen des Schiffes hier waren", berichtet Bedienung Julia Da Silva.
Noch eine Spur verrückter ist der französische Fanclub des Schiffes. Fast täglich hat der Vorsitzende des Vereins in der Kneipe angerufen, um nach dem Abfahrtstermin "ihrer France" zu fragen. Jetzt ist es soweit: Mehr als 200 Franzosen wollen zum Wochenende anreisen und Tschüss sagen. Ein Mitglied des Clubs ist schon als Vorhut angereist, um Informationen aus erster Hand zu liefern.
                    Den Blick aufs ehemals längste Passagierschiff der Welt wird Julia Da Silva ebenso vermissen wie die "Norway-Touristen". Die ungewohnte Leere hinter den Fenstern werde sich wohl auch auf den Umsatz auswirken, befürchtet sie.  Vor allem abends sei die "Norway" ein Besuchermagnet. "Das beleuchtete Schiff auf dem Wasser", schwärmt sie, "das war schon romantisch."
Den Mitgliedern des Fördervereins Maritimer Denkmalschutz wäre es am liebsten, wenn die "Norway" morgen nach Malaysia davon schippert. Dann könnten sie den Schleppzug mit dem Traditionsschiff "Seelotse" weserabwärts begleiten.  "Sonnabend sind wir alle schon in Elsfleth angemeldet", sagt Manfred Schüler vom Förderverein. Informationen gibt`s unter Tel. 49076.
In den Startlöchern steht auch die Flotte der HaRuFa-Reederei, die die Hafenrundfahrten veranstaltet. "Für eine Sonderfahrt zur Norway sind wir immer offen", sagt Geschäftsführerin Maice Hissenkämper. "Wir müssen nur wissen, wann das Schiff Bremerhaven verlässt." Vieles deutet darauf hin, dass es Sonnabend soweit sein könnte.
Seitdem die Nachricht vom endgültigen "Norway-Abschied" durchgesickert ist, seien die Hafenrundfahrten noch beliebter, sagt Maice Hissenkämper. "Vor allem die Bremerhavener wollen noch einmal ganz nah ran ans Schiff. Unsere Kapitäne fahren ein paar Mal öfters im Kaiserhafen hin und her." Für die Hafenrundfahrten sei der Abschied von der "Norway" ein Verlust, sagt sie. "Uns wird eine große Attraktion fehlen."
Dass die "Norway" den Hafen nur bei Tageslicht verlassen darf, liegt an der Größe des Kreuzliners. Das gut 315 Meter lange, antriebslose  Schiff bei Dunkelheit zu manövrieren, wäre zu gefährlich.

Textquelle: NZ vom 19. Mai 2005
Foto: Peter Müller