"Norway" in Bremerhaven
Nordsee-Zeitung vom 19. Juli 2003:
"Norway" kommt zum Lloyd
Entscheidung über Reparatur nach Kessel-Explosion noch offen

Die Lloydwerft erwartet die "Norway". Am kommenden Donnerstag soll der Luxusliner um 7 Uhr vor der Nordschleuse liegen. Die Entscheidung darüber, ob das bei einer Kessel-Explosion schwer angeschlagene Schiff repariert oder umgebaut wird, sei aber noch nicht gefallen, sagt Werftchef Werner Lüken.

Der Werft sei von der Norwegischen Cruise Line (NCL) mitgeteilt worden, dass die "Norway" am 24. Juli um 7 Uhr Bremerhaven erreichen werde, sagt Lüken. "Danach werden wir das Schiff besichtigen." Nach dem Unglück Ende Mai im Hafen von Miami, bei dem acht Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, hatte Lüken sich bereits ein Bild vom Ausmaß des enormen Schadens gemacht.
Ende Juni machte sich von Florida aus ein Schleppzug auf den Weg nach Europa- Fahrtziel offen. Erst am Donnerstag ging bei der Werft die Mitteilung über die bevorstehende Ankunft ein. NCL soll sich die Entscheidung noch offen gelassen, das Schiff zu reparieren oder auf dieselelektrischen Antrieb umzurüsten. Eine letzte Konsequenz könnte aber auch lauten, die "Norway" zu verschrotten.
Mit ihrem Stammkunden NCL hat die Lloyd Werft am Donnerstag auch über die legendäre "United States" gesprochen, die in diesem Frühjahr von der Reederei  gekauft wurde. Ostern fanden auf der Werft bereits Gespräche über einen möglichen Umbau statt. "NCL hat uns jetzt gesagt, dass das Projekt für die Reederei gekauft wurde. Ostern fanden auf der Werft bereits Gespräche über einen möglichen Umbau statt. "NCL hat uns jetzt gesagt, dass das Projekt für die Reederei noch immer interessant ist."
Aus seiner Erfahrung, sagte Lüken, solle aber erst der Ausbau der "Pride of Amerika" beendet werden. Die Lloyd Werft will den Kreuzliner offiziell zum Jahresende abliefern. In Bremerhaven bleiben wird das Schiff aber  bis ins Frühjahr hinein. NCL will die "Pride of America" vom Sommer 2004 an von Hawai aus einsetzen. Heute früh ab 8 Uhr soll der Rohbau das Schwimmdock der Werft verlassen. Etwa eine Woche lang muss das Dock für die anstehende Verlängerung des Schiffs um 25 Meter umgerüstet werden.


"Norway" liegt an Bananenkaje auf
NCL: Kessellieferung kann ein Jahr dauern- Verhandlungen laufen noch

Gesucht wird ein Kessel. Die Norwegian Cruise Line hat sich offenbar entschlossen, die nach einer Explosion schwer beschädigte "Norway" reparieren zu lassen. Weil die Auslieferung eines neuen  Kessels bis zu einem Jahr dauern kann, wurde der traditionsreiche Kreuzliner gestern an der alten Bananenkaje aufgelegt.

Frühestens im Frühjahr 2004, teilte NCL gestern mit, werde die "Norway" ihre Karibik-
Kreuzfahrten wieder aufnehmen.  Die Reederei hat von mehreren Werften Angebote erhalten, das 42 Jahre alte Schiff zu reparieren. Alle Werften seien in der Lage, die Arbeiten am Schiff, wie ursprünglich vorgesehen, bis Anfang Oktober zu erledigen. Das Problem seien die Lieferzeiten für einen neuen Kessel. Zwischen sieben und zwölf Monaten bräuchten die Zulieferer für den Bau, "viel länger als wir dachten", sagte eine NCL-Sprecherin.
Die Verhandlungen, welche Werft das längste Kreuzfahrtschiff der Welt reparieren soll, seien noch nicht abgeschlossen. Deshalb werde die "Norway" aufgelegt. Das Schiff ist Ende Mai bei einer Explosion im Kesselraum schwer beschädigt worden. Acht Crewmitglieder starben bei dem Unglück im Hafen von Miami.
Die Lloyd Werft gibt über die Verhandlungen keine Auskunft. Dem Vernehmen nach sollen die Arbeiten ein Volumen von 20 Millionen Euro haben. NCL lasse sich aber auch die Option offen, die "Norway" auf dieselelektrischen Antrieb umzurüsten oder zum reinen Hotelschiff zu machen.

Abschied von Asien-Plänen
Zuletzt war das traditionsreiche Schiff- die frühere "France"- im Herbst 2001 in Bremerhaven. Damals erhielt die "Norway" eine Grundüberholung, obwohl die Werft Monate vorher noch ein größeres Umbauangebot abgegeben hatte. Die asiatische NCL- Mutter Star Cruise wollte die "Norway" in Fernost als schwimmendes Casino einsetzen und dafür Restaurants umgestalten lassen. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der anschließende militärische Gegenschlag verhinderten das Vorhaben, als die für mehr als 2000 Passagiere ausgelegte "Norway" schon auf ihrer Abschiedstournee war. Der Liner blieb für Wochentörns in der Karibik. Rund vier Wochen nach dem Unfall im Kesselraum wiesen die Hafenbehörden von Miami NCL an, die Kaje zu räumen. Zudem sollen bei der Reederei Schadensersatzforderungen in Höhe von 50 Millionen Dollar eingegangen sein. Ende Juni verließ die "Norway" die amerikanischen Hoheitsgewässer.
Als das Schiff gestern kurz nach 10.30 Uhr an die alte Bananenkaje gelegt wurde, stand der Werkschutz der Lloyd Werft schon parat. Wachmänner sorgen dafür, dass niemand das Unglücksschiff betritt. Für die Überfahrt nach Bremerhaven sind etwa 80 der 1000 Crewmitglieder an Bord geblieben.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 25. Juli 2003

Foto: Peter Müller 7/03


Foto Peter Müller 8/2003

Foto. Peter Müller 8/2003