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Nach Seeleuten kamen die Promis
Fischereihafen-Restaurant besteht seit 50 Jahren
Wo heute kreative Fischvariationen genossen werden, flogen früher schon mal die
Fäuste. Das Fischereihafen-Restaurant Natusch war vor 50 Jahren mehr
Seemannskneipe als Feinschmecker-Treff. Die Kutterbesatzungen bevorzugten
Deftiges zu reichlich Bier. "Da war öfter Remmidemmi" erinnert sich
Lutz Natusch.

Lutz Natuschs Eltern Margrit und Heinz waren 1945 aus Görlitz geflohen, wo sie
ein Hotel geführt hatten. "Mein Vater hatte vor dem Krieg in renommierten
Hotels im Ausland gearbeitet", sagt Lutz Natusch. In Bremerhaven , der
Heimat von Margrit Natusch, fing das Ehepaar ganz von vorne an.
Anfang in Seemannsmission
In der Seemannsmission im Fischereihafen bewirteten Heinz und Margrit
Natusch ihre ersten Gäste. 1950 bezogen sie das gegenüber liegende
Bereitschaftsgebäude der Reichsbahn, in dem sich das Restaurant auch heute noch
befindet.
Bereits in den ersten Jahren begann Heinz Natusch, neben Labskaus und Rotbarsch
mit Bratkartoffeln und Fisch für Feinschmecker zuzubereiten. "Das war eine
tolle Atmosphäre, zum einen waren noch die Seeleute da, und zum anderen kamen
immer mehr besserbetuchte Restaurantgäste, die das Ambiente genossen",
erzählt Lutz Natusch, der 1981 das Restaurant mit seiner Frau Monika übernahm.
Auch seine Schwester Evelyn Koschuth arbeitete 30 Jahre im Betrieb.
Das Konzept seines Vaters hat Lutz Natusch übernommen: "Frische Ware,
hauptsächlich von unserer Küste, die auch der Jahreszeit entspricht."
Verändert hat er hingegen das Aussehen des Restaurants, das er mit maritimen
Besonderheiten ausstattete. Seit rund zehn Jahren ragt ein Schiffsbug aus dem
Gebäude. Er ist nicht nur Wahrzeichen des Hauses, darin finden auch zwölf
Gäste Platz. In der Kajüte der Yacht "Zaca" des früheren
Hollywood-Stars und Frauenheldens Errol Flynn kann sogar standesamtlich
geheiratet werden.
Labskaus ist ein Klassiker
32 Mitarbeiter sind für die Bewirtung der Gäste zuständig, allein 17
arbeiten in der Küche. Mit ihren Fischkreationen ernteten sie immer wieder das
Lob von Kritikern und den Besuch zahlreicher prominenter Gäste aus Film und
Showbusiness. Doch ein Gericht steht seit 50 Jahren unverändert auf der
Speisekarte: Labskaus nach altem Seefahrerrezept aus gepökelter Rinderbrust.
Nordsee-Zeitung vom 4. Dezember 2000