Für Passagiere und Forschung
MWB Schiffbau baut russische Schiffe um- Gute Werft-Auslastung
Bremerhaven. Fest im Markt für die Instandhaltung und den Umbau von Forschungs- und Seismikschiffen etabliert hat sich die Bremerhavener MWB Schiffbau GmbH & Co Schiffsreparaturen KG. Das zur Petram-Gruppe gehörende Unternehmen ist gut ausgelastet.
Der Markt für Seismik- und Forschungsschiffe ist sehr interessant. Hier sei es auch für eine deutsche Werft noch möglich, auskömmliche Preise zu fordern, berichtet Prokurist Uwe Beck. Bei Tageschartern von 100 000 Mark für diese Spezialschiffe schlage jeder Tag zu Buche und kalkulieren Reeder anders. Werften mit höchster Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, die auch entsprechendes Personal
und Know-how besitzen, sind hier im Rennen. Billig-
anbieter erfüllen diese Voraussetzungen bisher nicht.
Seit 1987 besitzt die Werft, die auch die norwegische Seismik-Flotte zu den Stammgästen zählt, enge Kontakte zur ehemaligen UdSSR. Zahlreiche Aufträge wurden abgewickelt. Insgesamt 155 Schiffe aus der GUS waren hier zu längeren Werftaufenthalten. Nach Reparaturen und Umbauten von Seismikschiffen in den Vorjahren standen in diesem Jahr vor allem Erneuerungen für russische Forschungsschiffe auf
dem Programm bei MWB Schiffbau. Die Einheiten der Forschungsflotte erhielten hier die Möglichkeit, zusätzlich als Passagierschiffe eingesetzt werden.
Neun Aufträge
Sechs russische Forschungsschiffe- davon verließ zuletzt die "Akademik Sergey Vavilov" am Mittwoch die Werft- waren hier in diesem Jahr bereits zur Umrüstung. Die "Akademik Nemchinov", die heute erwartet wird, sowie zwei weitere Schiffe werden noch bis zum Jahresende für eine gute Auslastung der 100 Werftbeschäftigten sorgen.
Die "Akademik Sergey Vavilov" und ihr Schwesterschiff "Akademik Ioffe" sind die größten Einheiten, die bisher bei MWB Schiffbau umgerüstet wurden. Sie waren 1988 beziehungsweise 1989 auf der Hollming-Werft im finnischen Rauma gebaut worden und besitzen eine Länge von 117,17 Meter und eine Breite von 18,22 Meter. Ausgestattet sind die eisverstärkten Fahrzeuge mit Pielstick-
Motoren, die auf zwei Verstellpropeller arbeiten.
Wenn die Forschungsschiffe nicht im Einsatz sind, müssen sie nicht aufliegen. Eingesetzt werden sie dann in der Passagierschiffahrt für besondere Reisen. Die Marine Expedition Inc. in Toronto vermittelt dafür die Passagiere im Rahmen ihres Bildungs- Programmes "To the End of the Earth". Die bis zu 80 Passagiere, die an Bord dieser beiden großen Forschungsschiffe Platz finden, sorgen
für Einnahmen.
Großes Interesse
Das Interesse an solchen zehntägigen Fahrten in der Arktis oder Antarktis hat steigende Tendenz. Dabei wird den Passagieren an Bord kein Luxus geboten: Einfache Kammern und eine Messe statt Show-Lounge und Bar sind für diese Interessenten wichtiger. Allerdings mangelt es sonst an Komfort nicht. Hotelmanager und Stewards aber auch Wissenschaftler, die Einweisungen geben, sind an Bord bei den
Bildungskreuzfahrten. Dabei können die Passagiere jederzeit auch auf die Brücke oder in den Maschinenraum. Die modernen nautischen Geräte sowie Kommunikations- und Ortungsgeräte machen die Fahrt zusätzlich interessant. Das Programm achtet darauf, daß die Fahrgäste an die Natur hergeführt werden, daß es aber keine Umweltbeeinträchtigungen gibt.
Für die Werft gab es neben Instandsetzungsarbeiten auch Umbauten zuerledigen. So mußten die Kabinen hergerichtet werden und die Zulassung für die Passagierbeförderung durch bauliche Veränderungen erfüllt werden. Dabei sollen diese Schiffe auch künftig für ozeanographische Vermessungen, zu denen aber
auch der Einsatz für hydroakustische Meßfahrten gehört, genutzt werden können.
Mit den Umbauten und Überholungen seit Anfang des Jahres mit der "Akademik Boris Petrov",

"Akademik Boris Petrov"
"Professor Multanovskie", dem Stammgast "Akademik Federov", die im November nach einer längeren Liegezeit am Werftpier wieder zurückgeliefert wird, der "Mikhail Somov" sowie den Schwesterschiffen "Akademik Ioffe" und "Akademik Sergey Vavilov" und den drei noch folgenden Schiffen hat die zur Petram-Gruppe gehörende Werft ihren Ruf als Maritime
Basis für Spezialschiffe ausbauen können. Im kommenden Jahre sind weitere größere Umbauten vorgesehen, die noch kontrahiert werden müssen.
Nordsee-Zeitung vom 14. Oktober 1995