Zur Geschichte der Motorenwerke Bremerhaven 1957- 2005
von Peter Müller, Bremerhaven
Eingang MWB, Foto Peter Müller 20.02.2005
Der Schwerpunkt der Motorenwerke Bremerhaven GmbH liegt in Reparatur und Service, aber auch Neubau und Fertigung haben bei MWB große Bedeutung. So werden z.B. im Schiffbau kleinere Spezialschiffe, im Anlagenbau komplette Feuerungsanlagen und Prüfstände und im Bereich Elektronik Kabelbäume für die Raumfahrt gebaut.
Die MWB stellt sich selbst auf ihrer Homepage so dar: "Die MWB Motorenwerke
Bremerhaven AG hat sich als weltweit anerkannte Expertin in den Bereichen
Motoren-, Schiffs-, Anlagen- und Energietechnik am Mark etabliert. Innovative,
kunden- und marktorientierte Dienstleistungs- und Serviceorientierung prägen
das Unternehmen seit über 40 Jahren."
Der Schiffbau machte 1988 etwa 40% des Gesamtunternehmens aus. Er setzte sich zusammen aus den Sparten Neubau, Reparatur und Umbau. Eine 1000m lange Werftkaje mit 2 Schwimmdocks und Spezialwerkstätten für Stahl- und Leichtmetallbau, Motorenreparatur, E-Technik und Elektronik bilden die Grundlage für Schiffsreparaturen und Schiffsumbauten.
Größere Umbauten in den letzten Jahren waren u.a. 30 Schiffsverlängerungen, mehrere Schiffsumrüstungen zu Schüttgutselbstentladern oder die Vergrößerung der Decksaufbauten eines norwegischen Fahrgastschiffes.
Zur Geschichte der MWB
Nach dem II. Weltkrieg übernahm die amerikanische Marine das Gelände der
heutigen MWB. Unter dem Namen "Ship Repair Department" (SRD)
wurde ein Reparaturbetrieb für Minenräumer stationiert. Ehemalige
Marinesoldaten wurden von den Amerikanern mit dieser Aufgabe betraut.
Aus dieser Gruppe wurde später die Belegschaft der Motorenwerke Bremerhaven
GmbH rekrutiert.
Über die Gründung der MWB schreibt Peter Raap in seinem Artikel "Es
begann mit Minen räumen" im Niederdeutschen Heimatblatt:
"Der Übergang von einem amerikanischen Militärbetrieb in eine deutsche
Unternehmung im Jahre 1957 gestaltete sich recht aufregend.
Ende März 1957 marschierten 437 Werftarbeiter vom Kaiserhafen durch die Stadt
zur Marineschule. "Schmeißt Strauß uns raus, dann ist es aus!"
titelte einen Tag später die Bild-Zeitung. Was war geschehen? Der
US-Navy-Spezialbetrieb sollte am 1. April 1957 an die Bundesmarine übergeben
werden, und Admiral Ruge und Staatssekretär Rust hatten der Belegschaft die
Übernahme in den zivilen Dienst bei gleichem Lohn versprochen. Die
amerikanische Dienststelle hatte der Belegschaft bereits im Oktober vorsorglich
gekündigt. Im Vertrauen auf das Wort des Admirals ließen die Facharbeiter die
Widerspruchsfrist ungenützt verstreichen. Als der misstrauisch gewordene
Betriebsrat sich fünf Tage vor dem Übergabetermin in Bonn erkundigte, wie es
nun mit der Übernahme stehe, wollte dort niemand etwas davon wissen. Schnell
formierte sich ein Demonstrationszug, der Anfang der turbulenten Ereignisse im
März 1957. Auf der einen Seite standen die um ihre Arbeitsplätze
bangenden Arbeitnehmer, die mit Streik und Demontage drohten, auf der
anderen eine Verwaltung, in der keiner zu wissen schien, was los war.
Am 29.3.1957 berichtete dann die "Nordsee-Zeitung" unter der
Überschrift "Bonn: Zunächst keine Änderung", dass alle Angehörigen
des SRD ab 1. April dieselben Vergütungen und Löhne erhalten sollten, die
augenblicklich von der amerikanischen Dienststelle gezahlt wurden. Gleichzeitig
wurde darauf hingewiesen, dass die Industrie-Verwaltungs-Gesellschaft (IVG) die
SRD mit allen Rechten und Pflichten übernehmen würde.
Die IVG übernahm die SRD. Von nun nannte sich der Betrieb Motorenwerke
Bremerhaven GmbH bis 1994.
In der ersten Zeit nach der Neugründung wurden noch Räumboote instandgesetzt.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich MWB immer mehr zum Reparaturbetrieb. 1961
wurden die ersten Motorenprüfstände gebaut und damit nahmen auch die
Motoren-Instandsetzungen zu. 1968 wurde ein zweiter Betrieb in
Wilhelmshaven errichtet.
Die Werft versuchte ein zweites Standbein im zivilen Bereich zu bekommen in dem
sie ein Dock anschaffte. Man kaufte in Norwegen ein 3.000-t-Schwimmdock. Die
ersten Schiffsverlängerungen wurden für die Reederei Stinnes durchgeführt.
Die weitere Expansion erforderte einen Austausch gegen ein 4.500-Tonnen-Dock und
die spätere Erweiterung um eine Schwimmdock mit einer Hebefähigkeit von 8.500
Tonnen.
Da es nicht immer möglich war, MWB mit Schiffsaufträgen auszulasten, kam man
1971 auf die Idee
eine Kfz-Instandsetzungs-Abteilung zu gründen. Es wurden Fahrzeuge der
Bundeswehr gewartet.
Über die weitere Entwicklung der MWB schreibt Peter Raap: "In die
ehemalige Kfz-Halle zog 1975 die Elektronik-Abteilung ein. Auch diese Abteilung
expandierte, so dass eine zweite Halle gebaut werden musste. Durch die Fertigung
von Kabelbäumen für die "Ariane" war MWB auch in der
Raumfahrt-Industrie vertreten. Ein neuer Markt tat sich auch im Automobilbereich
auf. Die Elektronik hielt Einzug im Auto, Grund für MWB, in Wolfsburg eine
Filiale zu gründen.
1979 wurde noch ein weiteres Standbein geschaffen. Man hatte in Barsinghausen
ein Unternehmen aufgekauft, das Unterschubfeuerungen fertigte. Die
Feuerungsanlagen waren für Sägewerke, Gärtnereien usw. gedacht. Diese
Abteilung wandelte sich später in den Bereich "Anlagenbau", der
Blockheizkraftwerke und Prüfstände baute. Die Ölvorkommen in der Nordsee
bescherten MWB mit Beginn der 70er Jahre einen neuen Geschäftsbereich. Man
stieg in das Offshore-Geschäft ein. Für amerikanische Bohrinsel-Versorger und
Ankerschlepper war MWB der Reparaturbetrieb.
Schiffsneubau
Um zusätzlich zu Reparaturen, Umbau und Verlängerungen und Schiffsneubau
betreiben zu können, baute man eine Schiffbauhalle. Da kein Helgen vorhanden
war, sollten die Schiffe mit dem Kran ins Wasser gesetzt werden. Eine Reihe von
kleineren Schiffsneubauten wurden bei MWB zu Wasser gelassen. Für die Firma
Prakla Seismos wurde 1981 die "Manta" gebaut. Das Schiff war für die
Ölsuche im Küstenbereich mit wenig Tiefgang konzipiert. Es war 30m lang, 8m
breit und mit einem Tiefgang von 1,25m ideal für die Ölsuche im küstennahen
Bereich.
Auch ein größeres Seismikschiff wie die "Geco Gamma" wurde innerhalb
von zwei Monaten um 9,8m verlängert und mit der neuesten Messtechnik
ausgerüstet.
Mit dem Ölauffangschiff "MPOS" betrat man ein neues Gebiet. Auch mit
dem Bau der beiden Frischfischfänger "Iris" und "Susanne"
betrat MWB neues Land.
1987/88 wurde das 1906 gebaute Feuerschiff "Sonderburg" zur
Dreimast-Bark "Alexander von Humboldt" umgebaut. Die
Umbaukosten vom Feuerschiff zur Bark waren mit 2,3 Mio. DM angesetzt. Bei der
Motorenwerk Bremerhaven GmbH wurde das Feuerschiff eingedockt und umgebaut. Am
3.3.1988 fand die Probefahrt statt. Und am 20. Mai 1988 wurde die Bark als zur
Zeit zweitgrößter Rahsegler unter deutscher Flagge auf den Namen
"Alexander von Humboldt" getauft.
1994 stand der Betrieb zum Verkauf, da er bei
einem Umsatz von 109 Mio. DM einen Verlust von 5 Millionen DM gemacht
hatte. Nach Protesten und Kundgebungen der Mitarbeiter gegen die Schließung, übernahm
später die Firma Petram die Firma.
Andere Betriebsteile kauften teilweise ihre Bereichsleiter.
Peter Raap schreibt weiter: "Für 188 Mitarbeiter gab es keine
Weiterbeschäftigung. Für sie wurde eine Auffanggesellschaft, die BQGB
gegründet, der 130 Mitarbeiter beitraten. Am 20.12.1994 wurde auf dem Versorger
"Freiburg" bei der Übergabefahrt zum letzten Mal die MWB-Flagge
gesetzt. Nach 37 Jahren endet die Geschichte des Motorenwerks Bremerhaven GmbH.
Heute befindet sich auf dem Gelände die neue Firma Motorenwerke Bremerhaven
AG."
Im Februar 1995 übergaben die MWB den Mehrzweckfrachter "Bell Ady"
an die Unitas Schiffahrts-GmbH & Co. MS "Ady" KG. Der Rumpf war
von der Elbewerft Boizenburg gebaut worden. Neben dem Aufsetzen des Deckhauses
wurde das Schiff hier in Bremerhaven fertig gestellt.
Das Schiff hat eine Länge von 89,7m und ist 16,4m hoch.
Im Oktober 1995 schrieb die Nordsee-Zeitung: "Seit 1987 besitzt die Werft,
die auch die norwegische Seismik-Flotte zu den Stammgästen zählt, enge
Kontakte zur ehemaligen UdSSR. Zahlreiche Aufträge wurden abgewickelt.
Insgesamt 155 Schiffe aus der GUS waren hier zu längeren Werftaufenthalten.
Nach Reparaturen und Umbauten von Seismikschiffen in den Vorjahren standen in
diesem Jahr vor allem Erneuerungen für russische Forschungsschiffe auf dem
Programm bei MWB Schiffbau."
Allein im Jahr 1995 waren sechs russische Forschungsschiffe bei MWB zur
Umrüstung wie z.B. "Akademik Boris", "Professor
Multanovskie", "Akademik Federov" und "Mikhail
Somov".
Im Juni 1999 wurde die Fregatte "Lübeck" mit einem neuen
grauen Anstrich versehen.
Im November 2000 hatte MWB die Luxusyacht "Golden Bay" zu
Besuch und kümmerte sich um einen neuen Farbanstrich, außerdem wurde an der
Elektronik und der Mechanik des Schiffes gearbeitet.
Im Oktober 2001 schrieb die NZ u.a.: Das ist der größte Auftragsbestand in der
Unternehmensgeschichte, beschreibt Uwe Beck, Direktor Schiffstechnik das
Gedränge an der Kaje. Im Einzelnen geht es um folgende Fahrzeuge, beginnend im
Süden.
Der Bagger "Flevo" liegt zur
allgemeinen Wartung an der Kaje.
Bei der Hubinsel "Annegret"
wird eine Rückkühlanlage für den Hilfsbetrieb eingebaut.
Das Forschungsschiff "Akademik Fedorov"
ist häufiger Gast bei MWB, zur Zeit wird die Motorenantriebsanlage überholt.
Für den Massengutfrachter "Delborg"
stehen eine Lukendeckelreparatur und Klassearbeiten im Auftragsbuch.
Die Bark "Seute
Deern" liegt sonst ein paar hundert Meter weiter südlich im
Museumshafen. Bei steht die Generalüberholung des Rumpfes an.
Der Frachter "Balmung" hat für
Klassearbeiten an der Kaje festgemacht.
Das Heloland-Schnellboot "Speedy"
nutzt das Saisonende für die Überholung der Wellenanlage.
Der Nachbau der Hansekogge "Ubena von
Bremen" liegt ebenfalls bei MWB, die Vereinsmitglieder erledigen hier
Instandsetzungsarbeiten.
Ab März 2002 modernisierte MWB das Seismikschiff "Mistral" für 20
Millionen Euro. Die "Mistral" wurde für die Ölsuche im Gold von
Mexiko vorbereitet. Sie wurde um 7m verbreitert und leistungsfähiger gemacht.
60 Kilometer Messkabel konnte er hinter sich herschleppen. Das Schiff wurde
breiter, höher und kräftiger. Zwei zusätzliche Maschinen und Propeller
sorgten dafür, dass das Schiff seine Extralast mit mindestens fünf Knoten
Geschwindigkeit durchs Wasser schleppen konnte. Bei langsamerer Fahrt verheddern
sich die kilometerlangen Kabel.
Im August 2003 erhielt MWB den Auftrag in den nächsten anderthalb Jahren 150
Gasmotoren nach England zu liefern.
Quellen: Peter Raap, Es begann mit Minenräumen, in: Niederdeutsches Heimatblatt
August 2004, Nr. 656
Nordsee-Zeitung
http://www.mwb.ag