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Mächtige Trecker
Michael Wolff zeigt seine Aquarelle
Der Bremerhavener Maler und Grafiker Michael Wolff ist
vor allem mit seinen exakt gezeichneten und radierten maritimen Blättern
bekannt geworden. Einen anderen Michael Wolff lernt man jetzt auf einer
Ausstellung in der Galerie Forum Fischbahnhof kennen, wo Wolff 38 Arbeiten
ausschließlich aus dem Bereich der Aquarellmalerei zeigt. Die miniaturhaften
oder großformatigen Blätter zeigen in ihrer Bandbreite vom fast
altmeisterlich ausgeführten Landschaftsbild bis zu reiner gegenstandsloser
Farbsetzung einen Künstler, der in den letzten Jahren hart gearbeitet hat.

M. Wolff, Stilleben in blauen Fässern
Etliche dieser Werke sind unter dem Gesichtspunkt des Experi-
mentellen und Sichausprobierens entstanden. Michael Wolff, dem vom
Tischlerhandwerk her der Umgang mit Techniken und Materialien geläufig ist und
Spaß macht, hat es in den vergangenen Jahren interessiert, Mal- und
Wirkungsmöglichkeiten des Aquarells kräftig auszureizen. Mit recht
unterschiedlichem Erfolg.
Dichte und Strukturen von Ölmalerei und Acryl erreicht er beispielsweise durch
das Beimischen von Seife. Er umrandet Aquarelle, um das Figürliche
kräftig zu betonen, mit Sepia oder versucht, aneinanderstoßende Farbkom-
plexe mit einer Glyzerin-Beimischung zum Leuchten zu bringen. Natürlich
arbeitet er auch Nass-in-Nass, zumindest in bestimmten Teilen mancher
Bilder. An solchen Arbeiten kann dann das Prozesshafte des Machens für
Künstler und Betrachter manchmal interessanter sein als das fertige Bild
selbst.
Am sichersten erweist sich Wolff auch im Aquarell letztlich immer noch im
Realistischen, ob detailfreudig oder verkappt wie bei der farblich verhaltenen
"Winterlichen Eichengruppe" von 1994 oder bei der
"Kopfweide mit Rohrkolben". In manchem Stilleben- und es gibt etliche
davon- treibt er die Farbwirkung fast ins Bengalische, während er fein
kolorierte- "Porträts" von mächtigen altertümlichen Treckern schuf,
die wie Wesen aus einer anderen Welt in der Landschaft herumstehen.
Diese Dinosaurier, wie auch aus skurrilen Fundstücken komponierte Bruch- und
Bretterbuden auf dem Lande oder die Darstellung "Unterweser-Slip mit blauen
Fässern" präsentieren sich als persönliche Spielart eines Magisch
Realismus.
Nordsee-Zeitung vom 28. März 2001