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Michael Wolff
Aquarelle
24. März bis 26. April 2001
Galerie Forum Fischbahnhof, Bremerhaven

Aquarell auf dem Ausstellungsplakat (Ausschnitt)
Michael Wolff, geboren 1946 in Wesermünde, jetzt
Bremerhaven, erlebte seine frühe Kindheit in Wulsdorf. Dort roch es
damals noch, vom nahen Fischereihafen her, nach Fisch, und der half ihm, trotz
magerer Nachkriegs-
zeit, kräftig heranzuwachsen. Und Fisch blieb nicht nur für ihn das Labsal
für den Magen, sondern auch für Auge, Geist und Gemüt unwiderstehlich,
beharrlich hingezogen in den weiten Bereich von Fischerei, Seefahrt, Werft,
Fischereihafen, zur Weser und an Weserstrand und Watt.

M. Wolff, Kaje am Lotsenhaus (Ausschnitt)
Vom Küchenfenster aus schaute er auf die Werftkräne, deren Hebelwerk er im
Vorschulalter bereits erstaunlich genau und lebendig zeichnete. Sein früh
entwickelter Unternehmungsgeist führte ihn in Marsch, Geest und Moor,
überhaupt überallhin, wo es für ihn etwas zu entdecken gab. Die Schule war
nicht sein Feld. Die störte ihn maßlos in seinen Unternehmungen. So ließ er
es nach erreichter Mittler Reife der gymnasialen Bildung genug sein, und, nach
einem Ferienjob auf einem Fischdampfer, heuerte er auf einem weiteren
Fischdampfer an zu harter Arbeit an Deck. Heimgekehrt von dieser Reise und
angefüllt mit einem reichen Erfahrungsschatz aus dem Leben in einer
Fischdampfercrew und dem Kampf um volle "volle Beutel", blieb er
weiter mit der Schiffahrt verbunden unter einem Vertrag als
Tischlerlehrling auf der Lloydwerft in Bremerhaven. Die gestaltende Arbeit an
Holz, Hölzern aus aller Welt, wenig Bandarbeit, sondern Anpassung des Stoffes
an die wechselnden Maße von Ort und Raum eines Schiffes kam seiner Vorliebe
nach immer neuen Aufgaben entgegen. Seine Berichthefte beeindruckten durch
exakte, ansprechende Zeichnungen und genaueste Darstellungen barocker
Tischlerarbeiten. In seiner Freizeit zeichnete, malte, radierte, schnitzte er,
lernte bei einem Blechbläser des Städtischen Orchesters das Posaunenspiel und
wirkte mit im Bremerhavener Jugendblasorchester.

Michael Wolff, Schumanns Hühner (Ausschnitt)
Mit dem Facharbeiterbrief in der Tasche ging der junge Tischler zur Bundeswehr,
wo der Posaunist im Heeresmusikkorps Lüneburg zu seiner Freude die Tuba zu
blasen hatte. Und des Spießes Freude waren die Werke des musizierenden Malers
und Grafikers Arbeiten, die bald die nüchternen Gänge und Diensträume der
Kaserne freundlicher erscheinen ließen. Ja, die Tuba! Sie begeisterte den
Soldaten Wolff so sehr, daß es ihn zu den Hamburger Jazzlips hinzog, in deren
Band sein virtuoses Spiel die Fans so fesselte, daß sie ihn zum Tubagott
erklärten.

M. Wolff, Landruf
Nach einigen Jahren als Freischaffender mit Tuba und Zeichenstift verschlug es
ihn nach Enkhuizen am Ijsselmeer, wo Leiter des Schiffahrts- und Frei-
lichtmuseums, die seine Zeichenkunst erfuhren, den jüngst Zugereisten als
freien Mitarbeiter anwarben und ihm einen Arbeitsraum zur Verfügung stellten.
Die Museumsschiffe hatten es dem Künstler angetan, deren Typen als
restaurierter Originale oder Nachbauten auf dem Ijsselmeer oder den friesischen
Küstengewässern als ehemalige Fischerboote segelten. Bald schloß der
Bremerhavener, schnell vertraut mit der niederländischen Sprache, Freundschaft
mit den erfahrenen Seglern der Plattenbodenschiffe und fuhr als begeistertes
Crewmitglied auf diesen urigen Fahrzeugen.

M. Wolff, Grünkohlbude in Groden
Holland blieb seine stille Liebe, als er zu seinem Bremerhavener Fischereihafen
zurückkehrte. Hier fand der Heimkehrer einen Förderer, der ihm in seiner Firma
Wohnung und Atelier einräumte. Der Tischler Michael fertigte nun mit eigener
Hand dem Laien rätselhafte Gerätschaften für den Radierungsdruck und
arbeitete mit der ersten Presse. Größere Räume fand er auf dem Feldhof in
Rechtenfleth für eine leistungsfähigere Presse und umfangreiche Arbeiten. Auf
der "Europäischen Akademie für bildende Kunst in Trier" bildete sich
der Bremerhavener in der Zeichentechnik weiter. Ein Angebot, als Dozent dort zu
bleiben, lehnte er ab. Die würdige alte Römerstadt hat eben keinen Seehafen.
Vor Anker ist der einst so Umtriebige vor einigen Jahren in Schiffdorf, in einem
ehemaligen Bauernhaus, den Flügeln der Windmühle nah, begleitet von seiner
Lebensgefährtin, betreuend Hund, Katzen und glückliche Hühner, die
Ställe, Schuppen, Stallungen, Wohnung mit seiner Tischlerkunst bedenkend. Die
Zeit, die ihm noch bleibt, nutzt er mit der Schöpfung von Aquarellen,
Aquatinten, Federzeichnungen, Radierungen, seien sie geduldig wiedergegeben in
feinsten Details oder impulsiv großzügig hingeworfen. Michael Wolffs Techniken
wechselten und wechseln, doch ungeachtet aller Stilrichtungen und
Zeitströmungen bleibt eines: seine Werktreue.
(Handzettel vom Michael Wolff, 24.03.2001)