Lotsen brauchen ein neues Haus
Stadt möchte ein "optisch repräsentatives" Gebäude an exponierte Stelle


Das alte Lotsenhaus

Bremerhaven. Lotsen, die sind auf dem Wasser unterwegs. Lotsen, die zeigen Schiffen den richtigen Weg auf dem Meer und Flüssen bis in den sicheren Hafen. Aber natürlich gibt es auch so etwas wie eine Zentrale an Land, wo die Fäden der so genannten Brüderschaften zusammenlaufen und wo der Dienst-
betrieb organisiert wird. Auch in Bremerhaven gibt es ein solches Haus- in beschaulicher Lage direkt am Wasser. Doch mit der Ruhe der Lotsen ist es dort vorbei: Sie brauchen für mehrere Millionen Mark ein neues Haus, und das brauchen sie mehr als dringend.

Die Lage ist eine der besten der Stadt. Direkt an  der Weser, dort wo die Geeste in den Fluss mündet, steht das Haus der Flusslotsen-Brüderschaft Weser I. Gleich daneben befindet sich das Gebäude der Seelotsen Weser II Jade. Beide Brüderschaften sollen jetzt in einem gemeinsamen Lotsenhaus zusammenziehen- und der Neubau ist mehr als notwendig.
"Insbesondere durch Rammarbeiten ist das Haus arg in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt Heiko Rose, Ältermann der Seelotsenbrüderschaft Weser II Jade. "Dabei geht es aber nicht nur um die Rammarbeiten beim Ausbau der Doppelschleuse. Wir hatten ja vorher auch schon erhebliche Rammarbeiten an der Kaje. Das hat dazu geführt, dass ich im Jahr 1995 auf einer Dienstreise Bonn einen Anruf bekam: "Um Gottes Willen, das Flusslotsenhaus stürzt in die Geeste.
Ganz so schlimm war es dann doch nicht. Aber immerhin- in den Außen- und Innenwänden des großen Flusslotsenhauses waren bis zu zehn Zentimeter lange Risse. Das Gebäude wurde evakuiert. Die Schäden wurden provisorisch beseitigt. Für den Bau des neuen Lotsenhauses hat der Bund bereits 5,6 Millionen Mark bereitgestellt. Fluss- und Seelotsen werden das Gebäude  mieten, zukünftig unter einem Dach arbeiten. Und das macht Sinn, sagt Heiko Rose: "Wir haben ja sechs Kollegen hier sitzen, die rund um die Uhr die Bestellungen unserer Kunden annehmen und hundert Meter weiter sitzen unsere Kollegen und machen das gleiche. Das passt natürlich nicht mehr in die heutige Zeit. Hier ist im Zuge der Kostensenkung ein Zusammengehen dringend geboten."
Ein Neubau- das bedeutet den Abriss des 48 Jahre alten, anderen Gebäudes. Stehen die Fluss-Lotsen dann im Regen? "Ich persönlich kann mir vorstellen, dass die Anrufe der Kunden unserer Schwesterbrüderschaft auch über unser Büro geleitet werden können", meint Heiko Rose. "Das heißt, die Mitarbeiter von Weser I ziehen für eine begrenzten Zeitraum zu uns. Etwas anderes ist natürlich die Bereitstellung von Schlafräumen für die Kollegen dieser Lotsen-
brüderschaft", so Heiko Rose.

Delikates Problem
Dafür muss also noch eine Lösung gefunden werden. Und es gibt noch ein delikates Problem beim geplanten Hausbau. Schließlich steht das Gebäude direkt am seeseitigen Eingang von Bremerhaven. "Die Stadt hat ein erhebliches Interesse daran, dass hier in optisch repräsentatives Gebäude erstellt wird",  sagt Heiko Rose. "Es gibt insbesondere ein Problem, das gelöst werden muss. Das Flusslotsenhaus steht auf stadteigenem Gelände und unser Haus steht auf bundeseigenem Gelände. Das heißt: Es muss zu einem Gebietsaustausch kommen."
Darüber werden bereits Gespräche geführt. Im Weg steht dem Gebietsaus-
tausch wohl nichts. Jetzt warten die Lotsen nur noch auf die konkreten Baupläne und das Geld aus Berlin- dann kann es losgehen mit dem Bau des neuen Lotsen-
hauses.

Sonntagsjournal vom 25. März 2001