Arbeiten in der Karibik beginnen
Lloyd Werft unterschreibt heute Bauverträge für Reparaturbetrieb auf Grand Bahama
Als erste deutsche Werft baut die Lloyd Werft einen Reparatur-
Tochterbetrieb im Ausland auf. Die Bauverträge für das umgerechnet rund 142 Millionen Mark teure Projekt werden heute in Freeport auf der Karibik-
Insel Grand Bahama unterschrieben, teilte Werft-Geschäftsführer Werner Lüken mit.
Für den Bau ihrer Filiale steht der Lloyd Werft ein rund 100 000 Quadrat-
meter großes Gelände zur Verfügung. Zwei Schwimmdocks, eine Pier für zwei Liegeplätze, Werkstätten und Lager gehören zur Ausstattung. "Die Bahama Port Authority investiert vier Millionen Dollar und die Lloyd Werft sechs Millionen Dollar. Das Kapital der Gesellschaft wird sich somit auf zehn Millionen Dollar (rund 19 Millionen Mark) belaufen", sagt Lüken. Die restlichen rund 65 Millionen Dollar würden über Banken finanziert.

Kreuzfahrt-Zentrum Miami
Für den Chef der Lloyd Werft liegt der Grund für den Bau des Reparatur-
Betriebes auf einer der rund 700 Bahamas-Inseln auf der Hand: "Grand Bahamas ist nur einen seemännischen Steinwurf vom Kreuzfahrt-Zentrum der westlichen Welt entfernt: Miami." Reedereien wie die amerikanische Cunard-Lines, die Norwegian Cruise Line oder die englische Princess Cruise Lines hätten bereits Interesse an dem neuen Werftstandort bekundet. Der Hauptgrund: Den Kreuzfahrtschiffen bleibt zur Reparatur die Fahrt über den Atlantik nach Europa erspart.
Der Werftbetrieb soll zunächst mit einigen Lloyd-Werkern als Ausbildern und einheimischen Arbeitern aufgebaut werden. In fünf Jahren werden nach Vorstellungen der Lloyd Werft bis zu 470 Beschäftigte in der Karibik-Filiale arbeiten.
Das erste gekaufte Schwimmdock wird nach Werftangaben bereits mit einem Schlepper nach Grand Bahama verbracht. Das zweite Schwimmdock wird für die Lloyd-Werft zurzeit in China für rund 66 Millionen Mark gebaut. Es bietet mit einer Länge von 365 Metern und einer Hebefähigkeit von 80000
 Tonnen Platz für die größten bisher geplanten Kreuzfahrtschiffe.

Drei Umbauten
Von dem Engagement in der Karibik profitiert auch Bremerhaven, sagte Lüken: "Im Herbst haben wir auf der Werft drei Umbauten für die Cunard-
Line mit einem Gesamtvolumen von 75 Millionen Mark, die "Queen Elisabeth 2", die "Vistafjord" und die "Royal Viking Sun". Diese Aufträge haben wir nur  bekommen, weil wir der Reederei in Freeport entgegen-
kommen."
Warum vorher keine deutsche Werft auf die Idee gekommen ist, in der Nähe von Miami einen Reparatur-Betrieb aufzumachen, kann Lüken nicht sagen: "Wir haben in den nächsten zwei Jahren schon eine Auslastung von 70 Prozent und damit deutlich mehr als kalkuliert." Zudem gebe es außerhalb des Kreuzfahrt bereits Anfragen von über 40 Reedereien nach Reparatur-
möglichkeiten in Freeport.

NORDSEE-ZEITUNG vom 2. September 1999