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Die Lloyd-Werft baut jetzt eine "Filiale" in
Freeport auf den Grand Bahamas
Das erste Schwimmdock ist schon jetzt auf dem Weg
zur neuen Werft unter Palmen
Bremerhaven. Für den Chef der Bremerhavener Lloyd-Werft,
Werner Lüken, geht ein Traum in Erfüllung. Am kommenden Donnerstag
unterschreibt er auf den Bahamas die Bauverträge für die Filiale der Lloyd-
Werft in der Karibik. Nach rund zehnjähriger Planungszeit kann mit der
Errichtung des Bremerhavener Zweigbetriebes unter Palmen begonnen werden.
"Wir sind eben sehr eng mit der Kreuzfahrtindustrie verbunden", ist
für den Geschäftsführer der Lloyd-Werft, Werner Lüken, die einfache Formel
für den Bau der Werftfiliale auf den Bahamas.
Genauer gesagt auf der Insel Grand Bahamas- eine der rund 700 Bahama-
Inseln- im Hafen von Freeport. Nur einen seemännischen Steinwurf vom
Kreuzfahrtzentrum der westlichen Welt entfernt: Miami. Zwei Schwimmdocks, eine
Pier für zwei Liegeplätze, Werkstätten, Lagerhallen- wenn die Lloyd-Werft mit
dem Bau ihrer tropischen Filiale auf dem rund
100 000 Quadratmeter großen Gelände fertig ist, wird sich das Gesicht von
Freeport verändert haben. Zum Positiven- deshalb werden die deutschen
Schiffbauer auch nach Möglichkeit bei ihrem Vorhaben unterstützt. Politisch
von der Regierung in Nassau/Bahamas sowie finanziell von einem Partner: Die
Grand Bahama Port Authority. "Insgesamt wird der Bau der Werft 75 Millionen
Dollar kosten", sagt Werner Lüken. "Sechs Millionen Dollar investiert
die Lloyd Werft. Vier Millionen Dollar unser Partner, so dass sich das Kapital
der Gesellschaft auf zehn Millionen Dollar beläuft." Der Rest werde über
Banken finanziert.
Das erste gebraucht gekaufte Schwimmdock ist bereits mit dem Schlepper auf dem
Weg nach Grand Bahama. Für ihr zweites Schwimmdock hat die Lloyd-Werft
größeres geplant. Dieses Dock wird zur Zeit in China für rund 66 Millionen
Mark gebaut und bietet Platz für die größten, bisher geplanten
Kreuzfahrtschiffe. "Es hat eine Hebefähigkeit von 80 000 Tonnen. Die
größten derzeit angedachten Kreuzliner haben ein Gewicht von 55 000
Tonnen", sagt Werner Lüken.
Zunächst soll der Werftbetrieb mit einigen Lloydwerkern und einheimischen
Arbeitern aufgebaut werden. In fünf Jahren sollen nach den Vorstellungen der
Lloyd-Werft bis zu 470 Beschäftigte in ihrer Tropen-Filiale arbeiten. "Wir
haben natürlich vorher eine Markanalyse gemacht", sagt Werner Lüken.
Reedereien wie die Cunard Line, die Norwegian Cruise Lines oder Princess Cruise
Lines hätten bereits großes Interesse an der neuen Reparatur-Mög-
lichkeit in der Karibik bekundet.
Kein Wunder: bleibt ihren Schiffen dann doch die Fahrt über den Atlantik nach
Europa erspart. Von dem Engagement in der Karibik profitiert auch Bremerhaven.
"Im Herbst haben wir auf der Lloyd-Werft drei Umbauten der Cunard-Line: Die
Queen Elisabeth II, die Vistafjord und die Royal Viking Sun. Diese Aufträge
haben wir nur bekommen, weil wir der Reederei in Freeport entgegenkommen und ihr
dort große Sorgen abnehmen", sagt Werner Lüken. Warum vorher niemand auf
die Idee gekommen ist, in der Nähe von Miami einen Reparatur-Betrieb für
Schiffe aufzumachen, kann Werner Lüken nicht sagen.
"Die Zahlen jedenfalls sprechen für sich. "Wir haben in den nächsten
zwei Jahren schon eine Auslastung von 70 Prozent, das ist deutlich mehr, als wir
kalkuliert hatten. Anfang nächsten Jahres soll in der Bahamas-Filiale der
Lloyd-Werft die erste Schweiß-Elektrode aufblitzen.
Sonntags-Journal vom 29. August 1999