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Lloyd Werft repariert Schiffe unter Palmen
Karibik-Tochter ist beschlossene Sache
Die Lloyd Werft geht in die Karibik: In den nächsten Wochen wollen die
Bremerhavener Schiffbauer auf den Bahamas eine Tochtergesellschaft gründen.
Die Lloyd Werft Grand Bahama Ltd., an der auch die Hafenbehörde der Insel
beteiligt ist, soll vor allem Kreuzfahrt- und Containerschiffe reparieren und
umbauen.
Am Wochenende stellte der Premierminister der Bahamas, Hubert A. Ingraham, die
gemeinsamen Pläne der Öffentlichkeit vor. "Damit gibt es für die
Regierung jetzt kein Zurück mehr", freut sich Lloyd-Werft Chef Werner
Lüken. Er hatte die Bahamas-Pläne jahrlang beharrlich verfolgt. Wenn
alles klappt, sollen bereits Anfang kommenden Jahres die ersten Schiffe bei
Lloyd Werft Grand Bahama repariert werden.
Vor sieben Jahren hatte die Bremerhavener Werft eine Lizenz erworben, die ihr
die Reparatur von Kreuzfahrtschiffen an einer Kaje in Freeport, dem Hafen
von Grand Bahama, erlaubte. Hintergrund: Die Karibik ist das wichtigste
Fahrtgebiet der großen US-Reedereien. Um den Schiffen die weite Anfahrt
quer über den Atlantik nach Bremerhaven zu ersparen, kamen Lloydwerker ihnen
von Fall zu Fall entgegen und erledigten die Arbeiten vor Ort.
Jetzt soll aus dem Provisorium eine richtige Werft werden. "Die Schiffe
können am Sonnabend morgen ihre Passagiere in Miami an Land setzen und sind am
Abend bei uns in der Werft", rechnet Lüken vor. Für eine einwöchige
Reparatur müssen die Reeder ihre Schiffe nur eine Woche aus dem Fahrplan
nehmen. Eine Reise über den Atlantik in die Bremerhavener Docks und zurück
würde die Schiffe mindestens zwei Wochen kosten.
Trotzdem, so Lüken, profitiere auch die Stammwerft im Kaiserhafen von der
Bahama-Tochter: "Die Idee ist, den Standort Bremerhaven zu stärken, auch
wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht", versichert der
Werft-Chef. "Denn wir haben mit unseren Plänen Reeder für uns
interessiert, die sonst gar nicht zu uns gekommen wären." Allein in diesem
Jahr, so rechnet er vor, werden in Bremerhaven Aufträge im Wert von 50
Millionen Dollar (95 Millionen DM) abgewickelt, die ohne das Bahamas-Engagement
nicht zustande gekommen wären. Auch die geplanten Investitionen in die Stamm-
werft würden wie geplant vollzogen.
Im Endausbau sollen bei der Lloyd Werft Grand Bahama 475 fest
Beschäftigte arbeiten- ungefähr genauso viele wie jetzt in Bremerhaven.
"Das heißt überhaupt nicht, daß hier die Arbeitsplätze abgebaut
werden", versichert Lüken. Anfang kommenden Jahres wird ein
"Kernteam" von 70 Leuten aus Bremerhaven auf die Bahamas fliegen. Die
Aufbaumannschaft soll dann Schritt für Schritt durch Einheimische ersetzt
werden. Die ersten 30 Schiffbauer will die Lloyd Werft bereits in diesem Jahr in
Bremerhaven schulen.
"Soviel Einheimische wie möglich"
Unser Ziel ist es, eine deutsche Werft mit soviel einheimischem Personal wie
möglich zu betreiben", erklärt Lüken. Als Geschäftsführer beider
Werften wird er künftig zwei Büros haben- und noch mehr reisen, als es sein
Beruf ohnehin mit sich bringt.
NORDSEE-ZEITUNG vom 14. Juni 1999