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"Fliegerfeste" zu
Weihnachten
Siegfried Stegmann hat Chronik über die Lloyd Werft
verfasst- 36 Jahre Arbeit als Kupferschmied
Siegfried Stegmann ist ein Mann, der alles genau wissen will. 36 Jahre lang hat
der Kupferschmied die Höhen und Tiefen des Unternehmens erlebt, über das er
nun eine Chronik verfasst hat. Titel: "Die Lloyd-Werft. Von der Werkstatt
zum großen Reparaturbetrieb".
Der 70-jährige Stegmann hat zu seinem Lieblingsthema alles gesammelt, was er
finden konnte. Der Ruheständler suchte im Stadtarchiv nach alten Zeitungen,
kopierte im Deutschen Schiffahrtsmuseum Geschäftsberichte und nutzte
Ausschnitte aus der NORDSEE-ZEITUNG. Er schrieb Informationen über den ersten
Standort des Reparaturbetriebes des Norddeutschen Lloyds (NDL) an der Westseite
des Neuen Hafens auf (heute: Rogge-Gelände). 1862 entschloss sich der NDL, hier
ein Unternehmen zu errichten. 1938 zog das Unternehmen in den Kaiserhafen um.
Auf seiner elektrischen Schreibmaschine schrieb Stegmann nach seinem Ruhestand
1988 unleserliche Geschäftsberichte ab und zitierte Eintragungen aus dem
Werkstattbuch der Kupferschmiede. In den 20er und 30er Jahren notierte der
Meister: "Johann H. wegen Untauglichkeit entlassen. Johann Ha. entlassen-
säuft. Hermann P., insgesamt 120 Mal zu spät gekommen. Hat 1919 für seinen
Cousin Kontrollmarke angefertigt, damit dieser an seiner Stelle arbeiten konnte.
Entlassen."
Siegfried Stegmann kennt die Höhen und Tiefen des Unternehmens aus eigenem
Erleben. Als er 1951 von Hannover nach Bremerhaven kam, war die Arbeitssuche
kein Problem. "Wir schauen mal bei Lloyd", sagte Stegmanns Onkel. Mit
Erfolg. Am 5. Januar 1952 trat der 21-Jährige zur Frühschicht an- einer
von 2000 Lloyd-Werkern.
12-Stunden-Tage gehörten zur Routine. Nach sechs Wochen Tagschicht folgten drei
Wochen Nachtschicht. "Wenn man Pech hatte, gab es wochenlang keinen freien
Tag", erzählt der 70-Jährige. Bestandteil des Werftlebens waren auch die
so genannten Fliegerfeste. So nannten die Werftangehörigen die Entlassungen
kurz vor Weihnachten. Stegmann: "Wenn die Schiffe über Winter auflagen,
verloren einige bei uns ihren Job. Im Frühjahr kamen sie dann wieder."
Drei Jahre Arbeit
Drei Jahre hat der Ruheständler an seinem 446-Seiten-Werk gearbeitet. Es
ist nicht die erste Chronik, die an seinem Schreibtisch in Debstedt entstand.
Die Geschichte seiner Familie und die Historie einer Schule gehören zu den
Themen, denen der frühere Kupferschmied schon auf den Grund gegangen ist.
Rund 50 Exemplare hat Stegmann von seiner Lloyd-Chronik binden lassen- für
seine Familie und seine Freunde. Eines überreichte er neulich Werftchef Werner
Lüken. Es folgte ein Gespräch unter Lloyd-Patrioten. Lüken widmete sich
danach dem "Aktenstudium". Stegmann kehrte nach Debstedt zurück. Auf
seinem Garagentor leuchtet in ganzer Pracht die Flagge des NDL.
Nordsee-Zeitung vom 12.03.2001