Lloydwerft von 1879 bis 2004
                             von Peter Müller

Die "Lloyd Werft Bremerhaven GmbH" ist keine Seeschiffbau-Werft, sondern eine Reparaturwerft von Anfang an bis heute. Die Herkunft und die Entwicklung der gegenwärtigen Lloyd Werft ist eng mit der bremischen Reederei Norddeutscher Lloyd verbunden. Als diese 1857 ihre Geschäfte aufnahm, wurde zur gleichen Zeit eine kleine Werkstatt in Bremen eröffnet, die 5 Jahre später nach Bremerhaven in den „Neuen Hafen“ verlegt wurde. Als die Lloyd-Flotte immer größer wurde, erwies sich die Werkstatt als viel zu klein. Deshalb wurde 1869 als das Land Bremen den „Neuen Hafen“ vergrößerte auch gleich eine Maschinenwerkstatt mit eigenem Trockendock gebaut und im Dezember 1871 in Betrieb genommen. 

Im Jahre 1872 beschloß Bremen ein drittes Hafenbecken, den „Kaiserhafen“, mit eigener Schleuse zu bauen. Die sogenannte „Kleine Kaiserschleuse“ wurde 1876 fertiggestellt. 
1869 entschloss sich der NDL ein eigenes Trockendock (Doppeldock mit einer Länge von 121m) mit einigen Reparaturwerkstätten an der Westseite des Neuen Hafens zu errichten. Am 18.1.1872 wurde der Dockbetrieb mit dem Docken des Dampfers "Deutschland" eröffnet. Gleichzeitig erfolgte auch die Inbetriebnahme der neu errichteten Werkstätten: das waren die ersten Anfänge des "Technischen Betriebes".

1886 wurden 636 Mitarbeiter im Maschinenbau und 425 im Schiffbau beschäftigt. Durch die konstant ansteigende Zahl von Schiffen und der zunehmenden Größe der Schiffe reichten die Hafenkapazitäten bald nicht mehr aus und Dockungen mußten in
England durchgeführt werden. 
1892 wurde mit dem Bau der Kaiserschleuse auch die Errichtung eines 160 m langen und 25m breiten Trockendocks (Kaiserdock I) für die Schiffe des Norddeutschen Lloyds und der Kriegsmarine beschlossen.


 Lloydwerft Bremerhaven- Schwimmdock
 

Das Trockendock wurde 1899 in Betrieb genommen. Als erstes Schiff dockte "Prinzregent Luitpold" vom 8. bis 12.9.1899.
Mit dem Anwachsen der Lloydflotte und den steigenden Schiffsgrößen genügte das Kaiserdock I nicht mehr den Anforderungen von 1908-1913 wurde Kaiserdock II gebaut. Es hatte eine Länge von 267,90m, eine Einfahrtsbreite von 40,26m und eine Tiefe  von 11,56m bei gewöhnlichem Hochwasser. Als erstes Schiff dockte Dampfer "Neckar" am 31. Mai 1913 ein.

Nach Ausbruch des I. Weltkrieges begann für den Technischen Betrieb eine ernste Zeit. Die Belegschaft war inzwischen auf 2800 Personen angewachsen. Durch Anpassung an die gänzlich veränderten Verhältnisse gelang es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Umbau von Handelsschiffen zu Kriegshilfs-
schiffen, Einrichtung von Lazarettzügen, Reparatur von U-Booten, Kriegs- und Kriegshilfsschiffen waren die Hauptaufgaben, die dem Unternehmen gestellt waren; u.a. wurde auch das Handels-U-Boot "Deutschland" instandgesetzt.
Nach Beendigung des Krieges verlor der Norddeutsche Lloyd durch Ablieferung fast seine gesamte Flotte. Wiederum musste der Betrieb sich umstellen, durch Reparatur von Lokomotiven, Eisenbahnwaggons und ausländischen Schiffen wurde die Beschäftigung der Belegschaft aufrechter-
halten.

Das Kaiserdock II mußte von 1929-1931wegen der Indienststellung der Schnelldampfer "Bremen" und "Europa" auf 335 m verlängert werden.
In der zweiten Hälfte der 30er Jahre zog der Reparaturbetrieb des NDL dann endgültig ganz vom Neuen Hafen zum Kaiserhafen um.
Trotz der schweren Bombenangriffe am 18. April 1944, wo viele Werkstätten ausbrannten, blieb der Technische Betrieb sogar nach 1945 funktionstüchtig. Die gute Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften garantierte eine Vollbeschäftigung von 1200 Mitarbeitern der Werft. Wie bereits 25 Jahre vorher, wurde der Arbeitswille von Hunger regiert und dem Geschäftsführer der Werft Gefängnis angedroht, für den  Fall, dass die Reparaturen verspätet  ausgeführt wurden. Doch die Geschäftsführer der Werft überstanden alle Schwierigkeiten. Der Entschluss, alle Typen und Nationalitäten von Schiffen anzunehmen, war ein entscheidender Faktor zum Aufschwung der Werft bis zum heutigen Tage.

Nachdem 1970 der Norddeutsche Lloyd und die Hamurg-Amerika-Linie fusioniert hatten, wurde 1973 aus dem Technischen Betrieb des NDL die Hapag-Lloyd Werftbetrieb GmbH.
In den Jahren 1974-1978 brachte eine Modernisierung die Gesamtanlage auf den neuesten Stand der Technik. Die 1300m Ausrüstungskai sowie die Kaiserdocks I und II sind mit einer Vielzahl leistungsfähiger Kräne bestückt.
Der 1979/80 termingerecht abgewickelte Umbau der "France" zur "Norway", des größten Passagierschiffes der Welt, brachte der Werft weltweit Anerkennung.
1984 hatte der Betrieb 1300 Beschäftigte und hatte sich auf Schiffsreparaturen und Umbauten aller Art, auf Sektionsbau und Zulieferarbeiten für andere Werften und Containerreparaturen spezialisiert.
1984 fusionierte die Werft mit dem Bremer Vulkan. Ab 1984 gehörte die Lloyd-Werft eine ganze Reihe von Jahren zum Vulkan-Verbund.
1986 wurde die 293m lange und 32m breite "Queen Elisabeth 2", das zweitgrößte Passagierschiff der Welt in 179 Tagen umgebaut.
Ab 4. September 1995 konzentrierte sich die Lloydwerft auf die Endausrüstung der 250m langen und vom Bremer Vulkan kommenden "Costa I", dem größten jemals in Deutschland gebauten Passagierschiff.
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"Costa Victoria" Foto von Uwe Meischen, Zürich

Die "Costa " hat 75.051 BRZ und Platz für 2464 Passagiere. Trotz einiger konkursbedingter Zwangspausen konnte Mitte Februar 1996 die Werftprobefahrt durchgeführt werden. Am 4. Juli 1996 konnte die Costa 1 dann ihre 2. Probefahrt vor Norwegen absolvieren.


"Costa Victoria" Foto: Peter Müller

Parallel dazu lief das Konkursverfahren des Vulkan und damit auch der Lloyd-Werft. Mit ihrer Zustimmung zum Vergleich eröffneten die Gläubiger dem Umbau- und Reparaturspezialisten eine neue Perspektive. Die reduzierte Belegschaft musste erhebliche Einkommenseinbußen hinnehmen. Der Vulkan muss zukünftig mit 400 Mitarbeitern auskommen.
Im September 1996 trennten sich Schichau Seebeckwerft und Lloyd-Werft endgültig vom Bremer Vulkan.

Im November 1997 erhielt die Bremerhavener Lloyd-Werft den bisher größten Einzelauftrag ihrer Geschichte. Für 500 Millionen DM sollte das Unternehmen einen luxuriösen Kreuzfahrer für die Norwegian Cruise Line bauen. Dabei ging es um die Fertigstellung  des Costa II-Rumpfes, der auf der in Konkurs gegangenen Bremer Vulkan-Werft  hergestellt worden ist.
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Im Februar 1998 stieg die Beteiligungsgesellschaft NatWest Equity Partners, die zur Londoner National Westminister Bank-Gruppe gehört,  als Hauptgesellschafter in das Werftunternehmen ein. Damit stand die Lloyd-Werft wieder finanziell auf sicheren Füßen.  

Das Projekt Nummer 108 (Schiffsrumpf der ehemaligen Costa II) wurde ab 7.März 98- August 1999 auf der Lloydwerft zum Kreuzliner "Norwegian Sky" ausgerüstet.
Nach dem Vulkan-Desaster hat sich die Lloydwerft  als Spezialist für Umbau und Reparaturen zum zur Zeit wichtigsten Schiffbaubetrieb in der Region entwickelt. Neben Lohnverzicht der Belegschaft und flexiblen Arbeitszeiten trugen vor allem auch strikte Rationalisierungsmaßnahmen dazu bei. " Im  Zuge der Rationalisierung beschränken wir uns auf die Stamm-Gewerke Maschinen-, Schiff- und Rohrbau sowie Schweißerei", erläuterte Geschäftsführer Werner Lüken. Alle übrigen Arbeiten werden an Handwerksbetriebe als Zulieferer überwiegend aus der Region aber auch auch aus der ganzen Republik und dem europäischen Ausland vergeben. Der Personalbestand hat sich dadurch von rund 1000 zu Vulkan-Zeiten auf jetzt 430 Beschäftigte reduziert.
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Bei der 40-Meter-Verlängerung der NCL-Kreuzfahrtschiffe "Norwegian Wind" und "Norwegian Dream" verteilten sich die Arbeiten zu 65  Prozent auf Fremd- und zu 35 Prozent auf werfteigene Leistungen.
Mitte September 1998 kaufte die Lloydwerft den ehemaligen AG-Weser Schwimmkran "SK 1" und einen Drehkran von der ehemaligen Rickmers-Werft.
Im Januar 1999 begann die Werft mit der 3. Schiffsverlängerung für NCL. Bis zum 1.4.99 wurde die "Norwegian Majesty" um fast 34 Meter auf 207,10 Meter verlängert. Die "Norwegian Majesty" wurde in nur zweieinhalb Monaten auseinandergeschnitten und durch ein knapp 34 Meter langes Mittelstück verlängert worden. Das Schiff verfügt jetzt über 731 Passagierkabinen, 203 mehr als vor dem Umbau.
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Zeitlich parallel dazu und zum Fertigbau der "Norwegian Sky" erfolgte für 40 Mio. DM die Modernisierung der "Birka Prinzess". Haupt- und Hilfsmaschine erhielten eine Abgasreinigungsanlage. Auch die Feuerlöschanlage des Schiffes wurde vollständig erneuert. Neben 75 neuen Kabinen erhielt die "Birka Prinzess" eine neue über zwei Etagen reichende Panorama-Lounge.
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Ende Juni 1999 wurde die alte Rohrbau-Werkstatt auf dem Gelände der Lloydwerft abgerissen. An gleicher Stelle entstand für mehrere Millionen Mark eine neue, größere Halle.
Nach Modernisierungen in den Bereichen Maschinenbau und Schiffbau wirde ins dritte der fünf Gewerke investiert, die die Lloydwerft als Kernbereiche erhalten will.
Das gesamte Investitionsprogramm für die Gewerke belief sich auf knapp 20 Millionen Mark. Als nächstes stand die Modernisierung der Docks auf dem Programm, auch mit Blick auf zu erwartende Umweltschutzauflagen.
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Von März 1998 bis August 1999 wurde von der Lloydwerft Bremerhaven für die Norwegian Cruise Line (NCL) der Kreuzliner "Norwegian Sky" fertiggestellt. Das Schiff entstand aus dem Rumpf der ursprünglichne Costa II.
Auch äußerlich unterscheidet sich der Liner ganz bewußt von der "Costa Victoria". Äußerlich wurden die Heckpartie sowie der Schornstein verändert und die Brücke ein Deck tiefer gelegt.
Bei 258,57/233m Länge, 32,25m Breite bzw. 35,45m bei den Balkonen, 45 m Seitehöhe bis zum 14. Deck und 8 m Tiefgang kommt die "Norwegian Sky" auf 77100 BRZ und trägt 7100t. Der Kreuzliner verfügt über drei Restaurants und ein 1000 Personen-Theater. Die Besatzung umfaßt 814 Personen.
Auf den neun oberen Decks liegt das Gros der 1001 Fahrgastkabinen, alle sind vollklimatisiert. 243 Kabinen verfügen über Balkone. Es gibt 14 Suiten und vier Hospitäler.


"Norwegian Sky" in Bremerhaven

Am 31. Juli 1999 verabschiedete die Stadt Bremerhaven anläßlich der Bremerhavener Festwoche das schöne Schiff an einem Sonnabendabend um 23 Uhr mit einem Höhenfeuerwerk. Hell erleuchtet und beeindruckend lag die "Norwegian Sky" auf der Reede Blexen während die bunten Raketen in den Himmel stiegen. Mit einem tiefen Brummen der Hupe verabschiedete sich der Kreuzliner für immer von Bremerhaven. Einige Tage später verließ er von der Columbuskaje die Weser Richtung Großbritannien zur Taufe.
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Ende August 1999 traf die gerade vorher verlängerte Norwegian Dream noch einmal notgedrungen in Bremerhaven zur  Reparatur ein. Im Kanal bohrte sich das Schiff in die Backboardsseite eines Containerfrachters. Vom kühn ausragenden Vordersteven des Kreuzliners ist nichts mehr übrig geblieben.


"Norwegian Dream" im Lloyddock 9/1999 Foto: P.Müller
 

Anfang September 1999 hat die Lloydwerft auf den Bahamas eine Tochtergesellschaft gegründet. Die Lloyd Werft Grand Bahamas Ltd soll vor allem Kreuzfahrtschiffe und Containerschiffe reparieren. Auf der Insel Grand Bahama im Hafen von Freeport wird die Filiale mit zwei Schwimmdocks, einer Pier für zwei Liegeplätze, Werkstätten und Lagerhallen entstehen.
Das erste gebraucht gekaufte Schwimmdock ist auf den Grand Bahamas. Das zweite, größere Dock wird zur Zeit in China gebaut für ca. 66 Millionen gebaut und bietet Platz für die größten, bisher geplanten Kreuzfahrtschiffe. Es hat eine Hebefähigkeit von 80 000 Tonnen.

Ebenfalls im September 1999 feierte das Kaiserdock I sein hundertjähriges Bestehen. Fast genau solange hat es samt Maschinenhaus weitgehend im Originalzustand funktioniert. Nun wurde das Innenleben mit den alten Dampfmaschinen verschrottet und neue, zeitgemäße Technik installiert.

Im September 1999 konnte die Lloydwerft den Neubauauftrag "Projekt Sun" von der Norwegian Cruise Line (NCL) für die "Norwegian Sun" im Wert von 650 Millionen Mark an Land ziehen. Dieser Auftrag verschafft der Werft eine Grundauslastung bis zum 31. August 2001. Bei der Werft Aker MTW in Wismar wurde der Rumpf in Auftrag gegeben. Die MTW-Werft wird nicht den kompletten Rumpf bauen. Die Wismarer Schiffbauer schweißen den Stahl nur bis zum sechsten Deck zusammen. alle weiteren Aufbauten vergab die Lloyd Werft an andere Firmen, die die Sektionen nach Wismar liefern, wo sie dann aufs Schiff montiert werden. Der Rumpf wird im September 2000 nach Bremerhaven geschleppt. Den Löwenanteil der Arbeiten an den Aufbauten sicherte sich die Flender Werft AG in Lübeck. Sie wird 13 Sektionen bauen, die per Ponton ins nah gelegene Wismar verholt werden. Der Rumpf wird etwa 45 Millionen Mark kosten.


"Norwegian sun" Foto: Peter Müller, 11/2000

Im November 1999 modernisierte die Lloydwerft drei Kreuzfahrtschiffe nämlich die "Queen Elisabeth 2", die "Royal Viking Sun" und die "Vistafjord" für die Cunard-Line. Als erstes Cunard-Schiff wurde die "Royal Viking Sun" grundlegend überholt, d.h.: neue Teppiche, Gardinen und Möbel für die Gesellschaftsräume und Kabinen. 

Auf einer Veranstaltung des "Europäischen Aktionstag für den Schiffbau" im November 1999 in Bremerhaven erklärte Lüken von der Lloydwerft, daß jetzt das Preisdumping der Koreaner sogar eine Gefahr für den Kreuzfahrtschiffbau sei. Alleine die südkoreanische Daewoo-Werft könne in ihren neun Docks jährlich zur Zeit mehr Schiffe bauen als alle 40 deutschen Werften zusammen. Begünstigt durch IWF-Kredite in Höhe von 40 Mrd. Mark könnten die koreanischen Werften Schiffe praktisch zu Materialpreisen anbieten.

Am 13. November 1999 lief die "Queen Elisabeth II" in die Nordschleuse ein um für rund 18 Millionen Dollar bei der Lloydwerft Bremerhaven eine Schönheitskur zu bekommen. Dafür wurden feinste englische Teppiche in den Gängen und Treppenhäusern verlegt, einige Suiten mit neuen Marmorbädern ausgestattet und die meisten Standardkabinen komplett überarbeitet. Das Caronia-Restaurant auf dem Quarterdeck und der Queens Room- Ort der nachmittäglichen Tea Time- erhielten völlig neue Wände, Böden, Decken und Möbel. Sie wurden von der englischen Herstellerfirma vorgefertigt und kamen als großes Puzzlespiel nach Bremerhaven.
Auch äußerlich wurde die "QE 2" aufgefrischt. Der bläulich-schwarze Anstrich wich einem dunkleren Anthrazit, nämlich dem klassischen Cunard-Schwarz. 
Rund sechs Millionen Dollar steckte Cunard in den Imagewandel der "Vistafjord". Aus dem Club Viking wurde der Piccadilly Club, aus der  Nordkap-Bar ein englischer Pub- die White Star Bar. Das Tivoli-Restaurant darf seinen Namen behalten, bekommt  aber neue Sitzplätze im Freien- nicht sehr typisch für das verregnete Britannien, aber ein gutes Verkaufsargument bei Karibiktörns. Kabinen, Suiten, Gänge, Flure, Treppenhäuser werden überarbeitet- mit Tausenden von Quadratmetern neuer Teppiche, Stoffe und Wandverkleidungen. Am 10. Dezember 1999 wurde die "Vistafjord" in Liverpool in "Caronia" umgetauft.

Ende Mai 2000 ging der geschäftsführende Gesellschafter Dieter Haake in den Ruhestand. Haake leitete 1979 den Umbau der "France" in die "Norway" und wurde danach zum Geschäftsführer befördert.

Anfang Juni 2000 wurden beim britischen Kreuzfahrtschiff "Caronia" mehr wasserdichte Türen eingebaut, um das Schiff für den Fall einer Kollision länger schwimmfähig zu halten. Die "Caronia" ist das erste Schiff, das vollkommen ohne einen Anstrich aus Farben, die das giftige Tributylzinn (TBT) enthalten, über die Weltmeere fahren wird.

Im Juli 2000 rückte für den in Rente gegangen Dieter Haake, der bisherige Leiter der Projektabteilung, Rüdiger Pallentin, in die Geschäftsführung auf. Damit bestand die Geschäftsleitung nun aus Werner Lüken (Akquisition,Vertrieb), Hans Jürgen Schmaus (Finanzen) und Rüdiger Pallentin (Produktion).

Im August 2000 wurde auf der Lloydwerft umgebaut: Das Unternehmen ließ das frühere Durchgangslager abreißen, um Platz für Lagerflächen zu schaffen. Die Investition kostete rund 500.000 Mark. Das Haus ganz in der Nähe des Zentralgebäudes stammte aus den frühen Jahren der Werft. In dem Gebäude waren unter anderem die Tischlerei und die Zimmerei untergebracht. Die Werft wollte mit den freigewordenen Stellflächen Lagerkapazitäten für spätere Aufträge schaffen.

Am 23. September 2000 machte sich ein 258 Meter langer und 34,5 Meter breiter Koloss auf den Weg von der Aker MTW Werft in Wismar zur Lloydwerft nach Bremerhaven. Es handelte sich um den Rumpf der künftigen "Norwegian Sun". Zwölf Stunden dauerte die Schleppfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal, in dem der Wasserstand für den Schleppzug um 20 Zentimeter abgesenkt wurde. Weil die Brücken des Nord-Ostsee-Kanals nur eine Durchfahrt von 40m Höhe zulassen, die "Norwegian Sun" ist aber schon ohne Schornstein und Radar einen Meter höher.
Zum gleichen Zeitpunkt erhielt die Werft den Auftrag für Bau zweier Mega-Kreuzliner im Wert von 1,64 Milliarden Mark.



Im November 2000 verkaufte die Lloydwerft ihre Anteile an der Lloyd Werft Grand Bahama an die größte englische Reparatur- und Umbauwerft Cammell.

Anfang Dezember 2000 wurde die "Europa" nach einem Jahr Fahrt einer Renovierung in der Lloydwerft unterzogen. Die Reederei nutzte die zehntägige Werftzeit  auch für Verschönerungen in den beiden je 60 Quadratmeter großen Grand Suiten auf dem Penthouse. Die "Europa" erhielt einen größeren Wellness-Bereich, Entspannungsnebel, Blütenbäder und asiatische Öle sollen künftig für noch mehr Wohlbefinden sorgen.

Nach der Verkauf ihres Tochter-Unternehmens auf den Bahamas wollte die Lloyd Werft nun künftig wieder verstärkt eine "fliegende Truppe" um die Welt schicken, um den Schiffen die Reise nach Bremerhaven zu ersparen. Seit Jahresbeginn arbeiteten 69 Lloyd-Werker auf der "Norwegian Wind" in Freeport. Das Schiff lag auf den Bahamas in dem Dock, das die Lloyd Werft im vergangenen Jahr noch für eigene Zwecke in die Karibik geholt und verlängert hatte. Nun wurde das Dock gemietet.  

Im Mai 2001 begann die Lloydwerft mit den Umbauarbeiten an der England-
Fähre "Norsun". Für knapp 25 Millionen Mark ließ die Reederei P&O North Sea Ferries das Schiff für seinen Einsatz auf der Route Zeebrügge-Hull vorbereiten.
Im Juni 2001 kündigte die Lloydwerft an, sie wolle 30 Millionen Mark in die Modernisierung der Werft investieren. Das Stammkapital werde von 31 auf 48,9 Millionen Mark erhöht.
Ende August 2001 erhielt die Lloyd Werft auf der "Norwegian Sun" den Preis "Beste Werft 2001" von einem britischen Institut. Sie wurde als beste Neubau-, Umbau- und Reparaturwerft ausgezeichnet. Zum gleichen Zeitpunkt, nämlich am 31. August 2001 übergab die Werft nach einer Bauzeit von 22 Monaten das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Sun" an die us-amerikanische Reederei NCL.
Am 28. Oktober 2001 traf die "Norway", die "Grande Dame der Oceane" auf der Lloyd Werft zu Wartungs- und Reparaturarbeiten ein. Etwa zwei Wochen später traf das wohl bekannteste Kreuzfahrtschiff der Welt die "Queen Elisabeth II" auf der Lloyd Werft ein. Beide Schiffe gelten als letzte Zeugen der Epoche eleganter Passagierschiffe.
Im Dezember 2001 lag das Containerschiff "Alianca Brasil" der Reederei Hamburg-Süd im Dock. Es war Haare schneiden und Rasieren angesagt: das Entfernen von Algen, Seepocken und anderem Bewuchs vom Unterschiff.

Im Januar 2002 traf die Mittelmeerfähre "Superfast V" ein. Innerhalb von zwei einhalb Monaten erhielt sie ein neues Getriebe eingebaut.


Superfast V

Im Februar 2002 begann auf der Werft der Umbau der "May Oldendorff" zum Organgensaft-Bulker "Orange Sky". Das Schiff erhielt insgesamt 15 Tanks: 16 Meter hoch, 10,50 Meter im Durchmesser und gut 85 Tonnen schwer. 


"Orange Sky" 

Im gleichen Monat wurde die "Al Salamah", die Yacht des saudischen Königshauses gewartet, und von Mitarbeitern der Lürssen-Werft mit einem neuen schneeweißen Anstrich versehen.


"Al Salamah"

Im April 2002 lag die Mittelmeer-Fähre "Paglia Orba" zu Wartungsarbeiten in der Lloyd Werft. Außerdem wurden zusätzliche Kabinen eingebaut.


"Paglia Orba"

Zu Überholungsarbeiten befand sich die "Norwegian Dream" im Mai 2002 auf der Werft.


Norwegian Dream, Foto: Peter Müller 5/02

Umgebaut wurde die "Crown Prinzess" zur "Arosa Blu" in vier Wochen im Mai 2002. Der 1600-Betten-Kreuzliner wurde für 30 Mio. Euro umgebaut- er erhielt das weltgrößte Wellness-Center auf einem Schiff. Etwa zur gleichen Zeit ließ die französische Fähr-Reederei La Meridionale an Bord der "Kalliste" installieren.



"Arosa Blu" im Dock der Lloydwerft, Foto: Peter Müller 5/02

Im Oktober 2002 beendete die Lloyd Werft den Umbau der "Orange Sky", der von einem Massengutfrachter für Getreide und Futtermittel zu einem riesigen Kühlschrank für Orangensaft umgebaut wurde. Ein Auftrag für rund 20 Mio. Euro. Seit September 2001 wurde in die ehemalige "May Oldendorf" 15 riesige Tanks aus Edelstahl gebaut. Der neue Name lautet: Orange Sky. In die Tanks der "Orange Sky" passen 11000 Tonnen Konzentrat. Orangenkonzentrat wird in Brasilien hergestellt. Dort liegt das größte Orangenanbaugebiet der Erde.
Anfang Oktober 2002 wurde nach der Ro-Pax-Fähre "Midnight Merchant" auch das Schwesterschiff "Northern Merchant" zu zweiwöchigen Reparatur- und Überholungsarbeiten bei der Lloyd Werft gedockt.
Am 13. November 2002 meldete die Regionalpresse das Eintreffen eines Spezialschiffes mit Sektionen und Containern. Die Vorboten gehörten zu einem Großauftrag aus den USA. Die Teile gehörten zu einem Schiffsrumpf, der zu einem Luxusliner ausgebaut wurde.
Ab Dezember 2002 wurde das Frachtschiff "European Pathway" der Reederei P&O zu einer luxuriösen Passagierfähre umgebaut. Statt 200 können zukünftig 2000 Passagiere transportiert werden.
Mitte Dezember 2002 wurde der Rumpf des "Projekt America" im Kaiserdock aufgenommen. Bis Deck vier war jede Luke zugeschweißt worden, um sicher über den großen Teich  zu kommen. Mitte März 2003 liefen die Arbeiten am "Projekt America" dann endlich an, nachdem der Vertrag unterschrieben worden war. Zu dem Auftrag gehörte auch die Verlängerung des 256 Meter langen Rumpfes um 25 Meter. Dadurch wurde der Einbau eines zusätzlichen Generators möglich, so dass das Schiff eine Geschwindigkeit von 22 Knoten.
Im April 2003 wurde in drei Wochen aus dem traditionellen Kreuzliner "Arcadia" der schwimmende Urlaubsclub "Ocean Village". P&O will das Konzept ihrer deutschen Aida-Töchter auf den britischen Markt übertragen. Hoch oben über dem Meer auf Deck elf entstand ein Fitnessstudio mit Panoramascheiben.

Lüken & Co kaufen Engländern Werft ab
Die Nordsee-Zeitung schrieb Ende März 2003: "Lloyd-Geschäftsführer übernehmen Beteiligung von Kapitalgesellschaft. Die britische Kapitalgesellschaft Bridgepoint hat ihre Anteile an der Lloyd Werft verkauft. Käufer ist die Holding LPS, deren drei Buchstaben sich aus den Buchstaben der Werft-Geschäftsführer ableiten: Werner Lüken, Rüdiger Pallentin und Hans-Jochen Schmaus wollen die Werft fit halten für die nächsten Jahrzehnte. Dass die Lloyd Werft verkauft werden sollte, stand für die englische Risikogesellschaft schon fest, als sie nach dem Konkurs des Vulkan-Verbundes 1996 70 Prozent des Unternehmens übernahm. Die restlichen 30 Prozent gingen an die Werft- Geschäftsführer Werner Lüken und Dieter Haake.
10,7 Millionen Euro investierten die Briten damals, und für diese Kapitalanlage sei eine "gesunde Rendendite" erzielt worden, teilte Bridgepoint gestern mit. Die Werft konnte den Engländern in nur fünf Jahren das Gesellschaftsdarlehen gut verzinst zurückzahlen, die Gewinne auch noch in die Modernisierung der Werft stecken und das Eigenkapital um mehr als neun Millionen Euro erhöhen.
"Nur einen Käufer fanden die Briten nicht", sagt Werner Lüken. "Mehrere Bewerber haben sich vorgestellt" - und seien entweder interessiert gewesen, den weltweit guten Namen der Werft zu übernehmen, sich das Know-how anzueignen oder die Werft zu schließen. "Aber wir wollen investieren", sagt Lüken über LPS. Und dadurch, dass das Werft-Management nun die Geschicke des Unternehmens selber bestimmen könne, seien die Arbeitsplätze der 540 Beschäftigten sicherer geworden. Das Schicksal der Werft werde nicht mehr von einer ausländischen Kapitalgesellschaft bestimmt.
Was LPS für die Werft bezahlt hat, darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt Lüken. Der Betrag soll im zweistelligen Millionenbereich liegen. Ein Jahr lang haben die Manager an der Übernahme des Unternehmens gearbeitet. Finanziert wird sie von mehreren deutschen Banken.  Für ihn, so Lüken, sei das nicht nur ein Bekenntnis zum Schiffbau. Bei den Verhandlungen habe auch das gute internationale Renommee der Werft eine Rolle gespielt. "Die Banken haben honoriert, was wir in den vergangenen Jahren geleistet haben."
Für 18 Millionen Euro wechselte die Werft den Besitzer. Über die Bremer Aufbaubank (10 Mio.), die Kreditanstalt für den Wiederaufbau (6 Mio.) und die Städtische Sparkasse Bremerhaven (2 Mio.) wurde der Kaufpreis finanziert. Während seines Besuches auf der Lloyd Werft brachte Wirtschaftssenator Hattig auch die erste Rate in Höhe von 6,7 Millionen Euro als Schiffbauhilfe für das "Projekt America" mit. 

Pride of America
Am 29. Mai 2003 schrieb die regionale Nordsee-Zeitung: "Amerikas Stolz liegt im Dock. Neubau der Lloyd Werft soll "Pride of America" heißen- "Norwegian Sky" wird umgebaut.
Die US-Kreuzfahrtreederei NCL hisst das Sternenbanner. "Pride of America"- so wird das Schiff heißen, das zurzeit auf der Lloyd Werft entsteht. Den Stolz Amerikas soll das Schiff vom Namen am Bug bis zur Flagge am Heck verkörpern- eine patriotische Trutzburg für verunsicherte Urlauber.
Die weltweiten Terroranschläge haben die amerikanischen Touristen verschreckt. Mit einem Überschwang an heimatlichen Gefühlen will NCL dieser Angst entgegenwirken. "Als erstes neu gebautes Passagierschiff unter US-Flagge seit fast 50 Jahren soll die "Pride of America" die vielen verschiedenen Teile des Landes widerspiegeln", beschreibt NCL-Chef Colin Veitch das Konzept seiner Reederei. "Die Passagiere werden die spezielle Atmosphäre der Vereinigten Staaten erfahren."
Schon beim Betreten der "Pride of America" sollen die Passagiere die Macht der Nation zu spüren bekommen: Das Capitol Atrium wird mit seinem dekorativen Steinfußboden und einer riesigen Kuppel an das Capitol- den Sitz des Weißen Haus erinnern.

Liberty Restaurant
Auch die Restaurants, Clubs und Bars des Schiffes tragen patriotische Namen: Liberty Restaurant, Lone Star Steak House, Jefferson`s Bistro, Cadillac Diner, Gold Rush Pub. Die Bücherei heißt Washington Library, das Theater (mit 872 Sitzplätzen) natürlich Hollywood Theater. Auch die Architektur ist hausgemacht: Vom Kolonialstil der Gründerväter bis zu modernen Wolkenkratzern reicht die Stilpalette der Designer.
Im Juli 2004 soll die "Pride of America" ihre Sieben-Tage-Kreuzfahrten rund um die amerikanischen Hawai-Inseln aufnehmen. Auch die Crew wird dann ausschließlich aus US-Offizieren und Seeleuten bestehen."

Im Juli 2003 wurde die "Pride of America" auseinandergeschnitten und um 25 Meter verlängert. Erfahrungen hat die Lloyd Werft darin reichlich. Den Unterschied zu den bisherigen Verlängerungen beschrieb das "Sonntagsjournal in einem Artikel vom 20. Juli 2003:
"Während die drei Kreuzliner schwimmend ihre neuen Sektionen erhielten, soll die "Pride of America" komplett im Trockendock verlängert werden. Eine nicht ganz risikofreie Aufgabe, sagt Projektleiter Rüdiger Pallentin: "Wir müssen laufend die Stabilität des Schwimmdocks überprüfen. Dafür installieren wir die Messvorrichtungen, die angeben, ob das Schwimmdock noch horizontal liegt. Es ist spannend."
Während der Rohbau jetzt an der Ausrüstungskaje liegt, werden im Trockendock unzählige kleine Hydraulik-Schlitten auf dem Boden montiert. Auf ihnen liegt das Schiff, wenn es wieder eingedockt worden ist. Dann werden die Hydraulik-Stempel den Rumpf unmerklich anheben und durch Vorwärtsbewegung zentimeterweise auseinanderziehen. Zuvor leisten die Schiffbauer eine unglaubliche Präzisionsarbeit: Sie zerschneiden das gesamte Schiff in zwei Teile.

25 Meter lange Sektion
Damit die Schneideaktion erfolgreich ist, sind etwa 300 Lloydwerker im Einsatz. Bis die beiden Schiffshälften 30 Meter auseinandergezogen worden sind, wird es etwa eine Woche dauern. Dann werden die vorgefertigten Bauteile des neuen Mittelstücks mit einem Schwimmkran ins Dock gehoben. Zwei Monate später soll die 25 Meter lange Sektion komplett montiert sein, und es wird noch einmal spannend, sagt Pallentin mit einem Augenzwinkern: 
"Am Ende werden alle drei Teile wieder mittels Hydraulik zusammengezogen. Sie werden in Längs- und in Querrichtung sowie in der Höhe mit einem Laser ausgerichtet, damit alles wieder im rechten Winkel ist. Sonst fährt das Schiff nachher noch im Kreis."

Die "Pride of America" muss im Trockendock verlängert werden, weil beide Schiffsteile für sich nach dem Auseinanderschneiden nicht mehr schwimmfähig sind. Den genauen Vorgang des Einbaus der Sektion beschreibt die NZ wie folgt: "Deshalb werde das 150 Meter lange Vorschiff im Dock um  26 Meter nach vorne gedrückt. Am 6. August soll mit der 350 Tonnen schweren Doppelbodensektion der größte Brocken des chirurgischen Eingriffs eingesetzt werden. Der Doppelboden liegt bei der SSW-Werft auf dem Helgen, im Dock daneben steht Sektion an Sektion. 16 Mal werden Schwimmkräne bis Mitte September zwischen den beiden Werften hin und her fahren. Sektion für Sektion zwischen die beiden Schiffshälften setzen.
Minutiös sind die einzelnen Schritte geplant. Die Schiffshälften sollen am 20. September wieder zurück an die eingebauten Sektionen gezogen und verschweißt werden- Präzisionsarbeit mit Lasertechnik. Präzision wird auch von Dockmeister Uwe Adickes verlangt. Er muss dafür sorgen, dass das Schwimmdock permanent horizontal ausgerichtet bleibt- und das bei sich ständig ändernden Gewichten, je nach Baufortschritt." 


Foto: Peter Müller 04.08.2003


Foto: Peter Müller 04.08.2003

Schlittenfahrt für den rostbraunen Riesen
Lastro Heavy Lift zieht "Pride of America" auf der Lloyd Werft auseinander

Die "Pride of America" auf der Lloyd Werft knackte und knarrte. Der Spalt zwischen Vor- und Hinterschiff vergrößerte sich Zentimeter für Zentimeter. Montageleiter Kai Heuer und seine Crew von Lastro Haevy Lift atmeten zum ersten Mal an diesem Sonnabend auf: "Wir können es bewegen."
Es- das war der 11.000 Tonnen schwere vordere Teil der "Pride of America". Ihn sollten die Spezialisten aus Düsseldorf rund 26 Meter nach vorne ziehen. Dafür hatten die Werftarbeiter den "Rohling" in tagelanger Arbeit durchtrennt. Denn die Norwegian Cruise Line (NCL) läßt den künftigen Kreuzliner in Bremerhaven um rund 24 auf 281 Meter verlängern. Sie will mehr Passagiere um die Hawaii-Inseln schippern- bis zu 3200. Die Reederei hatte den halbfertigen Rumpf übernommen.
"Es ist das erste Mal weltweit, dass so ein großes Schiff- das sind ja 16000 Tonnen- in einem Schwimmdock durchtrennt und verlängert wird", beschrieb Hans Schulz, Projektleiter bei der Lloyd Werft, die Besonderheit dieses Auftrags. Bisher wurde das Hinterschiff ausgeschwommen und ein komplettes Verlängerungsteil eingebracht. "Doch der Auftrag kam so spät, dass wir dafür kein Subunternehmen mehr finden konnten."
SSW fertigt nun mehrere Sektionen an; am Mittwoch wird die erste per Schwimmkran geliefert.
Und selbst wenn die Lloyd Werft fündig geworden wäre: Mit der Verlängerung wird gleich der Maschinenraum der "Pride of America" erweitert und die Maschinenleistung erhöht. Deshalb brannten die Werftarbeiter direkt vor dem Maschinenraum des "alten Schiffes" ihren Spalt. Schulz: "Das Hinterschiff ist so nicht schwimmfähig."
Durch den Arbeitsplatz im Schwimmdock mussten auch die Lastro-Leute in neuen Dimensionen denken. Fast ein Jahr lang wurde gerechnet, geplant, geprüft, dann gepackt. "Die anderen Schiffe vorher waren nicht ganz so groß und schwer", erzählt Heuer. 400 Tonnen Material brachten die Düsseldorfer ins Schwimmdock, dazu Steuerstand und Antriebsaggregat. Eine Kette mit 36 Schlitten platzierten sie mitten unter das über 150 Meter lange Vorschiff, mit 8 Hydraulikzylindern, dazu rechts und links "Schlittschuhe" als Stützen. Gegen 7.30 Uhr meldete Heuer über Funk: "Wir machen jetzt den ersten Step." Meter um Meter wurde das Vorschiff mit bis zu 640 Tonnen vorgeschoben. Stets huschten die Männer in roten Arbeitsanzügen zur Kontrolle an der Schlittenbahn hin und her.
Während der "Verschlittung" sorgten Dockmeister Uwe Adickes und sein Team dafür, dass bei den sich verschiebenden Gewichten das Schwimmdock in der Waage blieb. 2000 Tonnen Wasser mussten sie pumpen. Erster großer Einsatz für die neue Durchbiegungsmesseinheit am Schwimmdock.
Nach fünf Stunden ging die Schlittenfahrt für den rostbraunen Riesen zu Ende. Erleichterung bei den 25 Beteiligten, Gratulation, Hände schütteln. "Ausgezeichnet", bedankte sich Projektleiter Schulz bei Heuer. Der gönnte sich erst mal eine Tasse Kaffee.

Nordsee-Zeitung vom 04.08.2003


Nordsee-Zeitung vom 19. Juli 2003:
"Norway" kommt zum Lloyd
Entscheidung über Reparatur nach Kessel-Explosion noch offen

Die Lloydwerft erwartet die "Norway". Am kommenden Donnerstag soll der Luxusliner um 7 Uhr vor der Nordschleuse liegen. Die Entscheidung darüber, ob das bei einer Kessel-Explosion schwer angeschlagene Schiff repariert oder umgebaut wird, sei aber noch nicht gefallen, sagt Werftchef Werner Lüken.

Der Werft sei von der Norwegischen Cruise Line (NCL) mitgeteilt worden, dass die "Norway" am 24. Juli um 7 Uhr Bremerhaven erreichen werde, sagt Lüken. "Danach werden wir das Schiff besichtigen." Nach dem Unglück Ende Mai im Hafen von Miami, bei dem acht Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, hatte Lüken sich bereits ein Bild vom Ausmaß des enormen Schadens gemacht.
Ende Juni machte sich von Florida aus ein Schleppzug auf den Weg nach Europa- Fahrtziel offen. Erst am Donnerstag ging bei der Werft die Mitteilung über die bevorstehende Ankunft ein. NCL soll sich die Entscheidung noch offen gelassen, das Schiff zu reparieren oder auf dieselelektrischen Antrieb umzurüsten. Eine letzte Konsequenz könnte aber auch lauten, die "Norway" zu verschrotten.
Mit ihrem Stammkunden NCL hat die Lloyd Werft am Donnerstag auch über die legendäre "United States" gesprochen, die in diesem Frühjahr von der Reederei  gekauft wurde. Ostern fanden auf der Werft bereits Gespräche über einen möglichen Umbau statt. "NCL hat uns jetzt gesagt, dass das Projekt für die Reederei gekauft wurde. Ostern fanden auf der Werft bereits Gespräche über einen möglichen Umbau statt. "NCL hat uns jetzt gesagt, dass das Projekt für die Reederei noch immer interessant ist."
Aus seiner Erfahrung, sagte Lüken, solle aber erst der Ausbau der "Pride of Amerika" beendet werden. Die Lloyd Werft will den Kreuzliner offiziell zum Jahresende abliefern. In Bremerhaven bleiben wird das Schiff aber  bis ins Frühjahr hinein. NCL will die "Pride of America" vom Sommer 2004 an von Hawai aus einsetzen. Heute früh ab 8 Uhr soll der Rohbau das Schwimmdock der Werft verlassen. Etwa eine Woche lang muss das Dock für die anstehende Verlängerung des Schiffs um 25 Meter umgerüstet werden.

 
"Norway" liegt an Bananenkaje auf
NCL: Kessellieferung kann ein Jahr dauern- Verhandlungen laufen noch

Gesucht wird ein Kessel. Die Norwegian Cruise Line hat sich offenbar entschlossen, die nach einer Explosion schwer beschädigte "Norway" reparieren zu lassen. Weil die Auslieferung eines neuen  Kessels bis zu einem Jahr dauern kann, wurde der traditionsreiche Kreuzliner gestern an der alten Bananenkaje aufgelegt.

Frühestens im Frühjahr 2004, teilte NCL gestern mit, werde die "Norway" ihre Karibik-
Kreuzfahrten wieder aufnehmen.  Die Reederei hat von mehreren Werften Angebote erhalten, das 42 Jahre alte Schiff zu reparieren. Alle Werften seien in der Lage, die Arbeiten am Schiff, wie ursprünglich vorgesehen, bis Anfang Oktober zu erledigen. Das Problem seien die Lieferzeiten für einen neuen Kessel. Zwischen sieben und zwölf Monaten bräuchten die Zulieferer für den Bau, "viel länger als wir dachten", sagte eine NCL-Sprecherin.
Die Verhandlungen, welche Werft das längste Kreuzfahrtschiff der Welt reparieren soll, seien noch nicht abgeschlossen. Deshalb werde die "Norway" aufgelegt. Das Schiff ist Ende Mai bei einer Explosion im Kesselraum schwer beschädigt worden. Acht Crewmitglieder starben bei dem Unglück im Hafen von Miami.
Die Lloyd Werft gibt über die Verhandlungen keine Auskunft. Dem Vernehmen nach sollen die Arbeiten ein Volumen von 20 Millionen Euro haben. NCL lasse sich aber auch die Option offen, die "Norway" auf dieselelektrischen Antrieb umzurüsten oder zum reinen Hotelschiff zu machen.

Abschied von Asien-Plänen
Zuletzt war das traditionsreiche Schiff- die frühere "France"- im Herbst 2001 in Bremerhaven. Damals erhielt die "Norway" eine Grundüberholung, obwohl die Werft Monate vorher noch ein größeres Umbauangebot abgegeben hatte. Die asiatische NCL- Mutter Star Cruise wollte die "Norway" in Fernost als schwimmendes Casino einsetzen und dafür Restaurants umgestalten lassen. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der anschließende militärische Gegenschlag verhinderten das Vorhaben, als die für mehr als 2000 Passagiere ausgelegte "Norway" schon auf ihrer Abschiedstournee war. Der Liner blieb für Wochentörns in der Karibik. Rund vier Wochen nach dem Unfall im Kesselraum wiesen die Hafenbehörden von Miami NCL an, die Kaje zu räumen. Zudem sollen bei der Reederei Schadensersatzforderungen in Höhe von 50 Millionen Dollar eingegangen sein. Ende Juni verließ die "Norway" die amerikanischen Hoheitsgewässer.
Als das Schiff gestern kurz nach 10.30 Uhr an die alte Bananenkaje gelegt wurde, stand der Werkschutz der Lloyd Werft schon parat. Wachmänner sorgen dafür, dass niemand das Unglücksschiff betritt. Für die Überfahrt nach Bremerhaven sind etwa 80 der 1000 Crewmitglieder an Bord geblieben.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 25. Juli 2003


Pride of America
Bereits am 6. August 2003 wurde die erste Doppelboden-Sektion von SSW abgesetzt: mehr als 32 Meter breit und 12 Meter lang. Acht Blöcke wurden insgesamt bis zum 12. Deck hoch montiert. Drei Tage nach der letzten Montage wurde das Schiff am 20. September wieder zusammengezogen. 25 Meter breit war das Loch, das zwischen den beiden Hälften des Kreuzfahrtschiff-Neubaus "Pride of America" klaffte. Gegen Ende August wurden die beiden zusätzlichen Dieselmotoren eingebaut.
An einem Sonnabendmorgen wurden dann Vor- und Achterschiff wieder zusammengezogen. 11000 Tonnen Stahl gingen dann auf eine kurze, gut 50 Zentimeter lange Schlittenfahrt, um diese Lücke zu schließen. Die Nordsee-Zeitung schrieb: " Sonnabendmorgen rückten die Spezialisten der Düsseldorfer Firma Lastro Heavy Lift wieder an, um die Teile wieder zusammenzuführen. 500 Tonnen Material bauten sie ins Schwimmdock- Ketten, Pumpen, Hydraulikzylinder, fünf Kilometer Schläuche.
Auf drei Schlitten glitt das 11000 Tonnen schwere Vorschiff zurück. Bis nur noch eine Lücke von der Breite einer Hand blieb. "Wir haben 15 Millimeter Zugabe gebaut", sagte Jürgen Müller, Leiter des Stahlbaus bei SSW. Für eine saubere Verbindungsnaht werden sie bis morgen abgebrannt, dann setzt sich der Koloss noch einmal für wenige Zentimeter in Bewegung. "Dann schweißen wir die Teile wasserdicht zusammen", sagt Müller.
Hans Schulz, Projektleiter der Lloyd Werft, ist zufrieden: Die Verlängerung der "Pride of America" ist die erste dieser Größe weltweit in einem Schwimmdock. Deshalb  hat die Fachwelt der Schiffbauer wieder einmal nach Bremerhaven geschaut."
Anfang November 2003 war die Dockzeit für die "Pride of America" vorbei. Der Riese wurde an die Reparaturkaje verlegt. Noch am 22.11.2003 schrieb die Nordsee-Zeitung, dass nun bereits der erste von sechs Dieseln wummert. Für den 20. März wurde die Probefahrt angekündigt.

 
Das Wasser kam durch die Luken der "Pride of America"
Ursache für Unglück auf Lloyd Werft rätselhaft- Arbeiten am Schiff gehen erst nach Bergung weiter
Bremerhaven. Der Kreuzfahrtschiff- Neubau "Pride of America" ist in der Nacht zu Mittwoch an der Ausrüstungskaje der Bremerhavener Lloyd Werft gesunken. Während eines Sturmes war  Wasser durch mehrere Kabelluken in das Schiff eingedrungen. Die "Pride of America" liegt jetzt mit 15 Grad Schlagseite auf Grund.

Gegen 23.30 Uhr hatten Wachmänner den Wassereinbruch bemerkt. Feuerwehrleute beobachteten, dass Wasser durch seitliche Öffnungen im Rumpf lief; die Luken führen während der Bauzeit Kabel und Schläuche ins Schiffsinnere. Zu dieser Zeit tobte über der Stadt ein Sturm mit Böen bis Stärke 10, der jedoch im übrigen Hafengebiet keine Schäden anrichtete.
Gegen Mitternacht verschärfte sich die Situation auf der "Pride of America" dramatisch. Die letzten von rund 200 Arbeitern flüchteten von Bord, als sich das Schiff knirschend gegen die Kaimauer legte und dabei einen Werftkran umriss. Drei Arbeiter verletzten sich leicht.
                      Warum das Wasser durch die Versorgungsöffnungen in das Schiff eindringen konnte, steht noch nicht fest. Normalerweise liegen die Luken deutlich über der Wasseroberfläche. Die Werft wollte gestern nicht zu dem Unglück  Stellung nehmen.
Nach Angaben der Feuerwehr stehen die unteren drei bis vier Decks mit Maschinenraum unter Wasser. Das Schiff liegt mit Steuerbord-Schlagseite auf dem zehn Meter tiefen Grund des Hafenbeckens. Experten mehrerer Bergungsfirmen besichtigten den Schaden. Wann sie damit beginnen können, das Schiff zu heben,  soll heute oder morgen entschieden werden. Bis zur Bergung kann auf dem Neubau nicht gearbeitet werden.
Die "Pride of America" sollte im April fertig gestellt werden. Die US-Reederei NCL will mit dem Schiff Kreuzfahrten rund um die Hawaii- Inseln veranstalten. Die Reederei machte gestern keine Angaben darüber, wie lange sich die Indienststellung der "Pride of America" durch das Unglück verzögert.
Nordsee-Zeitung vom 15.01.2004


Pride of America in Schieflage, Foto Peter Müller

In der darauf folgende Woche begann die holländische Bergungsfirma Smit Salvage mit 15 Tauchern mit den Bergungsarbeiten. Sie begannen damit Öffnungen in der Außenhaut und im überfluteten Maschinenraum zu schließen.



Umbau der Costa Victoria
In der zweiten Januar-Woche traf die "Costa Victoria" zu Umbauarbeiten auf de Lloydwerft ein: sie erhielt zusätzlich 246 Balkone.

Finanzielle Engpässe
Die Bergungsarbeiten an der havarierten "Pride of America" dauerten länger als geplant. Die Nordsee-Zeitung schrieb hierzu: "In zwei bis drei Wochen soll der Neubau, der in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar an der Ausrüstungskaje der Lloyd Werft auf Grund gegangen war, wieder schwimmen. Wir wollen beim Leerpumpen des Schiffes kein Risiko eingehen, sagte Werftchef Werner Lüken. Deshalb warten die Bergungsexperten auf einen Ponton, der die "Pride of America" beim Aufschwimmen stabilisieren soll.
Lüken räumte ein, dass der Unfall die Werft in finanzielle Engpässe gebracht habe. "Wir sind in Gesprächen mit der Reederei, mit Banken, Versicherungen und dem Land, sagte er. Ende nächster Woche solle klar sein, wie weiter verfahren werde."
Lloyd Werft will nach Krise den Neubeginn anpacken
Antrag auf Insolvenz gestellt- Van Betteray übernimmt das Ruder- Morgen wird weiterverhandelt

Bremerhaven. Insolvenzverwalter Wolfgang van Betteray hat auf der Lloyd Werft gestern das Ruder in die Hand genommen. Gestern Morgen hatte Werftchef Werner Lüken beim Amtsgericht den Antrag auf Insolvenz gestellt- Folge des Unglücks des Luxusliners "Pride of America" bei Lloyd.

Mit der vorläufigen Insolvenz soll  nach Angaben von Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) die Werft gerettet werden. Nur so gebe es die Chance, die Arbeit fortzusetzen zu können, sagte er der Belegschaft gestern Morgen einer Betriebsversammlung. An dieser nahmen auch Finanzsenator Dr. Ulrich Nußbaum (parteilos), Bremerhavens Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) teil. "Der Senat hat größtes Interesse dass die Werft auch in Zukunft als wichtiger Arbeitgeber erhalten bleibt." Weil der Auftraggeber der "Pride of America" eine Rate von 37,5 Millionen Euro nicht gezahlt habe, gebe es keine andere Wahl als die Insolvenz, sagte Perschau. Geschäftsführung, Banken, Versicherung und Senat hätten sich auf "die beste Lösung" geeinigt.
Lüken zeigte sich optimistisch, dass die "Pride" bei Lloyd zu Ende gebaut wird. Das Interesse habe die Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) bisher aber nur mündlich bekundet. Morgen gebe es weitere Verhandlungen mit der Reederei. Mit der Bergung des Havaristen solle in der kommenden Woche begonnen werden. "Für die  525 Mitarbeiter der Werft war das eine harte Nachricht",  sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Rosche. Zunächst werde normal weiter gearbeitet. Den Verdienst erhalten die Beschäftigten in den kommenden drei Monaten über das gesetzliche Insolvenzausfallgeld. Er hoffe, dass sich schwierige Lage der Werft nicht zu einem Flächenbrand bei den Zulieferern entwickle, sagte Lüken.
Der Senat ist bereit, die Fortführung des laufenden Betriebes der Lloyd Werft in der Insolvenz mit einer ersten Bürgschaft abzusichern. Damit ist der Insolvenzverwalter in der Lage, Kredite aufzunehmen, um weitere Aufträge annehmen zu können. Die Werft kann so Material und Dienstleistungen bezahlen. Nach Angaben  von Senatssprecher Klaus Schloesser könne in dieser ersten Phase auf Antrag ein Kreditvolumen von 7,5 bis 10 Millionen Euro gewährt werden. Das Geld verschafft der Werft Spielraum, da es sicher vor Ansprüchen aus dem  Insolvenzverfahren ist. Weitere Möglichkeiten, der Werft zu helfen, biete auch der Umstrukturierungsfonds der landeseigenen Bremer Aufbau-Bank.

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 10.02.2004

Parallel zur Insolvenz wurden drei Schiffe routinemäßig überholt: Die beiden schottischen Fähren "Hamnavoe" und "Hrossey" sowie der Containerfrachter "Buxmaster".
Am 13. Februar 2004  begann die erfolgreiche Bergung der "Pride". 15 Pumpen, Schlepper-Assistenz und ein 150 Meter langer Bergungsponton verhalfen dem Luxusliner wieder zu Auftrieb. Die Bergung selbst wurde von vielen Schaulustigen verfolgt. Sie mussten sich bis zum Mittag gedulden, bevor der  280 Meter lange Schiffsrumpf schließlich aufschwamm. Bis zum Nachmittag wurden die unteren Decks weiter ausgepumpt. Bis zu 150 Lloyd-Werker kümmerten sich in den freigelaufenen Decks um die Konservierung der bereits eingebauten Teile, um sie vor Rost zu schützen.

Wasser zerstört Elektrik im Unterdeck
An Bord der "Pride of America": Lloyd-Werker haben mit dem Aufräumen begonnen- Havarist gestern ins Dock verholt

Ölgeruch hängt in der Luft. Unzählige Kabel baumeln von der Decke. Hier in Deck eins liegt das Herz der "Pride of America". Es schlägt nicht mehr, seitdem der Luxusliner an der Reparaturkaje der Lloydwerft auf den Hafengrund absackte. Nach erfolgreich Bergung liegt das Schiff seit gestern wieder im Dock.

Mittags, kurz nach 13 Uhr: Mit einem Schlag wie ein Peitschenknall drückt eine Luftpumpe Wasser aus Hohlräumen unterhalb der schmalen Verbindungsgänge. Es fließt in ein Gewirr von Schlauchleitungen, das an der Kajenseite zum Hafenbecken führt. Andere Schläuche führen zu zwei Ölauffangschiffen, die am Havaristen festgemacht haben. Dorthin wird Schmutzwasser gepumpt, das mit Öl und Diesel belastet ist.
Maschinenbaumeister Volker Butt leuchtet mit einer Taschenlampe in den Maschinenkontrollraum. Die Monitore, an denen die Leistung der sechs riesigen Dieselmotoren abgelesen werden sollte, liegen schräg neben den Halterungen. Steuerpulte mit Joysticks, endlos wirkende Reihen mit Verteilerschränken- "unbrauchbar", resümiert Butt.
"Die komplette Elektrik in diesem Deck", bestätigt Rüdiger Pallentin, einer der Geschäftsführer der Lloyd Werft, "ist durch das Wasser vernichtet worden." Insgesamt, meint er, sehe es weit sauberer aus als befürchtet. Nachdem das Schiff am Freitag gegen 13.30 Uhr wieder auf eigenem Kiel schwamm, mussten 150 Lloyd-Werker bis 22.30 Uhr warten, bevor sie mit dem Aufräumen beginnen konnten.
Mit klarem Wasser werden alle Stahlteile abgespritzt, anschließend mit Konservierungsmitteln eingesprüht. "Das Kriechöl legt sich direkt auf das Metall auch unter Schmutz und Wasser", erklärt Pallentin: "Damit wird die Korrosion gestoppt."
Bis ins vierte Deck hoch stand die Hafenbrühe, nachdem der 280 Meter lange Luxusliner in der Sturmnacht zum 14. Januar havariert war. Nach wie vor sei die Ursache nicht geklärt, so Pallentin. Er tippt auf eine "unglückliche Verkettung mehrerer Umstände".
Die haben zwischenzeitlich dazu geführt, dass auch die Werft in Schieflage gekommen ist. Vor  einer Woche musste sie Insolvenz anmelden. Die jüngste Rate für den 300-Millionen-Auftrag war von Auftraggeberin Norwegian Cruise Line nicht mehr gezahlt worden.
Mehrere Tage wird es noch dauern, bis alle Schäden aufgenommen sind. Die meiste Arbeitet wartet in Deck eins, der Energiezentrale für den Antrieb des Schiffs und den Hotelbereich auf 15 Decks. Unter Wasser standen die Mannschaftskabinen im zweiten und dritten Deck, in denen auch Müllbeseitigungsanlage, Küchen- und Versorgungsräume untergebracht sind.
                          Kaum spürbar geht ein Ruck durch das Schiff, als die letzten Verbindungen zum Bergungsponton "Gigant II" gelöst werden. Am Nachmittag wird der Havarist schließlich ins Dock verholt. Für eine leichte Schlagseite von Fünf Grad sorgen rund 1000 Tonnen Wasser, die noch in Hohlräumen über dem Kiel schwappen. Erst im Dock soll de Rest abgepumpt und der Rumpf gerade ausgerichtet werden.
Die Schadensermittler der Versicherungen haben ihre Arbeit bereits aufgenommen.

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 16.02.2004