Dickschädel als Ladenhüter
Vom Versuch, einen Wasserturm an den Mann zu bringen- Makler: Fühle mich ein Museumsführer



Foto Peter Müller 25.02.2005

Lehe. "Vorsicht, Stufe", sagt Thorsten Brune und leuchtet mit der Taschenlampe auf den kalten Betonboden. Sekunden später zieht er im diffusen Licht den Kopf ein. Ganz automatisch. Brune kennt sich aus im Wasserturm an der Langener Landstraße. Seit anderthalb Jahren sucht der Immobilienmakler nach einem Käufer. Bislang vergeblich.

Wie viele Mal Brune in den vergangenen Monaten die grüne Pforte geöffnet hat, weiß er nicht. "Zu oft" ist alles, was ihm dazu einfällt. Der Makler nimmt es mit Humor. "Manchmal fühle ich  mich wie ein Museumsführer."
Seit nunmehr 120 Jahren steht der 38 Meter hohe Backsteinbau mit dem markanten Dickschädel und dem flachen Kegeldach. Früher versorgte er die Stadt  mit frischem Nass aus dem Langener Wasserwerk. Heute fristet ein Dasein als Ladenhüter.
Eigentümer des Wasserturms ist der Energieversorger SWB. Noch bis Anfang 1997, sagt dessen Sprecher Jörn Hoffmann, habe das Bauwerk als Wasserspeicher gedient. Danach habe man sich für den Verkauf entschlossen. "Wir sind ein technisches Unternehmen", sagt Hoffmann, "unsere Möglichkeiten sind ausgeschöpft."


Wasserturm Langener Landstraße, Foto Peter Müller 25.02.2005

Im Keller des Turms sind Fragmente von Rohrleitungen zu erkennen. Eine enge Holztreppe führt vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Die Wände zwischen den verwinkelten Räumen sind rot angemalt. Neben zugemauerten Fenstern scheint das Licht durch Glasbausteine herein.
An der Außenwand entlang geht es nach oben. Im zweiten Stock gibt es keine Zwischenwände, nur eine einzige runde Fläche, lange schmale Fenster- und wieder eine Treppe. Eine Etage darüber das gleiche Bild. In zehn Metern Höhe schließt der Wassertank den Raum wie ein Korken ab. Es riecht moderig. An der Kleidung haftet der Putz von der Wand. "Ab hier sollte man sich nur noch mit Blaumann fortbewegen", sagt Brune.
Das ungemütliche Ambiente im Innern sei nicht der Hauptgrund für den Leerstand, versichert der Makler. Bei einigen Interessenten wie Gastronomen und Werbeateliers sei der Kauf an der Finanzierung gescheitert. Die Hoffnung auf ein Geschäft hat er trotz allem noch. "Da fahren täglich so viele Leute vorbei", sagt er. "Und ein Hingucker ist der Turm allemal."

Textquelle: NZ vom 22.02.2005