Rolf Friese übergibt seine umfangreiche
Lale-Andersen-Sammlung der Stadt Bremerhaven
Mit der "blauen Nacht am Hafen" begann Rolf Frieses Leidenschaft Lale
Andersen. Dieses Lied gab den Anstoß für eine Sammlung von Fotos und
Schallplatten, die heute fünf Alben und viele Dutzend Platten umfasst. Gestern
schenkte der 62-jährige Lale-Andersen-Fan alles der Stadt Bremerhaven und
vermehrte damit die Sammlung über "Bremerhavens berühmteste
Tochter", die hier am 23. März 1905 als Lieselotte Helene Brunnberg
geboren wurde.
Wohl ein Dutzende Male ist Rolf Friese der berühmten Künstlerin begegnet,
bevor sie am 29. August 1972 starb. "Das erste Mal passierte es 1961 in der
Strandlust Vegesack" berichtet Friese. Er hatte dort früher einmal als
Kellner gearbeitet und wusste deshalb, wie er in das ausverkaufte Haus gelangen
konnte. Mit einem Blumenstrauß in der Hand bat er Lale Andersen in ihrer
Garderobe um ein Autogramm. Es war der Beginn einer mehr als zehnjährigen
"guten Bekanntschaft", wie der in Bremen geborene Friese betonte. Wie
Lale Andersen es ihm versprochen hatte, bekam er kurz nach dem Vegesacker
Konzert per Post ein paar Fotos von ihr zugeschickt.
Was er sonst noch in Zeitschriften und anderswo aufstöbern konnte, klebte er in
Alben ein, die er bei den Begegnungen auch der Künstlerin vorlegte.
"Meinem treuen, seßhaft gewordenen Rolf von seiner Lale, die nun auch
Anker werfen will", schrieb sie am 3. April 1967 als Widmung in das grüne
Album. Dass Lale Andersen sich die Sammler-
gebnisse ganz genau betrachtet haben muss, zeigt ein anderes Beispiel. Da
hatte Rolf Friese ein Illustriertenbild nicht besonders sorgfältig aus-
geschnitten, so dass sein Star die fehlenden Haare mit Füller nachzeichnete und
dazu schrieb: "Bitte nicht noch mal skalpieren, Rolf!" Die
persönlichen Gespräche vor oder nach einem Konzert hat Rolf Frese bis heute in
guter Erinnerung behalten: "Jedes Zusammentreffen mit ihr war eine große
Freude."
Gegenüber Lales Liedern sei er durchaus kritisch geblieben, betont Rolf Friese:
"Bei Titeln wie "Mylord" etwa habe ich schon gedacht, ach, hätte
sie das man lieber gelassen." Aber gekauft hat er sich die Platte dann
natürlich trotzdem. Ob er wirklich alle Titel von ihr zusammen bekommen hat,
möchte er nicht behaupten. "Aber es dürfte eine ziemlich komplette
Plattensammlung sein", meint er. Hören kann er sie nicht mehr, weil er
inzwischen keinen Plattenspieler mehr im Haus hat. Aber die meisten Sachen hat
er auf CD, und sie gefallen ihm immer noch sehr gut.
Für den Bremerhavener Kulturstadtrat Wolfgang Weiß ist das Geschenk eine
große Bereicherung. Zwar sei an so etwas wie ein Lale-Andersen-Museum zurzeit
überhaupt nicht zu denken, aber Sonderausstellungen und Ähnliches wird es nach
seinen Worten bestimmt wieder geben, beispielsweise zum 100. Geburtstag der
Sängerin im Jahre 2005. "Lale Andersen ist eben eine von uns und ein
Stück Bremerhavener Stadtkultur", betont Weiß. Deshalb will er die
Hoffnung auf eine dauerhaftere Präsentation nicht fahren lassen. "Manchmal
gewinnen solche Sammlungen ja auch eine Eigendynamik", sinniert der
Bremerhavener Kulturstadtrat. Dem Lale-Andersen-Sammler Rolf Friese ist all das
recht. "Die Sachen standen bei mir zuletzt sowieso nur noch im Abstellraum
und wurden nur ab und zu noch mal hervorgeholt", sagt er. Und sein
14-jähriger Sohn könne die Musik zwar ertragen, aber sein Interesse halte sich
doch deutlich in Grenzen. "Wir werden alle ihre Schätze in Bremerhaven gut
aufgewahren", verspricht Stadtrat Weiß.
Weserkurier vom 20. Februar 2001