


Erinnerungen an Lale und Adenauer
Altes Foto macht Begegnung lebendig
Der Alte aus Rhöndorf und die junge Schlagersängerin: Eine Begegnung, die noch
heute durch die Familiengespräche der Adenauers geistert. Ein Foto mit Lale
Andersen und dem früheren Bundeskanzler ließ die Erinnerung bei dessen
Enkeltochter Irene Dieckmann-Adenauer gestern noch einmal lebendig werden.
"Ja, sie ist in unserem Haus in Rhöndorf gewesen", sagt die
Diplomatenfrau. Auf ihren Bruder müsse die Besucherin aber einen tieferen
Eindruck hinter-
lassen haben als auf sie, denn der könne sich noch genau daran erinnern.
"Sie muss meinen Großvater offenbar sehr geschätzt haben", meint die
Enkelin. Im Gegensatz zur heutigen Medienpräsenz von Politikern seien diese
Begegnungen seinerzeit aber nicht groß zur Schau gestellt worden. "Sie
waren mehr persönlicher Natur."
Ein Foto von dem Zusammentreffen gibt es dennoch, und dieses Bild hatte Kapitän
Hans-Joachim Möller für Irene Dieckmann-Adenauer reproduzieren lassen. Es
zeigt auch, dass die aus Bremerhaven stammende Lili-Marleen-Sängerin damals
nicht mehr so jung war, wie es in der Erinnerung schien: "Wohl schon in den
Fünfzigern", meint Irene Diekmann-
Adenauer bei näherer Betrachtung von Lales wettergegerbtem Gesicht unter dem
lampenschirmförmigen Pelzhut.
Ob es die Lieder oder die Persönlichkeit der Andersen waren, die Adenauers
Gefallen fanden, weiß sie nicht zu sagen. "Mein Großvater war ein großer
Musikliebhaber", erinnert sie sich. Doch wenn der abends nach Hause kam,
drehten sich eher die Kantaten von Bach auf dem Plattenteller als die
"Blaue Nacht am Hafen".
Weit gereister Hausstand
Nicht weit von Lales Geburtshaus entfernt machten die Adenauer-Enkelin und
ihr Mann, der ehemalige deutsche Botschafter in Indien und Japan, Dr.
Heinrich-Dietrich Dieckmann, schon zum wiederholten Male Station. Doch die Reise
diente noch einem anderen Zweck. Mit dem schon mehrmals um die Welt gereisten
Hausstand des Diplomatenehepaares hatte es Probleme gegeben, die Kapitän
Möller ihnen als Sachverständiger zu lösen half. "Unser Möbel sind ja
immer mit verschickt worden, wenn wir in ein neues Land gesandt wurden",
erzählt Dieckmann. "Ich glaube, die waren schon häufiger in Bremerhaven
als wir."
Nordsee-Zeitung vom 11. August 2000