Lale Andersen

(Lieselotte Helene Berta Bunnenberg)

* 23.3.1905 in Bremerhaven-Lehe.
gest. 29.8.1972 in Wien.

Die Geschichte der Lale Andersen

Bremerhavens größte Tochter wird am 23. März 1905 im Stadtteil
Lehe geboren - allerdings unter dem Namen Lise-Lotte Helene
Bunnenberg. Die Leher Deern stammt aus der Familie eines
Schiffsstewards in der Lutherstraße 8. Schon als 19jährige heiratet
sie in ihrer Heimatstadt den Maler Paul Ernst Wilke, mit dem sie
drei Kinder hat: die Söhne Björn und Michael sowie Tochter
Carmen-Litta. Doch die Familie ist ihr weniger wichtig als die
Karriere: Sie lässt sich als Sängerin und Schauspielerin ausbilden,
will bekannt werden. Nach dem Ende der Ehe mit Paul Ernst Wilke
bringt sie ihre Kinder bei Verwandten unter und geht Anfang der
dreißiger Jahre nach Berlin. Den Durchbruch unter dem
Künstlernamen Lale Andersen schafft sie am berühmten Kabarett
der Komiker.
1939 nimmt sie "Lili Marleen" mit den Versen von Hans Leip und
der Musik von Norbert Schultze auf. Die eingängige Melodie wird
über Nacht zum Lieblingslied der Landser, nachdem sie der
Soldatensender Belgrad zum Sendeschluss gespielt hat. Ein
unheroisches Lied statt der üblichen Durchhalte- und
Kriegspropaganda, wie Josef Goebbels durchaus richtig erkennt.
Doch selbst der Nazi-Propagandachef schafft es nicht, "Lili
Marleen" aus dem Programm zu verbannen.

Lilli Marleen
(Norbert Schultze- Hans Leip)

Vor der Kaserne,
Vor dem großen Tor,
Stand eine Laterne
Und steht sie noch davor.
So woll`n wir uns da wiederseh`n,
Bei der Laterne woll`n wir steh`n,
Wie eins, Lilli Marleen.

Unsere beiden Schatten
Sah`n wie einer aus,
Dass wir so lieb uns hatten,
Das sah man gleich daraus.
Und alle Leute soll`n es seh`n,
Wenn wir bei der Laterne steh`n,
Wie einst, Lilli Marleen.

Schon rief der Posten:
Sie blasen Zapfenstreich,
Es kann drei Tage kosten!
Kamerad, ich komm`ja gleich.
Da sagten wir Aufwiederseh`n.
Wie gerne wollt`ich mit dir geh`n,
Mit dir, Lilli Marleen!

Deine Schritte kennt sie,
Deinen schönen Gang.
Alle Abend brennt sie,
Mich vergaß sie lang.
Und sollte mir ein Leid gescheh`n,
Wer wird bei der Laterne steh`n,
Mir Dir, Lilli Marleen?

Aus dem stillen Raume,
Aus der Erde Grund,
Hebt mich wie im Traume
Dein verliebter Mund.
Wenn sich die später Nebel
dreh`n,
Werd`ich bei der Laterne steh`n
Wie einst, Lilli Marleen.

Nach dem Krieg geht die Karrierekurve der norddeutschen
Blondine zunächst nach unten. Lale Andersen muss durch die
Provinz tingeln, wird zum Stammgast im "Hafenkonzert" von Radio
Bremen. 1959 feiert sie ein glanzvolles Comeback mit einem Hit,
mit dem sie in Deutschland sogar die Originalinterpretin Melina
Mercouri übertrifft: "Ein Schiff wird kommen", die Titelmelodie aus
dem Film "Sonntags nie".

Doch es wird immer "Lili Marleen" sein, die für ihren
unvergänglichen Ruhm sorgt. Das zeigt sich auch 1969 in einer
Umfrage der Londoner "Times", bei der sie noch zu ihren
Lebzeiten in die Liste der bekanntesten Persönlichkeiten des 20.
Jahrhunderts eingereiht wird. Drei Jahre später stirbt sie mit 67 in
einer Wiener Privatklinik und wird, ihrem Wunsch entsprechend,
auf der Nordseeinsel Langeoog beigesetzt. In ihrer Geburtsstadt
Bremerhaven erinnert seither eine Laterne an der Linzer
Straße zwischen Stadttheater und der "Bürger" an die berühmteste
Bremerhavenerin des 20. Jahrhunderts.

Ab 2. Juni 2000 ist im Weser-Forum der Nachlass von Lale Andersen zu sehen. Zu den Erinnerungsstücken, die ihre Tochter Carmen-Litta Magnus der Seestadt vermachte, gehören Bücher, Schallplatten, Fotoalben,
Presseartikel, Schriftwechsel, Noten, Plakate, ein Tagebuch von
1950, Porträtfotos und zwei Bühnenkleider. Und Fan-Post, etwa
von Walter O. aus Frankfurt. Der sandte Lale Andersen ("Sehr
verehrte gnädige Frau") 1965 ein "Lili Marleen"-Bild, das ein
Gefreiter während des Russland-Feldzuges 1942 gezeichnet
hatte.

"Damals war ich Angehöriger der 10. Panzer-Division", schrieb
Walter O., "und wir lagen in einer kurzen Ruhepause in Kamenka,
30 km ostwärts von Smolensk, wo auch wir Ihr Lied hörten." Und er
schickte das Bild mit dem Mädchen an der Laterne "in der
Hoffnung, dass Sie es annehmen zum Zeichen dafür, dass wir Sie
gern hörten und uns der Sinn nicht nur danach stand, Menschen zu
töten".

Es gibt nicht nur einen Nachlass, sondern auch noch ein Foto von einem Treffen mit Konrad Adenauer.

Lale Andersen liegt seit ihrem Tode im August 1972 auf dem Dünenfriedhof der Insel Langeoog begraben.


Sonnenhof, Haus von Lale Andersen auf Langeoog

Ihre große Liebe, der Komponist und frühere Hamburger Staatsopern-Intendant Rolf Liebermann, sah sie zuletzt kurz vor ihrem Tod. " Ich möchte so gern mal wieder Spargel essen, Liebi", hat sie ihm gesagt. Er hat es ihr erfüllt. Manche ihrer treuen Fans fahren einmal im Jahr nach Langeoog, um auf ihr Grab Rosen zu legen- stille und traurige Gesten für eine Frau, die in Deutschland viel zu viele Lieder vom Meer singen mußte und darüber nur wenig Gelegenheit fand, mehr von dem zu zeigen, was sie auch noch kann: Lieder aus einem aufregenden Leben.
________________________________________________________

Nachtrag zur künstlerischen Laufbahn:
Nach dem Besuch der Schauspielschule Engagement in Zürich. Chansonsängerin am Berliner "Kabarett der Komiker". Wurde weltberühmt durch durch das Soldatenlied "Lili Marlen" (1939). Auch als Schriftstellerin hervorgetreten ("Wie werde ich Haifisch? - Ein heiterer Ratgeber für alle, die Schlager singen, texten oder komponieren wollen.", 1969). Weitere Titel: "Unter der roten Laterne von St.Pauli", "Blaue Nacht am Hafen", "Ein Schiff wird kommen", neuerdings plattdeutsche Volkslieder. Produzent: Nils Nobach. (aus "Schlager in Deutschland", hrsg. von Siegmund Helms, 1972, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden)

Sie ist in Bremerhaven geboren und immer ein echtes Kind der Waterkant geblieben. Lilli Marleen. Sie war hier  von 1922 bis 1931 mit dem Maler Paul Ernst Wilke zusammen. Nach dem Besuch der Schauspielschule erhielt sie ihr erstes Engagement in Zürich. Später ging sie nach Berlin, wo sie auch als Chansonsängerin in dem damals weltberühmten "Kabarett der Komiker" auftrat. Einmal, schon in den Kriegsjahren, ging eines ihrer Lieder über den Rundfunk  wie andere vorher auch, aber hier war urplötzlich der Volltreffer einer ganzen Dekade erzielt - sein Titel "Lili Marlen".
Erst nach vielen Jahren konnte Lale Andersen an die einstige Popularität anknüpfen; mit Aufnahmen wie "Unter der roten Laterne von St. Pauli", "Blaue Nacht am Hafen" und "Ein Schiff wird kommen" errang sie das begehrte Plattengold. Die Künstlerin trat erfolgreich in vielen TV-Shows auf, verfaßte Bücher und wandte sich in den letzten Jahren auch dem plattdeutschen Volkslied zu. (Text von dem K-tel Sampler "Deutsches Gold" 25 Original Hits, 1971.)

Teer, Tang und Träume sind in dieser Stimme. Aber nicht nur das. Lale Andersen, Seemannstochter von der Waterkant, kommt vom Kabarett.
Im alten "Simpl" zu München war Lale als lütte Hamburger Deern und
Senatorenausgabe von "Klein-Erna" zu Füßen von Joachim Ringelnatz, Walter Hillbring und Fred Endrikat gesessen, mager wie eine Segelstange und weizenblond wie Lilofee. Und hatte gesungen. Da genügte ein Schal, ein rotes Hütchen, ein Bastkorb, ein Netz, eine langsame Drehorgelbewegung, um sie wundersam zu verwandeln und Atmosphäre zu zaubern. Lale Andersen beherrscht die Kunst der Nuance auf den Millimeter. Die Natur hat sie mit einer Gabe bedacht, die im deutschen Raume, auch wo sie zum Metier gehört, ausgesprochene Mangelware ist. Wir meinen Lales beinahe schon gallischen Esprit.

Willi Schaeffers, unvergessener Chef des unvergessenen "Kabarett der Komiker", erkannte als erster die Talente. Die flachshaarige Maid stand auf den Brettern einer literarischen Kleinkunstbühne in Berlin und sang Shanties. Schaeffers holte sie ins "KadeKo". Es folgte die allererste Andersen-Schallplatte: "Der Junge an der Reling".

Der anderen Andersen, der mit dem beinahe schon gallischen Esprit, begegnet man indem Chanson "Warum hat der Napoleon" aus "Napoleon ist an allem schuld", jener gallischen e-sprit-zigen Filmkomödie von Curt Goetz. Oder in der Pariser Miniatur "Madeleine". Beide Lales, die Seemannsgarnspinnerin und die Kabarettistin, treffen sich in dem Song "In Japan ist alles so klein" - von Kurt Tucholsky. (Text auf der Rückseite der Ariola-Eurodisc-Schallplatte 40 370 CU)


_______________________________________________________________________
Literaturangaben:
1) Litta Magnus Andersen: Lale Andersen die Lilli Marleen, Ullstein Verlag 1991
2) Lale Andersen, Fernweh. Bear Family Records. P.O.Box 1154 D 27727 Hambergen- Germany Tel.: 04794-9300-0, Fax: 04794-9300-20
LC 0309
3) Michael Wilke, Künstlerkind,  Biografie erschienen Dezember 2009, 19,80€ ISBN 9783940490124

Bremerhaven, den 17.02.2010