Bei der Beschäftigung mit der Geschichte der Tecklenborgwerft
in Geestemünde, trifft man auch auf die Hamburger Reederei F.Laeisz.
Unter ihrer Flagge "FL" liefen die berühmten Flying P-Liner wie "Potosi",
"Preussen" und "Padua".
Wer war F. Laeisz, woher kommt diese Firma und wieso gibt es in Hamburg immer noch ein Handelskontor mit demselben Namen?
Ferdinand Laeisz hatte mit Schiffen eigentlich nichts
am Hut, er war Hutmacher und träumte davon zur See zu fahren. Seinen
eigenartigen Nachnamen hat er der Schusseligkeit eines Standesbeamten zu
verdanken.
Aus dem Hutmacher wurde über die Jahre ein
erfolgreicher Geschäftsmann für Ex- und Import, der regen Handel
mit Südamerika trieb und dort nach und nach eigene Niederlassungen
errichtete.
In den Jahren nach 1836 unternahm F. Laeisz viele geschäftliche
Seereisen England, Belgien usw. Diese brachten ihn auf die Ideen ein eigenes
Schiff bauen zu lassen. Es sollte nicht das einzige bleiben.

Zusammen mit 40 weiteren Hamburger Firmen gründete der Hutmacher, als Großaktionär wohlgemerkt, im Jahr 1847 die "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Aktiengesellschaft" (HAPAG). Ferdinand Laeisz, Adolf Godeffroy und Ernst Merck wurden ins Direktorium gewählt.
Ferdinand Laeisz war also einer der drei ersten HAPAG-Direktoren.
Es soll hier nicht die Geschichte der Reederei Laeisz dargestellt werden. (Vgl. Hans-Georg Prager: F.Laeisz- Vom Frachtensegler zum Kühlschiff Containerschiff und Bulk Carrier, Koehler Verlag Herford 3. Auflage 1994)
F. Laeisz war an der Gründung vieler großer deutscher Reedereien wie z.B. Deutsche Afrika-Linien. Gemeinsam mit 18 anderen Hamburger Kaufleuten gründete er die "Vereinigte Bugsier- und Frachtschiffahrts-Gesellschaft" (heute Bugsier-, Reederei- und Bergungs-AG).
Neben Handel und Schiffahrt hatte das Handelskontor Laeisz noch ein drittes Standbein das Schiffskasko- und Warenversicherungswesen. Um alle Hamburger Seeversicherer räumlich zu vereinigen wurde im Jahr 1897 der imponierende Bau an der Trostbrücke Nr. 1 gebaut. Der Laeiszhof
existiert auch heute noch fast originalgetreu renoviert. Dort sind folgende Firmen ansässig:
- Laeisz, F. und Handelskontor GmbH & Co, Trostbrücke 1. 20457 Hamburg
- Laeisz, F. Schiffahrtsgesellschaft mbH & Co, gleiche Adresse
Als Laeisz um 1886 die Salpeterroute ums Kap Hoorn zum Hauptinteresse seines Reedereigeschäftes machte, hatte die Eröffnung des Suezkanals das Gros der Segler aus der Tee- und Reisfahrt von Ostasien nach Europa vertrieben. Die Segelschiffahrt befand sich endgültig auf dem Rückzug.
1882 lief bei Joh. C. Tecklenborg, Geestemünde
(heute Bremerhaven), die "Placilla" vom Stapel- die erste Viermastbark.
Mit dem Auftreten der Viermastbark bekam auch die Reederei
Laeisz den Schub zum Aufstieg. Die Schiffe wurden immer größer,
und es wurde notwendig ihnen vier Masten zu geben, um ihnen ein gutes Gleichgewicht
zu geben. Sie wurden handlicher und vier Masten gaben ihnen bessere Manövriereigenschaften.
An "Placilla" und "Pisagua" konnte man die Überlegenheit
des Viermasters auf der Salpeterfahrt erkennen. Tatsächlich waren
auf allen Laeisz-Vier- und Fünfmastern die Masten aus Stahl.
Mit "Placilla" und "Pisagua" war ein neuer Schiffstyp geschaffen, der Vorbild für das Aussehen aller künftigen Laeisz-Segler werden sollte: Nicht nur Back und Poop waren, wie bei den früheren Schiffen, erhöht, sondern zusätzlich befand sich in der Schiffsmitte ein sogenanntes Hochdeck, das als Kommandobrücke fungierte. Kartenhaus und Ruderrad bzw. Ruderhaus waren hier installiert. Auf der Poop befand sich fortan nur noch ein Notruder. Der Wachhabende Offizier und die Rudergänger waren auf dem Hochdeck vor den gefährlichen mitlaufenden Seen sicher, die vor Kap Hoorn schon manchens Unheil angerichtet hatten.
"Das erste Nonplusultra unter den Schwerwetterseglern der "Flying P-Liner" wurde die "Potosi", die 1895 bei Joh. C. Tecklenborg, Geestemünde, fertiggestellt wurde. Dieses 111,6 m lange Schiff trug 6500 t Ladung. Kapitän Robert Hilgendorf hatte schon die Bauaufsicht beim Entstehen seines "Traumschiffes, dessen Linienriß, dessen Linienriß so recht nach seinem Geschmack und Vorschlägen entstanden war- ein Werk des genialen Konstrukteurs Georg W. Claußen. Schiff und Kapitän hatten sich sozusagen gesucht und gefunden, denn was Hilgendorf aus diesem Fünfmaster herausholte, schien bereits an Zauberei zu grenzen. Nicht allein, daß fast sämtliche Reisen unter 70, in einem Falle sogar unter 60 Tagen blieben: Die Potosi war ein besonders geglückter Dauerbrenner, der die höchsten aufeinanderfolgenden Etmale in der Geschichte der Segelschiffahrt zustandegebracht hatte. Hilgendorf beherrschte dieses Instrument so virtuos, daß er einen für irreal gehaltenen Wunsch seines Reeders verwirklichte: Zwei komplette Chile-Rundreisen pro Jahr!" (Hans-Georg Prager: F.Laeisz- Vom Frachtensegler zum Kühlschiff Containerschiff und Bulk Carrier, Koehler Verlag Herford 3. Auflage 1994, S. 57)
"Im Jahre 1902 wurde bei Tecklenborg, Geestemünde, das einzige Fünfmastvollschiff der Welt und der damals größte Segler ohne Hilfsantrieb an die Flying P-Line abgeliefert- die PREUSSEN.
An Bord der Preussen (Landesmedienanstalt Hamburg/Foto: J.u.H.Hamann)
Dieser Riese, der jeweils 8000 Tonnen Salpeter nach Europa trug, war zwar nicht- wie immer wieder fälschlich behauptet wird- der überhaupt größte Segler der Welt. Aber er war technische Vollendung in jeder Form- die Verwirklichung jenes Planes, den man beim Tod von Carl Ferdinand Laeisz in dessen Schreibtisch gefunden hatte." (ebenda S. 59)
Flying P-Liner, die bei Tecklenborg in Geestemünde gebaut wurden waren "Padua", "Pangani", "Parchim" und "Pera", "Pisagua", "Placilla", "Potosi" und "Preußen".